Geburtsort:

Klinik

Liebe Kristin,

endlich, endlich schreibe ich dir!

Seit der Geburt unseres Kleinen (…) sind nun schon vier Monate vergangen und erst jetzt habe ich verstanden, dass man als Mama von zwei kleinen Mäusen nicht auf die große mönchische Ruhe warten sollte, wenn man einen Brief schreiben möchte J (…)

Die Podcastfolge vom vergangenen Sonntag hat wohl den Ausschlag gegeben, dass ich gerade tue, was ich eben tun möchte, nämlich dir schreiben. Deine Worte haben (wieder!) sehr geholfen 😉

Es geht uns richtig, richtig gut. Der Kleine guckt seit den ersten Tagen ganz wach in die Gegend, lacht mit weit offenem Mund und grinst bis über beide Ohren. Mit drei Monaten hat er angefangen sich zu drehen und ist – im Gegensatz zu B. damals mit seinen Trinkschwierigkeiten und Nackenblockaden – unglaublich fit. Wie meine Beleghebamme eben sagt: „Es spielt eine Rolle, Wie man geboren wird.“ Und da kann ich dieses Mal wirklich sagen: Es war für mich eine ganz intensive und positive Erfahrung – so positiv, wie die erste Geburt furchtbar war.

Mittlerweile schaffe ich es auch, mir die Bilder von damals anzusehen, wie ich kurz nach der Geburt im Kreißsaal liege. (…)

Ganz anders die Bilder dieses Mal; da gleicht das Lächeln eher jemandem, der auf einer Berghütte sitzt, mit ´ner Maß Bier vor sich auf dem Tisch.

Mir hat deine Methode unglaublich viel geholfen, glaube ich. Wegen Corona konnte ich meine Trauma-Therapie nicht ganz zu Ende bringen – so ein, zwei Sitzungen hätten noch gefehlt, in denen meine Therapeutin eigentlich einen „sicheren Ort“ mit mir installieren wollte, um das Erreichte zu festigen. Just in diesem Moment bin ich ja auf deinen Kurs gestoßen.

Wenn ich so drüber nachdenke, dass die tägliche Meditation/Hypnose, wie du sie anbietest, für mich in zweierlei Hinsicht wichtig und effektiv war: Zum einen hat sie mir jeden Tag Zeit verschafft, mich an diesen Ort zu bewegen und mich dabei angeleitet. Auch die körperlichen Entspannungselemente waren für mich retrospektiv, also in der Traumaverarbeitung, extrem hilfreich. Und zum anderen konnte ich durch die Hypnosen täglich das Bei-mir-sein und das Bei-meinem-Kind-sein üben, was während der Geburt für mich wirklich den Ausschlag gegeben hat.

Denn ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, ob oder inwieweit mein Zustand während der „Wehen“zeit demjenigen in den Übungshypnosen geglichen hat. Ich hatte dich auch die ganze Zeit im Ohr – erst als das Baby da war, habe ich die Ohrstöpsel abgemacht. Aber während der Kontraktionen habe ich dich nicht gehört; da war ich jedes Mal viel zu sehr bei mir bzw. bei diesem Geschehen. Aber anders, als bei der ersten Geburt damals, habe ich die Kontraktionen nicht wie einen Tsunami oder wie einen Gegner erlebt, sondern mein Eingenommensein hatte eher etwas von einem faszinierten Anschauen. (…) Und das ist auf jeden Fall dein Verdienst. In sämtlichen Kursen, die ich sonst gebucht habe und in vielen Gesprächen war der Tenor unterm Strich: „Da muss man halt durch.“

((Wobei, zugegeben; es gab einen Moment, kurz vor der Geburt, in dem ich dachte „Also, der Kopf, den ich da in mir fühle, der ist ja riesig, das kann nie und nimmer funktionieren.)) (…)

Mir hat sehr deine Aussage geholfen, Geburt sei ein innerer Vorgang. Man macht sie nicht und muss trotzdem ganz viel dafür üben. Verrückt.

Übrigens ging´s dieses Mal nicht wesentlich schneller, es waren wieder etwa 19 Stunden. Allerdings haben wir letztes Mal 7 Stunden im Kreißsaal verbracht und dieses Mal nicht mal eine. Die meisten cm konnten wir also zu Hause machen. Meine Beleghebamme ist sehr erfahren und cool bis dorthinaus, aber überhaupt kein akademischer Typ. Gegen Ende der Geburt sind die Herztöne immer wieder abgerutscht – es stellte sich dann heraus, dass die Nabelschnur um Hals und Körper gewickelt war, kein Wunder bei dem Gezwapsel die ganze Schwangerschaft über. Meine Hebamme hat einfach kurzerhand den Alarmton vom CTG-Gerät ausgestellt, nach dem Motto „So ein Generve können wir jetzt nicht gebrauchen; wir sind eh gleich fertig hier.“

Für uns als Paar war es eine wunderbare Erfahrung. Dieses Mal konnte M. im Kreißsaal einfach neben mir sein (…) und für mich war es ganz wichtig, seine Hand zu spüren. Ich hatte ihm ab und zu erzählt, was ich da übe, aber nicht gemeinsam mit ihm Vorbereitungen gemacht. Er ist ein sehr ruhiger und sensibler Typ und hat sich automatisch ins Geschehen eingefügt.

Normalerweise treibe ich mich nicht so sehr im Netz rum, aber ich will versuchen, dir noch eine gute Bewertung zukommen zu lassen. Aber vielleicht sind mündliche Empfehlungen ebenso gut… das mach ich auf jeden Fall! (…)

Sei ganz herzlich gegrüßt und hab nochmals vielen Dank für dein Engagement – ich will mir nicht vorstellen, wie diese Geburt ohne dich verlaufen wäre. Durch deine Vorbereitung war alle ganz ruhig und zuversichtlich.

Herzlich, deine A.