Geburtsort:

Klinik

Geburtsbericht C.

04.02.2021 | 03:43 Uhr | 3.440 g | 50 cm | 35 cm Kopfumfang

Eine friedliche Geburt voller Verbundenheit – ACHTUNG: Ich bin keine Frau weniger Worte.

Der Beginn meiner Schwangerschaft war durch viele schmerzhafte Krampfanfälle geprägt. So wurde die Schwangerschaft in der 5. SSW im Krankenhaus festgestellt, da ich dachte, die Krämpfe wären eine Darmerkrankung o.ä. Nach ca. drei Wochen waren die Anfälle vorbei und ich dachte, wenn die Wehen nur halb so schlimm werden, wird die Geburt sehr herausfordernd für mich…

Meine Schwangerschaft flog dann einige Wochen und Monate nur so an mir vorbei, da ich beruflich sehr eingespannt war und mir nach Feierabend jegliche Energie fehlte. Ich hatte häufig ein schlechtes Gewissen meinem Baby gegenüber, aber war in dem Strudel gefangen. Im Oktober begann ich meine Hunderunden mit dem Podcast „Die Friedliche Geburt“ zu verbringen. Mehrfach wurde mir der Podcast empfohlen und ich fand die ersten Folgen bereits sehr ansprechend. Bis zum Beginn meines Mutterschutzes nahm ich mir allerdings keine wirkliche Zeit, mich mit dem Online-Kurs näher zu befassen. Nachdem ich den kostenlosen Testzugang heruntergeladen und per Mail nachgefragt hatte, ob die Zeit nun nicht wirklich zu knapp wäre, habe ich mich dann in SSW 35 dazu entschlossen, den Kurs zu buchen. Vorab: Es war die beste Entscheidung!

Ich begann also die einzelnen Module zu verschlingen und fühlte mich wie in Online-Vorlesungen. Ich hatte Spaß daran, die Informationen aufzusaugen. Nebenbei begann ich die Meditationen zu üben – vor allem die „Geburtsvorbereitung – lang“. Nicht immer war es einfach, mich zu motivieren und die Zeitpunkte am Tag zu finden, an denen ich üben wollte. Aber im Großen und Ganzen habe ich täglich etwas geübt.

Der Mutterschutz hat viel Entspannung in unseren Alltag gebracht und der kleine Bauchbewohner hat sich innerhalb von zwei Wochen aus einem „kritischen“ zu gering entwickelten Bereich wieder auf die Normkurve bewegt. Ich muss sagen, dass ich die ganzen Ultraschalluntersuchungen und Messungen immer skeptisch betrachtet habe. Ich finde es einfach zu viel und auch, wenn ich grundsätzlich immer überzeugt war, dass alles gut ist und der Kleine sich holt, was er braucht, hat es mich unterbewusst beschäftigt.

Der kleine Mann hat sich dann zum Ende reichlich Zeit gelassen und an ET+9 haben meine Frauenärztin und Hebamme angeraten, einen Rizinuscocktail zu Hause zu trinken, da ich am ET+10 stationär ins Krankenhaus gemusst hätte. Vorher habe ich alle möglichen Hausmittelchen (Datteln, Himbeerblättertee…) versucht.

Ich habe also am Morgen des 03.02.2021 ab 07:00 Uhr jeweils im Abstand von einer Stunde je einen Cocktail getrunken. Der dritte verabschiedete sich direkt wieder mit sämtlichem Mageninhalt aus meinem Körper – eine abführende Wirkung habe ich überraschenderweise nicht erlebt. Generell war meine Gemütslage an diesem Morgen etwas überfordert, sensibel und weinerlich – eher untypisch für mich. Alle Klassiker von Badewanne über Spaziergang habe ich gemacht. Ab 10:30 Uhr konnte ich erste Krämpfe verspüren, die ich als Wellen einordnete. Der Bauch fühlte sich hart an und ich hatte ein Ziehen im rechten Schambeinbereich. 12:00 Uhr hatte ich noch einen Termin bei meiner Hebamme und Frauenärztin und das CTG bestätigte zum ersten Mal Wellen. Ich übte ab diesem Zeitpunkt die tiefe Bauchatmung und habe mich zurück zu Hause dann erst einmal mit der „Hypnose während der Geburt“ ins Bett gelegt. Nach kurzem Überlegen habe ich mir dann einen Wellentracker heruntergeladen. Ich bin einfach ein Kopfmensch, der Statistiken liebt. Ganz entspannt habe ich die Wellen aufgezeichnet und hatte diese im Abstand zwischen zwei und sieben Minuten und mit einer Dauer von 30 Sekunden bis eine Minute.

Nach einer Weile im Bett beschloss ich, mich etwas mit Fernsehen abzulenken. Gegen 16:00 Uhr informierte ich meinen Mann, dass er ggf. nicht länger als nötig in seiner Firma bleibt und dass es heute noch los gehen könnte. Zu Hause hat er mich gut umsorgt. Wir haben gegessen und beschlossen, uns noch gemütlich ins Bett zu legen, TV zu schauen oder die Hypnose zu hören. Beim Toilettengang bemerkte ich dann gegen 19:30 Uhr, dass der Schleimpfropf abgegangen war. Ich rief daraufhin meine Hebamme an und bat sie, mich abzuhalten ins Krankenhaus zu fahren. Ich wollte so lange wie möglich zu Hause bleiben, damit mein Mann keinesfalls wieder weggeschickt wird und ich allein im Krankenhaus bleiben muss. Allerdings riet meine Hebamme lieber zu fahren, da sie meine Atmung als intensiv wahrnahm und nach Abgang des Schleimpfropfes und der Regelmäßigkeit der Wellen doch schnell ein Blasensprung kommen könne. Sie riet allerdings noch, bis zum Schichtwechsel in der Klinik durchzuhalten. Ich ging noch in Ruhe duschen und mein Mann packte das Auto – ein Schonbezug und Handtücher waren dabei, falls uns unterwegs ein Blasensprung ereilen sollte. Ich hatte auch während des Duschens die Hypnose auf dem Ohr und fühlte mich vorfreudig entspannt.

Auch während der Fahrt hatte ich die Hypnose über meine Kopfhörer laufen und tauchte nur immer mal auf, um meinem Mann mit dem Weg zu helfen. An der Klinik angekommen fanden wir den Weg zum Kreißsaal nicht direkt – wir hatten durch Corona keine Möglichkeit der Besichtigung vorab – und ließen uns von einem Mitarbeiter bringen. Anscheinend wirkte ich beim Veratmen sehr instabil, da mir gleich ein Rollstuhl angeboten wurde, den ich dankend ablehnte. Ich hatte weiterhin die Hypnose auf dem Ohr und lief mit meinem Mann eingehenkelt. Meine Umgebung nahm ich nebenher wahr, fühlte mich aber nach wie vor entspannt.

Vor dem Kreißsaal wurden wir freundlich begrüßt und mit Corona-Tests versorgt (bei mir Schnelltest + PCR-Test | bei meinem Mann nur Schnelltest). Man fragte, ob wir noch vor der Tür auf das Ergebnis warten könnten. Das war für mich vollkommen in Ordnung und ich blieb mit Kristins Stimme auf den Ohren entspannt. Ca. 15 Minuten später wurde ich in ein Untersuchungszimmer geholt. Mein Mann musste draußen warten. Es wurde ein CTG angelegt. Die Wellen waren unregelmäßiger und der Kleine schlief. Mir wurde Kohlensäurewasser gebracht und ein Duftöltuch zur Vitalisierung neben mich gelegt. Das Licht war gedimmt und die Hebammen ließen mich überwiegend in Ruhe und ich gelangte immer wieder in die Tiefenentspannung. Nach dem CTG wurde der Muttermund getastet. Ich war für den hebammengeleiteten Kreißsaal (Modellprojekt – ohne ärztliche Intervention soweit wie möglich) und die Be Up!-Studie (aktive, selbstbestimmte Entbindung in einem Modellkreißsaal) angemeldet und daher wurde ich durchgängig von zwei Hebammen betreut. Beide tasteten also und stimmten sich danach ab. Ernüchternde 0cm! Die beiden verließen noch einmal den Raum und wollten sich nach einer kurzen Besprechung wieder mit mir unterhalten – ich blieb bei Kristins Stimme und zog mich wieder an. Mir wurde dann angeboten, eine Option zu wählen: noch einmal nach Hause fahren, stationäre Aufnahme/ versuchen zu schlafen, Spaziergang mit meinem Mann, Entspannungsbad, Einlauf. Ich entschied mich für den Spaziergang mit meinem Mann, den wir im Klinikgebäude machen mussten, da es draußen sehr stark regnete. Ich musste meine Wellen alle paar Meter veratmen und kurz Inne halten. Ich empfand diese zwar seit dem Abend als intensiv, aber keinesfalls als schmerzhaft oder unaushaltbar. Zwischendurch tauchte ich auf und wir berieten uns auf einer Sitzgruppe, was wir tun wollten. Da ich mir nicht vorstellen konnte mit diesen Wellen schlafen zu können, wollte ich nicht nach Hause zurück. Wir gingen also wieder zum Kreißsaal und wollten die Entspannungswanne versuchen. Die Hebammen begrüßten uns allerdings mit einer neuen Idee: Da die Kreißsäle gerade leer waren, wurde uns angeboten ein Bett in den Kreißsaal zu fahren und uns dort die Möglichkeit zu geben, zu schlafen. Ich war begeistert von diesem Entgegenkommen, wusste aber nach wie vor nicht, wie ich die Wellen verschlafen sollte. Wir einigten uns darauf, dass mir ein Beruhigungsmittel gespritzt wird, um Schlaf zu finden. Kurz nach 0:00 Uhr lag ich mit meinem Mann im Klinikbett zusammengekuschelt und schlief mit Kristin auf den Ohren ein. Kurz vor 2:00 Uhr wurde ich durch den Blasensprung wach, klingelte nach den Hebammen und weckte meinen Mann, damit er schnell aus dem Bett springen konnte. Ich ging mit einer Hebamme noch einmal zur Toilette und dann wurde ein CTG geschrieben und erneut der Muttermund getastet, welcher nun zwischen 4 und 6 cm geschätzt wurde. Da die Herztöne wohl nicht gut waren („Das Baby hatte Stress.“), wurde die diensthabende Ärztin hinzugezogen – der hebammengeleitete Kreißsaal war damit offiziell passé. Mich beunruhigte das allerdings zu keiner Zeit und ich blieb bei mir selbst und meinem Baby. Mit jeder Welle sagte ich dem Kleinen, dass wir uns bald sehen und dass er das alles ganz prima macht.

Nach dem CTG wurde ich nach der gewünschten Geburtsposition gefragt und wollte gerne in die Wanne. Leider wurde vermutet, dass der Kleine da ist, bevor die Wanne überhaupt voll wäre. Also habe ich mich für den Vierfüssler auf dem Entbindungsbett entschieden, da mir eine aktive Entbindung wichtig war. Die Hypnose habe ich nach dem CTG nicht mehr gehört. Als ich auf dem Bett ankam, sagte eine Hebamme, dass wir uns nun in den Presswehen befinden. Ehrlich gesagt, hatte ich immer noch gewartet, dass diese viel intensiver werden würden. Immer wieder habe ich Kontakt mit dem Kleinen aufgenommen und innerlich mit ihm gesprochen: „Jede Welle bringt uns näher zu unserem Kennenlernen. Du machst das prima! Ganz bald sind wir zusammen.“ Zu keiner Zeit war ich beunruhigt, da ich mich gut mit meinem Baby verbunden gefühlt habe und das Gefühl hatte, zu wissen, dass alles gut ist. Überraschenderweise habe ich getönt und mich bei der Atmung dann vollkommen von den Hebammen anleiten lassen. Ich hatte nach den Wellen immer wieder verhältnismäßig lange Pausen, welche ich als sehr erholsam empfand und sie nutzte, um mich auf meine Füße zu setzen. In den Wellenpausen habe ich teilweise mit den Hebammen gesprochen und habe mich trotzdem sehr entspannt gefühlt und kein „schlimmes“ Schmerzgefühl vernommen. In der Tiefenentspannung war ich schlussendlich nicht mehr. Nach einigen Presswellen im Vierfüßler waren die Herztöne wieder beunruhigend für die Hebammen, sodass sie erneut die Ärztin hinzugerufen haben. Ich selbst habe das nicht aktiv mitbekommen. Aufgrund der Herztöne riet die Ärztin, dass ich mich in die Seitenlage begeben sollte. Eine Presswelle in Seitenlage brachte keinen Erfolg und so sollte ich mich auf den Rücken drehen. Die nächste Welle brachte dann auch schon das Köpfchen hervor. Wieder folgte eine verhältnismäßig lange Pause und mit der nächsten Welle war C. auf der Welt. Da seine Nabelschnur sehr kurz war und die Plazenta sich bereits gelöst hatte, gab es keine wirklichen Nachgeburtswellen. Mir wurde dann mitgeteilt, dass man einen Dammschnitt gemacht hatte. Mein Wunsch wäre zwar die natürliche Dammriss-Variante gewesen, aber ich empfand diese Intervention schlussendlich nicht als unangemessen. Die Ärztin hat während der vorletzten Welle mit dem Kristeller-Griff nachgeholfen. Ich denke, dass der kleine Mann und ich es mit zwei bis drei weiteren Wellen auch aus eigener Kraft geschafft hätten, aber in einem Krankenhaus wird hier wohl kein Risiko eingegangen. Schlussendlich hat mich auch diese Intervention nicht aus der Ruhe gebracht oder verunsichert.

Mein Mann hat während der gesamten Zeit alles gemacht, wie wir es geübt hatten. Er reichte mir regelmäßig mit einem Strohhalm zu trinken, cremte meine Lippen ein und setzte regelmäßig Berührungs- sowie Wortanker. Ich bin sehr stolz, wie er das mit uns gemeinsam gemeistert hat und habe mich, auch wenn ich ihn nicht bewusst wahrgenommen habe, gut umsorgt gefühlt.

C. wurde mir direkt zum Bonden auf die Brust gelegt und er hat angedockt. Ein unbeschreibliches Glücksgefühl, diesen kleinen Menschen nun tatsächlich im Arm zu halten, überkam mich. Nachdem die Nabelschnur auspulsiert hatte, durfte mein Mann abnabeln. Nach einigen Minuten erster Kuschelzeit gingen mein Mann und eine Hebamme zur Seite, um alle Tests und Messungen zu machen. Ich wurde in der Zeit von der Ärztin genäht. Danach konnte ich direkt aufstehen und habe mich wohl gefühlt. Wir hatten dann noch ein paar Stunden wertvolle Kuschelzeit im Kreißsaal, bevor es für mich auf Station ging.

Zusammenfassend habe ich die Geburt als sehr intensives Naturwunder wahrgenommen, kann mich aber rückblickend zu keiner Zeit an Schmerzen erinnern.