Geburtsort:

Hausgeburt

Hausgeburt Ende Januar, Erstgebärende Hebamme, ET -2

Der Geburtsbericht ist lang und recht detailliert, allerdings hätte ich mir als schwangere Hebamme gewünscht, mal einen ausführlichen Geburtsbericht einer Hebamme zu lesen, die selber mit Kristins Methode geboren hat. Ich habe ihn so formuliert, wie ich die Geburt meinen Kolleginnen erzähle und wo sie nachgehakt haben, um einer anderen Hebamme vielleicht schon während des Lesens Fragen zu beantworten.

Nachdem wir Weihnachten mit meinen Eltern verbracht hatten, wünschte sich mein Mann Zweisamkeit bei uns zu Hause, bevor unser Kind geboren wird.

Zum Ende des Januars fragte mein Vater an, ob sie am nächsten Tag zum Frühstück vorbeikommen könnten, um mich nochmal mit Bauch zu sehen, wir hatten ihnen erzählt, das Baby komme Ende Februar. Wir stimmten zu und mein Mann sprach mit dem Bauch „Morgen darfst du nicht kommen, mach noch keine Wehen! Deine Oma und Opa kommen zu Besuch.“

Der Elefant verstand, was er verstehen wollte und natürlich bekam ich in der Nacht die ersten Kontraktionen. Da ich die Geburt nicht fördern wollte, konnte ich „Geburtsbeginn mental fördern“ nicht hören und so visualisierte ich meine Traumgeburt im eigenem Tempo (die „fertige“ Hypnose von Kristin ging nicht, da mir nie die Zeit reichte). Ich hatte gleich regelmäßige Wellen alle 8-10 Minuten und kam wunderbar zurecht, die Bauchatmung war toll. Am Vormittag wurde es weniger und wir frühstückten gemütlich mit meinen Eltern – „also frühe Latenzphase“ dachte ich. Am Nachmittag nahmen die Kontraktionen wieder zu, ich schlief nochmal ein Stündchen und kochte etwas mehr zu Essen, mit dem Gedanken „dann ist ja schon was da, es ist das erste Kind, das dauert ewig“. Am Abend waren die Abstände wieder regelmäßig um die 8 Minuten, ich hörte die Geburtshypnose und machte vor mich hin. Ab 22/23 Uhr wurde es langsam schwierig, während der Welle in der Hypnose zu bleiben, die Intensität war aber auch unterschiedlich, sodass ich manchmal rausrutschte, manchmal nicht. „Latenzphase halt!“, dachte ich. Ab 0:00 Uhr wurde es in den Wellen wirklich unangenehm und zunehmend schmerzhaft. Ich wechselte zwischen Bad, Ball und Bett, war zwischen den Wellen in Hypnose und alles war gut, in der Kontraktion fühlte ich mich furchtbar und musste laut atmen und flog immer wieder am Höhepunkt der Welle aus der Hypnose. Die Bauchatmung funktionierte auch nur mit dem ersten langen Einatmen, sobald ich ausatmen musste und die Welle weiter anstieg, war es vorbei. Ich ärgerte mich über Kristin, ihre Methode, die doch eh nicht klappte und fragte mich, wieso bloß hatte ich meine Zeit in der Schwangerschaft damit vergeudet, mich damit vorzubereiten!

Die Abstände waren zwischen 5-8 Minuten circa 45 Sekunden lang, es ging zwar Schleim ab, aber kein Blut. „Blöde Latenzphase,“ dachte ich „wann blutet es endlich damit ich weiß es tut sich was am Muttermund?!“ Selber untersuchen wollte ich mich nicht. Die Wanne half auch kein bisschen.

Um 2:00 Uhr kam die Erlösung, die Fruchtblase sprang auf dem Klo und juhuuu endlich rotes Blut! Die Intensität der Welle steigerte sich rapide und ich musste laut Tönen, mein Mann war jetzt wach und begann die Liste abzuarbeiten, die ich ihm zur Geburt gemacht hatte. Ich kam so langsam an meine Grenzen und entschied mich, die Hausgeburtshebamme anzurufen, da sie im Vorfeld um frühes Informieren gebeten hatte. Ich entschuldigte mich mehrfach bei ihr, dass ich sie nachts störte, berichtete vom Blasensprung mit Zeichnungsblutung und den Wehenabständen nun um die 5 Minuten und weiterhin circa 45 Sekunden lang „Die sind noch so kurz, Latenzphase halt, oder?“ und hatte prompt eine Wehe, die sie mithörte, während ich laut Tönen musste. „Ich mache mich mal auf den Weg, in einer Stunde bin ich da. Weh‘ du dich mal schön ein!“

In der Welle konnte ich nur noch hocken, außerhalb ging ich umher. Eine Wehe saß ich wieder auf dem Ball und „Peng!“ zweiter Blasensprung und es lief und lief. Ich wollte nochmal in die Wanne, mein Mann ließ das Wasser ein. Nun hörte ich wieder die Geburtshypnose über die guten Bose Noise Cancelling Kopfhörer, damit ich mich nicht selber so laut hörte. Ich machte die Bauchatmung immer wieder, nur beim Wellenhöhepunkt gelang mir das nicht und ich tönte. Die Wanne machte für mich keinen Unterschied, ich hockte halt im Wasser und dachte, so könne ich wenigstens immer pieseln und musste mir keine Gedanken um das abfließende Fruchtwasser machen.

Auf einmal bekam ich Druck nach hinten in der Wehe, was sich natürlich auch beim Tönen äußerte. Mein Mann hatte gut aufgepasst, denn ich hatte ihm im Vorfeld das Geräusch vorgemacht und ihn angewiesen, die Hebamme anzurufen, denn dann sei die Geburt fortgeschritten. „I am calling Barbara!“ Das hatte für mich so gar keinen Sinn gemacht, wir hatten sie doch gerade erst angerufen. „No Clara, it has been an hour! I’ll call Marielle.“ Also telefonierte er mit meiner besten Freundin, auch Hebamme, und fragte sie, ob sie kommen wolle, erzählte ihr, was er wusste: Blasensprung um 2 Uhr (also circa vor 1,5h) und seither Wehen (er hatte die davor nicht als solche wahrgenommen, da ich ihm erzählte „das ist nur das Vorgeplänkel, das dauert noch ewig!“) Sie habe morgen Tagdienst im Kreißsaal und könne somit schlecht und das Ganze habe ja erst gestartet, sie freue sich natürlich auf die Geburt aber so eine Geburt brauche Zeit. Da hörte sie mich im Hintergrund während einer Kontraktion „Ich bin sofort da!“

Davon bekam ich nichts mit, ich hockte in der Wanne, hörte Kristin in den Ohren und war bei mir. Ich visualisierte den Muttermund von Zeit zu Zeit und machte dem Kind den Weg durchs Becken vor. Immer wieder hatte ich Druck nach hinten „Vielleicht bin ich doch schon weiter?“

Um 3:30 Uhr kam die Hausgeburtshebamme an, die ich begrüßte mit „Wenn ich jetzt nur 3 cm bin, dann raste ich aus!“. Sie war entspannt, untersuchte mich nicht und sagte, wenn ich schieben müsse, sollte ich halt schieben. Ich machte weiter wie die ganze Zeit davor, war in Hypnose, Bauchatmung wenn es ging, ansonsten Tönen, instinktiv mitgeschoben, wenn es nicht zu unterdrücken war. Irgendwann schaute Barbara doch nach dem Muttermund, da ich wohl immer wieder fragte, ob ich vollständig geöffnet sei – das war ich, Kopf Beckeneingang. Geändert hat die Info nichts, aber ich denke, mein Hebammenhirn brauchte das einfach. Meine beste Freundin kam auch so gegen 3:45 Uhr an, wollte mich liebevoll streicheln aber ich wollte von keinem berührt werden, auch mein Mann durfte meine Hand nicht halten. So saßen die drei in unserem kleinen, mit Kerzen beleuchteten Badezimmer in Höhlenatmosphäre und schauten zu.

Ich musste nun mit jeder Wehe einfach mitschieben, bemühte mich aber, sobald es ging wieder aufs Atmen umzusteigen. Barbara hörte das zweite Mal nach den Herztönen, die nach der Wehe hörbar bei ungefähr um die 90-100 waren, es war mir egal. Dass es dem Kind gut geht, wusste ich ja.

Es wurde langsam schwierig, eine bequeme Position zu finden, dauerhaft wollte ich auch nicht hocken bleiben, also wechselte ich eifrig, aber kam in der Wehe immer wieder zum Hocken zurück. Ich merkte wie mein Kind sich nach unten schob, die Drehungen konnte ich nicht erspüren aber dass der Kopf tiefer kam, war ganz klar. Überraschend war auch, dass er fast gar nicht zurück rutschte. Dank meines guten Beckenbodens hielt ich das Kind auch außerhalb der Wehe an Ort und Stelle. Irgendwann war mir klar, es dauert nicht mehr lange. „Ich muss endlich aus der Hocke – ich will keinen DR III°!“ Da war es wieder kurz, das Hebammenhirn. Also kniete ich mich mit einem Bein hin, das andere stellte ich auf dem Wannenrand ab. Was fühlte sich das gut an! Ich schob weiterhin nach Gefühl mit, das Kind kam Beckenboden und ich merkte, wie es langsam einschnitt. In der nächsten Wehe schob ich es bis zum maximalen Umfang, es brannte und stach. Am Liebsten hätte ich gleich weitergeschoben, aber ich veratmete die Wehe brav. Mit der nächsten Welle schmiss ich dann doch gleich das ganze Kind raus, das von Barbara aufgefangen wurde, ansonsten hatte sie keinen Dammschutz gemacht. „Kopfhörer weg!“ kommandierte ich und nahm sofort mein Kind entgegen. Mein Mann findet diesen Moment nach wie vor sehr lustig, er meint, ich hätte der Hebamme unser Kind förmlich aus den Händen gerissen.

Wir schauten was es denn jetzt war – und freuten uns über unseren Sohn, der nun bei mir auf dem Bauch lag, ich kniete in der Wanne und meinte „So schlimm war es gar nicht – das mache ich nochmal!“

Gefühlt recht schnell merkte ich Druck auf den Po – und schob nochmal leicht mit, da wurde auch die Plazenta schon geboren. Ich wurde abgeduscht und wir zogen ins Schlafzimmer um, wo das Bett schon vorbereitet war und wir uns entspannt hinlegen konnten. Wir versuchten, das Kind anzulegen, aber der Mausezahn hatte noch keine Lust. Also nabelte mein Mann ihn ab, die Plazenta wurde inspiziert und die Stücke für Nosoden entnommen. Im Anschluss versorgte Barbara die Geburtsverletzung mit zwei Stichen. Die U1 wurde auf meinem Bauch gemacht und nach dem Aufstehen mit erstem Wasserlassen verabschiedete sich Marielle in den Tagdienst. Ich genoss nun endlich meinen heißgeliebten Baumkuchen, der durch die Louwen-Diät seit der 30. SSW verboten war und war verliebt in mein Kind, das nun auch den Weg an die Brust gefunden hatte. Um halb 8 Uhr verabschiedete sich auch Barbara und wir kuschelten alle drei vergnügt im Bett.

Ich hatte eine wunderbare Schwangerschaft und eine traumhafte Geburtserfahrung. Sicherlich ist ein Hauptgrund, dass ich selbst eine entspannte Hebamme bin und schon immer ein Mensch war, der großes Vertrauen in den eigenen Körper und die Natur gesetzt hat. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass die Friedliche Geburt auch ihren großen Teil zur tollen Schwangerschaft beigetragen hat und ich natürlich ohne Kristins Hypnosen nicht so geboren hätte, wie ich es habe. Erst im Nachhinein ist mir klar geworden, dass ich wirklich die ganze späte Eröffnungsperiode und Austreibungsperiode in Hypnose gewesen bin. Ich finde es interessant, dass es bei mir genau anders rum war, als ich es in den Geburtsberichten hier immer lese. Ich würde allen Frauen empfehlen, die Hypnose auch in der letzten Phase weiterzumachen.

Bitte entschuldige Kristin, dass ich dich zwischenzeitlich echt mal dahin gewünscht habe, wo der Pfeffer wächst. Ich hoffe du verzeihst mir! Ich bin dir für deine Arbeit sehr dankbar und freue mich schon jetzt auf die erste Geburt als Hebamme im Kreißsaal mit einer Friedlichen Geburt.