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Klinik

Geburtsbericht E.

Traumgeburt von Kontrollfreak im Krankenhaus, genau wie visualisiert

Die Geburt von meinem ersten Sohn war damals zwar relativ komplikationslos, allerdings war sie für mich trotzdem traumatisch. Die Geburt ging damals sehr lange und war trotz allen verfügbaren Schmerzmitteln (Wasser, Zäpfchen, Lachgas, Meptid) sehr schmerzhaft. Aufgrund einer früheren Rückenoperation war klar, dass eine PDA keine Option wäre und auch die Sectio im Falle vermutlich nur unter Vollnarkose stattfinden könnte. Im Nachhinein, denke ich, war ich vielleicht auch dank dieses Wissens in einer Angst-Schmerz-Spirale gefangen. Obwohl ich damals einen Hypnobirthing Geburtsvorbereitungskurs gemacht habe, konnte ich unter der Geburt irgendwie nichts mehr davon anwenden und hatte einfach ein extremes Hilflosigkeitsgefühl.

Die Vorbereitung mit Kristin hat mir auf jeden Fall sehr geholfen, die erste Geburt und diese Angst besser zu verstehen. Ich hatte zwar immer noch etwas Sorge, nicht die PDA als Plan B zu haben, die Visualisierung der Traumgeburt und die Unterstützung von Kristin haben mir aber geholfen, mit der Angst umzugehen und mir wieder etwas Vertrauen in meinen Körper und Optimismus zu geben. Auch hatte ich nie das Gefühl, mich wirklich „in Hypnose“ zu befinden, obwohl ich 5 Monate täglich geübt hatte, war ich im Kopf immer voll da oder eingeschlafen, ein Zwischending gab es bei mir irgendwie nie. Ich hatte auch schon zu Hause das Gefühl, dass ich wohl nicht alles an meinen Mann würde delegieren können, da war ich wohl zu sehr Kontrollfreak.

Neben der Vorbereitung mit dem Kurs habe ich in den letzten 6 Wochen vor ET konsequent auf alle Nahrungsmittel verzichtet, die den Insulinspiegel in die Höhe treiben (kein Zucker, keine Zuckeraustauschstoffe, Trockenfrüchte, Mehl, weißer Reis). Normalerweise bin ich ein absoluter Süßschnabel, seit der Geburt esse ich wieder Schokolade tafelweise, allerdings habe ich mich einfach an jeden Strohhalm geklammert, der mir eine Linderung der Geburtsschmerzen versprochen hat.

Zwei Wochen vor ET hatte ich nachts öfter schon leichte Wellen, einmal waren sie schon so stark, dass ich meine Geburtshypnose angemacht habe und wirklich davon überzeugt war, noch in dieser Nacht ins Krankenhaus zu fahren. Allerdings hat es sich immer wieder erledigt und nachdem ich tagelang wirklich eine Grabeslaune hatte („Ich will das nicht nochmal! Wieso musste ich nochmal schwanger werden?“), habe ich dann irgendwann beschlossen, die freie Zeit einfach noch etwas mehr zu genießen.

Bei der Visualisierung meiner Traumgeburt habe ich mir immer vorgestellt, wie die Geburt ablaufen soll. Abends geht es los, ich bringe den großen Bruder noch ins Bett, morgens fahren wir ins Krankenhaus und dann kommt relativ zügig das Kind. Und genau so war es dann auch.

Es war ET+1, ich war morgens zur Kontrolle bei der Gynäkologin, es sah alles unauffällig aus. Abends gegen 8 Uhr habe ich gerade mit dem großen Bruder auf dem Sofa rum geturnt, um ihm den Schlafanzug anzuziehen, als auf einmal Fruchtwasser aus mir raus läuft. Mein Schwiegervater war noch bei uns, also rufe ich ihm zu, er soll mal schnell meinen Mann holen, die Fruchtblase ist geplatzt. Mein Schwiegervater total panisch, ob mein Großer mir jetzt in den Bauch getreten hätte. Nein alles in Ordnung, alles normal, ich brauche nur ein Handtuch.

Leider war dann nicht nur der Schwiegervater sehr aufgeregt, sondern auch mein Mann, der dann dem großen Bruder freudig erzählt, dass heute Nacht vielleicht sein Geschwisterchen kommt. Na danke, das erleichtert das Ins-Bett-bringen natürlich enorm. Trotzdem habe ich es dann irgendwann geschafft, ihn zum Schlafen zu bringen und habe dann noch meine Mama angerufen, dass sie aufhören soll, mit meiner Tante Sekt zu trinken, sie müsse vermutlich noch fahren heute Nacht.

Wir haben dann noch alles fertig gerichtet und ich bin mit der Geburtshypnose ins Bett. Ich hatte dann so alle 10 min Wellen, mein Mann hat immer auf die Uhr geschaut. Leider hat der Große, wie auch schon in der Übungsnacht zwei Wochen vorher, sehr unruhig geschlafen und wollte immer zu mir, obwohl er sonst durchschläft. Irgendwann hat sich dann mein Mann zu ihm gekuschelt und konnte ihn mir weitgehend vom Hals halten. Ich konnte dann auch immer wieder etwas dösen zwischen den Wellen und um 5 Uhr beschlossen wir loszufahren. Zwar waren die Wellen nicht sehr schmerzhaft und immer noch 10 min auseinander, allerdings hatten wir noch 45 min zu fahren und das kann morgens im Berufsverkehr auch mal doppelt so lange werden, außerdem mussten wir noch einen Parkplatz suchen, was mir noch im Kopf herumspukte. Also kam dann meine Mama, um sich zum Großen ins Bett zu legen, wir sind ins Krankenhaus gefahren und haben auch einen Parkplatz eine Straße weiter gefunden.

Angekommen auf der Station, mussten wir noch etwas warten, bevor wir in den Kreißsaal durften, mein Mann beantwortete die Frage nach dem Wehenabstand mit „so 8 min“. Im Auto tat mir die Hypnose sehr gut, dort angekommen war ich aber nicht wirklich auf meine Hypnose konzentriert, habe zwischendurch auch immer mit der Hebamme gesprochen. Auch nach dem Schichtwechsel mit „meiner“ Hebamme und der Gynäkologin, die dann ein CTG und Ultraschall gemacht hat. Anschließend hat die Hebamme meinen Muttermund untersucht und meinte so 4, 5, 6 cm. Sie hat dann schon eine Schüssel mit Wasser voll laufen lassen und meinte, sie habe das Gefühl, der Kopf sei noch nicht richtig eingestellt, ich könnte doch mal seitlich ein Bein hoch stellen, sie geht mal die Gynäkologin fragen, wie es im Ultraschall aussah. Ich war dann nochmal erfolgreich auf Toilette und konnte auch dort noch super in den Bauch atmen während der Wellen. Als ich dann aber raus kam, wurde es auf einmal schmerzhaft, dass ich auf dem Boden lag und zu meinem Mann meinte, er solle klingeln, ich brauche Lachgas. Die Hypnose lief einfach laut auf der Box.

Die Hebamme kam dann wieder und meinte, das wäre vermutlich nicht mehr nötig, ich solle doch mal aufs Bett hoch in den Vierfüßlerstand bzw. den Oberkörper oben auf das Bett gelehnt, sie würde mal schauen, wie weit wir wären. Ich meinte dann, dass ich das Gefühl hätte, pressen zu müssen und sie meinte, ich könne ruhig machen, wie es sich gut anfühlt. Ich konnte es gar nicht glauben und habe bestimmt 3 mal nachgefragt, ob ich wirklich pressen dürfe. So lehnte ich dann vorne auf dem Bett mit einem aufgestellten Bein, das dann irgendwann die Gynäkologin halten musste, da ich nicht mehr konnte. So kam mit sehr lauten Presswehen unser Sohn mit 53cm und 3240g um 8:24 Uhr auf die Welt, und wir durften trotz Blutverlust am selben Tag nach Hause (auch wie in der Visualisierung der Traumgeburt).