Geburtsort:

Geburtshaus

Schwangerschaft und Geburt

Um deine Geburt zu beschreiben, muss ich bei meiner eigenen anfangen, weil die ausschlaggebend für das Gefühl und die Erwartungen um deine Geburt war. Ich habe sie schon oft erzählt bekommen, aber habe Mama nochmal gefragt, als ich schwanger war.

Ich wurde zu Hause geboren (geplant), ohne Arzt und Hebamme (ungeplant). Die genauen Umstände, wie es dazu kam, sind nicht relevant, aber Mama war mit Papa und den zwei Jungs zu Hause und lag in den Wehen. Mama meinte, sie wollte die Jungs nicht beunruhigen und laut sein, aber hatte auch ein Bild im Kopf, das sie die Geburt über begleitet hat. Als sie Jahre zuvor bei ihrem Bruder auf dem Bauernhof war, hatte sie eine Katze bei deren Geburt begleitet (die sie selber zur Geburt „geholt“ hat) und das Bild der friedlichen, schnurrenden Katze, die mit dem Milchtritt dalag und ihre Kätzchen auf die Welt brachte, hatte Mama während meiner Geburt im Kopf.

Ich wurde sehr schnell geboren und auch ohne große Schmerzen, obwohl ich komplett in der Fruchtblase geboren wurde. Papa hat die Fruchtblase aufgemacht und ich hatte gleich die Augen und Hände offen und habe nicht geweint.

Ich war noch sehr früh in der Schwangerschaft, als ich mit einer guten Freundin gesprochen habe und wir uns gegenseitig erzählt haben, dass wir schwanger sind. Sie war schon ein gutes Stück weiter als ich und empfahl mir den Podcast von der friedlichen Geburt. Ich habe reingelesen und war zunächst sehr skeptisch als ich las, dass es um Hypnose geht, und habe Mama gebeten, mal reinzuhören und mir zu sagen, was sie davon hält. Sie meinte, es höre sich gut an und ich habe ca. um die fünfte oder sechste Woche herum angefangen, den Podcast zu hören.
Die Schwangerschaft mit dir war insgesamt ein sehr schönes Erlebnis, ich war sehr glücklich in der Zeit und vermisse tatsächlich das Gefühl des Schwangerseins. Einerseits hatte ich körperlich kaum Beschwerden, andererseits konnte ich mental gut abschalten und entspannen, weil ich nur kurz arbeiten musste. Bis zur achten Woche war es sehr anstrengend an der Schule und ich habe mich deswegen bis zur 12. Woche krankschreiben lassen. Ich wusste auch, dass ich nur bis Januar (ca 20. Woche) durchhalten musste, weil danach mein Probezeitbesuch in der Schule geschafft war. Eine Woche nach dem Besuch kam die Grippewelle in der Schule an und ich wurde nach Hause geschickt. Das ging mehr oder weniger nahtlos in die Corona-Zeit über, sodass ich die letzten fünf Monate der Schwangerschaft nicht arbeiten musste.

Auch die Corona-Zeit habe ich nicht als schlimm empfunden. Ich habe mich darauf vorbereitet, indem ich Stoffe und Farben gekauft habe und in der Zeit genäht und die Wand hinter der Wickelkommode angemalt habe. Zwischendurch gab es schon mal Stress mit Papa, weil der auch zu Hause war und ich wollte, dass er in der Wohnung was tut (aufräumen und umräumen hauptsächlich), aber insgesamt war es eine entspannte Zeit.
Es hieß ja zu der Zeit, dass man als Schwangere nicht groß gefährdet ist und auch das Kind keinen Schaden von der Krankheit der Mutter nehmen würde. Somit war es für mich kein großes Thema.

Was aber auch viel geholfen hat, war der Podcast und dann auch der Geburtsvorbereitungskurs der friedlichen Geburt, weil ich dadurch das Gefühl hatte, gut informiert zu sein und die Kontrolle über die Schwangerschaft und meine Gefühle zu haben. Die Meditationen haben mal besser und mal weniger gut geklappt, aber die Bilder, die ich im Kopf hatte, waren schön und ich habe es gerne getan.
Mein Kraftort war ein großer englischer Garten mit vielen Rosenbüschen und schönen Hecken. Im Laufe der Zeit wurde der Weg dorthin eine Gartenpforte in einen Tunnel aus Blauregen und ein großer Pavillon mit roten Rosen. In der Gebärmutter bin ich immer gleich zu dir und habe dich in den Arm genommen. Wir saßen dann entweder auf einer Bank oder ich lag auf der Seite und du warst gegen meinen Bauch gekuschelt. Ich konnte dich nicht genau sehen, aber du hattest dunkle Haare und hast immer friedlich geschlafen.

Ursprünglich wollte ich im Geburtshaus entbinden und wurde dort auf die Warteliste aufgenommen. Ich hatte mich eigentlich schon damit abgefunden, dass es nicht klappen würde, als ich dann in der 33 oder 34 Woche doch noch die Bestätigung kam. Ich habe mich erst riesig gefreut, war dann aber gleich etwas geknickt, weil du schon seit längerer Zeit in Steißlage in meinem Bauch saßt und ich so nicht im Geburtshaus entbinden konnte.

Ich habe also das Programm gestartet mit indischer Brücke, moxen, gut zureden, Taschenlampe und Hypnose – du hast dich von nichts beeindrucken lassen. Zuletzt habe ich noch eine äußere Wendung an der Maistraße versucht. Die Ärztin war sehr nett und sie und der Assistenzarzt haben sich sehr bemüht, aber es hat nach drei Versuchen (die teilweise nicht ohne waren) nicht geklappt. Die Ärztin kam dann nochmal zu mir und erklärte, dass du wie ein Frosch im Bauch sitzt. Kopf oben, Rücken entlang meiner Bauchdecke, das linke Bein ausgestreckt bis unter meinen rechten Rippenbogen und das rechte Bein angewinkelt an meiner Leiste. Da hat alles Drücken und Schieben nichts gebracht, du konntest dich nicht drehen. Erst war ich sehr enttäuscht, aber die Ärztin meinte, ich könnte spontan entbinden, weil die Beine oben wären und so der Kopfumfang ausgeglichen wird.

Damit bin ich nach Hause und war zwar traurig, dass es nicht geklappt hatte, aber noch zuversichtlich, dass es eine natürliche Geburt werden würde.

Am nächsten Tag war ich bei der Frauenärztin zur Kontrolle und sie war nicht angetan von der Idee, eine spontane Geburt zu versuchen und riet mir davon ab. Sie sagte, ich solle einen Kaiserschnitt machen und den spätestens in einer guten Woche einplanen. Das hat mich total aus der Bahn geworfen und ich ging heim, legte mich ins Bett und habe zwei Tage lang geweint.
Ich habe eine Podcastfolge gehört, in der es hieß, ich dürfte trauern und traurig sein, dass es nicht so klappt, wie ich es mir vorstelle. Da habe ich gleich noch mehr geweint, fand den Gedanken der Trauer gleichzeitig passend und tröstlich. Ich hatte mich die ganze Schwangerschaft über auf die Geburt vorbereitet und mich auch schon so darauf gefreut! Ich hatte mit den Hypnosen visualisiert, hatte dir erzählt, wie es sein würde, hatte schon alles x-mal durchgespielt und war überzeugt, dass es klappen würde und das hat mir alles kaputtgemacht.

Ich habe dann noch mit der Hebamme gesprochen und war zur Massage im Geburtshaus und beide meinten, ich solle es ganz ruhig angehen. Ich habe viel über die Steißgeburt recherchiert und am Ende habe ich beschlossen, auf dich zu warten. Ich wollte, dass du das Signal gibst, wann du bereit bist, zu kommen und dass wir beide wenigstens den Anfang einer Geburt erleben können. Selbst, wenn es dann zum Kaiserschnitt kommen würde, hätten wir es gemeinsam bis zum Ende geschafft und eine Geburt gestartet.

Insgeheim hatte ich die Hoffnung, dass du dich doch noch drehen würdest und ich ins Geburtshaus gehen könnte. Ich sage Hoffnung, obwohl es nicht ganz stimmt, irgendwo wusste ich schon, dass du dich nicht drehst. Ich habe dich selber im Bauch herumgeschoben (entschuldige, ich war manchmal doch ein bisschen verzweifelt), aber mich schon darauf eingestellt, dass ich in die Maistraße komme.

Weil ich es aber nicht ganz akzeptieren wollte, habe ich die Kliniktasche nicht gepackt und auch bei den Hypnosen nur bis zu einem bestimmten Punkt gemacht, weil ich dir mehr Zeit geben wollte, dich zu drehen.

Papa meinte irgendwann dann aber (wiederholt), dass ich mich vorbereiten solle. Die Kliniktasche hat ihm Sorgen bereitet und er wollte immer wieder wissen, ob sie fertig sei und wo alles liegt. Eine knappe Woche vor der Geburt kam er morgens zu mir und sagte, er wolle eine Generalprobe machen. Er hatte ja (leicht widerwillig) den Online-Kurs mitgemacht, da auch immer wieder nachgefragt und wusste schon grob, wie ich mir die Geburt vorgestellt habe. Jedenfalls machten wir eine Probe, in der er das Krankenhaus „anrief“ um Bescheid zu geben, dass die Fruchtblase geplatzt ist und wir unterwegs sind. Es war sehr süß! Aber so sind uns noch ein paar Sachen eingefallen, die wir noch nicht besprochen hatten und die ich für die Geburt haben wollte, die aber nicht vorbereitet werden konnten (z.B. frisches Obst und einen Saft).

Am Tag des errechneten Geburtstermins waren wir nochmal im Geburtshaus. Eigentlich war es ein unnötiger Termin, weil alles besprochen war und klar war, dass ich in der Maistraße entbinden würde, aber es war trotzdem ganz nett. Wir haben mit Magdalena gesprochen, die uns sagte, wir könnten immer den Funkruf absetzen und sie empfahl uns, das schöne Wetter zu nutzen und einen Spaziergang zu machen.

Papa hatte zwar keine große Lust, aber er ist mit mir gegangen. Ich wollte unbedingt in den Rosengarten gehen, weil er ein Teil meines Kraftortes war, besonders ein Baum, den ich sehr liebe (die Trauer-Buche), aber nach einem langen Spaziergang standen wir vor einer verschlossenen Tür (wohl Corona-bedingt geschlossen). So haben wir uns in den Schatten an die Isar gesetzt, haben Kirschen gegessen, ein Eis gegessen und einen (alkoholfreien) Radler getrunken (ich :)).

Dann sind wir wieder heim. Ich war fix und fertig, weil wir so lange gelaufen waren, aber es war ein schöner Spaziergang und ein schöner letzter Nachmittag zu zweit.

Überhaupt war die Schwangerschaft zu zweit sehr schön, Papa hat mich fast immer zu den Terminen begleitet (zur FA durfte er irgendwann nicht mehr mit wegen Corona). Er hat mir wie sonst auch fast immer Kaffee und Frühstück ans Bett gebracht. Er ist mit mir spazieren gegangen, hat meinen Rücken massiert, hat mir Sachen gebracht, die ich vergessen hatte, wenn ich schon im Bett lag, … Den Bauch hat er gerne gestreichelt und gegen Ende hat er auch immer wieder mal mit dir gesprochen und dir Sachen erzählt. Immer wollte er Fotos von mir machen, wenn ich meist nur mit Unterhose bekleidet im Zimmer herumlief und mich bettfertig gemacht habe. Ich habe dann natürlich wunderbar unvorteilhaft von unten fotografiert ausgesehen, aber er fand es toll.

Am Sonntag, 14. Juni lagen wir wie so oft noch faul im Bett. Irgendwann nach dem Frühstück bin ich aufs Klo gegangen und habe gesehen, dass der Schleimpfropf abgegangen war. Ich hatte schon in den Wochen zuvor immer wieder mal ein bisschen was in der Unterhose gehabt und meine Frauenärztin meinte, der Muttermund habe sich schon verkürzt und sei sehr weich (vielleicht wegen der Nadeln, die die Hebamme gesetzt hatte?).
Erst wollte ich Papa nichts sagen, um ihn nicht zu beunruhigen, aber dann meinte ich doch, er solle sich darauf einstellen, dass es im Laufe des Tages oder des nächsten Tages wohl soweit wäre. Vielleicht wäre es eine gute Idee, duschen zu gehen, weil es eventuell später nicht mehr ginge. Da war es kurz nach 11 Uhr.

Wir waren beide schon etwas aufgeregt, aber noch entspannt. Papa ist duschen gegangen und ich habe mich wieder ins Bett gelegt. Ich glaube, ich habe eine Hypnose angemacht, oder wenigstens die Hintergrundmusik, die ich dafür runtergeladen hatte. Laut dem, was ich wusste, beginnt die Geburt mit leichten Wellen, die sich im Laufe der Zeit häufen und stärker werden, bis man dann irgendwann nach teilweise Tagen in die Klinik geht. Bei meiner Schwester hat es ja gut zwei Tage gedauert und sie wurde auch zweimal nach Hause geschickt, weil es noch zu früh war.

So lag ich ziemlich entspannt und erwartungsvoll im Bett. Ich habe meiner Schwester kurz vor halb zwölf noch geschrieben „Könnte heute oder morgen soweit sein. Schleimpfropf (sorry for tmi) ist raus und es zieht schon anders im Bauch. Wir geben aber nochmal Bescheid, wenn es soweit ist“
Die nächste Nachricht ist von Papa um kurz vor neun Uhr nachts um Bescheid zu sagen, dass das Baby da ist.

Das fasst auch ganz gut zusammen, wie plötzlich es dann losging.

Die erste Wehe war so stark, dass sie mich förmlich aus dem Bett gerissen hat. Ich konnte nicht liegen, knien oder hocken. Ich stand neben dem Babybett und habe mich vornübergebeugt daran festgehalten. Da hatte ich zum ersten Mal echt Angst vor der Geburt. Ich hatte sonst immer gesagt und auch wirklich auch so empfunden, dass ich mich auf die Geburt gefreut habe. Ich wollte es auch auf jeden Fall ohne Schmerzmittel versuchen, aber als ich so dastand und dachte: „SO geht es los???“ war ich mir nicht sicher, ob ich es aushalten würde. Da eine Geburt ja „easy“ losgehen und sich steigern soll, konnte ich mir nicht vorstellen, wie ich es schaffen könnte, wenn die erste Wehe so schlimm war.

Papa kam kurz danach ins Zimmer und ich hing an dem Bett und war am Stöhnen vor Schmerzen. An Hypnose war nicht zu denken, ich war so überrumpelt von dem Start, dass ich zwar versucht habe, immer wieder in die Hypnose zu kommen, aber bei jeder Welle wieder rausgerissen wurde. Papa ist sehr erschrocken, er hatte mich ja relativ fidel im Bett zurückgelassen und fand mich nun so vor! Er wollte gleich das Krankenhaus anrufen und mich hinfahren, aber ich wusste, dass der Muttermund sich erst öffnen muss und wollte nicht nochmal nach Hause geschickt werden. Wir sollten erst abwarten, bis die Wellen alle fünf Minuten kamen. Wie schon abgesprochen hat Papa dann die Abstände gemessen und meinte schon kurz nach 12, dass es fünf Minuten seien. Ich sagte, dass es nicht sein könne, es hätte doch erst angefangen und würde Stunden dauern, bis es soweit wäre, aber er war sich sicher. Wir haben dann beschlossen, das Geburtshaus anzurufen.

Klara war im Dienst und meinte, sie sei in der Nähe und könnte in ca. einer Stunde vorbeikommen, ich solle mich in der Zwischenzeit in die Badewanne legen. In der Badewanne ging es weiter mit den starken Wellen, aber ich habe mich besser gefühlt, weil ich wusste, dass Klara kommt und konnte ganz gut in die Hypnose steigen. Da habe ich auch an Mama und die Katze gedacht und habe immer wieder, besonders während der Wellen, eine Art Milchtritt gemacht, indem ich mit einem Fuß auf- und ab gewippt habe.

Zwischen 1 und 2 war Klara dann da. Sie hat sich kurz mit uns unterhalten und wollte dann tasten, ob sich der Muttermund schon geöffnet hätte. Sie hat mal so und mal unter der Wehe getastet und meinte dann, er sei normal auf 3-4 cm und unter der Wehe auf 5-6 cm offen und wir sollten in die Klinik.

Papa hat dort angerufen und die waren erst recht skeptisch, als er sagte, wann die Wehen angefangen hätten, aber dann ist Klara ans Telefon und hat es bestätigt. Ich habe das nur so nebenbei mitbekommen, ich lag noch im Wasser, während Papa dann alles zusammengesucht hat. Die beiden haben mir aus dem Wasser geholfen und ich weiß noch, dass ich darauf bestanden habe, dass meine Füße abgetrocknet werden, bevor ich aus der Wanne steige, weil ich es hasse, wenn der Teppich nass wird. Klara fand das sehr lustig und meinte, wenn ich noch auf so etwas achte, dann muss es mir ja noch gut gehen. Sie hat dann auch angeboten, uns in die Klinik zu fahren (die ja nur ums Eck liegt), damit wir nicht ein Taxi holen müssen. Papa hat mir mit zittrigen Händen geholfen, mich anzuziehen, aber da waren die Wellen schon so häufig, dass wir mehrmals Pause machen mussten, weil ich in die Hocke gegangen bin, um sie zu veratmen. Vor Aufregung hat Papa auch alles Mögliche vergessen, der vorbereitete Saft stand auf dem Küchentisch, als er nachts nach Hause kam.

In der Klinik angekommen mussten wir uns erst anmelden und den Corona-Zettel ausfüllen und ich stand nur an eine Säule gelehnt und habe veratmet. Schließlich durften wir weiter, aber auch auf dem kurzen Weg zur Station musste ich glaube ich dreimal anhalten und mich an irgendwelchen Türen, Säulen oder Fensterrahmen festhalten.

Als wir dann da waren, wurde ich sofort in einen Kreißsaal gebracht und die Hebamme stellte sich vor. Sie hieß Madita, was mich gleich positiv gestimmt hat, weil ich so gerne die Bücher von Astrid Lindgren gelesen habe. Zudem hatte sie die Haare zu einem schönen Haarkranz geflochten (hinter der Maske konnte ich ihr Gesicht nicht wirklich sehen), was ich auch schön fand. Wir haben kurz gesprochen und Papa sagte gleich, wir machen die Geburt mit einer Methode und er sei der Ansprechpartner und er würde sich um die Kommunikation kümmern. Das hat auch mehr oder weniger gut geklappt. Die Hebamme hat sich bemüht, sich daran zu halten, hat mich aber immer wieder doch direkt angesprochen (und sich dann dafür entschuldigt, sie sei es so gewöhnt), aber es hat mich nicht weiter gestört. Für die letzte Phase der Geburt hatte sie schon gesagt, dass sie da mit mir kommunizieren müsste, was für mich aber ok war und mir auch ein größeres Gefühl der Sicherheit gegeben hat.

Während ich mich ausgezogen habe, musste ich auch wieder in die Hocke wegen einer Wehe und meinte dann zu Papa, dass ich nicht wüsste, ob ich es ohne Hilfe schaffen würde, weil es so schmerzhaft war. Die Hebamme hatte auch gesagt, dass es ca. eine Stunde für jeden Zentimeter dauert und dann noch zwei Stunden für die Geburt – das kam mir unendlich viel Zeit und unendlich viel Schmerz vor und bei der Intensität hatte ich Angst. Frank hat gefragt, ob ich Lachgas haben könnte, aber wegen Corona(?) konnte sie mir keines geben. Es hieß, entweder nichts oder PDA. Das wollte ich nicht, also haben wir es gelassen. Ich durfte gleich in die Badewanne, die glücklicherweise direkt neben meinem Kreißsaal war. Die Hebamme kam dann noch und meinte, ich könne ein Buscopan haben, das helfe ein bisschen mit den Krämpfen. Das habe ich genommen.

Wir wurden dann lange alleine gelassen. Ich meine, die Hebamme kam noch einmal, um nach mir zu schauen und ich musste gerade pupsen, was im Wasser natürlich nicht unbemerkt passieren kann. Es war mir sehr peinlich und ich sagte es zu ihr und Papa. Auch das wurde mit Belustigung aufgenommen.
Wir wurden die meiste Zeit alleine gelassen, was auch gut war, ich hätte niemanden gebraucht oder gewollt. Ich saß im Schneidersitz im Wasser und habe die Hypnose im Ohr gehabt. Bei den Wellen habe ich mich nach vorne gelehnt und auf die Arme gelegt und Papa hat mir dann entweder die Hand gehalten oder mich gestreichelt. Es hat schon weh getan, aber bei weitem nicht so wie zu Anfang. Ich war entspannter, weil ich wusste, dass ich jetzt am Geburtsort angekommen war und nun sicher war. Deswegen hat es mit der Hypnose auch viel besser geklappt und ich war zwischendrin total weg und habe gar nicht gemerkt, wie die Zeit vergangen ist. Auch hier habe ich immer mit dem Fuß gewippt, wenn eine Welle kam, und an die entspannte Katze gedacht. Papa hat ganz lieb aufgepasst, dass ich trinke und hat mir einen Energieriegel verfüttert und hat dafür gesorgt, dass das Wasser warm war.

Ich weiß noch, dass ich einmal sauer auf ihn war, weil ich aufgeblickt habe, als eine Welle kam und er am Handy war. Im Nachhinein habe ich dafür mehr Verständnis, er saß immerhin ein paar Stunden neben mir.

Ich war ungefähr zwei Stunden im Wasser, als ich etwas gespürt habe. Ich war mir sicher, dass die Geburt losgeht und habe zu Papa gesagt, er solle sofort die Hebamme holen. „Sie kommt, sie kommt!“ habe ich gerufen. Die Hebamme war ganz entspannt, meinte, ich solle aus der Wanne raus und in den Kreißsaal, damit sie mich untersuchen kann. Da war es dann wohl auch schon viel weiter vorangeschritten, als sie erwartet hatte. Es war zwar nur die Fruchtblase, die ich gespürt hatte, aber die Oberärztin wurde angerufen, dass sie kommen solle (die war wohl auch sehr überrascht) und dann ging es los.

Die Geburt über war ich am Anfang im Vierfüßler, gegen Ende halb knieend. Papa war immer vorne bei mir und hat meine Hand gehalten und hat meinen Rücken massiert und gestreichelt. Auch die Hebamme war immer an meiner Seite und hat mich ermutigt und angeleitet, in den Wehen zu pressen.

In der Phase hatte ich irgendwann nicht mehr die gesprochen Hypnose, sondern nur die Hintergrundmusik auf einem Ohr. So konnte ich die Anleitung der Hebamme hören aber auch immer wieder schnell zurück in die Hypnose. Ein paar Mal ist der Knopf aus dem Ohr gefallen oder ich bin drangekommen und habe es ausgemacht, aber Papa war sehr aufmerksam und hat es sofort gerichtet. Er hat mir auch da immer wieder zu trinken gegeben (wunderbar mit den Signalwörtern „Wasser“, „Essen“ etc vom Kurs).

Bis die Fruchtblase geplatzt ist, waren die Schmerzen schon stark und ich bin auch lauter geworden, als ich es von mir erwartet (oder gewollt) hatte. Es ist irre, wie stark das Körpergefühl war und ich habe dem einfach auch nachgegeben und es rausgelassen. Papa meinte danach, ich hätte geschrien (wo ich mir sicher war, dass ich es nicht getan hatte). Ich glaube, er kennt mich einfach so leise, dass selbst die Laute in der Geburt laut für ihn waren.

Einige Monate nach der Geburt habe ich im Krankenhaus angerufen, weil ich noch etwas haben wollte, und hatte zufälligerweise meine Hebamme am Telefon. Ich habe sie gleich an der Stimme erkannt und wir haben uns nochmal über die Geburt unterhalten. Sie sagte, es wäre so ruhig gewesen, man hätte klassische Musik dazu anhören können. Auch die Zusammenarbeit mit Papa hat sie sehr beeindruckt.

Es war trotzdem insgesamt alles lauter und blutiger und schleimiger, als ich erwartet hatte, aber es war ein tolles Gefühl, so kraftvoll und so in mir zu sein. Obwohl es wehgetan hat, habe ich nie das Gefühl gehabt, von den Schmerzen übermannt zu sein oder, dass sie so schlimm wären, dass ich es mir zu viel wird. An einem Punkt hing ich nach einer Welle über der Rückenlehne und sagte zu Papa, wie sehr ich mich freue, dass du, unsere Tochter bald da bist. Ich versuchte immer, auch bei dir zu sein und dir zu sagen, dass wir es bald geschafft haben und uns bald kennenlernen.

Die Fruchtblase ist in einer Wehe geplatzt und hat die armen Hebammen ordentlich erwischt. Danach war es leichter und es ging schneller voran.

In den Wehen sollte ich mich tiefer setzen und immer dreimal pressen. Die Struktur hat mir gut geholfen, weil ich immer wusste, dass ich nur diese drei Mal drücken muss und dann ist der Schmerz vorbei. Ich tauchte immer hinter der Rückenlehne des Bettes ab und tauchte danach mit hochrotem Kopf und zerzausten Haaren wieder zu Papa auf. Sobald die Wellen vorbei waren, habe ich mich ganz auf die Entspannung konzentriert und mein Gesicht „geglättet“. Ich habe auch aufgepasst, beim Tönen entspannt zu bleiben (besonders im Kiefer) und loszulassen. Manchmal habe ich mich selber halblaut runtergezählt in die Hypnose.

Irgendwann war die Oberärztin da und hat mir einiges erklärt, auch dass mehr Leute da sein werden und ob es mir was ausmachen würde, wenn andere zuschauen (nein, es war mir egal).

An einem Punkt sagte die Hebamme, ich solle fühlen, das Baby wäre bald da. Das tat ich und spürte deinen kleinen Popo, was mich sehr ermutigte, weiterzumachen. Es dauerte nicht mehr lange und ich habe gespürt, wie deine Beine rausploppten, und die Ärztin half dir dann mit den Armen und mit dem Kopf.

Ich spürte, dass du geboren warst und drehte mich sofort um, um dich zu sehen. Du lagst ganz krumm mit einem Bein in der Luft (wegen der Beckenendlage) in dem Gemetzel und warst ganz ruhig. Ich habe mich hingesetzt und dich sofort auf den Bauch gelegt bekommen. Du hast nicht geweint, nur ganz leise gewimmert. Du hattest die Augen offen und hast mich angeschaut.

Deine Geburt, kleiner Frosch, war ein wunderschönes Erlebnis, das ich nie vergessen werde! Ich habe mich so stark gefühlt und bin so stolz auf dich, dass du mit mir diesen Weg gegangen bist und wir eine natürliche Geburt erleben konnten. Papa und ich habe wochenlang jeden Abend über deine Geburt gesprochen und uns erzählt, wie schön wir sie fanden und was für ein überwältigendes Gefühl es war, dich endlich zu sehen und in den Arm nehmen zu können.