Geburtsort:

Geburtshaus

Im Lockdown gezeugt und im Lockdown geboren

Vier Tage vor ET durfte ich meine für Neujahr angekündigte zweite friedliche Geburt erleben. Einiges war gleich, manches ganz anders, aber beide Geburten absolut friedlich und schön!

28.12.20 um 15:09 Uhr

Kölner Geburtshaus

56cm, 3800gr, 35,5cm KU

Beim Üben merkte ich schnell, dass ich die friedliche Geburt noch vom ersten Kind verinnerlicht hatte und das Wissen quasi nur ein Update brauchte.

Was war gleich bei den Geburten?

Was war diesmal anders?

Ich hatte, wie auch schon in manch anderer Nacht, immer mal wieder Kontraktionen, welche in jener Nacht ab 6 Uhr blieben. Als unser 2-jähriger mit schlechter Laune und bühnenreifem Drama in den Tag startete, war mir klar, dass Wehen und gefühlsstarkes Kleinkind keine gute Kombi sind und so wurde er um 8 Uhr von den Großeltern abgeholt.

Ich verbrachte den Vormittag im dunklen Schlafzimmer. Die Wehenabstände waren mit ca. 10 Minuten so gemächlich, dass ich meine Hebamme per Mail informierte, dass es wohl heute oder morgen soweit sei und ich mich melden würde, wenn sich mehr tut.

Ich wehte mit der wohltuenden, tiefen Bauchatmung gemütlich vor mich hin, hörte „Geburtsbeginn mental fördern“ und die Affirmationen, entleerte mich unzählige Male auf der Toilette und machte Nickerchen. Auch wenn die Wehenintensität zunahm, nahm ich das alles nicht ernst, da die Abstände noch immer bei ca. 8 Minuten waren. Aus dem Grund war mir auch einfach nicht danach, in Hypnose zu bleiben und es störte mich auch nicht, wenn mein Mann – entgegen unserer konkreten Abmachung – Fragen stellte wie „Was ist denn jetzt? Glaubst du es geht los? Wo ist deine Krankenkassenkarte? Soll ich jetzt die Hebamme anrufen?“. Er erzählte mir später, dass er jedes Mal, wenn er nach mir sah, merkte, wie ich mehr und mehr „arbeitete“ und das überhaupt nicht zu dem passte, was ich so sagte. Das machte ihn nervös! Nachdem er mehrmals fragte, ob er die Hebamme anrufen kann und ich immer wieder meinte „Ach, brauchste nicht. Ich weiß nicht, ob das heute überhaupt noch was wird!“, hörte ich die beiden dann aber doch telefonieren. Da war es 13 Uhr.

Auch wenn ich nicht wahrnahm (oder wahrnehmen wollte?), dass ich schon mitten in der Geburt war, gab es einen Faktor, der offensichtlicher nicht hätte sein können: Mein sich öffnender Muttermund! In den Tagen zuvor und im Verlauf dieses Vormittags, tastete ich immer mal wieder, ob ich eine Veränderung merkte. Ich war geradezu perplex, wie deutlich der Fortschritt für mich als Laien erkennbar war! Als ich irgendwann die Fruchtblase fühlte, erzählte ich meinem Mann davon: „Guck mal, ich glaub, so weit ist mein Muttermund jetzt auf!“ Er guckte mich völlig entgeistert an, zückte ein Lineal, um den Abstand meiner Finger zu messen und sagte: „Das sind doch schon 8 cm!! Da fehlt doch dann nicht mehr viel!?“ (Da hatte einer gut aufgepasst im Geburtsvorbereitungskurs!) „Wir fahren jetzt sofort ins Geburtshaus!!“ Und zack saßen wir im Auto.

Von Tür zu Tür vergingen 20 Minuten und ich hatte in der Zeit lediglich eine Wehe – ich fühlte mich echt lächerlich, im Geburtshaus aufzuschlagen und dachte nur an die arme Hebamme, die jetzt eigentlich Feierabend gehabt hätte.

Kaum angekommen – es war 14:10 Uhr– verkürzten sich die Wehenabstände auf 3-4 Minuten, so als hätte mein Körper mit Erreichen des Geburtsorts dem Baby grünes Licht gegeben. Mit der Bauchatmung kam ich nun nicht mehr klar, fand keine gute Position und war irgendwie innerlich „motzig“. Da poppte plötzlich eine Erinnerung auf: Ich befand mich auf exakt dem selben Zentimeter Erde, trug exakt das selbe Kleid und hatte in diesem Moment auch exakt die gleichen Herausforderungen wie bei der ersten Geburt. Jetzt ergab alles einen Sinn: Ich befand mich in der Übergangsphase…und begriff endlich so richtig, dass ich bald unser Baby bekommen würde!

Diese Erkenntnis war in dem Moment Gold wert und ab da ging alles recht schnell. Mein „Ich glaub, ich muss gleich schon pressen“ erwiderte meine Hebamme seelenruhig mit „Ja, das glaub ich auch!“ und so beschloss ich, um 14:40 Uhr in die Wanne zu gehen. Diese hatte meine Hebamme bereits in weiser Voraussicht einlaufen lassen, als mein Mann uns kurz vor Abfahrt ankündigte. Es dauerte nicht lange, bis ich mitschieben musste. Meine Hebamme bat mich, nach dem Köpfchen zu tasten und ich fühlte eine wabbelige Fruchtblase. Eine Wehe später war sie ganz prall und wieder eine Wehe später, um 15 Uhr, platzte sie. Als meine Hebamme sagte „Gleich kommt der Kopf“, glaubte ich ihr kein Wort, ich hatte doch schließlich gerade erst angefangen zu pressen. Bei der ersten Geburt dauerte die Austreibungsphase ca. 2,5 Stunden und nun brauchte ich nur wenige Wehen, um das Köpfchen zu gebären. Das brannte je nach dem, mit wieviel Kraft ich schob. Intuitiv drückte ich dabei mit der flachen Hand gegen Klitoris und Schamlippen, der Gegendruck tat gut. Als der Kopf draußen war, zappelte mein Sohn in mir rum, um seine finale Pirouette hinzulegen, ehe er um 15:09 Uhr geboren wurde.

Ich sammelte mich ganz bewusst einen Moment und atmete einmal tief durch, so als wolle ich diesen Moment für immer konservieren, bevor ich unser Baby aus dem Wasser hob.

Die letzten Minuten hat mein Mann gefilmt und ich sage unmittelbar nach der Geburt immer wieder mit staunenden Augen: „Alter Schwede ging das jetzt aber schnell!“ …naja aber auch nur, wenn man erst nach acht Stunden begreift, dass man mittendrin ist.

Tausend Dank für deine so wertvolle Arbeit, Kristin! In tiefer Dankbarkeit für ein zweites gesundes Kind und ein zweites magisches Geburtserlebnis! Es macht ja fast ein bisschen süchtig…