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Geburtshaus

Positiver Geburtsbericht J.V. *10.08.2020 – Geburt in der Hebammenpraxis

J.V. war ein paar Tage zu spät. Ich hatte mir fest vorgenommen, diesmal entspannt zu bleiben, wenn es über den ET geht. Meine erste Tochter kam auch ET +3.

Leider bin ich zwei Tage drüber dann doch total genervt und unzufrieden gewesen. Es war die ganze Woche schon um die 35 Grad, und heute war tatsächlich der heißeste Tag des Jahres mit 37 Grad. Mittags traf ich meine Hebamme zur Kontrolle und erzählte ihr von meinen Gefühlen. Sie beruhigte mich: „Dein Baby kommt, wenn es bereit ist. Früher hättest du gar nicht genau gewusst, wann dein Kind kommen soll.“ Zuhause habe ich vormittags mit der MET Methode von Kristin gearbeitet, um meine negativen Gefühle aufzuarbeiten. Dabei kam einiges aus meiner ersten traumatischen Geburt nochmal an die Oberfläche. Und dass, obwohl ich das schon während der Schwangerschaft mit Kristins passender Meditation, mit meiner Hebamme und einer Psychologin aufgearbeitet hatte. Ich glaube, das hat mir beim Loslassen nochmal geholfen.

Um 18:30 Uhr gewitterte es plötzlich mit leichtem Regen. „Blasensprungwetter“ sagte meine Hebamme später dazu, denn tatsächlich sollte ich nicht die einzige Frau bleiben, bei der es prompt los ging.

Um 19 Uhr habe ich meine Tochter ins Bett gebracht. Als ich sie auf meinen Schoß gehoben habe, machte es plötzlich plopp. Die Blase war geplatzt. Meine Tochter (2,9 Jahre) reagierte weinerlich. „Das ist nicht schlimm, das heißt nur, dass dein Bruder jetzt bald geboren wird“, sagte ich ihr. Sie: „Oh nein, ich wollte doch noch etwas wachsen, bis er kommt, damit ich ihn tragen kann“

Mein Mann rief seine Eltern an, die auf die Große aufpassen sollten und 1,5 h Anfahrt hatten und buchte für sie ein Hotel. Es hätte ja auch noch einen Tag dauern können, bis die Wellen kommen. Meine Hebamme war um 19:30 Uhr da, um die Herztöne des Babys zu checken. Sie wollte danach alle 4-6 h kommen und mit dem Dopton sicherstellen, dass es dem Baby gut geht. Ich bekam die Anweisung, alle paar Stunden meine Temperatur zu messen, um zu kontrollieren, ob ich eine Infektion entwickle.

Schon bei der Untersuchung hatte ich die erste Welle, die als leichtes Ziehen im Unterbauch zwickte. Die zweite – zehn Minuten später – musste ich schon bewusst veratmen und das Gespräch kurz unterbrechen. Ich freute mich total und wagte doch noch nicht ganz zu hoffen, dass es nun wirklich losgeht.

Meine Tochter schlief währenddessen einfach direkt auf dem Arm meines Mannes ein. Perfekt! Normalerweise haben wir 1 h Bettgehritual, das nur mit Mama möglich ist. Ich hatte mir vorher große Sorgen gemacht, wie es laufen wird, wenn ich zur Geburt weg muss. Aber es fügte sich wunderbar.

Ich lag in unserem Bett auf dem Stillkissen, durch das offene Fenster kam ab und an ein leichter Sommerwind. Die Hitze drückte.

Ich setzte mir die Kopfhörer auf und hörte „Geburtsbeginn mental fördern“. Ich tauchte ab und visualisierte den Muttermund. Die tiefe Bauchatmung funktionierte super. Am sicheren Ort war ich nicht. Ich folgte einfach Kristins Stimme und entspannte, mit Schlafmaske. Es hat mir super geholfen!

Mein Mann traf letzte Vorbereitungen – brachte die Tasche ins Auto. Er hielt mir den Duftanker unter die Nase und ich sank ein bisschen tiefer. Dann bat ich ihn, die Geburtshypnose anzumachen. Die beruhigenden Worte von Kristin taten mir gut.

Dann fing mein Mann an, die Wellenfrequenz zu tracken. Bei alle 4 bis 5 Minuten über einen Zeitraum von 30 Minuten bis einer Stunde sollte ich als Zweitgebärende ins Geburtshaus fahren und die Hebamme informieren. Die Wellen wurden recht schnell intensiver und ich war in den Vierfüßler gewechselt. Teils legte ich instinktiv den Oberkörper ab, mein Mann drückte gegen den unteren Rücken, was sehr gut tat.

Ich spürte plötzlich eine Unruhe in mir aufsteigen und musste anfangen, zu tönen. Ich wollte los, keine Frage. Ich hatte tatsächlich auch schon alle drei Minuten Wellen, wie mein Mann mir sagte. Allerdings noch nicht eine halbe Stunde lang. Es war erst 22:30 Uhr, also dreieinhalb Stunden seit Blasensprung. Ich hatte keine Ahnung, wieviel Zeit vergangen war.

Zum Glück waren die Schwiegereltern schon im Hotel und meine Schwiegermutter kam, um bei meiner großen Tochter zu bleiben. Ich wollte niemanden sehen oder sprechen, schmiss mein „Gebärnachthemd“ über und rannte zwischen zwei Wellen ans Auto, die Kopfhörer über den Ohren. Die Autofahrt (15 Minuten) war nicht angenehm und ich merkte, wie ich bei jeder Welle verkrampfte. Ich hatte die Augen geschlossen und visualisierte den Muttermund, allerdings mischten sich weitere Farben darunter. Am Geburtshaus angekommen, musste ich mich schon auf die Kühlerhaube des Autos stützen und die Welle lautstark vertönen. Kaum war die Tür aufgeschlossen, wurde mir übel und ich rannte in das Gebärzimmer, ins Bad. Ich wusste, das kann vorkommen unter Geburt, es störte mich nicht weiter.

Im Bad waren die Bodenfließen herrlich kalt und ich wollte mich von dort nicht mehr weg bewegen. Ich war im Vierfüßler in dem winzigen Bad, mein Mann vor mir auf der Toilette sitzend, meine liebe Hebamme schräg hinter mir auf dem Boden. Verrückt, aber so verrückt ist Geburt eben. Da spürte ich schon den Drang zu pressen. „Kann das sein, dass ich schon pressen muss?“, fragte ich ungläubig. Und meine Hebamme grinste mich nur freudig an. Wir hatten vorher besprochen, dass ich wenige, am besten keine vaginale Untersuchungen wollte und nicht wissen wollte, wie weit der Muttermund geöffnet ist. Meine erste Geburt war mit 21 h sehr lang und ich war von den Zwischenständen des Muttermundes damals sehr enttäuscht.

„Ich kann dich untersuchen, aber du willst ja das Ergebnis nicht wissen“, lachte sie. Ich wollte dann doch, denn ich traute mich noch nicht mitzuschieben. Sie sagte dann nur: „Du machst alles ganz richtig.“ Ich spürte, wie das Kind tiefer ins Becken rutschte, sich den Weg bahnte durch den Geburtskanal. Es war ein intensives und irgendwie tolles Gefühl, diesmal alles zu spüren. Unter diesen Presswehen war ich wie im Autopilot, sie kamen im Minutentakt und ich zitterte am ganzen Körper. Schmerzfrei war ich nicht. Ich tönte super laut, ich hatte einfach das Gefühl, dass der Gegendruck durch das Tönen mir hilft. Ich versuchte immer wieder, nach dem Köpfchen zu tasten, weil ich sicher war, er müsste jeden Moment spürbar sein, so intensiv war mein Körpergefühl. Ich fluchte einmal und schrie: „Komm endlich raus!“

Auf den Kopfhörern lief noch immer die Geburtshypnose in stoischer Ruhe, während ich eher wütete. Positionswechsel wie Pezziball oder Gebärhocker waren nichts für mich, ich schob sie rabiat nach einer Welle beiseite. „Wo ist eigentlich der Pool?“, fragte ich irgendwann. Die Hebamme hatte ihn allerdings nicht befüllt. Wie sie mir später sagte, hatte sie gedacht, dass das Kind sofort kommt, als sie mich auf dem Parkplatz gesehen hatte. Dass die Austreibungsphase am Ende bei einer Zweitgebärenden doch zwei Stunden dauert, ist wohl eher ungewöhnlich. Jetzt ließen sie den Pool doch noch ein und ich sprang ins Wasser. Augenblicklich wurden die Wellen viel angenehmer, die Hitze erträglicher, ich entspannte und die Wellenfrequenz ging von jeder Minute auf alle drei Minuten zurück. Im Pool spürte ich beim Tasten dann endlich auch den Kopf. Flauschige Haare. Ein surreales Gefühl. Ich spürte ein leichtes Brennen und dachte, da gibts jetzt kein zurück. Da musst du jetzt durch. Ich nahm allen meinen Mut für die nächste Welle zusammen und schob kräftig mit. Genaugenommen war es das erste Mal, dass ich richtig mitschob, denn ich wollte zum Pressen nicht angeleitet werden und hatte bisher alles meinem Körper überlassen. Der Kopf war geboren und mit der nächsten Welle schwamm auch der Körper in den Pool. Die Nabelschnur war so kurz, dass ich unseren Sohn nur mit Mühe über Wasser halten konnte. Er schaute mich ruhig und mit großen Augen an. So ruhig, dass die Hebamme kurz nervös wurde. Aber dann kam ein kleiner Schrei und alle lachten erleichtert. Wegen der kurzen Nabelschnur haben wir – anders als geplant – sie doch eher zügig abgenabelt. Ich war auch ein bisschen nervös wegen der Nachgeburt. Der Kleine kam zu Papa zum Kuscheln ins Bett auf seine nackte Brust.

Ich wollte mich auf die Nachgeburt konzentrieren, da ich bei der ersten Geburt einen Plazentarest gehabt hatte, der lange nicht entdeckt wurde. Meine wundervolle Hebamme begleitete mich behutsam, lies mich selbst an der Nabelschnur ziehen und prüfen, ob sich die Plazenta bereits gelöst hat. Die Plazenta kam dann auf dem Gebärhocker. Ich war überrascht, wie stark ich pressen musste, um sie zu gebären. Sie war vollständig und hatte eine Mini-Nebenplazenta.

J.V. wurde um 0:22 Uhr geboren. Nur 5,5 Stunden nach dem Blasensprung. Ich habe keine Geburtsverletzungen davongetragen. Es war selbstbestimmt, kraftvoll, ein bisschen verrückt und ich bin unendlich dankbar für so ein wunderschönes Geburtserlebnis. Ich habe der Hebamme und meinem Körper voll vertraut.

Kristins Methode hat daran riesigen Anteil. In der Eröffnungsphase hat mir die Meditation total gut getan und sie ging super zügig mit zweieinhalb Stunden. In der Austreibungsphase war ich wahrscheinlich nicht mehr in Hypnose, aber total bei mir und im Einklang mit meinem Körper, auch wenn ich laut war wie ein Löwe – daran war nicht viel friedlich.

Schon in der Schwangerschaft war ich viel gelassener als in der ersten – dabei hatte ich ja eine traumatische Geburt erlebt! Die Meditationen halfen mir, positiv zu sein, ins Vertrauen zu gehen. Und das in einer wirklich schwierigen Zeit mit Corona und monatelang ohne Kinderbetreuung für meine Große. Und J. ist ein unglaublich entspanntes Kind, während meine Große ein Schreibaby war. Ich bin der festen Überzeugung, dass das vom vielen Meditieren kommt, das ich ab SSW 15 fast täglich praktiziert habe.

Tausend Dank, liebe Kristin Graf! Deine Arbeit ist unendlich wertvoll!