Geburtsort:

Geburtshaus

Triggerwarnung: schnelle Geburt

Geburtsbericht

Erstes Kind, M. L., ET+5 am 24.06.21

Vorbereitung:

Die friedliche Geburt ab ssw 16

Halbherzig Epi No und Dammmassage

Geburtsvorbereitende Akupunktur

Himbeerblättertee 1x täglich

Heublumenbad 1x wöchentlich

Da ich schon sehr lange einen Kinderwunsch habe und mich schon immer für Themen wie Schwangerschaft, Geburt und „Erziehung“ interessierte, standen zu Beginn meiner SS bereits 2 Dinge fest: ich möchte im Geburtshaus entbinden und Hypnobirthing ausprobieren.

Nachdem wir einen Platz im Geburtshaus Tübingen bekommen hatten, schaute ich nach einem geeigneten Hypnobirthing Kurs. Dabei stieß ich auf die friedliche Geburt, die mir irgendwie noch mehr zusagte. Ab SSW16 begann ich die Meditationen unregelmäßig zu üben, was mir nicht besonders schwer gefallen ist, da ich schon lange meditiere.

Ab SSW 28 versuchte ich dann 2 mal täglich eine Meditation einzubauen. Das gelang mir nicht immer und plötzlich schlief ich auch ständig dabei ein. Aber ich versuchte mir keinen Druck zu machen.

Gegen Ende der SS visualisierte ich immer häufiger die Geburt und freute mich richtig darauf.

Plötzlich war der ET dann auch schon da und ich musste nach längerer Zeit (ich hatte mich während der SS für die Vorsorge nur durch die Hebamme entschieden) wieder zum Frauenarzt. Der Arzt schätzte mein Kind auf 3960g. Da ich nur 1,60 groß bin, nahm er schon bei ET das Wort „Einleitung“ in den Mund. Für mich der absolute Horror, denn das würde auch das Aus für meine Geburtshausgeburt bedeuten. Er gab mir Zeit bis ET+6. (Alles andere wie Fruchtwasser, Plazenta, etc war völlig in Ordnung)

Ich ging spazieren wie eine Blöde, machte Heublumendampfbäder, redete mit meinem Kind und versuchte wirklich alles Natürliche, um die Geburt in Gang zu bringen. Aber es passierte einfach gar nichts. Nicht mal ein Zwicken im Bauch.

Bei ET+5 hatte ich einen Vorsorgetermin im Geburtshaus und entschied gemeinsam mit meiner Hebamme, die Einleitung erstmal nicht durchführen zu lassen. Sie sprach mir Mut zu, dass ich dieses Kind ohne Probleme zur Welt bringen könnte.

Wir fuhren nach Hause und mir grauste es zwar etwas vor dem Gespräch mit dem Arzt am nächsten Morgen, aber ich wusste, dass ich die richtige Entscheidung traf. Mein Mann unterstützte die Entscheidung ebenso.

Da ich ja jetzt erstmal nichts mehr tun musste, um die Geburt in Gang zu bringen, legte ich mich ins Bett zum Netflix zu schauen. Da war es circa 17:20 Uhr.

Keine 10 Minuten später machte es „Plopp“ in meinem Bauch. Ich wusste instinktiv, dass es die Fruchtblase war, bin aufgesprungen und habe einen Teststreifen in die Flüssigkeit getaucht, die auf den Boden tropfte. Ergebnis war uneindeutig. Mhm…ich rief die Hebamme an, die meinte, dass es, wenn dann vielleicht ein kleiner Riss wäre. Nichts Dramatisches. Ich sollte einfach wieder ins Bett und warten, was passiert.

Ich war enttäuscht, stellte aber auf Toilette fest, dass der Schleimpfropf abging. „Wenigstens tut sich irgendetwas“ dachte ich mir und legte mich wieder hin und machte die „Geburtsbeginn mental fördern“ Hypnose an. Nach 2 Minuten stellte ich fest: Welle im Anmarsch. Ich wechselte zur Geburtshypnose. (Circa 18 Uhr)

Und dann kam noch eine Welle. Und noch eine. Und noch eine. Alles ging so furchtbar schnell, dass ich nicht mehr wusste, wo hinten und vorne ist. Aber ich freute mich unheimlich. Endlich ging es los.

Ich ging unter die Dusche und veratmete dort im Vierfüßler ein paar weitere Wellen. Die Hypnose lief im Hintergrund. Ich konnte so mittelmäßig eintauchen, weil ich völlig irritiert von der Intensität und Schnelligkeit Wellen war. Ich dachte ich hätte so viel mehr Zeit.  Pausen zwischen den Wellen waren einfach gefühlt keine. Ich sagte meinem Mann, dass ich das alles nicht schaffe, wenn das noch 12 Stunden oder länger so weiter gehen würde. Er bekräftigte mich und fragte, ob ich schon losfahren wollte. (Er sagte es mir nicht, aber er trackte meine Wellen schon im 4 Minuten Takt)

Ich wollte nicht los, aus Angst, viel zu früh dran zu sein. Die Fahrt ins Geburtshaus würde ca. 50 Minuten dauern und ich wollte nicht mit diesen Wellen den ganzen Weg wieder zurückfahren müssen. 15 Minuten später änderte ich meine Meinung. Ich wollte das alles nicht mehr ohne meine Hebamme machen müssen. (Ca. 19 Uhr)

Im Auto hatte ich Kopfhörer auf und fand super in die Entspannung. Vor allem visualisierte ich den immer größer werdenden Muttermund. Die Fahrt ging im Nu vorbei und wir kamen im Geburtshaus an. Noch im Eingangsbereich hatte ich die nächste Welle und meine Hebamme eilte zu mir und half mir, sie zu veratmen. (Ca. 19:50 Uhr)

Ich merkte, dass sie genau wusste, was mir guttat und ich wollte ihre Stimme hören können. Aus diesem Grund legte ich die Kopfhörer beiseite und ließ die Hypnose laut weiterlaufen. Ich hörte aber ehrlich gesagt nicht mehr wirklich zu und war dementsprechend auch nicht mehr in Hypnose. Die Hebamme untersuchte mich. Bereits 5cm Muttermundsöffnung. Genau so, wie ich es visualisiert hatte. Sie füllte die Geburtswanne mit Wasser. In der Zeit tönte ich gemeinsam mit meinem Mann. Die Bauchatmung half mir leider nicht, das Tönen dafür umso besser. Die Wanne tat mir gut, aber nach ein paar weiteren Wellen, stieß ich ein „ich kann nicht mehr“ aus. Mein Mann saß die ganze Zeit hinter mir in der Wanne und stützte mich, da ich in den Pausen kaum meinen Kopf über Wasser halten konnte. Eine weitere Muttermundsuntersuchung ergab 8cm. Was ein Tempo. Die zweite Hebamme wurde gerufen und ich wusste, es dauert nicht mehr lang und ich befand mich in der Übergangsphase. Und dann war der Pressdrang auch schon da. Laut meinem Mann waren es zwischen 8cm und Pressdrang wohl circa 30-40 Minuten. Mir kam es vor wie 3 Minuten, da ich irgendwie schon in einer Art Trance war, auch wenn ich der Hypnose nicht wirklich zuhörte. Der Pressdrang war so stark, dass ich mir sicher bin, dass ich die Kleine in 2-3 Presswellen zur Welt hätte bringen können. Allerdings war der Dehnungsschmerz so intensiv für mich (intensiver als die Wellen), dass ich so viel mitschob, wie ich aushalten konnte und dann die Presswelle „weghechelte“. So schob ich sie cm für cm in vielleicht 6-8 Presswellen nach unten. Und dann war ihr Kopf in der Wanne geboren.

Die Hebamme stellte fest, dass sie die Nabelschnur um den Hals gewickelt hatte, weshalb es schnell gehen musste. (Sagte sie mir aber erst im Nachhinein. Sie wollte mich nicht aus der Ruhe bringen.) Ich sollte aus der Wanne raus und im Storchenschritt laufen. Bei der nächsten Presswelle wurde unsere Tochter um 22:08 Uhr mit 52cm, 4155g und einem Kopfumfang von 35 cm geboren.

Sie wurde mir sofort auf die Brust gelegt und begann innerhalb von 5 Minuten bereits meine Brust zu suchen. Wir legten uns ins Bett, stillten, ließen die Nabelschnur auspulsieren und warteten auf die Plazenta, die dann etwas verzögert und mithilfe von Akupunktur ohne Probleme kam.

Im Anschluss wurde ganz viel gekuschelt und ich noch genäht. Mein Damm ist heile geblieben und ich hatte für die Schnelle der Geburt (etwas mehr als 4h) und der Größe meiner Tochter erstaunlich wenig Geburtsverletzungen.

Um 3 Uhr morgens sind wir dann nach Hause gefahren. Ich hatte einen etwas höheren Blutverlust während der Geburt, weshalb ich zuhause erstmal ziemlich schlapp war, allerdings war es am nächsten Tag bereits deutlich besser.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Geburt wunderschön war und fast exakt so, wie ich sie mir immer visualisiert habe. Ich bin überglücklich, dieses Wunder erlebt haben zu dürfen. Auch wenn ich nicht die ganze Zeit in Hypnose war und die Geburt auch zeitweise sehr schmerzhaft war, war die Vorbereitung mit Kristin goldwert. Anderenfalls hätte ich mich vom Arzt wohl verrückt machen lassen („Ihre Geburt wird wahrscheinlich sehr schwierig sein und das Baby wird möglicherweise stecken bleiben“) und eine Geburt in Angst erlebt.

Die Schmerzen waren immer aushaltbar und ich wusste, dass ich das schaffen kann. Dass mein Körper das schaffen kann.

Danke Kristin für deine großartige Arbeit.