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GEBURTSBERICHT / Klara Viktoria / geboren am 13.05.21 (ET+0) mit 3.110g und 52cm im Krankenhaus mit Beleghebamme

Trigger-Warnung: nur teilweise in Hypnose / keine schmerzfreie Geburt / sehr langer Text

Ihr Lieben, es ist noch ganz frisch und gerade deswegen möchte ich meine selbstbestimmte Geburtsreise festhalten und mit euch teilen.

Meine erste Schwangerschaft verlief unkompliziert und trotz Corona konnte ich sie gerade zum Ende hin sehr genießen. Ich hatte früh eine Beleghebamme gefunden, fast ein Wunder hier in Berlin, und wusste von Beginn an, dass das der richtige Weg für uns wird. Etwa in der 20. Woche startete ich mit Kristins Onlinekurs, ab der 25. Woche mit Hypnosen, ab der 32. Woche versuchte ich täglich zu üben – das gelang mir mal mehr, mal weniger, am wichtigsten war es mir aber, mich nicht zu stressen. Ich war nie besonders gut im Visualisieren und wusste daher, dass mir das ggf. unter der Geburt auch passieren könnte, daher hatte ich nicht den „Anspruch“ auf eine tiefe Trance und komplette Schmerzfreiheit. Viel mehr freute ich mich, dass ich durch den Kurs eine ganz klare Vorfreude entwickeln und ohne Angst in die Geburt gehen konnte.

In den Tagen und Wochen vor ET hatte ich keinerlei Anzeichen – keine Übungs- oder Senkwellen und auch sonst alles wie immer. An ET-1 verlor ich immer wieder Teile des Schleimpfropfes und warnte meine Hebamme vor, wohlwissend dass es noch Tage dauern könnte. Gegen 16 Uhr verspürte ich dann aber doch schon erste kleine Wellen, die ich aber super veratmen konnte, sodass ich es mir „nur“ im Schlafzimmer gemütlich machte. Bis 20 Uhr waren die Wellen sehr unregelmäßig, nach Duschtest setzten sie sogar für eine Stunde aus, um dann in 10min Abständen wiederzukommen. Ich schickte meinen Freund ins Bett, legte mich selbst auch hin und startete ab ca. 0 Uhr die Geburtshypnose, Dank der ich es schaffte, zwischen den Wellen immer wieder wegzudösen. In dem Moment wünschte ich mir auch nichts sehnlicher, als nochmal etwas Kraft zu tanken!

Um ca. 8 Uhr veratmete ich die erste etwas stärkere Welle im seitlichen liegen und zack, platzte die Fruchtblase. In dem Moment war mir klar: es geht echt los! Mein Freund gab der Hebamme ein Update, organisierte unseren Hund und warnte auch die zukünftige Patentante vor, die uns ins Krankenhaus fahren sollte. Währenddessen baute ich mir ein kleines Lager im Wohnzimmer, um mich weiter in Hypnose zu begeben. Dabei merkte ich schnell, dass mir vor allem die Konzentration auf die Atmung und das Gefühl, mein Baby damit zum Muttermund zu leiten, halfen. Die Visualisierungen fielen mir eher schwer, aber das war in Ordnung.

Ich wechselte schnell in eine stehende Position, die ich die nächsten 4h auch nicht mehr verlassen habe. Die meisten Wellen konnte ich in dieser Zeit super veratmen, langsam merkte ich aber, dass sie höher wurden und ich manchmal Mühe hatte und dann auch extremen Druck verspürte, der mich bei der Ausatmung zum leisen Tönen brachte. Meine Hebamme bot an, vorbeizuschauen, damit wir nicht zu früh ins Krankenhaus fuhren. Als sie ankam, lagen die Abstände zwischen den Wellen zwischen 3-7 Minuten. Sie schaute mir fasziniert beim Veratmen zu, sprach mich nur an, wenn ich bereit war und untersuchte mich auf meine Zustimmung in einer Pause. Auch das empfand ich durch die gezielte Atmung als überhaupt nicht unangenehm, und wurde belohnt: MuMu 4-5cm offen!

Wir besprachen, dass wir in 1h nochmal telefonieren und die Übergangsphase gemeinsam im Kreißsaal bestreiten. Die Stunde konnten wir nicht ganz abwarten, da ich dann doch schon etwas früher das Bedürfnis hatte, loszufahren. Gott sei Dank! eine Welle am Auto und zwei Wellen im Auto auf der kurzen Fahrt später wurde mir klar, dass ich jetzt wirklich schleunigst in den Kreißsaal muss.

Kaum im Gebärraum angekommen bin ich in die tiefe Hocke gesunken und hab mitgeteilt, dass ich Pressdrang habe. Meine Hebamme war völlig perplex, untersuchte aber schnell und tatsächlich war der MuMu komplett offen! Mein Freund kam, sowie eine Ärztin, und ich bestritt die letzte Phase (ca 1h) im Vierfüßler sowie die letzten drei Presswehen auf dem Geburtshocker. Ich war laut, bezeugte in jeder Pause, dass ich nicht mehr könne, aber zugleich war ich so sicher, dass wir das schaffen werden.

Und das haben wir, denn plötzlich war das Köpfchen da, und dann unsere ganze, kleine, wunderschöne Klara. Völlig überwältigt und verliebt durften wir 3h im Kreißsaal bleiben, bevor wir auf Station wechselten.

Rückblickend kann ich sagen, dass ich wahnsinnig stolz auf uns zwei Mädels bin, dass wir das so gut gemeinsam gemeistert haben. Wenn auch nicht ohne Schmerzen und mit kurzzeitiger Verzweiflung, aber doch sehr kraftvoll und immer selbstbestimmt. Vielen Dank dafür an Kristin und das ganze Team, aber auch die vielen tollen Frauen und ihre Erfahrungsberichte und wertvollen Gedanken in dieser gruppe!

Übrigens: die anwesende Ärztin hat wohl später meiner Hebamme gesagt, dass sie eigentlich gar nicht so lange hätte bleiben müssen, da alles in Ordnung war, aber sie fand es wohl unglaublich schön, eine so friedliche, natürliche und vor allem erste Geburt mitzuerleben. Natürlich geht es um das eigene empfinden, aber so etwas von außen zu hören, ist doch auch Musik in den Ohren einer frischgebackenen Mama.