Geburtsort:

Hausgeburt

Hallo alle miteinander,

da ich es immer geliebt habe, eure Geburtsberichte zu lesen, möchte ich euch nun auch meinen Bericht nicht vorenthalten.

Er ist sehr detailreich und deshalb ziemlich lang.

Geburtsbericht von der Hausgeburt unseres Sohnes J. am 26.08.2021 um 00:24 Uhr, Gewicht 3400g, Größe 50cm, Kopfumfang 32cm, ET+7, 1. Kind

Keine Dammverletzungen, nur 2 kleine Schürfwunden links und rechts an den Schamlippen

Vorbereitungen:

Sobald ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, war für mich klar, ich möchte die Schwangerschaft in vollen Zügen genießen und das tun, was mir gut tut. Anfangs hatte ich mit Übelkeit, Müdigkeit bzw. totaler Erschöpfung zu kämpfen. Ich las im Internet ein wenig über Hypnobirthing und stieß so auf Die Friedliche Geburt. Ich verschlang den Podcast und mir war bald klar, so möchte ich mich vorbereiten. Für mich war auch schnell klar, dass ich eine Hausgeburt möchte. Mein Mann unterstützte mich voll und ganz in allem, was ich tat. Er war auch sofort überzeugt von Kristins Methode und wir hörten einige Podcasts und Geburtsberichte miteinander.

So und nun zur Geburt:

Am Montag, den 23.08.2021 und am Dienstag, den 24.08.2021 war ich den ganzen Tag nur am Schlafen, ich war so unendlich müde und ich dachte mir schon, dass dies eventuell eine Vorbereitung meines Körpers sei. Ich gab dem Verlangen auch nach und wir verkrochen uns für 2 Tage in eine Höhle, alles verdunkelt, nur ich und mein Mann auf der Couch beim Kuscheln und Serien schauen. 1x sind wir zum Spazieren raus, aber nur eine kleine Runde.

Mittwoch, den 25.08.2021 verspürte ich mittags um ca. 12 Uhr ein leichtes Ziehen, dass ich noch nicht wirklich als Startschuss wahr nahm, da ich bereits immer wieder mal Übungswellen hatte. Mein Mann und ich saßen auf der Couch und wollten eine Serie ansehen, bis ich dann plötzlich zu ihm sagte, dass mir das jetzt zu anstrengend sei und ich ins Schlafzimmer gehe, um dort Geburtsbeginn mental fördern zu hören. Dies machte ich dann auch für ca. 30 Minuten… dann holte ich meinen Mann zu mir und wir liebten uns noch einmal, was wunderschön war. Ich hörte dann die Hypnose weiter und mein Mann bereitete das Mittagessen vor. Um 14:15 Uhr aßen wir gemeinsam (Quinoa-Bowl). Beim gemeinsamen Essen hatte ich dann schon den Drang, mich zu bewegen und aß teilweise im Gehen/Stehen.

Anschließend legte ich mich nochmal kurz ins Bett, um ca. 15:00 Uhr ging ich dann in die Badewanne. Ich war mir immer noch nicht sicher, ob es jetzt schon losgeht, deshalb habe ich weiterhin die Hypnose „Geburtsbeginn mental fördern“ gehört, nun aber über die Box. Mein Mann saß neben mir an der Badewanne und beobachtete mich… bei jeder Welle bisher nutzte ich die tiefe Bauchatmung und diese half mir auch sehr gut. In der Badewanne hatte ich dann schon für 45 Minuten lang alle 3 Minuten Wellen. Ich kam super damit zurecht, mittlerweile hörte ich auch schon die Hypnose „Während der Geburt“. Ich bemerkte wirklich, wie ich immer sehr tief in die Entspannung kam. Mein Mann gab unserer Hebamme Bescheid, dass es jetzt wohl los gehen würde. Wir vereinbarten, sie auf dem Laufenden zu halten und uns zu melden, wenn ich das Gefühl habe, sie zu brauchen. Nach der Badewanne um ca. 15:45 Uhr ging ich für 2h wieder ins Bett mit der Hypnose auf den Ohren, mein Mann bereitete alles so wunderschön vor im Wohnzimmer, wie wir es vereinbart hatten. Alles war dunkel, nur Kerzen und unsere Stehlampe, die mit rotem Seidenpapier umwickelt war. Nach 2h wollte ich wieder ins Wasser und ich konnte schon in den Geburtspool. Vorher ging ich noch auf die Toilette, da ging der Schleimpfropf ab. Die Wellen waren weiterhin alle 3 Minuten und die Bauchatmung, Visualisierung des Muttermundes und der Gebärmutter funktionierten wirklich toll. Ich sagte innerlich auch immer wieder „jajajaja“. Ich musste mehrmals auf die Toilette und durch das Abtrocknen und Heraussteigen bemerkte ich sofort, dass ich nicht mehr so tief drin war. Auf der Toilette waren die Wellen auch jedes Mal deutlich stärker zu spüren. Bei einem Toilettengang um 18:15 Uhr bemerkte ich, dass nach dem Toilettengang noch immer etwas rinnt, das höchstwahrscheinlich Fruchtwasser war. Mein Mann hielt unsere Hebamme per WhatsApp auf dem Laufenden.

Nach einem weiteren Toilettengang um 19:55 Uhr wollte ich wieder ins Bett. Ich hatte zu jeder Zeit das Audio auf den Ohren. Um 20:40 Uhr kam wieder der Wechsel in den Pool. Dann wollte ich die Hypnose über die Box abgespielt haben. Um 21:15 Uhr benötigte ich eine Stärkung und mein Mann machte mir eine Rinderkraftbrühe (die hatten wir eingefroren) und ein Brot mit Käse überbacken in Würfel geschnitten. Die Rinderkraftbrühe gab mir so einen Schub an Kraft, das war echt richtig spürbar. Zwischendrin setzte mein Mann mir immer wieder Anker, wie oft weiß ich nicht mehr, ich bemerkte aber, dass sie mich wirklich immer wieder tiefer in die Entspannung brachten. Dann bemerkte ich auch, dass ich die Hebamme bald gern bei mir hätte und da diese eine Anfahrtszeit von 30-45 Minuten hatte, gab ich meinen Mann Bescheid. Um 22:00 Uhr war meine Hebamme da, sie war sehr ruhig und sprach mich mit ganz ruhiger Stimme an und sagte, dass sie kurz die Herztöne hören würde, ich solle ihr ein Zeichen geben, ob das in Ordnung sei. Die Herztöne des Kleinen waren super. Dann folgte noch auf meine Zustimmung um 22:10 Uhr eine Muttermundstastung, diese ergab 4 cm und der Kopf war gut tastbar. Zuerst war ich für einen kurzen Moment etwas enttäuscht, da ich mir immer 7cm visualisiert hatte. Dann sagte ich mir aber, mein Körper hat mir das Zeichen gegeben, dass ich die Hebamme da haben möchte und das war genau richtig so. Die Hebamme blieb die ersten Stunden in unserer Küche (Türen geöffnet, dass sie meine Atmung etc. hörte). Dann ging es relativ zügig voran, die Wellen wurden intensiver, die Abstände konstant bei 2-3 Minuten von Anfang an. Trotzdem blieb ich total in der Hypnose und schlief zwischen den Wellen sogar immer wieder ein. Die Hebamme hörte während einer Welle noch einmal die Herztöne. Die Wellen beeindruckten den Kleinen in keinster Weise. Ich bekam alles nur am Rande mit, ich war so bei mir und dem Kleinen. Ich sagte mir immer: Jajaja öffne dich und dem Kleinen sagte ich immer wieder, dass er jetzt bald da sei und wir das schaffen und wir uns so freuen auf ihn.

Um 23:45 Uhr bemerkte ich eine starke Veränderung und wusste vorerst nicht, was los ist, ich sagte: „Ich weiß nicht…ich weiß nicht….irgendetwas ist anders“. Auch meine ganze Haltung änderte sich, ich bewegte mich im Pool hin und her. Dann tastete die Hebamme nochmal den Muttermund, während des Tastens bekam ich leider eine Welle, das war wirklich der einzige Moment, wo ich richtig belastende Schmerzen empfand. Sie sagte, es steht nur noch eine Lippe und sobald ich den Drang habe, mitzuschieben, dürfte ich das, aber ich solle nicht jetzt sofort, nur weil es prinzipiell schon geht, pressen…die letzte Stunde der Geburt wurde laut. Bei den Wellen vor dem Mitschieben tönte ich sehr laut, ich war im Vierfüßler und um 23:55 Uhr fing ich an, mit zu schieben. Ich war sehr laut, nicht, weil es weh tat, sondern weil es so eine Kraft war, die ich verspürte. Wahnsinn, ich kann es immer noch nicht glauben….das letzte Mal Mitschieben, bevor der Kopf um 00:21 Uhr da war, war nur geatmet und nicht laut und plötzlich war er da, der Kopf, ich erschrak fast ein bisschen und tastete den Kopf, ich konnte es kaum glauben. Dann um 00:24 Uhr kam noch eine Welle und ich schob nochmal mit und ich gebar J. im Wasser direkt in meine Hände. Mein Mann und ich nahmen ihn aus dem Wasser auf meine Brust. Unglaublich, dieses Gefühl. Ich konnte es nicht glauben, welche Kraft ich verspürt hatte. Anschließend blieben wir noch im Wasser, ich wollte dann aber ziemlich schnell auch raus, weil ich so zitterte, nicht, weil mir kalt war, aber einfach das ganze Erlebnis war so aufregend. Ich stieg aus dem Pool heraus und wir legten uns auf die Couch. Dort kuschelten wir noch. Wir warteten, bis die Nabelschnur auspulsiert war, dann durfte der Papa sie durchschneiden. Ich legte den Kleinen an die Brust an. Die Plazenta ließ dann ein bisschen auf sich warten. Während J. mit seinem Papa kuschelte, ging ich mit der Hebamme auf die Toilette, und ich musste mit Druck auf den Bauch und etwas Ziehen an der Nabelschnur ziemlich über einen Schmerzpunkt im Steißbein drücken, dass sie endlich kam. Um 01:24 Uhr war die Plazenta dann Gott sei Dank da. Ich ging noch in Begleitung der Hebamme duschen, dann untersuchte sie mich noch auf Verletzungen, wie oben schon steht, hatte ich nur 2 Schürfwunden an den Schamlippen. J. kam dann wieder zu mir auf die Brust zum Kuscheln, und wir aßen gemeinsam auf der Couch einen Kuchen und die Hebamme trank einen Kaffee dazu. Sie machte ihren Papierkram noch fertig, während wir zu dritt kuschelten. Um 03:00 Uhr verließ uns die Hebamme. Sie bedankte sich bei mir für diese schöne Geburt.

Wir 3 gingen dann ins Bett, kuschelten und schliefen ein paar Stunden.

So, das war jetzt ein sehr ausführlicher Bericht, die Uhrzeiten schrieb mein Mann mit, deshalb hab ich jetzt alles so genau. Ich hatte nämlich null Zeitgefühl, die Zeit verging wie im Flug.

Unsere Geburt war: selbstbestimmt in jedem Moment, wunderschön, friedlich, laut, kraftvoll, intuitiv und einfach nur genial. Es war nicht schmerzfrei, aber ich kann nicht sagen, dass ich so richtig Schmerzen hatte, was man so unter Schmerzen versteht. Es war anders, aber ich hab dafür noch kein Wort gefunden. Ich bin überzeugt davon, dass ich ohne diese Methode niemals so eine traumhafte Geburt gehabt hätte. Mein Mann war übrigens auch überwältigt, wie gemütlich und toll das alles ablief. Er hatte auch solch eine Ruhe, es war einfach wunderbar.

Heute vor einer Woche durfte ich diese Traumgeburt erleben. Fast so, wie ich es mir visualisiert hatte, nur die Muttermundsöffnung war nicht wie visualisiert, aber trotzdem war er 2 1/2h nach dem Tasten von 4cm da… und in diesem Zeitraum hatte ich mir es vorgestellt. Wirklich ein Wahnsinn. Ihr merkt, ich könnte noch soooo viel schreiben, weil ich einfach so begeistert bin.

Ich möchte, dass so viel Frauen wie nur möglich die Chance haben, auch so eine Geburt zu erleben. Ich werde „Die Friedliche Geburt“ auf jeden Fall weiter empfehlen und ich freu mich jetzt schon auf meine nächste Geburt!

Danke, liebe Kristin für deine Arbeit. Sie hat mein Leben um eine wunderschöne Erfahrung bereichert.