Geburtsort:

Klinik

Selbstbestimmte und friedliche Geburt im Krankenhaus 

Die zwei Geburten meiner ersten Kinder würde ich als teilweise sehr schmerzvoll, langwierig und laut beschreiben. Ich konnte schlecht mit den Wehen umgehen und habe mich vor allem bei der zweiten Geburt sehr verkrampft, was dazu führte, dass die Geburt zum Teil langsam voranging und das Baby im Bauch sehr viel Stress hatte. Die Wehen wollte ich überhaupt nicht.  

In meiner dritten Schwangerschaft wusste ich dann, dass ich mich anders auf die Geburt vorbereiten wollte. Ich wusste, dass ich „Techniken für den Kopf“ und zum Entspannen brauchte, um sinnvoll und produktiv mit den Wehen umzugehen und vor allem die Eröffnungsphase dieses Mal ohne Geschrei und Angst überstehen zu können. Ich habe mich online ein bisschen umgeschaut und bin auf einen Hypnobirthing-Kurs in Heidelberg gestoßen. Diesen haben mein Mann und ich dann gemacht. Die positive Herangehensweise an die Geburt und die erste Begegnung mit Tiefenentspannungsmethoden haben mir gutgetan und gefallen. Allerdings sind nach dem Kurs noch Fragen offengeblieben: Wie gehe ich mit Störungen um? Wie kann ich im Krankenhausgeschehen tiefenentspannt bleiben? Wie kann ich auch wirklich die ganze Geburt über in der Tiefenentspannung bleiben? Was tue ich, wenn die Geburt anders verläuft, als ich es mir wünsche?  Zufällig bin ich auf Kristin Grafs „Die friedliche Geburt“ gestoßen. Das war genau das, was ich noch brauchte. Praktische und konkrete Übungen und Vorgehensweisen für alle Fälle. Zwei Monate vor der Geburt habe ich dann ihren Online-Kurs gemacht und mich intensiv mit der tiefen Bauchatmung, einer sinnvollen Visualisierungstechnik und dem Einüben der Tiefenentspannung vorbereitet. Anfangs ist es mir schwergefallen. Dann habe ich das Entspannen wirklich zu schätzen gelernt und es immer lieber gemacht. 

Da ich Christ bin, war es mir wichtig, Gott auch dabei zu haben. Bei der Tiefenentspannung geht man innerlich an einen sogenannten Kraftort. Das war für mich die Hand Gottes, in der ich geborgen lag. Über mir blauer Himmel, Vögel, drum herum Natur. Ich konnte im tiefenentspannten Zustand erstaunlich gut beten, weil alle störenden Außeneinflüsse ausgeblendet waren. Durch Gebet, positive Gedankenkultivierung und die Entspannungsübungen konnte ich meine letzten zwei Geburten wirklich hinter mir lassen, und die Vorfreude auf die jetzige Geburt und das Baby wuchs stetig. Es war wirklich erstaunlich, wie frei von Ängsten oder negativen Gedanken ich durch das letzte Schwangerschaftsdrittel und in die Geburt gegangen bin. Natürlich war es ein Prozess, auch für meinen Mann, allerdings ein Prozess mit positivem Flow. Auch meine anfänglichen Vorbehalte gegen das Krankenhaus und Krankenhauspersonal konnte ich in den letzten Wochen komplett hinter mir lassen. Ich habe mich am Ende wirklich gut vorbereitet und mit einem guten „Handwerkszeug“ ausgestattet gefühlt. Unabhängig von dem äußeren Raum konnte ich mich in meinen inneren zurückziehen. 

Wie bei meinen ersten beiden Geburten ging es an den Tagen vor der Geburt wieder seichte los mit menstruationsartigen „Wellen“, die allerdings nichts Gravierendes am Muttermund bewirkten, sondern scheinbar nur Körper und Kopf auf die eigentliche Eröffnungsphase vorbereiteten. Diese Tage waren intensiv für mich, weil wir in aller Ruhe noch die letzten Dinge abschließen konnten, ich bewusst oft in die Tiefenentspannung ging und mich mental intensiv auf die Geburt vorbereitet habe. Auch für ein Abendessen mit meinem Mann – der letzte Punkt auf meiner Todo-Liste – war noch genügend Zeit. 

Am 16. Mai hatte ich dann abends gegen halb sechs die erste richtige Welle. Mir war sofort klar, dass das jetzt der Startschuss war. Im Vorfeld hatte ich Bedenken, den richtigen Moment für die Fahrt ins Krankenhaus abpassen zu können. Das war dann in diesem Moment überhaupt keine Frage. Wir sind direkt ins Krankenhaus gefahren, weil meine Kinder bald heimgekommen wären und ich mich gerne im Krankenhaus in Ruhe entspannen und einschwingen wollte. Im Krankenhaus angekommen, erwartete mich eine sehr freundliche und herzliche Hebamme, die mich zuerst konkret nach meinen Geburtswünschen fragte. Ich sagte ihr kurz, wie ich mich dieses Mal vorbereitet hatte und dass ich mir Ruhe und keine Interventionen wünsche. Mein Mann sprach vor der Zimmertür auch noch mit der diensthabenden Ärztin und erklärte ihr alles freundlich und konstruktiv. Unsere Wünsche wurden dann auch zu jedem Zeitpunkt konsequent berücksichtigt. Selbst auf den präventiven Zugang wurde ohne Probleme verzichtet.  

Danach hatte ich eine tolle und entspannte Eröffnungsphase im Wehen-Vorzimmer. Ich saß mit meist geschlossenen Augen tiefenentspannt auf dem Bett und habe mich bei jeder Welle an das Seil gehängt und leichte kreisende Bewegungen mit Becken und Kopf gemacht. Ich bin jeder Welle freudig und aktiv begegnet, habe tief in den Bauch geatmet und den sich öffnenden Muttermund visualisiert. Mein Mann hatte mir am Vortag noch drahtlose Bluetooth-Ohrstecker gekauft, über die ich die Geburtshypnose von Kristin angehört habe. Das war super. Immer wieder wurde ich dadurch in die Tiefenentspannung „runter gezählt“ und mit positiven Affirmationen ermutigt. Mein Muttermund ging ganz schnell auf und ich kann dieses Mal wirklich sagen, dass das ohne Geschrei, große Schmerzen oder Angst einherging. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt einen Gedanken von Schmerz, Negativem oder Schmerzmittel im Kopf. Ich habe die Zeit in diesem Zimmer wirklich genossen. Durch das offene Fenster kam etwas Abendsonne rein und eine warme und ruhige Atmosphäre prägte dem Raum. Mein Mann saß auf einem Stuhl, ich war in mich versunken. Irgendwann bekam ich ein Ziehen in den Beinen und bin langsam, in der Entspannung bleibend, in die Wanne umgezogen. Dort hatte ich auch meine Ruhe keine Untersuchungen (außer das CTG, das lautlos lief), keine Ansprachen. In der Übergangs- und Austreibungsphase habe ich dann Kristins Stimme nicht mehr wahrgenommen. Ich habe leicht getönt, geatmet und gefühlt, wie sich das Köpfchen im Geburtskanal bewegt. 

Bei meinen ersten zwei Geburten war die Austreibungsphase immer sehr langwierig und schwierig gewesen, deshalb habe ich diesmal bei den Presswellen mitgeschoben. Irgendwann beschloss ich dann, dass ich jetzt einmal fest drücke und das Baby damit rauskommt. Es hat funktioniert. Ich war so irritiert darüber, dass ich erstmal gefragt habe, was das denn war. Der kleine Mann ist einfach ins Wasser rausgeflutscht. Die Hebamme meinte, dass er jetzt draußen wäre. Ich habe meine Augen aufgemacht, ihn mir im Wasser her gefischt, auf die Brust gelegt, ordentlich begrüßt und bestaunt. Das war um 21.00 Uhr. 

Nach meinen beiden langen Geburten hätte ich nie gedacht, dass ich ein Kind in so kurzer Zeit und auf so eine angenehme und schöne Art und Weise zur Welt bringen kann. Und das, obwohl sein Kopf quer stand (tiefe Querlage) und sein Ärmchen auch vorgelegen war.  Ich hätte mir diese Geburt kaum schöner vorstellen können und kann sagen, dass eine friedliche und selbstbestimmte Geburt unabhängig vom äußeren Ort, also sogar im Krankenhaus möglich ist.  

Nach der Geburt und im Wochenbett ging es mir emotional und kräftemäßig sehr gut. Die „schöne Geburt“ (wie die Ärztin anschließend sagte) beflügelt mich noch heute und hat mir und meinem Sohn einen wunderbaren Start in das gemeinsame Da-Sein ermöglicht. 

Jule