Geburtsort:

Geburtshaus

Geburtsbericht T. (2. Kind) – Geburtshaus

ET + 6 / 21.6.21 / 53 cm / 4.170 g / KU 37,5 cm

Vorbereitung:

Da meine erste Geburt sehr interventionsreich und für mich auch sehr traumatisch war, war mir klar, dass meine zweite Geburt anders laufen sollte.

Leider hatte ich das Thema Geburtsvorbereitung bei der zweiten Schwangerschaft lange vor mir her geschoben, da ich so viele andere Themen im Kopf hatte. Insbesondere waren wir auf Wohnungssuche, weil ich mit 2 Kindern gerne familiäre Unterstützung in der Nähe wollte. Dies bedeutete allerdings auch ein Umzug von der einen Stadt in eine andere.

Als wir endlich die Zusage für unsere Traumwohnung hatten, habe ich sofort im dortigen Geburtshaus angerufen und mich angemeldet (im Nachhinein habe ich erfahren, dass es der letzte Platz war).

Da mit Arbeit, Kind versorgen, Haushalt und Umzug nicht viel Zeit blieb, fand ich Kristins Podcast erst Ende der 30. SSW und entschied mich in der 32. SSW, den Onlinekurs zu buchen.

Die Videos versuchte ich möglichst schnell durch zu arbeiten und, weil mein Mann leider nicht so viel von dieser Methode hielt, konnte ich mir die Zeit wenigstens selbst einteilen.

Ich hatte bereits viele Vorwellen und vermutete daher, dass unser kleiner Mann vor ET kommen wird. Da meine freie Zeit zum Üben mit meiner 20 Monate alten Tochter (die ich nahezu allein betreue) sehr begrenzt war, konzentrierte ich mich hauptsächlich auf die Geburtsvorbereitung – lang und Angst abfließen. Diese half mir, die letzten Reste der ersten Geburt zu verarbeiten und insbesondere meine Ängste, wie es mit meiner Tochter während und nach der Geburt laufen wird, zu bearbeiten.

Leider hatte ich oft ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht mehr übte. Mich beruhigte es dann etwas, dass ich bei meiner ersten Geburt (vor den Interventionen) unbewusst einige der Tips von Kristin umgesetzt hatte.

Unser kleiner Mann ließ dann aber doch deutlich länger auf sich warten.

Die Geburt:

Da ich über ET war, musste ich alle 2 Tage zum CTG ins Geburtshaus. Meine Hebamme und ich scherzten noch 3 Tage vor Geburt, dass ein Sommersonnwende-Kind (21.6) doch ein wunderschönes Datum wäre.

Und so war es dann auch: Am 21.6. wurde ich morgens um 4.44 Uhr wach und ging zur Toilette. Ich hatte, wie so viele Tage zuvor auch, leichte Übungswellen also legte ich mich wieder ins Bett, um weiter zu schlafen. Im Bett merkte ich dann allerdings sofort, dass es diesmal keine Übungswellen waren und stand sofort wieder auf, um mir meinen MP3-Spieler mit der Geburtshypnose anzuschalten. Die Wellen kamen sofort sehr kurz hintereinander. Leider fand ich nicht ganz so gut in die Tiefenentspannung, da mein Kopf mir einfach noch so unglaublich viel „rein redete“, auch die Bauchatmung fiel mir etwas schwer, aber noch waren die Wellen mit Atmen, Hüftkreisen und Bewegung gut zu bewältigen.

Etwa 6.15 Uhr weckte ich meinen Mann und bat ihn, meine Hebamme und meine Eltern (diese sollten auf unsere Tochter aufpassen) anzurufen. Das Telefonat mit meiner Hebamme (sie wollte kurz mit mir sprechen, um zu hören, wie stark und lange die Wellen schon waren) brachte mich ziemlich aus der Tiefenentspannung und ich bereute kurz darauf, nicht ins Krankenhaus zu gehen, da es im Geburtshaus kein Schmerzmittel gab. Ich war mir plötzlich nicht mehr sicher, wie ich das ewig aushalten könnte, weil mich das viele Stehen bereits sehr anstrengte. Konnte das schon die Übergangsphase sein? Unmöglich… Okay, kurzer Blick auf die Uhr: es war halb 7 und wir hatten uns für in 1h im Geburtshaus verabredet. Ob ich das noch schaffe?

Doch dann fand ich endlich in die Tiefenentspannung. Ich konnte meinen Kopf nicht ausschalten, aber er konnte mir ja schließlich helfen. Also dachte ich beim Einatmen in den Bauch immer „Komm Baby, wir schieben gemeinsam“ und beim Ausatmen „und ich mache dir ganz viel Platz“ mit dem Gefühl eines bereits ganz weit geöffneten Muttermundes. Und damit klappte es hervorragend. Ich hatte in dieser Zeit keine Schmerzen und bekam nur ganz weit weg mit, dass meine Mutter ankam und mit unserer Tochter im Arbeitszimmer spielte (den Papiermüll ausleeren war ihre Lieblingsbeschäftigung). Alle ließen mich in Ruhe, um mich nicht unnötig zu stören. Ich saß die ganze Zeit mit geöffneten Beinen an der Kante des Stuhls (so empfand ich es in dieser Situationen als am angenehmsten).

Mein Mann streichelte meine Hand, um mir zu sagen, dass das Auto vor der Tür steht. Als ich mich gerade aufrichten wollte, streichelte er sie erneut, um mir zu sagen, dass ich noch warten sollte. Ganz weit weg hörte ich die Müllabfuhr, die immer unsere Einfahrt blockiert. Als sie weg war, startete ich einen neuen Versuch. Das Anziehen und auch, dass genau in diesem Moment mein Papa zur Haustüre rein kam, störten mich kein bisschen. Ich hatte meiner Mutter vorab bereits gesagt, wie ich mich auf die Geburt vorbereitet hatte und so konnte sie die Verunsicherung meines Mannes und meines Papas abfangen. Hinterher habe ich erfahren, dass sie meinem Mann noch ein paar Tipps und Anweisungen für die Geburt gegeben hatte (mit mir wollte er es vorher nicht besprechen).

Das Einsteigen ins Auto gestaltete sich dann doch sehr kompliziert, da die Wellen recht kurz aufeinander kamen und ich bei den Versuchen, eine passende Position zu finden, wieder recht in den Kopf kam. Die Fahrt ins Geburtshaus verschwindet ziemlich im Nebel, ich kann nicht einmal sagen, ob ich in dieser Zeit Wellen hatte oder nicht.

Im Geburtshaus angekommen, kam uns die Hebamme schon entgegen, ich nahm einen Kopfhörer raus und sie begrüßte uns mit den Worten und einem zufrieden Grinsen „ich sehe, ihr arbeitet schon fleißig. Lass uns schauen, wie weit wir kommen“ und ich versuchte, bis zur nächsten Welle so weit wie möglich ins Geburtszimmer zu kommen – wir schafften es bis kurz vor die Tür. In der nächsten Wellenpause schaffte ich es auf die Bettkante, um wieder meine bevorzugte sitzende Position einzunehmen. Ganz sachte und immer in einer Wellenpause wurden mein Blutdruck und mit dem Doppler kurz die Herztöne unseres Sohnes gemessen. Ich brauchte eine Weile, bis ich wieder komplett in der Tiefenentspannung war. In dieser Zeit hatte ich einige schmerzhafte Wellen, wenn ich den Beginn verpasste. Lustigerweise brachte ein leises zischendes „F****“ ziemlich schnell Erleichterung. Die Hebamme ließ mich machen, wenn ich ihr Infos zu meinem Körpergefühl zurief, gab sie mir eine Anregung für eine passende Position. Wie als der Druck vorne sehr groß war, empfahl sie mir mich nach vorne auf das Bett zu beugen und die Hüfte zu kippen. Ihr Gegendruck am Rücken half mir nicht wirklich, also ließ sie mich wieder machen und verließ den Raum mit der Anweisung an meinen Mann, wir sollen uns melden, wenn Blut kommt. Bei meinem Mann orderte ich den Gebärhocker, auch wenn ich wusste, er ist eher für die Schlussphase gedacht, aber sitzen mit geöffneten Beinen empfand ich als am angenehmsten und auf dem Bett drückte die Holzkante ziemlich unangenehm. Mein Mann hielt mir in der Zwischenzeit immer eine oder beide Handflächen, das half mir unglaublich. (Dieser Trick kommt vom Heilströmen und den kann ich nur weiterempfehlen).

Hier ging dann auch der blutige Schleimtropf ab, woraufhin mein Mann die Hebamme holte.

Als die Hebamme wieder kam, empfahl sie mir das Stehen an der Sprossenwand und ich hörte auf sie. Ich äußerte den Wunsch, in die Badewanne zu gehen und, dass der Kleine schon recht nach hinten schiebt. Sie bekräftigte mich, dem Druck mit der Atmung, wie ich es tat, zu unterstützen. Ich erinnere mich an den Blick auf die Uhr. Es war ca. 9 Uhr. Ich dachte noch, wenn es wieder eine „Durchschnittsgeburt“ wird (2. Kinder kommen ja angeblich in 6 h – unsere Tochter war in den „Durchschnittlich“ 12 h geboren), müsste er ja in 2 h da sein – das wird dann wohl nichts, sagte mir mein Kopf. Die nächste Welle kam und ich war wieder in Hypnose.

Die Hebamme ließ die Badewanne für mich ein und schickte mich nochmal zur Toilette. Leider nahm ich hier die Kopfhörer ab, wodurch sich die Wellen wieder deutlich verstärkten. Zuvor hatte es immer recht gut mit der Tiefenentspannung geklappt. Das Kommunizieren brachte mich zwar immer etwas raus, was aber für mich nicht so schlimm war und ich fand schnell wieder in die Hypnose. Als ich es endlich in die Badewanne geschafft hatte, blieb leider die erhoffe Entspannung von der Wärme aus. Vierfüßler empfand ich als extrem unangenehm, also doch halb liegend auf dem Rücken (obwohl ich wusste, dass dies nicht unbedingt die beste Gebärposition war). Gott sei Dank dachte mein Mann mit und steckte mir fast ungefragt die Kopfhörer wieder in die Ohren. Ein Segen, denn sofort war ich wieder in der Tiefenentspannung und ich rief meinem Mann nur zu, er solle wieder meine Handflächen halten – das war tatsächlich Gold wert.

Wie lange ich so da lag, wusste ich nicht, plötzlich spürte ich aber einen erhöhten Druck und den ersten Pressdrang. Ich musste zwischenatmen. Die Frage meiner Hebamme, ob er recht zappelt, bejahte ich, obwohl ich es gar nicht sagen konnte. Sie gab mir die Anweisung, nur dann zu pressen, wenn ich den Drang nicht veratmen konnte und irgendwas von pressen und Stress fürs Baby. Sie hörte nochmal mit dem Doppler die Herztöne. Jetzt erst merkte ich, dass bereits die zweite Hebamme im Raum war – juhu es kann also nicht mehr lange dauern.

Mein Mann verließ den Raum, was mich kurz irritierte. Ich war zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr in Hypnose, aber komplett bei mir und dem Baby. Ich spürte förmlich, wie er sich durch mein Becken schob und plötzlich machte es „Plopp“ – die Fruchtblase war geplatzt und mit ihr hatte ich das Gefühl von einem richtigen Wellensturm, der aber von einer unglaublichen Kraft begleitet wurde. Ich konnte nur noch meinem Körper folgen und mit pressen. 1. Presswelle, 2. Presswelle, 3. Presswelle – irgendwie dachte ich aber immer „warte mein Kleiner, nicht so schnell, mach langsam“ und nach der 4. Presswelle (ich hatte eigentlich schon aufgehört zu pressen) rutschte das Köpfchen einfach raus. Ich bin so erschrocken und hörte die Hebamme nur sagen „bleib im Wasser“ (ich muss wohl vor lauter Schreck das Becken hoch gehoben haben). Die nächste Presswelle ließ gefühlt eine halbe Ewigkeit auf sich warten. Endlich kam sie und mit ihr wurde der Körper geboren. Die Hebamme hob den Kleinen aus dem Wasser und legte ihn mir auf die Brust. Er hatte tatsächlich noch eine Teil der Fruchtblase über dem Kopf – ein „Glückshäubchen“. Der Kleine fing sofort an zu weinen.

Kurz darauf kam mein Mann wieder zur Tür herein – er war tatsächlich nur kurz auf der Toilette. Seinen Gesichtsausdruck und „oh er ist ja schon da“ werde ich nie vergessen. Die zweite Hebamme meinte nur „10.33 Uhr – vor 1 min ist er gekommen“. Vor 1,5 h hatte ich noch auf die Uhr geschaut und definitiv nicht mit einem so schnellen Abschluss gerechnet.

Ich war einfach nur überglücklich, meinen Sohn endlich in den Armen zu halten und die Geburt geschafft zu haben. Kurz darauf fing er auch schon an, die Brust zu suchen und eifrig zu saugen. Da ich meine Tochter aufgrund ihrer Weichgaumenspalte und einer Saugschwäche nicht stillen konnte, war dies ein besonderer Moment für mich.

Wir warteten noch die Plazenta-Geburt ab und als die Nabelschnur komplett auspulsiert war, durfte mein Mann sie durchschneiden. Mit meinem Baby auf dem Arm half mir die Hebamme aus dem Wasser und wir konnten es uns im Familienbett gemütlich machen. Ich hatte tatsächlich nur eine kleine Schürfwunde und keine weiteren Verletzungen. Die Hebammen kontrollierten noch die Plazenta und erklärten uns einiges dazu. Da die Fruchtblase erst kurz vor der Geburt geplatzt war fehlte lediglich das Stück, das unser Sohn auf dem Kopf hatte. Es sah schon beeindruckend aus, was da im Bauch herangewachsen war.

Anschließend ließ man uns ganz viel Zeit für das erste Kuscheln und Kennenlernen. Nach einer kurzen Dusche und der U1 sind wir dann etwa 4,5 h nach der Geburt nach Hause gefahren.

Zusammengefasst kann ich sagen, dass die Geburt nicht schmerzfrei war, da mir mein Kopf einfach immer wieder sehr „rein geredet“ hat. Aber ich hatte dank Kristins Kurs viele lange schmerzfreie Zeiten, die mir definitiv viel Kraft gespart haben. Die Bauchatmung und die Visualisierung des geöffneten Muttermundes haben mir am meisten geholfen.

Für mich war es meine absolute Traumgeburt.

Vielen lieben Dank an Kristin und ihr Team.

Ich hoffe, dass viele Frauen sich mit Deinem Kurs vorbereiten dürfen.