Geburtsort:

Klinik

Geburtsbericht

L., 2. Kind

  1. Geburt 2016 bei 39+2, 38h Wellen, Blasensprung nach etwa 30h, durchgängig wach, Schmerzmittel und PDA, Dammschnitt, klassischer Geburtsvorbereitungskurs, keine mentale Vorbereitung
  2. Geburt am 08.08.2021 bei 39+0, Blasensprung um 0:10 Uhr, kurz darauf 3h Wehen und um 3:38 Uhr war er da. Vorbereitung ab ca. 24. SSW mit die friedliche Geburt, ca. 1 h Lachgas, nur leichte Schürfungen, die mit zwei Stichen genäht wurden, Louwen an einzelnen Tagen, Datteln habe ich versucht, aber nie genug geschafft

Nachdem ich seit der 30. SSW wegen einer Gebärmutterhalsverkürzung und drohender Frühgeburt acht Wochen liegen musste, fühlte ich mich ab der 38. SSW wirklich bereit dafür, dass es nun losgeht. Es stellten sich ab der 39. SSW abends immer wieder spürbare Wellen ein, die aber auch mit dem schlafen wieder verschwanden. Freitags ist unsere Große übers Wochenende zu den Großeltern aufgebrochen, da mein Mann und ich die Zeit nochmal genießen wollten und Kinotickets reserviert hatten. Samstags war ein gemütlicher Tag in der Stadt geplant und Sonntags ein Treffen mit der Familie zum Essen, bei dem wir den Geburtstag meiner Omi feiern wollten. Samstags waren auch immer wieder Wellen zu spüren, aber auch die verschwanden bei einem warmen Bad recht schnell. Ich fand es irgendwie schade, da es einfach so gut gepasst hätte. Die Große versorgt, mein Mann daheim, wir konnten nochmal gemeinsame Pärchenzeit genießen… Aber wenn der Kleine nun mal noch nicht will, dann ist es so. Also gingen wir ins Bett und ich muss gegen 23 Uhr eingeschlafen sein.

Es sollte anders kommen! Um 0:10 Uhr spürte ich, wie meine Hose etwas nass wurde. Da wird doch wohl nicht…?

Ich weckte meinen Mann mit den Worten „Ich glaube, die Fruchtblase ist geplatzt!“

Auf dem Klo waren die Zweifel, ob es die Fruchtblase war, schnell ausgeräumt. Wellen hatte ich zu diesem Zeitpunkt keine. Wir riefen also im Kreißsaal an und die freundliche Hebamme riet uns, uns auf den Weg zu machen. Zwar ohne Eile, aber nicht groß auf Wellen zu warten.

Irgendwie fühlte sich das richtig an, also machten wir uns fertig. Bereits während ich mich anzog, merkte ich erste Wellen. Wir schnappten noch die gerichtete Tasche und ab ging’s ins ca. 25 Minuten entfernte KH.

Dort angekommen waren die Wellen bereits so stark, dass ich sie veratmen musste. Bis dahin war ich gar nicht auf die Idee gekommen, mir die Hypnose anzuschalten. Sobald ich am CTG war, setzte ich die AirPods ein und hörte die Meditation während der Geburt. Sie half mir sehr gut, runter zu kommen, ich konnte weiter gut veratmen. Nach dem ctg war kurz eine ärztlicher Untersuchung eingeplant. Hier musste ich schon immer wieder Pausen einlegen und es fiel mir schwer, in der Konzentration zu bleiben. Ich dachte bei jeder Welle an Dehnung, versuchte locker zu lassen und zu visualisieren. Die Ärztin machte einen Ultraschall und tastete den Muttermund. Zu diesem Zeitpunkt (etwa 2:00 Uhr) war er 2-3 cm offen. Was für die Ärztin wohl ein ordentlicher Befund war, überraschte mich (negativ), da ich aufgrund der immer häufigeren starken Wellen irgendwie mit mehr gerechnet hatte. Ich ging davon aus, dass sich das also noch Stunden ziehen würde.

Dann wollte sie mir einen Zugang legen und mir Blut abnehmen. Den Zugang verweigerte ich so freundlich wie möglich, aber Blut könne sie gerne abnehmen. Sie war kurz irritiert, klärte mich über mögliche Probleme auf. Aber ich blieb dabei. Ich wollte keine Nadel in meinem Körper ohne Grund. Das erinnerte mich zu sehr an die erste Geburt.

Wir wurden nochmal in den Wartebereich geschickt, von wo aus uns die Hebamme in den Kreißsaal mitnehmen sollte. Ich kniete dort auf dem Boden mit den Armen auf einem Stuhl und versuchte weiter zu veratmen, was mir immer schwerer viel. Ich wollte dringend in einen Raum, in dem ich bleiben konnte. Keinen Flur. Und ich verlor vermutlich etwas das Zeitgefühl.

Die Hebamme kam, war super freundlich und ich habe mich bei ihr einfach sofort gut aufgehoben gefühlt.

Sie brachte uns in ein Wehenzimmer, dass sie für uns vorbereitet hatte. Ich schmiss mich dort regelrecht auf den Boden, die Wellen ließen mir gefühlt keine Pausen mehr. Ich bat um Lachgas. Das war mein Plan gewesen für eine selbstbestimmte Schmerzlinderung und ein Grund, warum ich mir genau dieses KH ausgesucht hatte. Sie eilte los und holte das Gas ich schaffte es noch irgendwie in den Kreißsaal und dort konnte ich mithilfe des Lachgases die Spitzen der Wellen sehr gut abmildern. Ich kniete ab da auf dem Bett im Kreißsaal, hielt mich am aufgestellten Kopfende fest und mein Mann hob die Maske mit dem Gas. Das muss gegen 2:30 Uhr gewesen sein. Die Hypnose hatte ich weiterhin auf den Ohren. Ab ca. 3 Uhr merkte ich, wie sich etwas veränderte. Ich atmete anders, ich begann zu tönen. Die Hebamme fragte direkt, ob ich einen Pressdrang hätte und genau das war es.

Ich bejahte und mein Mann erzählte mir im Nachhinein, dass er etwas irritiert war, dass die Hebamme ihre Uhr auszog und er sie fragte, ob es etwa schon los ginge. Er war selbst überrascht, wie schnell das auf einmal ging und mir gab es einen riesigen Motivationsschub. Das Lachgas half weiterhin sehr gut, ich konnte zwischen den Wellen die Maske wegnehmen und so den Anweisungen der Hebamme gut folgen. Zu diesem Zeitpunkt drückte ich meinem Mann die Kopfhörer in die Hand, ich wusste, jetzt brauche ich sie nicht mehr.

Ich kann nicht genau sagen wie viele Presswehen es waren, aber ca. eine halbe Stunde nach der ersten merkte ich, wie der Kopf geboren wurde und bei der nächsten Welle der Körper. Das alles nach nur 3 Stunden Wellen. Ich war baff, platt, glücklich,…

Diese Geburt war zwar nicht schmerzfrei, aber selbstbestimmt, kraftvoll und heilend. Ich bin unheimlich dankbar, dass es so verlaufen ist! Ich bin sicher, dass schon allein das Annehmen der Wellen und die positive Grundhaltung dazu beigetragen haben, dass diese zweite Geburt so positiv und kurz verlief.

Liebe Kristin, liebes Team und liebe (werdende) Mamis die hier in der Gruppe sind, euch allen vielen Dank, dass ihr mich auf meinem Weg begleitet habt und mir das Beste von eurem jeweiligen Weg als Motivation mitgegeben habt!