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Geburtsbericht LINA, 27.05.2020 – Meine positive Plan B Geburt

(etwas länger geworden)

Vorbereitung:

Schon seit Beginn der Schwangerschaft hatte ich Kristins Podcast regelmäßig gehört und sehr genossen. Im 7. Monat beschloss ich dann, mir den Kurs zu leisten und bereute es nicht. Ich hatte schon immer (auch vor der SS) Angst vor einer Geburt an sich gehabt. Ich kannte in meinem Umfeld niemanden, der mir von einer schönen Geburt berichten konnte. Durch den Kurs schaffte ich es zu meinem großen Erstaunen tatsächlich, ANGSTFREI auf die Geburt zuzugehen. Aufregung war natürlich mit dabei aber keine Unsicherheit. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ich mich tatsächlich auf meine Geburt freuen könnte, aber ich konnte es. Dies hat für mich den größten Unterschied gemacht. Meine ganze Schwangerschaft über ging es mir sehr gut (bis auf die ersten Wochen, da war viel Angst aufgrund einer vorangegangenen Fehlgeburt mit im Spiel). Die letzten Wochen aber, in denen ich jeden Tag intensiv meditierte, waren wohl mit die schönsten meines Lebens. Ich war auf einer Art Wolke, auf der ich schwebte und die Vorfreude erfüllte mich jeden Tag so sehr. Die Hypnosen gelangen mir richtig gut, auch bei Ablenkung konnte ich tief in mir bleiben und bei meinem Baby. Ich bin grundsätzlich ein Kopfmensch und neige dazu, vieles zu überdenken. Um mich noch besser zu entspannen, schrieb ich mir Karteikarten zu jeder Situation, die mich noch verunsichern könnte. Auf die Karten schrieb ich mir in Stichpunkten auf, wie ich positiv mit der jeweiligen Situation umgehen konnte. Dies gab mir nochmal extra Sicherheit. Es war auch eine Karte dabei, die hieß „wenn Hypnose nicht klappt“. Aber dazu gleich mehr…

Am 26.05.2020 (errechneter ET) war ich bei meiner FÄ. Als sie den Muttermund tastete und feststellte, dass dieser bereits 1cm geöffnet war, fuhr ich ganz aufgeregt und euphorisch nach Hause. Ich wusste, jetzt würde es nicht mehr lange dauern und fühlte mich bereit. Darum gab es heute zur Meditation „Geburtsbeginn mental fördern“ auf die Ohren. Gesagt, getan.

Die Wellen begannen schon kurz danach, waren aber nicht anders als die leichten Senkwellen, die ich schon die ganze Woche immer wieder abends gehabt hatte. Diesmal jedoch hörten sie nicht einfach auf. Sie wurden immer stärker und darum ging ich am späten Abend statt ins Bett, noch einmal in die Badewanne. Ich hatte schon das starke Gefühl, dass sich meine Tochter jetzt auf den Weg machte. Mein Mann war Zuhause und hielt sich schon bereit. (Im Nachhinein erfuhr ich, dass er in dieser Zeit schon das Auto beladen und vorbereitet hatte, da auch er es im Gefühl hatte). Im Bad musste ich plötzlich dringend groß auf die Toilette, ich fröstelte und zitterte ein wenig. Ich machte nur eine Kerze an und hörte die Geburtshypnose in der Wanne. Mein Mann kam schließlich dazu, setzte sich ruhig neben mich und fing an, die Wellen mit einer App zu stoppen. Ich sagte „jetzt“ zu Beginn der Welle und „vorbei“ zum Ende.

Er sprach mich schließlich an, dass die Wellen nun bereits seit einer Stunde alle 5 Minuten kämen und wir ins Krankenhaus fahren sollten (40 km Anfahrt zur Wunschklinik). Ich blieb in Hypnose, freute mich aber innerlich riesig. Beim Anziehen und auch beim ganzen Weg gelang es mir wunderbar, in Hypnose zu bleiben. Ich spürte die Wellen immer stärker aber nicht schmerzhaft und dachte bei mir: „Wahnsinn, es funktioniert!“ Im KH angekommen hörte ich meinen Mann mit der Hebamme sprechen, blieb aber ganz bei mir. Ich bekam jedoch mit, dass sie sich verständnisvoll zeigte und sie sprach mich auch nicht an. Nach erstem CTG sollte ich untersucht werden. Die Ärztin sprach mich immer wieder an, ich blieb jedoch noch ruhig. Als sie den Muttermund tastete, war ich zu aufgeregt um nicht hin zu hören. Befund wie am Vortag: 1 cm geöffnet. Peng. Aus.

Ich war so enttäuscht, da ich die Wellen so intensiv spürte und es mir schon so lang vorkam, dass ich sicher war, es hätte sich schon richtig etwas getan. Da war ich raus aus der Hypnose und richtig niedergeschlagen. Sie bot mir auch an, noch einmal nach Hause zu fahren, was ich aber auf keinen Fall wollte. Ich wusste, bzw. wollte, das dies jetzt die Geburt meines Babys war.

Nun, da ich aus der Hypnose war, bemerkte ich auf einmal meine Müdigkeit und war sehr demotiviert. Inzwischen war es Morgen geworden. Mein Mann fuhr noch einmal nach Hause und ich versuchte, mich in meinem Bett auszuruhen. Die Wellen waren jedoch weiterhin da, sodass dies schwer möglich war. Ich schaffte es zwar nicht mehr in Hypnose zu kommen, aber ließ mich weiterhin ganz auf jede Welle ein. Ich hatte den Drang, mich zu bewegen und ging in meinem Zimmer (in dem ich allein war) auf und ab. Ich ärgerte mich nicht darüber, dass ich nicht mehr in die Hypnose konnte bzw. jetzt auch nicht mehr wollte, denn ich fühlte mich trotzdem so gut vorbereitet und hatte keine Ängste. Als ich allein im Zimmer war, nahm ich sogar noch eine Videobotschaft für mein Baby und ein Tanzvideo für eine Freundin in den Wellenpausen auf. Ich kann es auch jetzt im Nachhinein kaum glauben, wie stark ich mich dort sogar in der Zeit ohne meinen Mann fühlte. Als der Muttermund beim nächsten Tasten immer noch unverändert war, hatte ich einen kurzen Durchhänger und rief jammernd meine Mama an. Auch sagten sie mir, es könne noch Tage dauern, da es ja auch meine erste Geburt war. Ich zweifelte jedoch nicht daran, dass heute mein Kind kommen würde.

Der Tag verging zäh, mein Mann kam wieder, ich bewegte mich viel und veratmete die nun immer stärker werdenden Wellen im Vierfüßlerstand. Die Wirkung der Bauchatmung hat mich wirklich umgehauen, so wohltuend!

Am frühen Abend, als der Muttermund dann inzwischen bei 2cm war, wollte ich in die Wanne. Eine wunderbare Entscheidung. Ich fühlte mich hier sehr wohl und konnte wieder in einen richtig entspannten Zustand finden. Ich konzentrierte mich ganz auf meine Bauchatmung und war in den Wellenpausen einfach nur „ausgeschaltet“. Mein Baby dagegen wurde jetzt richtig aktiv und ich hatte das Gefühl, dass sie mithalf. In der Wanne wurden die Wellen schnell immer heftiger, ich tönte laut und beim nächsten Tasten hieß es endlich: 6cm! Ich war stolz und aufgeregt. Die Wellen spürte ich nun so stark, dass ich nun die Hebammen, die uns die meiste Zeit in Ruhe gelassen hatten, bei uns haben wollte. Sie leiteten mich beim Veratmen an, was mir sehr gut tat. Das Lippensprudeln war eine hilfreiche Ergänzung zur Bauchatmung. Sie sagten mir, dass jetzt eine PDA möglich sei, wenn ich denn eine wollte. Die PDA war immer mein Plan B gewesen und ich überlegte kurz. Die Wellen waren nun schon so intensiv, dass ich mir schwer tat, sie zu veratmen. Ich war außerdem erschöpft, da ich nun schon seit 20 Stunden ständig Wellen hatte. Darum entschloss ich mich kurzerhand für die PDA. Dazu musste ich natürlich aus der Wanne und es dauerte noch ca. 30 Min. bis die PDA schließlich gelegt war. In dieser halben Stunde stellte sich für mich heraus, dass die PDA auf jeden Fall für mich angebracht war und ich war sehr froh, mich so entschieden zu haben. Es war eine sehr unangenehme Phase, aber ich wusste, dass ich es mit meinem Plan B gleich leichter haben würde.

Als die PDA wirkte, konnte ich wieder tief durchatmen und fühlte mich sehr sicher und gut. Ab diesem Punkt war die Geburt nur noch traumhaft. Ich dachte immer, ich würde bei einer PDA die Wellen nicht mehr richtig spüren, bräuchte viel Anleitung usw. aber dem war nicht so. Ich spürte die Wellen deutlich, nur ohne Schmerz und konnte sie genau so veratmen, wie ich es in Kristins Kurs gelernt hatte. Die Bauchatmung war hier weiter sehr hilfreich. Ich spürte einen starken Druck nach unten und die Hebamme fragte mich, ob sie die Fruchtblase öffnen dürfte, was ich bejahte. Es war ein irres Gefühl, als sich diese entleerte. Nun ging alles ganz schnell. Ich brauchte keinen Wehentropf und es blieb beim „Single Shot“ der PDA, mein Baby wollte jetzt auf die Welt kommen. Der Muttermund war vollständig geöffnet und die Austreibungsphase konnte beginnen. Ich weinte vor Glück und Vorfreude. Ich spürte den Pressdrang und presste in Seitenlage, mit einem angewinkelten Bein mit ganzer Kraft, wenn die Hebamme es mir erlaubte. In diesen Momenten fühlte ich mich so stark, wie noch nie. Mein Mann, die Hebamme und die Ärztin motivierten mich zusätzlich und lobten mich. Ich spürte schließlich, den Kopf meiner kleinen Tochter durchtreten. Ich hörte die Hebamme sagen „Du schaust uns ja schon an!“, hielt aber die Augen fest geschlossen, bereit für die letzte Presswelle.

Unsere Lina wurde um 21:45 Uhr geboren und mir gleich auf die Brust gelegt. Ein Wunder. Ich hatte keinerlei Geburtsverletzungen und war sehr schnell wieder fit. Obwohl vieles anders verlaufen ist als „geplant“, denke ich so gerne an die Geburt zurück. Die „friedliche Geburt“ war für mich trotzdem ein voller Erfolg. Ich ging so gestärkt in die Geburt und kam noch stärker wieder heraus. Der Kurs und auch der Podcast geben so viel Mut und Sicherheit. An alle Kopfmamas: Selbst wenn es zu Plan B kommt oder ihr aus der Hypnose kommt, allein durch die wunderbare mentale Vorbereitung wird Eure Geburt positiv beeinflusst. Es war meine erste Geburt, die nächste wird auf jeden Fall wieder mit der „friedlichen Geburt“ sein!

Danke Kristin Graf, für Dein Engagement. Deine Arbeit ist unendlich wertvoll und ich empfehle den Kurs an alle Frauen weiter, die ich kenne. Ich wünsche Euch allen, die das lesen eine wunderbare und positive Geburt!