Geburtsort:

Klinik

Geburtsbericht Th.; 1. Kind; SL 14.04.2021 (41+2); 3840g, 55cm

Meine Traumgeburt im Krankenhaus in Coronazeiten

Schwangerschaft:

– Körperlich verhältnismäßig fit – auch ohne Sport! Nur ab 38. SSW Karpaltunnelsyndrom. Ich habe mich die ganze SS über sehr gesund ernährt. Zum Ende wurde es immer ungesünder (viel Zucker und fettiges Essen) – das war wohl emotionales-Corona-Kompensieren Essen.

– Corona hat diese Zeit für mich sehr einsam gemacht – es gab viel Zeit aber wenig soziale Kontakte und viele der Dinge (Kaffee trinken, Kino, tanzen gehen, Minitrips, Babymoon), die ich gern getan hätte, fielen weg. Ab der 39. SSW haben mein Partner und ich uns selbst in Quarantäne verwiesen, damit er zur Geburt nicht positiv getestet wird im KH und ich nicht allein sein muss.

– Ab 41+0 stand in meinem KH routinemäßige Einleitung fest. Das (inkl. des täglichen Frageterrors von Familie und Freunden) hat mich ab ET sehr gestresst. Meine Gyn unterstützte mich aber und gab mir bis 41+3 unter der Bedingung, dass ich zu tägl. CTGs und Ultraschall (alle 2T) kommen sollte.

– Verhältnis zu meiner Beleghebamme von Anfang an schwierig. Sie ist das Gegenteil von sanft, sehr temperamentvoll, hat aber mit 64 viel Wissen und konnte mich immer (rund um die Uhr erreichbar) kompetent beraten. Die friedliche Geburt bzw. eher Kristin,  fand sie schrecklich und ist sehr darüber hergezogen… bzw. viel mehr über die Informationen, die Kristin gegeben hat, die eigentlich eher Hebammenjob sind (Dammvorbereitung etc.). Trotzdem hat sie das akzeptiert, wenn es mir guttut und nach einer kleinen Hasstirade war das Thema abgeschlossen.

Geburtsvorbereitung:

– Friedliche Geburt ab 28.-35. SSW tägl. Geburtsvorbereitung lang

ab 35. Tägl. Selbsthypnosetraining

Von 31.-37. Hypnose bei Beckenendlage

Ab 40. tägl. Geburtsbeginn mental fördern

2-3 mal Hypnose mit Störungen und Vorbereitung Krankenhaus

– 28.-31. SSW Geburtsvorbereitungskurs bei der Beleghebamme

– 32. SSW Geburtsplan

– Ab 37. SSW Epi No

– Tägl. 40 min spazieren gehen

– Heublumendampfbad, Entbindungstee, Nachtkerzenölkapseln

– 31. SSW Kliniktasche und Kreissaaltasche gepackt und Partner gebrieft (Restpackliste, meine Vorstellung von friedlicher Geburt und seine Rolle)

Geburtsbericht

Ab 40+1 waren im CTG Übungswehen zu verzeichnen, die ich jedoch kaum spüren konnte (harter Bauch – hätte ich auch mit Kindsbewegung verwechselt – und leichtes Ziehen im Schambereich).

An 40+5 hat sich mein Schleimpfropf gelöst (ohne Blut) und ich war furchtbar aufgeregt, dass es nun wirklich bald so weit ist.

An 41+0 konnte ich das erste Mal für 1,5h am Nachmittag regelmäßige stärkere Übungswehen spüren.

An 41+1 sagte ich zu meinem Freund beim Spazieren gehen, dass das wohl bestimmt unser letzter Spaziergang zu zweit ist. Ab 22:00 Uhr spürte ich beim Fernsehen regelmäßige Wellen (harter Bauch und ziehen im Schambereich, sodass ich die Augen schließen musste und die tiefe Bauchatmung ausübte). Ich war sehr müde, wollte mich schlafen legen, aber jedes einschlummern wurde durch die Wellen unterbrochen. Um 22:45 Uhr löste sich auf der Toilette ein weiterer Teil des Schleimpfropfens, mit Blutfäden versehen. Ab da an wurden die Wellen noch stärker und blieben regelmäßig. Ich legte mich hin und sagte meinem Freund freudig, dass es heute wohl losgehe. Ganz euphorisch machte ich mir 1x „Geburtsbeginn mental fördern“ an und danach „Während der Geburt“. Um 23:15 Uhr wurde das Ziehen im Schambereich noch durch ein Drücken im Kreuzbein ergänzt und nun wirklich nicht mehr „weg zu schlafen“. Um 0:30 Uhr rief ich im Delirium meine Mama an (in den nächsten Stunden ist es soweit!!), die meine Joker Begleitperson war,  die draußen vor dem KH wartet, für den Fall, dass mein Freund Corona hat. Um 1:00 Uhr kam ich noch einmal meinem Kontrollkopf nach und bat meinen Freund, die Taschen zu packen. Die wichtigsten Sachen fragte ich vor der Abfahrt auch nochmal ab… aber dann ließ ich endlich los. Ab 1:00 Uhr hörte ich laut auf dem Handy die Hypnose, auch wenn ich sie noch nicht direkt „brauchte“ um bei mir zu bleiben. Es fühlte sich gut an und die nächsten Stunden (bis 4:30 Uhr) wechselte ich zwischen seitlich liegend im Bett, zu auf dem Pezziball bei Schlummerlicht im Bad kreisen. Ich konnte nicht anders, als die Wehen mit einer App zu tracken – es störte mich aber auch nicht in der Entspannung. Für ca. 3h waren sie alle 10 min und ab 3:30 Uhr etwa alle 5-4 min. Mein Freund rief die Beleghebamme an und wir verabredeten uns für 5:15 Uhr im 20 min entfernten KH. In tiefer Hypnose, so wie in den Übungen während der SS, war ich ab der Fahrt nicht. Aber sehr entspannt und bei mir. Ab der Autofahrt und über die gesamte Geburt, hörte ich die Hypnose über ein Ohr, also nur einen AirPod. Ich entschied mich im Vorhinein bewusst gegen die komplette Übertragung der Kommunikation an meinen Mann. Die geschlossenen Augen und der AirPod waren aus meiner Sicht Signal genug, um nur bei notwendigen Fragen mit mir zu sprechen. Mit geschlossenen Augen wandelte ich nun also kurz nach 5:00 Uhr mit meinem Freund ins Familienzimmer. Die ganze Geburt über (Außer beim Gebären des Babys – da kam der Oberarzt) war nur meine Hebamme bei mir. Sie führte dann die Corona Tests durch und legte den Zugang. Es gab ein einstündiges CTG seitlich liegend. Das war alles recht nervig und in Hypnose war ich da nicht unbedingt durchgehend. Trotzdem half mir die Hypnoseaudio mich immer wieder, runterzuzählen und nicht anzufangen, zu plaudern in den Wellenpausen. Gegen 7:00 Uhr war dann die erste vaginale Untersuchung und der MuMu war bereits 4cm geöffnet und meine Hebamme meinte – spätestens um 12:00 Uhr ist mein Baby da. Ich bekam einen Einlauf und ab da an ging es richtig los! Die Hebamme ließ uns für die nächsten 1,5 h allein im Familienzimmer. Mir haben ab diesem Zeitpunkt unglaublich die Affirmationen geholfen, die ich vorher auf einem Geburtsvisionboard am Nachttisch stehen hatte. Sie gingen mir immer wieder durch den Kopf, wenn ich eigentlich sagen wollte – AUA DAS TUT SCH*Iße WEH!. Auch das Umformulieren – OK ICH HABE JETZT EIN STARKES KÖRPERGEFÜHL, EINE STARKE DEHNUNG – haben mir geholfen, die Wellen gut mitzunehmen. Bis zur Austreibungsphase war ich recht ruhig und man hörte nur das starke Ausatmen der Bauchatmung, die auch ohne vorheriges Üben so wunderbar funktioniert hat und absolut grandios für die Verarbeitung war. Um 9:00 Uhr sind wir dann in den Kreißsaal gegangen und ich war bereits vollständig eröffnet. Ich fing an zu tönen. Das war eine Erleichterung. Über der Theke stand ich mit den Ellenbogen abgestützt und verarbeitete die Wellen. Ich war aber schon so schwach, dass ich mich auf einen Pezziball setzen wollte. Doch da drückte schon gewaltig etwas im Steißbereich. Die Hebamme forderte mich auf, mich seitlich auf die Liege zu legen und dort wechselte ich, bis das Baby kam, stetig die Seiten. Auch während der Austreibungsphase behielt ich die Geburtshypnose auf den Ohren. Die immer gleichen und nun schon bekannten Worte beruhigten mich. Die Wellen kamen bei mir zum Ende hin nicht in immer kürzeren Abständen, sondern mein Körper gönnte mir viel Pause. Diese letzte Stunde war wirklich die Erklimmung eines Berges – „ich will nicht mehr“ kam auch vor. Aber zu keinem Zeitpunkt sehnte ich mich nach einer PDA oder Ähnlichem. Ich hatte stets das Gefühl, der Situation gewachsen zu sein und konnte immer wieder in die Freude auf mein Baby kommen und in gewisser Weise die ganze Geburt auch genießen, als dieses einmalige Erlebnis, welches es war. Um 10:12 Uhr erblickte mein Th. dann die Welt. Ich hatte einen Dammriss.

Die friedliche Geburt war rückblickend in der Vorbereitung toll, um trotz der Corona Nervereien,  gestärkt durch die Schwangerschaft zu gehen. Durch die Hypnosen fand ich immer wieder die Verbindung zu mir und meinem Baby. Es fiel mir von Anfang an sehr leicht, in Hypnose zu tauchen und zu visualisieren. Während der Geburt visualisierte ich nur in den ersten Stunden den Kraftort und Muttermund. Später war das eher sporadisch, wenn ich mich sehr darauf konzentrierte, um nicht in eine Schmerzspirale zu kommen. Vor allem war ich geleitet von einem (entspannten, freudigen, powervollen) Gefühl – weniger von Bildern, wie beim Üben. Ohne diesen Kurs wäre ich viel wahrscheinlicher ins Leiden gekommen und hätte mich verkrampft. Der Kurs setzt zwar bei der Kraft an, die jede Frau eh in sich trägt, half mir aber immens dabei, mich daran auch in dieser herausfordernden Situation zu erinnern und diese abzurufen.