Geburtsort:

Klinik

Geburtsbericht Henrike 17.07.2019 

32. Woche Sie liegt quer. „Das wird noch“, sagen die meisten, denn die Statistik sei auf meiner Seite. Trotzdem machte ich ab dem Zeitpunkt fleißig Unterwasserrollen im Schwimmbad (es war ein heißer Sommer!) und fragte sie jeden Abend, ob sie sich nicht doch noch drehen möchte.  

In der 36. Woche hatten wir dann den Termin im Krankenhaus zur äußeren Wendung. Etwas mulmig war mir doch, nachdem ich einige Erfahrungsberichte gelesen hatte, die nicht durchweg positiv ausfielen. Die Ärztin war sehr nett und siehe da, die Kleine lag richtig herum! Welch eine Erleichterung! Ich hatte seit Monaten den Podcast die friedliche Geburt immer während meiner Bahnfahrten zur und von der Arbeit gehört. Die Meditation im Gewusel des Pendlerverkehrs klappte erstaunlich gut. Seit der Zeit des Mutterschutzes machte ich zudem den Online-Kurs und sah insgesamt sehr zuversichtlich der Geburt entgegen. Bei der Vorbesprechung im Krankenhaus konnte ich dies auch mitteilen und die Methode war bekannt und akzeptiert. Zudem vermerkte ich, dass ich wegen meiner Unliebe zu Nadeln gerne auf den Zugang und eine PDA verzichten wolle. Ich hatte dennoch die Möglichkeit eines Kaiserschnitts nie aus den Augen verloren, da das Kind nicht nur quer lag, sondern ich auch unter einer starken Symphysenlockerung litt.  

39. Woche: Sie liegt wieder quer. Ich hatte das schon länger vermutet, denn ihr kleiner Kopf machte mir gerne eine riesige Beule an der linken Seite meines Bauches. Aus Geburtsberichten wusste ich, dass die Ärzte im Krankenhaus wahrscheinlich sofort einen Kaiserschnitt anberaumen würden, ohne auf Anzeichen warten zu wollen, ob das Kind denn bereit sei. Ich zögerte also den Krankenhausbesuch wohlwissend hinaus. 

Der errechnete Termin war am nächsten Donnerstag. In der Nacht zum Dienstag verspürte ich das erste Mal ganz sachte, aber sehr regelmäßige Wellen. Wir fuhren also doch ins Krankenhaus, wo ich beinahe abgewiesen wurde, da ich ja keine Wehen haben könne, so gut wie ich noch drauf sei. Aber das CTG und mein Muttermund belehrten die Hebamme dann doch eines anderen. Die nette Ärztin, die ich schon beim vorherigen Termin kennengelernt hatte, stellte mich nach einem weiteren Ultraschall vor die Wahl: Entweder diesen Tag noch eine äußere Wendung plus Einleitung durchzuführen oder morgen früh um 7 Uhr einen Kaiserschnitt. Mein Mann und ich hatten also etwas Zeit alleine, um uns zu entscheiden. Dazu muss man wissen, dass ich selten auf mich und viel eher auf die „Belehrten“ höre, denn Ärzte müssen es ja wissen. Oder? Doch alleine, dass ich in der Nacht die Zeichen richtig gedeutet hatte, machte mir Mut. Ich entschied mich für den Kaiserschnitt, denn das Baby würde schon seine Gründe haben, warum es quer lag. Die Ärztin war etwas enttäuscht, da sie die Wendung aufregender gefunden hätte, glaube ich; doch die Hebamme war sehr erleichtert, da sie mein Gemüt gut eingeschätzt hatte. Nachdem wir alle Formalien im Krankenhaus geklärt hatten, fuhren wir wieder nach Hause und informierten Familie und Freunde: „Morgen früh werden wir Eltern!“. Schon ein komisches Gefühl, das so definitiv zu sagen. Ich nutzte den Nachmittag dazu, mich von meiner Schwangerschaft zu verabschieden, und mich mit Meditationen auf den Kaiserschnitt vorzubereiten. Ein wenig haderte ich schon mit mir, keine natürliche Geburt haben zu können und diese Gedanken kommen bis heute wieder.  

Nacht zum Mittwoch. Um 6 Uhr morgens sollte der Wecker klingeln. Ich war um ca. 3 Uhr morgens noch mal auf Klo und hatte irgendwie so ein seltsames Ziehen, über das ich mir nicht weiter Gedanken machte. Mein Schlaf ist mir heilig und ich hiefte mich wieder ins Bett. Tatsächlich wurden zum Morgengrauen die Wellen regelmäßiger und ich stoppte die Zeit. Alle 6 Minuten. Sie ist bereit, wie schön! Ich lag auf der Seite und da machte es „Plopp“. 5:55 Uhr. „Friedrich, ich glaub, die Fruchtblase ist geplatzt!“. „Was? Bist Du sicher?“. Ich fühlte das nasse Bettlaken, „Jupp.“. „Oha“. Da uns alle eingebläut hatten, dass ich liegend transportiert werden müsse, rief Friedrich also den Krankenwagen. Die Sanitäter schüttelten nur den Kopf, dass sei alles überholt und ich dürfe gerne alleine die Treppe runter gehen, aber sie würden mich trotzdem ins Krankenhaus fahren. Ich war ganz dankbar dafür und atmete ruhig vor mich hin. Die Sanitäter beschlossen kurzerhand, die Strecke mit Blaulicht zu fahren, damit sie um 7 Uhr ihren Schichtwechsel und damit Feierabend hätten. Statt der normalen 25 Minuten brauchten wir also nur 10 Minuten. Sie versuchten sehr nett, mit mir ins Gespräch zu kommen, aber ich war völlig bei mir und atmete vor mich hin. Die Wellenabstände wurden aber notiert. Im Krankenhaus lief alles ab wie geplant, denn ich war ja pünktlich wie vereinbart! 

Ich zog mich also aus und den Kittel an, durfte noch einmal pieschern und auch Friedrich tauchte mit Sack und Pack auf. Mir wurden Katheter und Zugang gelegt, was ich dank meiner vollen Konzentration auf das Kind kaum mitbekam. Ich wurde noch rasiert, was mir vorher nicht mitgeteilt worden war, sonst hätte ich das natürlich auch gerne ohne Ziepen zu Hause gemacht. Die Wellen waren derweil verebbt; das war dann doch zu viel Trubel. Dann ging es ohne Friedrich in den Kreißsaal. Friedrich steckte derweil auch in seinem grünen Outfit und hütete bereits das kleine Mützchen, das wir für unser Baby vom Krankenhaus bekommen hatten. Die Vorfreude stieg!  

Im OP-Raum wurde ich, immer noch auslaufend!, auf den OP-Tisch gesetzt und auf die Anästhesie vorbereitet. Meine Hebamme war Gold wert, wusste um meine Ängste und meine Vorbereitung und unterstützte mich liebevoll. Tatsächlich machte ich kaum die Augen auf und reagierte kaum auf die vielen Leute, die sich nacheinander vorstellten. (…) Als ich lag und die Beine kribbelten, durfte auch Friedrich wieder zu mir und hielt meine linke Hand, die ich kräftig drückte. Er war komplett gebrieft und wusste, wo ich mich mental befand. Ich atmete und redete innerlich auf meine Kleine ein, dass sie gleich bei uns sei. Nach ein paar Rucklern, und einem entzückten „Och jeh“ von der Ärztin war unsere „Spusi“ aka Henrike auf der Welt! Sie schaute schmatzend über den Vorhang! Die Hebamme machte sie kurz sauber, während ich meine Dosis Oxytocin gespritzt bekam, und sie kam dann sofort auf meine Brust, die sie auch gierig annahm. Ab da hatten wir ein paar Stunden für uns, denn selbst beim Nähen durfte sie auf mir bleiben. Wir wurden zusammen in einen Kreißsaal geschoben und erst nach mehreren Stunden wurden Henrikes Zehen gezählt, sie selber gewogen und vermessen. Die Narkose lies langsam nach, meine ganze Haut kribbelte und juckte, meine Temperatur stieg. Aber ich war stolz wie Bolle und verliebt. Und so stolz wurde ich dann samt Kind in unser Familienzimmer gebracht, wo wir drei Nächte blieben. Das Krankenhaus war für uns die richtige Entscheidung auch für diese Zeit, da wir wirklich Startprobleme mit dem Stillen hatten. Henrike durfte sogar zwischen uns im Bett schlafen und Friedrich konnte die ersten Wickelaktionen übernehmen.  

(…) Später erfuhr ich, dass Henrike sich nicht drehen konnte, da meine Gebärmutter eine Delle hatte und die Nabelschnur dreimal um ihren Hals und Bauch gewickelt war. Damit waren alle Selbstzweifel hinsichtlich meiner Entscheidung zur „Bauchgeburt“ hinweg gefegt.  

 (…) Die Hebamme stellte beim ersten Begutachten zu Hause zudem fest, dass sich meine Gebärmutter viel zu langsam zurück bildete, was wohl öfters bei Kaiserschnitten vorkommt. Sie riet mir zu Petersilien-Tee (ein halbes Bund auf einen Liter Wasser). Das machte ich dann sofort (schmeckt gar nicht so schlecht) und über Nacht bildete sich die Gebärmutter zurück! Meine Hebamme hatte noch mehr Tipps auf Lager, wo Naturheilmittel zum Einsatz kommen können und ich bin total davon überzeugt. Letztendlich ist die Narbe sehr gut verheilt und das äußere und innerliche Jucken ließ bald nach – ich denke, dass dies auch dem positiven Ausgang der Geburt zuzuschreiben ist.  

Beim nächsten Kind hoffe ich natürlich wieder auf eine natürliche Geburt, aber ich habe meinen Frieden mit der Bauchgeburt gefunden und sie war der einzig richtige Weg in unserem Fall. Die Vorbereitung zur Geburt war sehr, sehr wichtig, aber für das nächste Mal bereite ich mich auch besser auf die Zeit gleich danach vor. Hormone und Liebe können halt nur einen Teil der Last auffangen.