Geburtsort:

Geburtshaus

In der Nacht vom 08.09.19 gegen 2:30 Uhr ist meine Fruchtblase geplatzt. Fast direkt haben auch die Wellen begonnen und ich sogleich mit der geburtsbegleitenden Meditation. Bis etwa 7 Uhr habe ich damit gearbeitet und mich sehr wohl gefühlt, zwischendrin habe ich es mir einmal in der Badewanne gemütlich gemacht.   

Gegen 7 Uhr ist mein Mann aufgestanden und, weil ich dann schon bei Wellen alle 5 Minuten war, hat er die Hebamme gerufen, die umgehend zu uns kam. Sie wollte uns auch direkt mit in Geburtshaus nehmen, weil der Muttermund schon 7 cm offen war. Die Hebammen meines Geburtshauses sind toll: sie begleiten einen beobachtend und greifen nur ein, wenn es sein muss. Ansonsten haben sie mich machen lassen, und ich hatte auch das Gefühl, durch ihre Untersuchung nur sehr wenig aus meinem Trance-Zustand heraus zu kommen. Wir sind dann mit dem Auto ins Geburtshaus gefahren, und ich habe versucht, ganz bei mir zu bleiben, was nicht so leicht war, da es in Strömen geregnet hat. Aber mein Mann hat mich sehr gut geleitet … wie er mich auch im gesamten Prozess sehr gut begleitet hat, sehr subtil immer im richtigen Moment unterstützend.  

Im Nachhinein erinnere ich mich noch sehr deutlich an den Gedanken, dass ich eigentlich gerne zuhause geblieben wäre, aber da ich wusste, dass ich mich im Geburtshaus auch sehr wohl fühlte, wollte ich beim ursprünglichen Plan bleiben. Für meine nächste Geburt kann ich mir aber gut vorstellen, zuhause zu bleiben. Im Geburtshaus tat sich in den folgenden Stunden am Muttermund weiterhin viel. Das Atmen und das Hineinspüren in meinen Kraftort hat mir sehr geholfen. Ich habe die Atmung durch Tönen unterstützt. Das war keine bewusste Entscheidung, sondern kam einfach. Ich hatte davor einen Kurs bei einer tollen Hebamme gemacht, in dem auch getönt wurde, der mich sehr berührt hat, aber ich hatte das danach nicht nochmal geübt oder mir extra vorgenommen, es einzusetzen. Ich habe Musik studiert und wurde in Gesang (damit auch Atmung) ausgebildet, deswegen ist das Tönen etwas sehr Natürliches für mich. Nach vielen Stunden war zwar der Muttermund fast ganz geöffnet, aber das Baby kam nicht ins Becken. Zu diesem Zeitpunkt (es war wohl schon etwa 20-21 Uhr) gab es dann doch ein paar Maßnahmen der Hebamme, mit denen wir versucht haben, den kleinen Kerl ins Becken zu bekommen. Ich muss gestehen, dass ich es über eine so lange Zeit nicht geschafft habe, immer in Trance zu bleiben. Was ich allerdings sagen kann und ich führe das u.a. auch auf deine Methode zurück ist, dass ich mich zu jeder Zeit während dieses ganzen Prozesses immer stark gefühlt habe und zu keiner Zeit den Gedanken hatte aufzugeben. Ich hatte immer einen Fokus, eine Methode und wusste, was ich tun kann. Das hat mir eine unglaubliche Kraft gegeben.  

Irgendwann meinte die Hebamme, dass der Blasensprung schon sehr lange her sei und das Baby auf die Wehen negativ reagiere und hat die Möglichkeit ins Spiel gebracht, dass wir ins Krankenhaus gehen. Für die Entscheidung hat sie meinen Mann und mich alleine gelassen. Weil wir unserer Hebamme sehr vertrauen, haben wir gegen 23 Uhr gemeinsam entschieden, ins Krankenhaus zu fahren.  

Wir sind dort auf ein wahnsinnig nettes Team getroffen. Ich habe mich sehr darauf eingelassen, im Außen alles wahrzunehmen und bereue das auch nicht, weil mir bewusst war, dass jetzt einige Entscheidungen getroffen werden müssen und die wollte ich gerne gemeinsam mit meinem Mann treffen. Die erste Entscheidung war die, eine PDA zu bekommen – sogar meine Geburtshaushebamme hat mir dazu geraten, weil es die Hoffnung gab, dass das Baby durch die muskuläre Entspannung nach unten rutschen könnte. Ich muss dazu sagen, dass jeder der Schritte vom Krankenhaus-Team in aller Ruhe und mit viel Sorgfalt mit uns besprochen wurde, was wirklich toll war 

Ab dem Zeitpunkt, als ich die PDA bekommen habe, war ich dann tatsächlich im Außen und habe auch nicht mehr versucht, in die Trance zu kommen. Es hat sich einfach nicht mehr richtig angefühlt. Die intensive Vorbereitung, die ja auch implizierte, dass es evtl. zu Komplikationen kommen kann, hat mir aber trotzdem auch in den folgenden noch etwa 3 Stunden viel gebracht, denn zum einen kannte ich alle Maßnahmen, die ergriffen wurden und zum anderen war ich trotz alledem zuversichtlich und habe mich kraftvoll und selbstbestimmt gefühlt. Das Team hat sich wirklich sehr bemüht, das Baby noch auf natürlichem Wege auf die Welt zu bekommen, aber meine Entzündungswerte waren sehr hoch und das Baby hat immer doller auf Wehen reagiert.Alle Maßnahmen hatten auch keinen Effekt auf den Zustand (mein Muttermund war bei 10 cm, aber das Baby nicht im Becken), sodass der Oberarzt und die dortige Hebamme schließlich meinten, dass sie keinen anderen Weg mehr als einen Kaiserschnitt sähen. Man konnte ihnen geradezu ansehen, wie sehr sie das selbst bedauerten und sie haben uns eine große Wertschätzung entgegen gebracht für das, was wir bis dahin geleistet hatten. Das hat einen enormen Teil dazu beigetragen, diese Entscheidung zu akzeptieren. Während der OP hat sich herausgestellt, dass sich der kleine Mann tatsächlich so verkeilt hatte, dass eine natürliche Geburt nicht möglich gewesen wäre. Auch im OP war das gesamte Team sehr nett und unseren Sohn zum ersten Mal zu sehen, war sehr emotional. Mein Mann ist direkt mit ihm in den Kreißsaal gegangen, und die beiden haben sich dort schon einmal kennen gelernt, bis ich gebracht wurde.  

Obwohl alles im Endeffekt super lief, ich alle Entscheidungen mit Empfehlungen des Teams selbst treffen konnte, mich jederzeit stark gefühlt habe und am Tag der Geburt wahnsinnig glücklich war, gab es danach Momente, in denen es mir mit dem Kaiserschnitt nicht gut ging. Es waren nicht viele Momente (vielleicht 4-5 Situationen), in denen die Emotionen (sicherlich auch Hormone) übernommen haben, ich mir Schuldgefühle gemacht habe und irgendwie „beleidigt“ war. Weil ich mich so intensiv vorbereitet hatte, auch schon, bevor ich „Die friedliche Geburt“ entdeckt hatte, weil ich so intensiv visualisiert hatte usw. und das alles „umsonst“ gewesen ist. Natürlich wusste ich, dass das nicht stimmte und ich das alles ohne diese ganze Vorbereitung so nicht geschafft hätte, aber in manchen Momenten konnte ich mich gegen diese Gedanken und Emotionen nicht wehren. Meine Hebamme hat dann ein Heilbad mit uns gemacht. Das war tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes heilsam und ich konnte mich danach voll und ganz auf alle Freuden mit dem kleinen Jonathan einlassen.  

Danke dir sehr für deine tolle Arbeit, ich freue mich schon darauf, in meiner nächsten Schwangerschaft schon früher mit deiner Technik zu arbeiten, sodass ich alles noch intensiver verinnerlichen und somit intuitiver anwenden kann.  Ich finde, das Programm ist toll aufgebaut, sehr umfassend, verständlich und auch visuell und auditiv auf einem so hohen Niveau. Danke, dass du so vielen Frauen damit hilfst.  

Mit herzlichen Grüßen 

Marion