Geburtsort:

Klinik

Liebe Kristin,

gerne stelle ich dir hiermit den Geburtsbericht unserer Tochter L. zu – aus Sicht meines Mannes (31) und mir (32), um dir damit einerseits zu danken, andererseits, um für uns dieses Ereignis zu dokumentieren, denn schon jetzt – sechs Wochen nach der Geburt – verblassen die Erinnerungen etwas, was wir nicht möchten. 😊

Geburtsbericht Mutter

Warum ich mich für deine Methode entschieden habe? Hierfür muss ich etwas ausholen: Seit meiner Kindheit neige ich zu Ohnmachtsanfällen, ausgelöst durch mein vegetatives Nervensystem, das in Stresssituationen z. B. bei starken Schmerzen, Fieber, Blutentnahme, Spritzen usw. den Schirm einfach mal kurz zumacht. Deshalb waren für mich Ärzte, Praxen und Spitäler immer ein rotes Tuch, weil sie für mich häufig eine Bewusstlosigkeit bedeuteten. Mit den Jahren sind die «Anfälle» immer weniger geworden, die Angst vor der Bewusstlosigkeit ist aber geblieben. Aus diesem Grund war ich immer überzeugt, dass ich eine Geburt nicht schaffe bzw. überlebe oder sie gar nicht erst mitbekomme. Als dann der Schwangerschaftstest positiv war, wusste ich, dass ich jetzt mein Mindset ändern muss. Ich habe mir deshalb das Buch «Hypnobirthing» gekauft und wollte den Kurs dazu in unserem örtlichen Spital besuchen, der aufgrund von Corona aber – zum Glück – ins Wasser fiel. Mit dem Grundsatz des Buches war ich einverstanden, mit ein paar Ansichten und den Hypnose-Anleitungen aber gar nicht (vor allem so ganz ohne Kurs) und so bin ich auf deinen Podcast und dann auch auf deinen Kurs gestoßen, der mich total überzeugt und angesprochen hat. Ab der 25. SSW habe ich dann fleißig mit deinen gesprochenen Hypnosen geübt und mit meinem Mann Anker gesetzt. Also, das zur Vorgeschichte! 😊

L., unser erstes Kind, ist am 22. Juli 2020, um 21:05 Uhr im örtlichen Spital mit 3755 g und 51 cm spontan zur Welt gekommen. Wenn ich jetzt an diesen Mittwoch zurückdenke, ging die Geburt eigentlich schon morgens um 04:00 Uhr los. Ich war ohne Grund sofort hellwach und an Schlaf war nicht mehr zu denken, obwohl ich eigentlich immer noch sehr müde war. Ich stand dann sehr früh auf und war – jetzt im Rückblick – den ganzen Vormittag sehr unruhig. Bei allem, was ich gemacht habe, bin ich nicht wirklich «angekommen». Gut zwei Wochen vor dem ET rechnete ich als Erstgebärende schlicht nicht mit dem Geburtsbeginn, darum habe ich diese Unruhe nicht bewusst bemerkt – heute bin ich schlauer! 😊  Um 14:50 Uhr ging es dann los, als ich im Bett lag und «Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind» auf Netflix schaute. Ich spürte ein innerliches «Plopp», begleitet von einem fiesen, ziehenden Schmerz im Unterleib. «War das jetzt gerade die Fruchtblase?» habe ich mich gefragt, «und was zum Geier ist das für ein Schmerz?!». Ich dachte schon an Wehen, aber auch daran, ob sich gerade ein Darmverschluss gelöst hatte, denn ich musste dringend aufs Klo (total doof, ich weiß, aber ich kannte diese Art von Schmerz bis dahin schlicht nicht 😃). Ich hüpfte schnell unter die Dusche, warf mich in bequeme Kleidung und ging zurück ins Bett, als nach gut 10 Minuten die zweite Welle kam, die wieder fies wehtat. Ab da war ich mir sicher, dass es jetzt losgeht. Ich rief meinen Mann an, er solle doch langsam nach Hause kommen. Mit meinem Bose-Kopfhörer und deiner Geburtshypnose legte ich mich hin und tauchte ab. Die dritte Welle kam, ich atmete langsam ein und der stechende Schmerz blieb aus. Das motivierte mich in diesem Moment enorm. So vergingen ein paar Minuten und Wellen, bis mein Mann nach Hause kam. Wir riefen im Spital an und die diensthabende Hebamme meinte, wir sollen zur Kontrolle vorbeikommen. Bis zur Gebärstation hatte ich ständig die Kopfhörer auf und versuchte, an meinem Kraftort zu bleiben. Die Hebamme untersuchte mich (da hatte ich keine Chance in der Hypnose zu bleiben – autschi). Es war effektiv Fruchtwasser abgegangen und so durften wir uns im Gebärzimmer einquartieren. Ab diesem Zeitpunkt weiß ich nicht mehr so viel, nur, dass ich deiner Stimme gelauscht, an meinem Kraftort verweilt und bei den Wellen tief eingeatmet und den Muttermund visualisiert habe. Die Hebamme ließ sich – da wir einerseits eine Geburt in Ruhe gewünscht hatten, andererseits im Zimmer nebenan eine andere Frau unter der Geburt war – mehrere Stunden nicht blicken.  So gegen 19:00 Uhr veränderte sich die Situation: Mir wurde extrem heiß (ich dachte, ich verbrenne) und ich bekam gefühlt zu wenig Luft. Mein Mann kühlte mich mit mehreren Waschlappen und einem Handventilator (mein Lebensretter!) und ich bekam Sauerstoff. Außerdem musste ich aufs Klo. So bekam ich auch mit, dass die Frau unter Geburt im Nebenzimmer extrem laut schrie, was mich stark irritierte. Ab da fiel ich immer wieder aus der Hypnose raus. Die Wellen wurden (folglich?) immer höher, ich konnte sie einfach nicht mehr weg atmen und weil ich dachte, dass ich mitten in der Eröffnungsphase bin, verlangte ich eine PDA. Ich dachte, dass ich das so nicht länger aushalte. Da der Anästhesist besetzt war, verzögerte sich mein Plan B aber. Kurz darauf begannen meine Beine wie wild zu zittern und ich wollte einfach nur noch zu meinen Eltern gehen (ernsthaft!). Heute weiß ich, dass ich da mitten in der Übergangsphase war – wenn ich das zu diesem Zeitpunkt gewusst hätte, hätte ich damit vielleicht besser umgehen können… So verspürte ich plötzlich auch einen Pressdrang, was ich der Hebamme mitteilte. Sie untersuchte mich und meinte recht trocken, dass mein Muttermund bereits vollständig geöffnet sei und ich dem Pressdrang nachgeben soll. Was für eine Erlösung! Während der Geburtsphase habe ich dann völlig nach meinem Instinkt gehandelt und ich erinnere mich, dass ich diese Urkraft in mir richtig spüren konnte, es hat sich so gut angefühlt! Da der Kopf der Kleinen recht groß und leicht gedreht war und immer wieder zurückrutschte, entschieden wir uns nach gut  30 Presswehen und mehreren verschiedenen Geburtspositionen für den Einsatz der Glocke. Da mein Dammgewebe außerdem sehr fest war (der Epino hat mir leider nicht viel geholfen), wurde ein Dammschnitt nötig. Die Glocke wurde platziert und lediglich so eingesetzt, dass ihr Kopf nicht mehr zurückrutschen konnte. An die letzte Welle und das letzte Schieben erinnere ich mich noch ganz genau: Ich fühlte mich so unglaublich stark und kraftvoll! Und die Erleichterung in dem Moment, als L. geboren war, werde ich nie mehr vergessen.

Auch wenn mir zu mehreren Zeitpunkten wohl die Erfahrung fehlte, ich eine ziemlich fiese Übergangsphase hatte und medizinische Intervention notwendig war, so kann ich sagen, dass es für mich eine Traumgeburt war. Vor allem in Anbetracht meiner Vorgeschichte. Ich bin irgendwie auch stolz darauf, es ohne PDA geschafft zu haben, denn ich habe mich selbst immer als Sensibelchen betrachtet, aber auch, weil ich jetzt weiß, dass mich so schnell nichts aus der Bahn wirft und ich sonst diese Urkraft in mir nie hätte spüren dürfen. 

Ich bin dir, deiner Methode und deinen gesprochenen Hypnosen so unendlich dankbar. Ich weiß nicht, was ich ohne dich gemacht hätte. Weiter so und ich werde deine Methode fleißig weiterempfehlen!

Geburtsbericht Vater

Als mir meine Frau zum ersten Mal von Hypnobirthing erzählte, war ich etwas skeptisch. Schon auf den ersten Seiten dieses Buches fand ich gewisse Stellen seltsam und war nicht mit allen Ansichten der Autorin einverstanden. Zum Glück entdeckte meine Frau dann deinen Kurs, mit dem ich mich besser identifizieren konnte. Ich war froh, meine Frau aktiv unterstützen zu können und nicht nur der Wasserspender und Handtuchhalter zu sein. Bei den Übungen durfte ich eine wichtige Rolle einnehmen, ich war nicht nur einfach der Mann, der ihr das «eingebrockt» hatte, sondern durfte eine wichtige Rolle, die des Geburtsbegleiters, einnehmen.

Als ihre Fruchtblase platzte, war ich nicht zuhause, sondern hatte gerade ein Kundengespräch. Ca. 15 Minuten nach dem Anruf war ich bei Myriam und ich war vermutlich aufgeregter als sie, was ich aber selbstverständlich nicht zeigte. Sie hatte bereits geduscht, war in der Hypnose und wir warteten noch zwei Wellen ab, ehe wir uns ins Spital begaben. Auf der rund 10-minütigen Fahrt hatte sie ihre Kopfhörer auf und wir sprachen nicht miteinander. Im Spital angekommen kümmerte sich gleich die Hebamme um meine Frau und teilte uns mit, dass der Muttermund bereits 2 cm offen war. Meine Frau war in den folgenden Stunden größtenteils entspannt, ich gab ihr ab und zu etwas Wasser und streichelte ihren Rücken. Außerdem kühlte ich sie mit dem Handventilator, da es sehr heiß war. Was meine Frau zum Glück durch die Kopfhörer nicht von Anfang an mitbekam, waren die Schreie einer anderen Frau, die im Nachbarzimmer unter Geburt war. Da dachte ich mir, «was kommt da noch auf uns zu?!» Ich musste nur wenige Male die Krankenschwestern und die Hebamme etwas bremsen, als sie direkt auf meine Frau zusteuerten. Nach dem Toiletten-Gang hielt es meine Frau dann nicht mehr aus und verlangte den Plan B. Leider mussten wir dann über eine Stunde warten und gefühlte 100 Mal klingeln. In dieser Stunde halfen auch der Kraftort und die Anker nicht mehr. Nachdem die Hebamme alles für die PDA bereit gemacht hatte, untersuchte sie nochmals meine Frau und sagte: «Sie können jetzt pressen, wir brauchen keine PDA mehr…» Danach ging es ca. 1.5h und ca. 30 Presswehen bis die Kleine da war! 

Ich bin von deiner Methode positiv überrascht, auch wenn ich davor schon voll und ganz von Mentaltraining überzeugt war. Spitzensportler setzen ja seit jeher darauf. Eine Geburt ist ja aber schon nicht gerade «nur» ein Super-G. Aber es war erstaunlich! Meine Frau war während der Eröffnungsphase ruhig und entspannt und hatte wenig Schmerzen – darüber war und bin ich sehr froh! Vielen Dank für alles!

Herzlichst,

Myriam und Beni A.