Geburtsort:

Klinik

Liebe Kristin,

Ich möchte dir mit diesem Brief von ganzem Herzen Danken. Für deine Arbeit und die Leidenschaft, die du hinein legst. Dir und dem Online-Kurs verdanke ich so, so viel: eine zweite, immer noch unbeschreiblich überwältigende, wundervolle Geburt meines zweiten Sohnes, die mich so sehr mit der ersten ausgesöhnt hat. Dank dir konnte ich eine Geburt erleben, tatsächlich genau wie ich sie mir in meinen kühnsten Träumen ausgemalt und nicht wirklich zu erhoffen gewagt habe und die mich nun auf meine erste Geburt zwar traurig aber nicht mehr traumatisiert zurückblicken lässt.

Danke dir, wirklich: tausend Dank!!!

Ich verfasse im Folgenden einen Geburtsbericht, für mich, für dich und für Frauen, denen es vielleicht ein wenig Mut machen kann, ähnlich wie dein Bericht es für mich tat.

Meine erste Geburt, die Geburt meines jetzt 2,5-Jährigen, war für mich traumatisierend. Ich wollte nur weg, am liebsten aus mir selbst flüchten. Eine Intervention folgte der nächsten, durchaus auf meinen Wunsch hin, jedoch wurde ich leider auch nicht anderweitig beraten oder auch nur von der Hebamme begleitet. Im Gegenteil: ich fühlte mich nicht ernst genommen mit meinem Schmerz und allein gelassen mit den mich überrollenden Wellen. Mir wurde keine Hilfe in irgendeiner Form (Wanne, Öle, Massage, Positionswechsel etc.) angeboten. Das Schmerzmittel, was ich nach vielen Stunden erbat, führte zu starken Kreislaufproblemen und Erbrechen, nicht aber zu Schmerzlinderung, es wurde aber auch nicht abgebrochen, sondern komplett verabreicht. Als ich nach 21 Stunden eine PDA erbat, weil ich so endlos erschöpft war und die Schmerzen nicht mehr auszuhalten wusste, musste ich erst auf die Übergabe der Hebammen und dann noch eine Stunde auf den Anästhesisten warten. Die PDA führte dazu, dass mein linkes Bein betäubt und unbeweglich wurde, jedoch nicht wirklich zur Schmerzlinderung. Als nach 26 Stunden endlich die Fruchtblase platzte und mein Sohn nach wenigen „Presswehen“ geboren war, empfand ich nur Erleichterung, dieses Martyrium überstanden zu haben und wusste im selben Moment, dass ich noch so eine Geburt nicht erleben möchte. Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass ich mit dem Zeitpunkt der Geburt (volle Kreißsäle) und der Hebamme (es „passte“ einfach nicht: sie war wortkarg und ließ mich „einfach machen“, ich hätte mir liebevolle Zuwendung und Zuspruch gewünscht) unter den Geburtswehen leider auch Pech hatte.

Als ich zum zweiten Mal, durchaus sehr gewollt, schwanger wurde, mischte sich direkt in die Freude über den positiven Test eine unwahrscheinliche Angst vor der Geburt. Mir war sofort klar, dass ich mich dieses Mal anders vorbereiten möchte (der klassische Vorbereitungskurs hatte mir für die erste Geburt keine Hilfe zu leisten vermocht) und vor allem auch die Angst überwinden muss, um einer guten, einer friedlichen Geburt überhaupt eine Chance zu geben.

Ich stieß zunächst auf Hypnobirthing, las mich ein und war mit dem Konzept nicht hundertprozentig glücklich. Als ich schließlich Kristins Kurs fand, sprach sie mir mit ihrer Sicht auf das „klassische Hypnobirthing“ aus der Seele und ich verstand, was mich daran störte. Gleichzeitig klang Kristins Weg einfach passend, gut und richtig. Ich „absolvierte“ den Online-Kurs und übte so fleißig, wie es mit einem Kleinkind während einer Pandemie allein zuhause eben möglich ist. Als ich ins Straucheln geriet, Unsicherheit und Angst die Oberhand zu gewinnen drohten, half mir Kristin mit einer persönlichen Nachricht, dies zu überwinden und stärkte mein Vertrauen in mich und ihr Konzept.

Der ET rückte näher und in der Nacht nach dem errechneten Termin wurde ich gegen 3 Uhr wach und lag im Nassen. Ich eilte auf die Toilette und stellte sicher, dass das Fruchtwasser klar war. Dann legte ich mich  auf unser Sofa, spielte Kristins Geburtsmeditation ab und war zutiefst entspannt. Wellen kamen sanft, unregelmäßig, zeitweise gar nicht oder kaum merklich. Gegen 6 Uhr beschloss ich, so auch zurück zu Mann und Kind ins Bett kehren zu können und genoss es, noch etwa eine Stunde neben ihnen zu liegen, wohl wissend, dass es das letzte Mal ist, dass wir zu dritt dort liegen. Als mein Mann aufwachte, teilte ich ihm den Stand der Dinge mit. Er stand mit unserem Sohn auf und sie gingen zum Bäcker, während ich liegen blieb, wieder die Meditation hörend. Die Wellen kamen weiter recht sanft und unregelmäßig, als meine Mutter kurz nach 8 Uhr kam, um auf unseren Sohn während der Geburt aufzupassen, schickte ich sie wieder weg mit den Worten, dass sich vor Mittag sicherlich nichts täte. Sie war kaum weg, da wurden die Wellen kräftiger. Ich beschloss, meine Hebamme anzurufen, um zu fragen, wann ich unabhängig von der Wellenstärke ins Krankenhaus müsste, weil ja die Fruchtblase schon offen war. Während des Telefonats (jetzt war ich ja völlig raus aus der Tiefenentspannung) erfasste mich eine heftige Welle, die mir für bestimmt 20 Sekunden die Luft raubte. Die Hebamme erklärte daraufhin, dass ich direkt ins Krankenhaus fahren sollte, falls noch eine derartige Welle käme. Und tatsächlich folgten nun immer wieder Wellen dieser Art, weil ich nun meinen Mann informieren musste, meine Mutter zurückzurufen und alles startklar zu machen. Mir sank etwas der Mut, weil ich es im Abfahrtstrubel nicht schaffte, mich wieder zu entspannen (unser „Großer“ weinte bitterlich) und die Wellen nun ca. alle 3 Minuten recht heftig kamen. Im Auto konnte ich dann aber über die Kopfhörer wieder die Meditation hören und sofort entspannte ich mich. Auf der 20 minütigen Fahrt spürte ich nur zwei Wellen, die so sacht waren, dass ich schon fürchtete, man würde mich sicherlich wieder nach Hause schicken. Genau das sagte ich auch direkt der Hebamme, die glücklicherweise meinte, sie würde jetzt doch erstmal ein CTG schreiben und mich untersuchen, wenn ich das möchte. Am CTG liegend kamen die Wellen auch direkt zurück. Und zwar mit einer großen Heftigkeit und in sehr kurzer Folge. Sie verlangten mir alle Konzentration ab und nach 30 Minuten CTG erfragte ich doch den Muttermundstand, den ich mir eigentlich nicht sagen lassen wollte, um mich nicht verunsichern zu lassen. 4 cm lautete die ernüchternde Antwort, über die die Hebamme jedoch sehr glücklich und zufrieden schien. Mir wurde Angst, hatte ich bei der ersten Geburt ab diesem Befund doch noch 11 Stunden heftigste „Wehen“ durchlebt. Ich fragte, halb verzweifelt, ob ich denn zur Entspannung in die Wanne könnte. Die Hebamme bejahte und fragte, ob ich denn auch nichts dagegen hätte, in der Wanne zu entbinden. Das verwirrte mich, da ich mich von der Entbindung ja noch Stunden entfernt wähnte, ich hätte jedoch prinzipiell nichts dagegen. Sie ließ mir also Wasser ein und nicht ganz eine Stunde nach unserer Ankunft im Kreißsaal stieg ich in die Wanne. Das warme Wasser tat SO gut. Die Wellen waren stark, ich war völlig in ihnen versunken und schon nach kürzester Zeit erfassten mich Austreibungswellen. Ich war entsetzt und bekam Angst: natürlich kann man bei 4 cm nicht anfangen zu pressen. Ich sagte der Hebamme, ich hätte den Drang zu pressen und zu meinem Erstaunen rief sie nicht „unter keinen Umständen!“, sondern sagte „Ok. Du machst einfach, was sich gut und richtig anfühlt. Du hast bislang ja auch alles wunderbar intuitiv gemacht.“ Dann lief sie los und holte die Ärztin, half mir in eine vorteilhaftere Position, sprach mir ausschließlich und liebevoll Mut zu und 30 Minuten später fischte ich meinen zweiten Sohn aus dem Wasser.

Ich war fassungslos.

Später fragte ich die Hebamme, wieso sie mich tatsächlich pressen ließ, trotz des Muttermundbefundes. Sie sagte, sie hätte am CTG bereits gesehen, dass die Wellen sehr starke Geburtswehen waren. Und sie wusste, dass der Muttermund sich unter starken Geburtswehen und bei Entspannung sehr schnell öffnen kann. Sie hätte mich außerdem beobachtet und bemerkt, dass ich rein intuitiv genau getan hätte, was jeweils „richtig“, also förderlich oder nötig war.

Die Geburt war, keine Frage, eine wahre Naturgewalt. Mein Körper bewältigte sie sozusagen selbstständig. Im Gegensatz zur ersten Geburt ließ ich ihn aber auch genau dies tun. Ich konzentrierte mich allein auf Atmung und Entspannung und ließ mich nicht wie beim ersten Mal von Angst erfassen. Ich erlebte alles viel klarer und bewusster, aktiver. Die Geburt war nichts, was mir „wiederfuhr“, ich hatte nicht das Gefühl des Kontrollverlusts, sondern war überwältigt davon, was mein Körper zu leisten vermochte.

Nach nur 90 Minuten im Kreißsaal war also mein Sohn geboren. Im Gegensatz zur ersten Geburt, die sich über viele Stunden hingezogen hatte, blieb ich sogar ohne Geburtsverletzungen.

Ich konnte es einfach selbst nicht glauben.

Wie geplant und gehofft, durfte ich ambulant entbinden und 6 Stunden später nach Hause fahren, um die zwei Brüder einander vorzustellen.

Wirklich nichts hätte ich mir an dieser Geburt noch besser ausmalen können. Mich erfüllt eine unendliche Dankbarkeit, wenn ich daran zurückdenke.

Ich bin sicher, dass viele Umstände eine gute, schöne, friedliche Geburt ausmachen und letztlich liegt Vieles nicht in der eigenen Hand, in der aktuellen Zeit vielleicht noch Weniger als sonst. Ein Umstand ist aber definitiv das „mind set“ und Dank Kristin war es mir möglich, meines zu verändern und trotz meiner Erfahrungen die Geburt entspannt zu erwarten und zu erleben. Abschließend möchte ich noch hinzufügen, dass ich keineswegs zu jeder Zeit in der Vorbereitung oder auch unter der Geburt völlig entspannt und angstfrei war. Ich bin generell ein ängstlicher und alles zerdenkender Typ, dem es nicht leicht fällt, Kontrolle abzugeben und sich „einfach locker“ zu machen. Aber das war auch gar nicht nötig. Kristins Kurs und Methode haben mir genug Sicherheit gegeben, mich immer wieder zu entspannen und meiner Angst den Raum, den sie sich hin und wieder nahm, wieder zu entziehen.

Liebe Kristin: ich kann dir nicht genug danken. Ich empfehle dich, deinen Kurs, deine Methode jeder meiner schwangeren Freundinnen und jeder anderen Frau weiter und wünsche dir von Herzen alles Gute.