Geburtsort:

Klinik

Liebe Kristin, 
nun wollte ich dir endlich mal schreiben und mich bei dir bedanken. Bedanken dafür, dass du einen nicht unerheblichen Teil zu meiner wunderschönen Geburtserfahrung im letzten Jahr beigetragen hast. Eine Erfahrung, die mich sehr gestärkt hat. (…)  

Mein großer Wunsch war es (wieder), mein Kind spontan zu gebären. Auf der Suche nach alternativer Geburtsvorbereitung fand ich deinen Podcast, den hörte ich gerne, ich mochte deine Stimme und deinen Ansatz gleich sehr gern. Mit meinem Mann zusammen machte ich dann deinen Onlinekurs, und ich bin sehr froh darüber. Über die Zeit, die ich mir in der Schwangerschaft für mich und mein zweites Kind bewusst genommen habe, die Verbindung, die wir dadurch bereits vor der Geburt hatten und nicht zuletzt – eine kraftvolle und größtenteils friedliche Geburt. Am 12. September 2019 – genau am errechneten Termin – habe ich unseren zweiten Sohn geboren. 
Am frühen Abend des 11. Septembers bemerkte ich die ersten Wellen. Zu dem Zeitpunkt richtete ich das Abendessen für den Großen. Ich schrieb meinem Mann, er solle schauen, dass er pünktlich rauskommt. Beim Schlafanzuganziehen veratmete ich bereits die ersten Wellen, so dass mein Großer „Mama Aua?“ fragte:) Ich war sehr froh, als mein Mann kurz darauf heimkam und ich mich mit dir auf den Ohren in die Wanne begeben konnte. Dabei spürte ich, dass es sich um echte Wellen handelte. Als der Große im Bett war, zählte mein Mann anhand meiner Atmung die Abstände der Wellen und sie kamen bald im 5-Minuten-Takt. Mein Mann hat dann die Großeltern angerufen. Als sie eintrafen, ging es für uns in das gleiche Krankenhaus wie bei der ersten Geburt (ich liegend auf der Rückbank mit Kopfhörern:)). Damals war ich nämlich nicht mit dem Personal unzufrieden, im Gegenteil: wir fühlten uns jederzeit gut aufgehoben. Man hat alles versucht, um den Kaiserschnitt herumzukommen und mich zu bestärken. Nur hatte ich damals schon total die Verbindung zu meinem Körper verloren.
Umso schöner, dass es beim zweiten Mal anders lief. Natürlicher Wehenbeginn, die gut mit der entsprechenden Atmung und dir auf den Ohren (also in Gedanken an meinem Kraftort) aushaltbar waren. Es war auf keinen Fall schmerzfrei. Aber kraftvoll und selbstbestimmt. Ich war immer in Kontakt mit meinem Baby und meinem Körper (und war auch etwas auf Lachgas😊). Ich war entspannt, aber ich glaube, nicht komplett tiefenentspannt. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich meist im Vierfüßler mit dem Oberkörper auf dem Pezziball. Meine Bewegungen machte ich intuitiv danach, was sich gut anfühlte. Die Hebamme kam immer wieder zu uns, war dabei, saß und beobachtete (das erzählte mir mein Mann). Sie stellte starke Blutungen fest und überwachte mich per CTG häufiger (im Nachhinein konnte man an der Plazenta Stellen erkennen, die auf eine partielle Plazentaablösung hindeuteten.) Aufgrund der starken Blutungen bekam ich aus Sicherheitsgründen einen Zugang gelegt. Dazu kam eine Ärztin sehr laut ins Zimmer, was mich sehr störte. Außer in dieser Situation wurde mein Wunsch nach Dämmerlicht und Ruhe aber absolut berücksichtigt. 
Die Hebamme, die mich durch die ganze Nacht begleitete, war genau für diese Zeit perfekt. Sie war einfach immer wieder da und gab uns Sicherheit, und das war das einzige, was wir in dieser Zeit brauchten. Morgens um 6 Uhr gab es einen Schichtwechsel. Wir kamen zu dem Zeitpunkt langsam in die Übergangsphase. Ich konnte die Kopfhörer nicht mehr ertragen und kam auch irgendwie aus der Trance raus. Aber das war okay, der Zeitpunkt hat gepasst und ich war mehr in Kontakt mit der Hebamme. Diese war älter, erfahrener und etwas resoluter, was zu diesem Zeitpunkt im Nachhinein auch optimal war. Sie war aber gleichzeitig sehr sensibel und erklärte uns jeden Schritt und fragte um Erlaubnis. Sie beschloss, die Fruchtblase aufzustechen, da das Köpfchen sich einfach nicht weiter nach unten bewegen wollte. Ich stimmte zu und es stellte sich als die richtige Entscheidung heraus: danach ging es flott weiter. Ab diesem Zeitpunkt kann man getrost von Wehen sprechen, vielleicht lag das aber daran, dass ich nicht mehr so tief in Entspannung war. Trotzdem hat mir die Atemtechnik noch sehr geholfen. Und die erfahrene Hebamme, die mich unglaublich bestärkt hat, dass ich das schaffe und dass es nicht mehr lange dauern wird. Ich hatte zwischendurch nämlich doch wieder den Gedanken: „Schneidet dieses Kind doch einfach raus!“ (Übergangsphase Hallo!)) Die Austreibungsphase hat dann noch ein bisschen gedauert, da sich der kleine große Mann (KU 36 cm, Länge 58 cm) in der Sternguckerposition eingefunden hatte. Es kam dann doch zu medizinischer Intervention mit kleiner Saugglocke und Kristellergriff, da er immer wieder zurückflutschte. Aber all das wurde von einer lieben Ärztin und der lieben Hebamme begleitet, die mich auf alles vorbereiteten, so dass es mir NICHT fremdbestimmt oder brutal vorkam. Ich war einfach nur dankbar, dass sie mich ein wenig unterstützten. Ich spürte einen gewaltigen Dehnungsschmerz, dann kam erst der Kopf (der Kleine schaute meinen Mann schon neugierig an und kotzte erst mal das blutige Fruchtwasser aus ), bevor dann in einer letzten Presswehe mit einer unglaublichen Kraft mein zweiter Sohn geboren wurde. Ich war einfach nur glücklich und hormonüberschüttet! Wie unglaublich sich das anfühlt! Und was mein Körper schaffen kann! Nie wieder werde ich dieses Gefühl und diesen Moment vergessen. Mein Leben lang werde ich dankbar sein dafür, dass ich das erleben durfte.
Es lief sicher nicht alles perfekt, aber für mich war es trotzdem meine perfekte Geburt. Eine absolute Entschädigung für die erste. So schön, dass ich vor Kurzem zu meinem Mann sagte: „Das würde ich gerne sofort wieder erleben“ (Wir wollen aber eigentlich nur zwei Kinder. Mist).
Danke! Deine Methode hat auf jeden Fall ihren Teil dazu beigetragen. Vor allem die Eröffnungsphase, die mir beim ersten Mal so unendlich viel Kraft geraubt hatte, habe ich diesmal ganz alleine und selbstbestimmt gemeistert. Ohne ständig zu denken: wer holt mich hier nur raus? Es hat mir tatsächlich Spaß gemacht, dieses mächtige Gefühl der Wellen zu erleben und mich ihnen völlig hinzugeben. Ich hoffe, dass noch ganz viele Frauen ihre perfekte Geburt mit deiner Begleitung erleben dürfen.