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Geburtsbericht Emma – SSW 36+3- 19.10.20, Spontangeburt im KH

Ich möchte euch heute von meiner Geburt berichten, auch wenn sie schon ein halbes Jahr zurück liegt. Ich habe erst damit gehadert, weil einiges durch die äußeren Rahmenbedingungen nicht so gut lief, ich hoffe aber, dass mein Bericht auch Mut macht, wenn’s anders kommt als gedacht.

Meine erste Geburt war ein geplanter Kaiserschnitt wegen einer BEL und anderer Kontraindikationen. Bei der zweiten Schwangerschaft wollte ich unbedingt eine schöne, natürliche Geburt erleben, daher begab ich mich früh auf die Suche nach der richtigen Vorbereitung.

Ich beschäftige mich mit Hypnobirthing und belegte einen anderen Online-Kurs zum Thema „sanfte Geburt“. Danach stieß ich auf Kristins Podcast und entschied mich ab der 20 SSW, nochmal ihren Kurs zu belegen und ihre Methode zu erlernen.

Ich übte fast täglich, merkte aber gegen Ende der Schwangerschaft, wie mir die Meditationen zunehmend schwerer fielen und ich immer öfter einschlief.

Trotzdem fühlte ich mich gut vorbereitet, mein Mann kannte und unterstütze den Ansatz vollkommen und ich freute mich auf die Geburt. Auch mit der Geburt im Krankenhaus konnte ich mich anfreunden, da das Geburtshaus leider schon sehr früh ausgebucht war.

Nach der Geburtsplanung im KH hatte ich ein gutes Gefühl. Alle Fragen wurden zufriedenstellend beantwortet, mein Mann durfte unter der Geburt mit in den Kreißsaal und anschließend auch auf die Wochenbettstation. Eine Maske musste man als Gebärende im Kreißsaal nicht tragen.

Wir waren 2 Wochen vorher umgezogen und noch komplett im Chaos, als knapp vier Wochen vor ET überraschend meine Fruchtblase gegen 1:00 Uhr nachts platzte und kurz darauf kamen die ersten Wellen. Ich war irritiert, da ich einfach noch gar nicht damit gerechnet hatte, blieb aber ruhig, versuchte weiterzuschlafen oder mich zumindest auszuruhen und mich auf die Geburt einzuschwingen. Das gelang mir auch bis dahin ganz gut. Gegen 5:00 Uhr wurden die Wellen stärker und ich weckte meinen Mann und nahm ein Bad. Er rief währenddessen im KH an und man riet uns, wegen des Blasensprungs auf jeden Fall zeitnah vorbeizukommen.

Die Fahrt über konnte ich noch in einer Art Trace bleiben, trotzdem freute ich mich, bald da zu sein und mich vor Ort ganz der Trance und der Geburt hingeben zu können. Als wir dann im KH eintrafen, kam es leider anders als gedacht. Mein Mann musste mich an der Tür „verabschieden“ und durfte nicht mit rein. Für mich erstmal ein Schock, da ich offensichtlich unter Geburt war und er doch alles vor Ort regeln sollte! Er durfte erst dazukommen, wenn ich im Kreißsaal bin…

Ich musste also einen Corona-Bogen ausfüllen und anschließend in der Anmeldung mit meinem Koffer warten und eine Nummer ziehen… Ab da brachen die Wellen gefühlt über mir und mit der Trance war es vorbei.

Nachdem ich mich und meine Sachen dann zum Kreißsaal geschleppt hatte, folgte ein halbstündiges CTG, ich hörte wieder die Geburtshypnose und versuchte, mich wieder in Trance zu bringen, was mir einigermaßen gut gelang.

Die Hebamme war verwundert und fragte, was ich denn da hören würde, befand das für gut und sagte, ich solle dabei bleiben, da es mich anscheinend beruhigte. Anschließend folgte ein Corona-Test, Blutabnahme und das Tasten des MuMu. Leider war dieser gerade mal bei 1cm, jedoch sehr weich. In den Kreißsaal wollte man mich so noch nicht lassen, da es noch sehr lange dauern würde. Die Hebamme schlug vor, ich solle doch wieder nach draußen gehen zu meinem Mann und in ca. zwei Stunden wiederkommen zwecks Antibiotikagabe.

Mir war dieser Vorschlag absolut zuwider da ich darauf eingestellt war, mich jetzt in meinen inneren Raum zu begeben und mich zurückzuziehen und nicht auf offener Straße mitten in der Stadt rumzulaufen und die Wellen zu veratmen.

Ich fragte, ob sie nicht ein Zimmer für mich hätten, damit ich mich auf die Geburt konzentrieren könne, sie war darüber verwundert, fragte aber dann auf der Wochenbettstation nach einem Zimmer für mich, um die Zeit zu überbrücken. Mein Mann durfte nach wie vor nicht zu mir, also schickte ich ihn am Telefon gegen 9:30 Uhr schweren Herzens wieder nach Hause.

Nach längerem Warten bekam ich ein Zimmer zugewiesen, eine kurze Einweisung, falls etwas ist, solle ich klingeln.

Ich war etwas irritiert, dass ich allein gelassen wurde, machte das Beste daraus, hörte die Geburtshypnose und versuchte die Wellen zu veratmen.

Zum Glück (!) hatte ich Kristin, die mich im wahrsten Sinne begleitete und anleitete, da die Wellen nun richtig Fahrt aufnahmen. Gegen 10:30 Uhr hielt ich es alleine im Zimmer nicht mehr aus und mache mich bepackt mit meinen Kreißsaal-Utensilien zurück auf den Weg zur Geburtsstation. Der (lange) Weg dahin war wirklich sehr schwierig für mich. Dort angekommen, kam ich ans CTG im Vorzimmer. Nach einer Weile tastete die Hebamme meinen MuMu und war mehr als erstaunt festzustellen, dass er fast komplett eröffnet war! Ich merke nun bereits einen starken Pressdrang, wurde leicht panisch und durfte nun endlich meinen Mann anrufen!!

Er musste sich beeilen, wenn er überhaupt noch etwas mitbekommen wollte. Mit der Hypnose war es spätestens ab dem Zeitpunkt vorbei, ich ertrug es nicht mehr, Kopfhörer zu tragen und die ruhige Stimme bekam ich nicht mehr in Einklang mit meinem inneren Zustand.

Ich fragte noch nach einem Schmerzmittel, aber es war bereits zu spät dafür.

Endlich kam ich in den Kreißsaal, wo ich so lange versuchte, den Pressdrang aufzuhalten bis mein Mann endlich kam. Erst danach konnte ich mich wieder auf das Finale einlassen, in Trance kam ich aber nun nicht mehr. Die Hebamme gab mir noch Anweisungen, mich auf den Rücken zu legen, ich bestand aber drauf in den Vierfüßlerstand zu wechseln. Nach wenigen, hohen Wellen und kräftigem Mitschieben war unsere Maus dann um 12:31 Uhr gesund und munter auf der Welt.

Anschließend kam noch die Hebamme aus dem Vorzimmer zu mir, um mir zu gratulieren und nochmal zu fragen, was ich da genau gehört hatte, so eine schnelle und entspannte “Erstgebährende” hätte sie noch nie erlebt und sie fand es beeindruckend, wie ich mich voll und ganz auf die Geburt eingelassen hatte.

Mein Fazit: Durch die äußeren Umstände im KH und die Coronamaßnahmen, war meine Geburt anders als erhofft und ich war zuerst ziemlich überrumpelt und sehr enttäuscht darüber. Das sind wohl die 20%, die wir nicht in der Hand haben…

Mit etwas Abstand bin ich unendlich dankbar, dass ich Dank Der Friedlichen Geburt trotz allem in der Lage war, die Geburt fast ganz alleine und bis zum Schluss komplett selbstbestimmt zu bewältigen und das Ganze auch noch ohne Schmerzmittel, Interventionen und in Rekordzeit.

Liebe Kristin: Ich danke dir von Herzen für deine wertvolle Arbeit, mich hat sie an dem Tag meiner Geburt gerettet!