Geburtsort:

Hausgeburt

Geburtsbericht

Hausgeburt/ungeplante Alleingeburt

L. * 02.07.21, 11:41, 3360g, 50 cm

L. ist unser drittes Kind. Die Geburten ihrer beiden Brüder hätte ich mir auch schon in einem außerklinischen Setting gewünscht, was beide Male nicht geklappt hatte (Kaiserschnitt nach 40 Stunden Wehen/Einleitung mit PDA nach vorzeitigem Blasensprung).

Dementsprechend groß war mein Wunsch nach einer positiven, selbstbestimmten Geburtserfahrung während meiner, wie ich wusste, letzten Schwangerschaft. Frühzeitig fragte ich bei dem Team aus 2 Hebammen an, die mich auch bei der letzten Geburt hätten begleiten sollen. Ich war sehr froh, dass sie noch Platz für eine Geburt im Juli hatten. Ich machte fast alle Vorsorgeuntersuchungen bei ihnen im Geburtshaus. Im Verlauf der Schwangerschaft bin ich umgeschwenkt von Geburtshaus auf Hausgeburt. Mir war einfach klar: zuhause fühle ich mich am wohlsten und kann mich am besten entspannen!

Mit der Friedlichen Geburt habe ich mich ab ca. der 15. SSW vorbereitet. Die Hypnosen waren eine tägliche Wohltat. Ich würde sagen, dass ich ab dem 9. Monat richtig tief in den Trance Zustand gelangt bin. Ich war nicht nur entspannt, sondern wurde währenddessen regelrecht von Glücksgefühlen durchflutet.

Mein Partner unterstützte mich in meinen Wünschen und war auch von dem Konzept der Geburt in Hypnose überzeugt. Wir haben uns die Videos für den Geburtsbegleiter zusammen angesehen und ich habe im Vorfeld Listen für ihn geschrieben. Trotzdem hat es sich nicht stimmig für mich angefühlt, ihn noch mehr einzubinden (Ankersetzung). Das hat einfach nicht zu uns gepasst und ich war tief im Vertrauen, dass ich nicht auf seine Hilfe in dem Sinne angewiesen sein würde.

In den Wochen vor der Geburt hatte ich schon sehr viele Vorwehen. Meine Hebammen und ich waren eigentlich überzeugt, dass die Kleine weit vor errechnetem Termin kommen würde (wie ihre Brüder auch), es waren letztendlich dann nur 4 Tage. Dementsprechend zermürbend und anstrengend waren die Tage und Wochen vor der Geburt.

Am Freitag, den 02.Juli, wachte ich um 4:00 morgens auf. Ich dachte zunächst wieder an Vorwehen, habe dann aber recht schnell realisiert, dass die Geburt endlich losgehen würde. Ich freute mich riesig! Ich hörte Geburtsbeginn mental fördern (nicht zum ersten Mal), atmete und visualisierte. Auf dem Weg zur Toilette merkte ich, dass sich der Schleimpfropf gelöst hatte. Die Wehen kamen alle 15 min und ich ging in die Badewanne. Die Wehen blieben, wurden etwas intensiver, sodass ich mir nun sicher war: das ist Geburt!

Um 5:00 weckte ich meinen Mann mit den Worten: Steh auf, heute bekommen wir ein Baby! Er sollte in Ruhe aufwachen, um 6:00 die Hebamme vorwarnen und alles so vorbereiten, dass die Kinder gut in Schule und Krippe kommen. Bis 7:30 lag ich dann entspannt mit der Geburtshypnose im Bett. Meine beiden Jungs kamen dann kurz rein, um mir Tschüss zu sagen und mir einen Kuss zu geben.

Sie wussten, dass, wenn sie nach Hause kommen, ihre Schwester da sein würde.

Ich war dann doch froh, als sie aus dem Haus waren. Ich aß noch ein Brot und wechselte auf das Sofa mit Schlafmaske und Kopfhörern. Unsere Katze legte sich schnurrend auf die Lehne oberhalb meines Kopfes und blieb dort!

Mein Mann sagte mir, eine Hebamme würde vorbeischauen, um zu sehen, wie die Lage sei. Um 09:00 untersuchte sie mich und mein Muttermund war 1cm geöffnet. Damit hatte ich gerechnet, da die Wellen noch nicht intensiv waren und nach wie vor alle 15 Minuten kamen. Die andere Hebamme sollte mich begleiten (zu meiner Freude!) und sie teilte ihr den Befund mit. Dann verabschiedete sie sich wieder. Ich machte mir keine weiteren Gedanken, sondern blieb bei mir. Ich beschloss nochmal, in die Badewanne zu gehen. Die Wellen wurden darin deutlich intensiver und ich merkte, dass ich mich auf der Couch wohler fühlte. Während mein Mann rumwuselte, aufräumte, alles bereitstellte und wie besprochen vorbereitete, war ich in Hypnose. In den Pausen konnte ich mich so sehr tief entspannen. Die Visualisierung nutzte ich nur manchmal. Die Atmung klappte bis kurz vor Ende gut. Beim Üben fiel es mir jedoch deutlich leichter. Die Wellen wurden intensiver und ich ging dazu über, beim Ausatmen zu stöhnen. 2 Mal setzte ich mir den Finger-Anker. Das muss echt nach richtig gutem Sex geklungen haben! Die Wellen waren weiterhin gut machbar! Ich lag die ganze Zeit über auf der Seite. Ausgemacht war, dass wir der Hebamme Bescheid geben, wenn die Abstände bei 10 min wären. Dazu kam es aber nicht. Ich merkte zwar, dass sich was verändert hat und bat meinen Mann die Abstände zu beobachten. Das hatte er wohl schon getan und der Hebamme Bescheid gegeben, dass sie losfahren solle ( Fahrtweg vlt. 10 Minuten). Wie ich später erfahren hatte, ging der Abstand plötzlich von 15 min auf 5 min, nochmal 5 min, 3 min….

Noch immer hatte ich nicht realisiert, wie weit ich schon war. Innerhalb von 2 Stunden hatte sich mein Muttermund komplett geöffnet! Ich stand plötzlich auf. Mein Mann fragte, ob ich aufs Klo gehen wollte und ich dachte mir in diesem Moment: gute Idee! Es war ein komisches Gefühl beim Laufen. Das muss wohl die Übergangsphase gewesen sein. Wieder im Wohnzimmer kniete ich mich auf den Boden vor dem Sofa. Mein Mann hatte dort Polster aufgebaut. Ich lehnte mich über einen Holzklotz im aufgerichteten Vierfüßler. Ich merkte aber schnell, dass sich das nicht gut anfühlte. Die nächste Welle kam mit einer Wucht, ich riss mir Maske und Kopfhörer vom Kopf, drehte mich halb aufrecht auf den Rücken und musste beim Ausatmen laut Tönen. Ganz dringend habe ich auch die Hand meines Mannes gebraucht. Das war wie eine Erdung. Ich fragte ihn, wo die Hebamme bleibe. Er sagte, sie müsse jeden Moment kommen. Ich schwitzte wie verrückt und bei der nächsten Welle realisierte ich, dass die Kleine tiefer trat. Ich musste das Körpergefühl ausleiten und wurde sehr laut, was ich niemals von mir erwartet hätte! Plötzlich war die andere Hebamme am Telefon, unsere betreuende Hebamme, stand im Stau. Ich rief nur: der Kopf! Und zu meinem Mann: Du musst was unter mich legen! Die Hebamme sagte, ich solle mich seitlich legen und ich kippte nur das Becken zur Seite. Sofort kam die nächste Welle, bei der das Köpfchen austrat. Die Hebamme und mein Mann redeten mir gut zu und beruhigten mich. Mein Mann hielt das Köpfchen leicht. Mit der letzten Welle drehte die Kleine sich (sie stieß sich richtig mit den Füßen ab!) und war geboren! Sie schrie ganz kurz, mein Mann sagte Hallo!, ich gleich zu ihm: Gib sie mir!

Auf meiner Brust, mit Handtüchern bedeckt, lag sie da. Ich war völlig überwältigt. Sie war ganz ruhig und nickte auch kurz ein. 2 Minuten später kam die Hebamme und strahlte mich an. 2 bzw. 3 Stunden später kamen L.s Brüder nach Hause und ich blieb einfach auf der Couch liegen.

Ich hatte keinerlei Verletzungen und auch sonst war alles in bester Ordnung. Eine Geburt ohne Hebamme war nicht geplant und auch nicht erwünscht. Es war meine Traumgeburt, ohne jegliche Intervention, völlig selbstbestimmt und intuitiv gesteuert. Ich hätte mich so nicht gehen lassen können in einer anderen Umgebung. Die sehr kurze Austrittsphase war wahnsinnig intensiv und nicht unbedingt schön. Es waren nur 3 Wehen mit wenigen Sekunden Pause dazwischen.

Für uns als Paar war das natürlich unbeschreiblich intim und die Erfahrung wird uns auf immer begleiten.

Das Setting der Hausgeburt und die Vorbereitung mit der Friedlichen Geburt hat mir dieses Erlebnis ermöglicht. Dafür bin ich sehr dankbar!