Geburtsort:

Klinik

Triggerwarnung: Geburt mit Komplikationen

Liebe Kristin,
jetzt ist unser Sohn schon fast zehn Wochen alt und ich wollte dir endlich einen kleinen Geburtsbericht schicken. Eine Traumgeburt war es zwar leider nicht – sehr großes Baby und Schulterdystokie – aber alles gut ausgegangen und dein Kurs hat mir trotzdem gut durch einen großen Teil der Geburt geholfen.
Es war meine zweite Geburt und sie begann mit einem Blasensprung am späten Freitagabend. Ich bin dann direkt in die Klinik gefahren. Dort im Vorbereitungsraum der Entbindungsstation haben auch recht schnell die Wehen begonnen. Die ersten 24 Stunden waren sie noch nicht sehr „produktiv“, aber dank deiner Methode auch nicht schmerzhaft. Besonders die Atemtechnik fand ich sehr hilfreich. Leider habe ich es die ganze Zeit nicht in meinen Kraftort geschafft, ich war zwar sehr entspannt, aber konnte diesen Ort nicht visualisieren, es war einfach schwarz. Mein Mann kam in der Nacht, nachdem die Großeltern die Betreuung unserer 3jährigen Tochter übernommen hatten, zu mir in die Klinik und hat mich auch gut unterstützt, wie wir es geübt hatten. Vor allem der Duftanker hat mir sehr geholfen. In der Klinik kannten sie deine Methode übrigens (Anthroposophische Klinik). Am Sonntag hörten die Wehen dann über viele Stunden wieder auf, trotz Senfmehl-Fußbad, Einreibungen etc. Am Abend setzten sie wieder ein wie in der Nacht zuvor. Da der Blasensprung am späten Abend stattgefunden hatte, wurde aber entschieden, mit der Einleitung bis zum nächsten Morgen zu warten um dann ausgeruht in die eigentliche Geburt zu starten. In der Nacht wurden die Wehen dann aber stärker und gegen vier Uhr habe ich meinen Mann geweckt, damit er mich wieder „umsorgen“ und unterstützen konnte. (In dieser Klinik dürfen die Väter auch in der Corona-Zeit die ganz Zeit dabei sein. Ich wurde auch nicht auf Station gebracht, sondern habe die ganze Zeit in einem Vorbereitungszimmer auf der Entbindungsstation verbracht, meinem Mann wurde auch direkt ein Bett dazu gestellt.) Von einer Einleitung wurde dann also abgesehen und am späten Vormittag stellte die Hebamme fest, dass der Mutterbund bereits 8-9 cm geöffnet war. Mittlerweile habe ich es nicht mehr geschafft, weit genug in der Tiefenentspannung zu sein um mit den Schmerzen gut zurecht zu kommen, so dass ich um ein Schmerzmittel gebeten habe, was ich dann auch als Tropf bekam. (Zugang hatte ich eh schon von Beginn an wegen positivem B-Streptokokken-Test.) Deine Atemtechnik, die sich bis dahin als sehr hilfreich erwiesen hatte, begann nun unangenehm zu werden. Die Hebamme übernahm dann die Regie und mit ihrer Hilfe und der „klassischen Atemtechnik“ schaffte ich es die Wehen wieder gut zu veratmen. Kurz darauf sind wir in den Kreissaal und ich durfte in die Badewanne – mein großer Wunsch dieses Mal. Die Schmerzen begannen mir nun in die Beine zu ziehen – ein Schmerz, bei dem schon bei der ersten Geburt die PDA nicht gut gewirkt hat. Dieses Mal machte ich die gleiche Erfahrung, die Schmerzen im Unterleib waren mit Entspannung und Schmerzmittel gut auszuhalten, aber die Schmerzen in den Beinen waren heftig. Dann ging es Richtung Pressphase, wobei ich keinen starken Pressdrang hatte, aber relativ schnell war ein Teil des Köpfchens geboren. Dann stagnierte es leider, so dass ich irgendwann aus der Wanne musste. Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner wusste war, dass der Kleine einen Kopfumfang von 38 cm hatte. Auf dem Kreisbett kam das Köpfchen dann aber, nur stelle die Hebamme an diesem Punkt eine Schulterdystokie fest. Von der nun ausbrechenden Hektik habe ich glücklicherweise nichts mitbekommen und bin brav den Anweisungen der Hebamme gefolgt, so dass die Schulter sich schnell lösen konnte und mein Sohn mit der nächsten Wehe auf die Welt kam. Ich hatte so wenig davon mitbekommen, was um mich rum passierte, dass ich mich noch kurz geärgert habe, weil sie ihn sofort abgenabelt haben. Der Kinderarzt hat ihn dann sofort untersucht, aber recht schnell wurde er mir dann auf die Brust gelegt und wir durften ihn erstmal begrüßen. Wie ich inzwischen weiß, waren alle Werte nach der Geburt gut. Wir wussten nicht, dass er so groß war. Eineinhalb Wochen vor der Geburt war er noch auf gute 3 kg geschätzt worden – und nun kam er am Tag 38+2 mit 4,5 kg und 54 cm auf die Welt. Aber vermutlich war es gut für mich nicht zu wissen, was für ein großes Kind ich da auf die Welt bringen musste. Und glücklicherweise ist ja alles gut gegangen – auch dank der Hebamme, die genau wusste, was zu tun ist.
Nach der Geburt war bei mir leider noch eine Ausschabung notwendig. Der Kleine durfte aber so lange beim Papa auf dem Bauch liegen und die beiden haben im Nachbarzimmer gewartet. So konnte ich mich relativ gelassen auf die OP einlassen, weil ich wusste, dass es meinem Sohn gut geht und Papa-Bonding ja schließlich auch wertvoll ist – gerade auch zu Corona-Zeiten, wo der Papa nicht so viel zu Besuch kommen konnte.
Wir hatten dann noch eine kleine Odyssee mit zweimal Phototherapie wegen zu hohem Bilirubin-Level, aber nach zehn Tagen waren wir dann endlich richtig zuhause und haben uns inzwischen gut eingelebt. Unsere Große liebt ihren kleinen Bruder und inzwischen ist die Eifersucht auch nicht mehr so groß.
Jetzt ist mein kleiner Geburtsbericht doch etwas länger geworden. 😉 Ich habe mit dem Kurs leider erst eine Woche vor Beginn des Mutterschutzes angefangen und da der Kleine ja zwei Wochen vor Termin kam, hatte ich nur fünf Wochen zu üben. In dieser Zeit war auch noch zwei Wochen der Kindergarten wegen Lockdown geschlossen, so dass es schwer war genug Zeit für die Übungen zu finden. Ich habe das Gefühl, dass mir letztlich die Übung gefehlt hat. Dennoch hat mir die Methode die Geburt erleichtert und vor allem hatte ich, als die Geburt richtig los ging, noch viel Kraft und Energie, obwohl ich bereits zwei Nächte lang regelmäßige Wehen hatte. Letztlich war die Schulterdystokie natürlich ein traumatisches Ereignis, das ich vielleicht auch nochmal in Ruhe aufarbeiten muss. Glücklicherweise habe ich erst zwei Tage nach der Geburt erfahren, wie kritisch die Situation war. Ich hatte ein tolles Nachgespräch mit einer Gynäkologin, die bei der Geburt notfallmäßig dabei war. Sie ist mit mir den genauen Ablauf nochmal durch gegangen und hat alles Wichtige mit mir besprochen. Das hilft mir schon sehr, wirklich zu wissen, was passiert ist und wie die Geburt abgelaufen ist – meine eigene Erinnerung lässt mich da doch sehr im Stich.

Jetzt haben wir auf jeden Fall einen gesunden und ziemlich properen, süßen kleinen Sohn, der schon fleißig mit uns „redet“, lacht und gerade erste Anstalten macht, sich auf den Bauch zu drehen.

Liebe Grüße und danke dir für deinen Kurs! Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg damit und werde ihn auch weiterempfehlen.
Sarah