Geburtsort:

Klinik

Sehr langer Geburtsbericht, aber ich finde die Vorgeschichte dazu auch ganz amüsant. Wem es zu lang ist, einfach runter scrollen.

Geburtsbericht (1. Kind)

Hebammenkreissaal

03.06.2021 um 13.48 Uhr (39+6)

3550 g, 55 cm, 36 cm KU

Vorbereitung:

Die friedliche Geburt ab Februar

Heublumensitzbäder ab SSW 36

  1. 2-3x pro Woche Dammmassage ab SSW 35

Geburtsvorbereitende Akupunktur

Louwen Diät ab SSW 36

Hebammenkreißsaal=An die Hausgeburt angelehnt, ohne ärztliche Betreuung. Fokus auf natürliche Geburt ohne Interventionen

Am 01.06.2021 war ich im „Mama Spa“, nachdem die Corona Regelungen es endlich zuließen, und habe mir noch mal eine Entspannungsbehandlung gegönnt. Während der Massage habe ich zum ersten Mal bewusst gemerkt, dass ich kleine Wellen hatte. Ein kleines Ziehen, aber mit benennbarem Anfang und Ende. Diese hielten den ganzen Tag an und waren abends mit alle 20 Minuten recht regelmäßig. Die Wellen blieben aber ganz klein. Am nächsten Tag waren diese zunächst erst mal weg.

Da so schönes Wetter war, habe ich mir noch einen Tag vor ET einen passenden Badeanzug gekauft und bin mit einer Freundin ins Freibad. Die Schwerelosigkeit beim Schwimmen hat so gut getan! Auf Grund von Corona konnte ich dies die ganze Schwangerschaft noch nicht. Am Abend wollten mein Mann und ich die zurück gelangten Freiheiten ausnutzen und nochmal in Zweisamkeit schön essen gehen. Während ich mich fertig gemacht habe, verspürte ich erneut immer wieder leichte Wellen. Bevor wir ins Restaurant konnten, mussten wir noch einen Coronatest machen. Leider mussten wir dort so lange warten, dass es mittlerweile bereits 20.15 Uhr war. Da die Gastronomie um 21 Uhr schließen musste, reichte es nun doch nicht mehr für ein Abendessen. Dass der lang ersehnte Abend nun anders verlaufen würde als geplant, trieb mir bereits die Tränen in die Augen und ich merkte, dass ich sehr emotional war. Wir wollten dann wenigstens noch auf ein Getränk in die Stadt fahren. Auf dem Weg in die Bar merkte ich schon, dass die Wellen deutlich spürbarer wurden und die Abstände regelmäßig alle 15 Minuten waren. Die Terrasse der Bar war gut gefüllt und die Bedienung, die uns am Eingang empfing, sagte uns, dass sie leider keine neuen Gäste mehr annehmen durfte. Daraufhin kochten meine Emotionen erneut über und ich entgegnete nur weinerlich „Ich bekomm heute Nacht mein Kind und wollte nur noch einmal vorher schön was trinken gehen!“ drehte mich um und ging. Als ich diesen Satz ausgesprochen hatte, wusste ich, dass es stimmt! Mein Mann schaute nur verdutzt und kam mir hinterher gelaufen. Die Gäste auf der Terrasse, die das Geschehen beobachteten, dachten wohl, dass die Schwangere da nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Aber es wusste ja keiner, dass ich schon alle 15 Minuten kleine Wellen spürte.

Mir war die Lust vergangen und ich wollte nur noch nach Hause. Dort angekommen, es war mittlerweile ca. 21 Uhr, haben wir uns noch mit einem Getränk auf den Balkon gesetzt. Die Wellen wurden weiter spürbarer und kamen ca. alle 10 Minuten. Gegen 22 Uhr sagte ich meinem Mann, dass ich nun in die Geburtshypnose einsteigen möchte und machte es mir mit meinen Kopfhörern auf der Couch bequem.

Schnell wurden die Wellen höher und ich veratmete diese tief. Mein Mann konnte anhand meiner Atmung auch gut die Wellen tracken. Diese kamen bereits alle 4 Minuten und die App wollte uns ständig bereits ins Krankenhaus schicken, was wir ignorierten. Irgendwann wurden die Wellen im Liegen unangenehm und ich wechselte auf den Gymnastikball. Bei jeder Welle fing mein Körper an, zu zittern und ich tönte mittlerweile, um die Wellen zu verarbeiten. Bei einem Toilettengang hatte ich dann eine Blutung und ich verlor den Schleimpfropf. Ich wies meinen Mann kurz an, im Kreissaal anzurufen und zu fragen, ob wir schon kommen sollten. Allerdings hatte ich Angst, bereits los zu fahren und im Krankenhaus zu merken, dass ich erst 1 cm oder so geschafft hatte. Zum einen, da ich jetzt erst meinen Schleimpfropf verloren hatte und zum anderen konnte ich ja auch noch gut mit den Wellen umgehen. In meiner Vorstellung wollte ich immer mit ca. 6-7 cm im Krankenhaus ankommen. Die Hebamme meinte nur zu meinem Mann, dass wir es selbst abschätzen sollten und auf unser Gefühl vertrauen. Wir blieben noch ein wenig zu Hause. Irgendwann hatte ich dann aber doch das Gefühl, ins Krankenhaus aufbrechen zu wollen.

Auf dem Weg zum Auto merkte ich, dass das Stehen und Laufen mir gut tat. Wir fuhren dann ins Krankenhaus und blieben dort vor dem Eingang noch ein paar Wellen stehen. Als wir im Kreissaal ankamen, waren wir die einzigen und die Hebamme führte uns gleich in den Kreissaal mit Geburtswanne, da ich mir eine Wassergeburt wünschte. Es war mittlerweile ca. 2 Uhr nachts.

Die Hebamme kannte uns bereits aus dem ersten Vorstellungsgespräch für den Hebammenkreissaal. Zur Begrüßung nahm ich die Kopfhörer ab und tauchte kurze Zeit später wieder ab. Die Hebamme wollte zunächst 30 Minuten Funk-CTG schreiben und mich anschließend untersuchen. Doch sie kam dann recht schnell wieder und untersuchte mich früher, wahrscheinlich da ich so laut tönte. Einen Muttermundbefund wollte ich ja nicht wissen, aber ich spürte, dass sie bei der Untersuchung ihre Finger spreizte und hatte die Hoffnung, dass ich meinem Wunsch von 6-7 cm doch recht nahe kam. Heut weiß ich, dass ich zu diesem Zeitpunkt 5 cm eröffnet war- ein toller Zwischenstand, wie ich finde. Dass sie mir auch gleich die Geburtswanne einließ, stimmte mich auch sehr positiv. Das Wasser tat gut und entspannte mich merklich. In den Wellenpausen schlief ich immer kurz ein. Die Hebamme und mein Mann saßen ruhig neben mir und beobachteten mich.

Um halb 6 meinte die Hebamme zu mir, dass ich schon über 2 Stunden in der Wanne war und dies meine Wellen leider merklich hemmte. Da die Hebamme der neuen Schicht um 6 Uhr mich sowieso auch nochmal untersuchen möchte, sollte ich nun also aus der Wanne raus. Beim Aussteigen merkte ich die Schwerkraft und wie leicht ich mich im Wasser gefühlt hatte. Zunächst war mir kalt und ich zitterte. Doch mit frischem Oberteil und warmem Bademantel war dies bald besser. Nach dem Schichtwechsel betreute mich eine Hebammenschülerin, natürlich mit Unterstützung einer Hebamme.

Bei der erneuten Untersuchung war mein Muttermund bei 7-8 cm. Das warme Wasser hatte das Voranschreiten also leider ganz schön gebremst. Gut, dass ich den Befund nicht erhielt.

Aus dem Wasser draußen wurden die Wellen wieder intensiver. Wir wechselten auf die Toilette, wo ich einige Wellen verblieb. Bis hierhin hatte ich die ganze Zeit die Hypnose während der Geburt gehört und war ausschließlich darauf konzentriert. Doch dann hatte ich genug von den Kopfhörern und legte diese weg. Anschließend sollte ich mich an der Sprossenwand halten und immer wieder in der Welle in die Hocke gehen. Die Hebammenschülerin kannte wohl die friedliche Geburt, da sie immer von Wellen sprach. Sagte sie mal aus Versehen „Wehe“, korrigierte sie sich gleich-wirklich süß. An der Sprossenwand fiel mir ein, dass doch auch irgendwann die Fruchtblase platzen musste und schwups mit der nächsten Welle war es auch soweit. Um 8.50 Uhr ist meine Fruchtblase geplatzt. Als ich daraufhin fragte, ob es dann bald soweit sei, gab die Hebamme keine Antwort. Was mich wissen ließ, dass meine Tochter wohl noch auf sich warten lassen würde.

Ich wollte gerne wieder in die Wanne, da ich ja immer noch gerne eine Wassergeburt gehabt hätte.

Auch dieses Mal entspannte mich das Wasser merklich. Doch auch dieses Mal waren die Wellen dadurch nicht mehr produktiv. Da ich auch immer müder wurde, schlug die Hebamme vor, nun doch eine Ärztin hinzu zu rufen um zu entscheiden, ob ich ein wellenförderndes Mittel bekommen sollte. Ich musste natürlich wieder aus der Wanne raus. Eine erneute Untersuchung der Hebamme ergab, dass ich zwar vollständig eröffnet war, aber da der Kopf nicht tief genug im Geburtskanal war, verspürte ich keinen Pressdrang. Bis die Ärztin eintraf, wurden die Wellen glücklicherweise wieder intensiver und auch produktiver. Daraufhin meinte sie, sie würde in einer Stunde nochmal schauen kommen. Ich hörte das und kommentierte mit „Oh Leute echt jetzt? Eine Stunde?“ Die Ärztin meinte dann, sie schaut in einer halben Stunde nochmal vorbei und bis um 14 Uhr ist das Kind dann auf der Welt. Ich spickte auf die Uhr und es war irgendwas um die 12.30 Uhr. „14 Uhr? Ok, das schaff ich, das ist ja endlich mal eine klare Aussage!“, dachte ich mir. Ich wusste, dass ich jetzt kämpfen musste, um die Geburt ohne Intervention zu schaffen und bekam eine unglaubliche Kraft. Da ich keinen wirklichen Pressdrang verspürte, folgte ich einfach den Anweisungen der Hebamme und presste wie eine Wilde, um den Kopf in den Geburtskanal zu schieben. Wir waren mittlerweile auf dem Geburtsbett und wechselten zwischen Seitenlage mit erhöhtem Bein, zur tiefen Hocke und dem Vierfüßlerstand. Mein Mann stand am Kopfende, hob meine Hände und presste mit mir mit. Voller Emotionen sagte er mir, wie sehr er mich liebt und dass er mich wahrscheinlich noch nie so sehr geliebt hat, wie in diesem Moment. Hinterher sagte er mir, dass ich eine unglaubliche Kraft hatte. Er konnte gar nicht so lange mit Pressen, wie ich es schaffte. Irgendwann sagte die Hebamme, man könne schon das Köpfchen fühlen und ob ich mal fühlen wolle. Ich konnte aber die Hände nicht vom Kopfende des Bettes lösen. Sie bereiteten meinen Damm mit warmen Tüchern vor, was ich aber nur nebensächlich wahrnahm. Mit einer weiteren Welle wurde das Köpfchen geboren. Dabei stieß ich einen schrillen Schrei aus. Ich dachte, dass sei sicherlich der ganze Körper. Doch als der Kopf geboren war, brannte es nicht mehr. Bei der nächsten Welle sollte ich nur noch mit halber Kraft mit schieben und der restliche Körper wurde voll geboren. Sofort hörte man sie weinen und ich schaute über meine Schulter und sah meine Tochter auf dem Bett unter mir liegen. Ich hatte es endlich geschafft! Das waren auch meine ersten Worte. Schnell zog ich noch mein Oberteil aus. Die Nabelschnur war recht kurz. Die Hebammen schoben sie zwischen meinen Beinen durch und halfen mir dann beim Umdrehen, so dass ich sie auf meine Brust legen konnte.

Sie suchte auch sofort nach meiner Brust und die Hebamme half uns dabei, die ersten Schlucke von meiner Brust zu trinken. Also so fühlt sich das an, wenn dein Baby bei dir trinkt, was für ein Gefühl!

Es wurde noch Blut aus der Nabelschnur entnommen und anschließend durfte mein Mann diese durch schneiden. Ich hatte einen kleinen Riss 1. Grades und wurde noch genäht. Nach einiger Zeit erhielt ich noch im Kreissaal etwas zu essen (Tomatencremesuppe, Gnocchi und Schokopudding.) Am liebsten hätte ich nach meiner Louwen Diät mit dem Schokopudding angefangen. In dieser Zeit wurde bei meiner Tochter die U1 durchgeführt. Mein Mann war bei ihr und ich konnte von meinem Bett aus auch alles beobachten. Anschließend konnte mein Mann sie auch auf seine nackte Brust legen. Wir waren insgesamt noch 2 h im Kreißsaal, bis wir dann auf Station gekommen sind.

Fazit: Ich bin sehr dankbar, dass ich auf die friedliche Geburt gestoßen bin. Bereits in der Schwangerschaft haben mir die Hypnosen sehr geholfen, den Fokus nach innen zu lenken und mir Auszeiten zu verschaffen. Außerdem hat mir die friedliche Geburt zu einer positiven Sichtweise auf die Geburt verholfen, so dass ich meine Geburt als kraftvolles und einzigartiges Erlebnis sehen kann. Meine Geburt war nicht schmerzfrei, aber es hat mich niemals übermannt und ich würde es nachträglich eher als kraftvoll beschreiben.