Geburtsort:

Hausgeburt

Liebe Kristin,

ich sitze (naja eher liege…) gerade mit meinem großen Sohn auf dem Sofa und wir lauschen der wunderschönen Weihnachtsgeschichte aus Deinem Podcast. Schon zum zweiten Mal. Was für eine tolle Idee. Es macht wirklich sehr viel Spaß, Dir zu lauschen.

Mein großer Sohn kam leider per Kaiserschnitt zur Welt. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht genau, wie das alles so passieren konnte vor 5 Jahren. Ich habe mich nicht als besonders ängstlich oder sonst wie gehemmt wahrgenommen. (…) Naja…

Viele Jahre kam für uns kein 2. Kind in Frage. Hat unser Zwerg uns doch echt ALLE Energien und Nerven gekostet. Noch heute (gerade 5 geworden) ist er ein sehr emotionales und forderndes Kind – auch wenn er langsam etwas ruhiger wird. Als ich dann schwanger war, war ich komplett überfordert, weil ich mir auf der einen Seite dieses Baby wünschte und auf der anderen Seite Panik bekam, bei dem Gedanken an die ja noch weit entfernte Geburt bekam. Mein erster Gedanke war: auf jeden Fall direkt ins Krankenhaus. Nix mit zu Hause oder ins Geburtshaus gehen. Doch zum Glück war meine Hausgeburtshebamme von damals sehr früh in der Schwangerschaft schon für uns da und hat mir in mehreren Gesprächen Mut gemacht, dass die 2. Geburt ganz anders laufen wird und dass wir zu Hause am allerbesten betreut sind.

Also gut, dann Hausgeburt. Die Schwangerschaft lief eher so nebenher. Ich habe recht viel gearbeitet und der Große brauchte ja auch viel Aufmerksamkeit. Erst, als ich meinen Urlaub vor dem Mutterschutz nahm, kamen die Gedanken und die Sorgen an die bevorstehende Geburt wieder. Meine Hebamme hatte irgendwann mal von Deinem Podcast erzählt, und ich habe innerhalb kurzer Zeit (meistens nachts) alle Folgen in mich aufgesogen. Hatte dann wegen des Kurses noch etwas mit mir gehadert wegen des Preises und dann aber schnell entschieden: eine gute Geburt ist unbezahlbar, also los! Und wie wohl und gut ich mich mit Deiner Art und Weise gefühlt habe. Wie wundervoll einfühlsam, klar und erfahren Du bist. Was für eine Wohltat. Ich fühlte mich auf heilsame Art und Weise verstanden und liebevoll begleitet. Ich habe jeden Tag die Meditationen geübt, eine gute Freundin als Doula mit ins Boot geholt und mich sicher und hoffnungsvoll gefühlt, auch wenn mein Mann bis kurz vor dem ET im Ausland war.

Die Wellen gingen am Abend des Sonntags, einen Tag nach ET los, als ich den Großen ins Bett brachte. Ich sprach noch eine Weile mit meinem Mann auf dem Sofa, erwähnte die regelmäßigen und sehr sanften Wellen allerdings nicht, weil ich es irgendwie selbst auch nicht so ganz geschnallt hatte. Ich ging ins Bett und dachte noch: na, geht es jetzt wohl los, bin dann aber eingeschlafen, bis ich um kurz vor 2 Uhr nachts von einem lauten Knall geweckt wurde: die Fruchtblase platzte. Schnell wackelte ich ins Badezimmer und versuchte, mich erstmal trocken zu legen. Dann weckte ich meinen Mann und bat ihn, unseren großen Sohn nach oben zur Oma zu bringen (wir leben in einer familiären Luxussituation). Danach lagen wir noch 2 Stunden zusammen im Bett, ich hörte die Hypnose und konnte mega gut abtauchen und atmen. Also die Wellen stärker wurden, rief mein Mann meine Freundin und als sie eine Stunde später da war, konnte ich schon nicht mehr ruhig liegen. Ich fand keine richtige Position mehr und wackelte im Halbdunkeln immer um unseren Küchentisch. Die Wellen kamen schon alle 4-5 Minuten, also wurde meine Hebamme gerufen. Sie sagte, sie würde so gegen 7 Uhr kommen, ich war ihr scheinbar noch zu ruhig 😉 Ich konnte es aber irgendwie alles nicht mehr so richtig gut aushalten und beschloss, in den Geburtspool zu steigen, das tat wahnsinnig gut. Die Wellen wurden so stark, dass ich mich nicht mehr auf die Kopfhörer konzentrieren konnte. Zum Glück hatte mein Mann unsere Hebamme noch mal angerufen und sie kam sofort (gegen 6 Uhr morgens) und hat mir dann auch mega gut getan. Ich lag im Pool, sie war vor mir und half mir, den richtigen Atem und die richtige Technik zu finden und rechts und links quetschte ich die Hände meines Mannes und meiner Freundin. Zum Glück war der Muttermund schon fast vollständig. Ich hatte aber auch das Gefühl: diese Intensität kann ich nicht mehr lange aushalten. Wahnsinn, diese Kraft. Und gleichzeitig war ich wahnsinnig froh, dass ich es schon so weit geschafft hatte. Bis hierhin war ich bei der ersten Geburt gar nicht gekommen. Die letzte Phase der Geburt war dann noch mal intensiver, ich bin auch ordentlich laut geworden und habe zwischen den Wellen ordentlich rumgejammert. Aber um 8:28 Uhr war es dann geschafft. Unser wundervoller Sohn ist im Pool zur Welt gekommen. Es ging ihm gut und ich war völlig überrascht und übergücklich. Er durfte noch ganz lange an der Nabelschnur bleiben, bevor sie durchtrennt wurde. Er hat dann direkt an der Brust getrunken und wir konnten alle erstmal in Ruhe ankommen. Da er ein ganz schöner Brocken war (4,5 kg), hatte ich leider einen ordentlichen Dammriss (3. Grades), der im Krankenhaus genäht werden musste. Das hat mich erstmal alles gar nicht gestört. War ich doch völlig high und schmerzfrei noch von den Hormonen. Wobei dann das Krankenhaus-Erlebnis alte Traumata wieder hochgeholt hat (…). Und auch die erste Zeit im Wochenbett war mit dieser Narbe echt schwierig. Aber unser Sohn hat es uns leicht gemacht. Er ist ein sehr zufriedenes und ausgeglichenes Kind. Ist auch zufrieden, wenn er bei Papa ist oder der Oma und es muss nicht immer die Mama sein.

Das Erlebnis im Krankenhaus verblasste auf jeden Fall nach der Zeit und zurück blieb das Gefühl, dass ich meine absolute Traumgeburt erlebt habe. Ich habe immer visualisiert, wie mein Kind im Wasser zur Welt kommt. In meiner Vorstellung war ich zwar etwas ruhiger und eher tiefenentspannt, aber ich würde sagen, ich habe es dennoch ganz gut hingekriegt. Oft frage ich mich, ob die Art und Weise, wie die Kinder auf die Welt gekommen sind, etwas damit zu tun hat, was sie für einen Charakter entwickelt haben. Sie könnten – genau wie die Geburtserlebnisse auch – nicht unterschiedlicher sein.

Ich danke Dir auf jeden Fall von Herzen und werde Dir immer dankbar dafür sein, dass Du mir meine Ängste genommen hast und mich darin bestärkt hast, dass ich Vertrauen haben darf und mich hingeben an die Kraft der Natur. Ich bin Yogalehrerin und unterrichte auch Schwangere. In jedem Kurs erzähle ich von Deiner Methode, weil ich denke, das muss eigentlich JEDE Frau erfahren, die schwanger ist. Was für ein wertvoller und wichtiger Beitrag im Leben einer (werdenden) Mama.

Ich wünsche Dir und Deiner Familie von Herzen alles Liebe und eine besinnliche Weihnachtszeit.

Im Herzen fühle ich mich mit Dir eng verbunden.

Sei lieb gegrüßt,

Deine Sina