Geburtsort:

Geburtshaus

Geburtsbericht von Ute 
11.06.2019 

Morgens um 5.00 Uhr wurde ich von einer kleinen Welle „wachgeküsst“.
„Wie aufregend! Heute kommt mein Baby!“
Man fragt sich vorher ja so oft, wann, wie, ob es überhaupt los geht, diese Geburt.
„Ob ich es überhaupt merke?“
JA! Und zwar exakt so, wie es Kristin in einer ihrer Podcast-Folgen beschreibt. 

5 Tage vor dem errechneten Entbindungstermin.
Das errechnete Datum war automatisch und umgehend aus dem Kopf gestrichen und durch den 11.06.2019 ersetzt. „Was für ein schönes Datum.“
Seit Beginn der Schwangerschaft habe ich mich mit Kristins Methode beschäftigt.
Ab der 20sten Schwangerschaftswoche regelmäßig die „Hypnose zur Geburtsvorbereitung“ gemacht.
Ihre Podcasts verschlungen.
Ich war ihrer Meinung, sie sprach mir aus dem Herzen und sie ist dabei auch noch so „normal“.
Ganz normal einfach. So natürlich.
Ich verband mich mit ihr, ihrer Stimme und von da an war sie meine Geburtsbegleiterin des Herzens.
Immer, wenn es mir nicht so gut ging, Zweifel aufkamen  (egal in welche Richtung: Geburt, Kind, Partner, organisatorische Fragen und Gedanken) oder ich Kraft brauchte, habe ich mir ihre Stimme aufs Ohr gelegt.
Wenn es mir besonders gut ging, erst recht!
Ich hatte viele, sehr intensive Erlebnisse während meiner Vorbereitung.
Mit meinem Kraftort war ich bereits vertraut. Kraftort oder Krafttier ist mir aus anderer Mentalarbeit bekannt.
In den Trancen hatte ich schöne Momente mit meinem Baby.
Ich konnte es sehen, berühren, küssen.
Wir haben uns in diesen Momenten miteinander bekannt gemacht und Vertrauen aufgebaut.
Eine Woche vor dem Geburtsbeginn begann ich, vor dem Einschlafen „Geburt mental fördern“ zu hören.
Am Abend zuvor hörte ich diese Meditation sogar zweimal, da ich sie beim ersten Mal so intensiv wahrgenommen habe.
„Wir sind bereit“.
So begann ich voller Vorfreude mit den Vorbereitungen, die ich in Gedanken und bei den  Meditationen schon so oft geübt hatte.
Telefonnummer der Hebamme zurechtgelegt.
Meinen Mann erstmal noch schlafen lassen, gemütlich und ausgiebig geduscht, Kristin aufs Ohr und ab zurück ins Bett.
In meiner Vorstellung verbrachte ich die Eröffnungsphase immer im Bett.
In Seitenlage, bewegungslos, ruhig atmend.
Schnell habe ich festgestellt, dass mir das so aber gar nicht gut tat.
„Ich muss auf die Beine. Erden.“
Von da an verbrachte ich die Zeit bis zur Fahrt ins Geburtshaus nach vorne gelehnt an einer Kommode.
Ich freute mich mit jeder Welle. Voller Erwartung und Ehrfurcht auf das, was kommen wird.
Immer mit dem Bild vom Meer, wie erst klitzekleine, und peu á  peu größer werdende Wellen um meine Füße plätscherten.
Um 11.00 Uhr kamen wir im Geburtshaus an. Die 45minütige Autofahrt war ok.
Ich habe mich immer wieder runter gezählt.
„Bleib bei dir. Kraftort. Du  bist  sicher.“
Ich habe mich führen lassen. Von meinem Instinkt, von Kristin, meiner Hebamme  und meinem Mann.
Im Geburtshaus angekommen, hat meine Hebamme mich liebevoll empfangen und ließ mir eine Badewanne ein.
Wir hatten zuvor alles besprochen.
„Ich bin während der Geburt unter Hypnose. So wenig Fragen stellen wie möglich. So wenig Interventionen wie nötig.“ 
Die ersten Stunden (dass es Stunden waren, weiß ich nur aus dem Geburtsbericht meiner Hebamme; mein Zeitgefühl war völlig weg) verbrachte ich mit mir.
Meine Hebamme schaute nach dem Rechten und mein Mann war „einfach“ anwesend.
Auf meiner Liste „Meine Traumgeburt“ stand auch, dass ich nicht wissen möchte, wie weit der Muttermund geöffnet ist.
Bei der ersten Untersuchung war ich aber doch zu neugierig und ließ es mir sagen.
Zwei Zentimeter. „Ok. Info beiseite schieben“. 
Ich stieg also in die Wanne.
„Was für ein schönes Gefühl. Schwerelos.“
Mit der Badewanne hatte ich auch eine Vision. Rein ins Wasser, Stille, Kind tonlos rausatmen.
Mir tat das Wasser sehr gut. Irgendwann hat es mich wieder raus getrieben.
So habe ich meine Zeit verbracht. Genau gemacht, was mein Körper mir gesagt hat.
Um 16.30 Uhr hatte ich dann einen Blasensprung. 
Die Geburt geht gut und mit deutlichen Anzeichen voran.
Das entnehme ich auch dem Geburtsbericht aus dem Geburtshaus.
Ich lese mir ihn durch und dabei steigen mir Tränen in die Augen.
Tränen des Stolzes, Tränen des Glücks, Tränen voller Liebe, Tränen der Trauer.
Ich lese, dass ich in den Wellenpausen einschlafe.
Mein Mann sorgt mit Räucherstäbchen und Musik für eine schöne Geburtsstimmung.
Ich lese, dass ich sehr gut zurechtkomme, dass ich sehr positiv bin.
Ich lese, dass ich mich immer wieder in der Wellenpause gut entspanne, einschlafe. Kraft sammle.
Dass ich sehr bei mir bin.
„Komm Baby, komm raus. Ich bin hier“. 

Um 22.30 Uhr fiel das erste Mal das Wort „Verlegung“.
Um 23.30 Uhr waren wir auf dem Weg in die Klinik. (Nicht meine Wunschklinik, da diese voll war.)
Ich danke an dieser Stelle von ganzem Herzen meinen Hebammen aus dem Geburtshaus.
Sie haben genau im richtigen Moment die Führung übernommen. 
Irgendwann fiel das „Kommando“, dass wir in die Klinik fahren und eine Sekunde, nachdem ich das realisiert habe, legte sich in mir ein Schalter um.
„Ich kann nicht mehr. Ich gebe ab. Tut, was ihr tun müsst. Ich mach mit.“
Wir fuhren im eigenen PKW, was total gut war, da nicht dieses „Notfall-Gefühl“ aufkam, ins Krankenhaus.
Meine Augen waren verschlossen. Ich tat einfach das, was man mir sagte.
Wir kamen an, meine Hebamme übergab mich an die diensthabende Hebamme im Krankenhaus.
Es fielen unschöne Sprüche, die gegen die späte Verlegung gerichtet waren, die aber einfach an mir vorbeigezogen sind.
Auch jetzt, schon fast 5 Monate nach der Geburt, war das damals genau der richtige Zeitpunkt.
Ich bin mir bis heute sicher, dass ich nichts hätte besser machen können.
Das Kind hat einfach die Kurve nicht richtig bekommen, weswegen es zum Geburtsstillstand kam.
Ohne meine gute mentale Vorbereitung wäre die Verlegung ziemlich sicher im Desaster geendet.
Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch und hätte viel aufzuarbeiten gehabt, falls der Moment der Verlegung früher gekommen wäre.
Aber dadurch konnte ich mich so gut auf alles einlassen, was kam.
Und es kam alles.
Erstmal das Veratmen der Presswellen, denen ich mich knapp 5  Stunden hingegeben habe.
Plötzlich viele Leute.
Viele Maschinen.
Viele Fragen.
Unterschriften.
Ich bekam einen Wehenhemmer, eine PDA und wieder wehenfördernde Medikamente.
„Hallo mein Baby. Sie holen dich jetzt zu mir. Gleich bist du da.“
Ich bekam einen Kaiserschnitt.
Vor ein paar Tagen wurde ich gefragt, ob ich auch so verkabelt war und so viele Maschinen um mich herumstanden und, ob auch so viele Leute dabei gewesen sind. Ich weiß es nicht. Es war mir egal. 
Irgendwann (12.06.2019 3.49 Uhr) sagte der Arzt „es ist ein Prinz“ (wir wussten bis zu dem Zeitpunkt nicht, was unser Baby für ein Geschlecht hat). Da schaute ich meinen Mann an und er mich und wir konnten es kaum fassen. Ein Junge. Und so schön.
Diese Geburtsreise war für mich ein unglaublich magisches Ereignis und, obwohl es mein Ziel war, natürlich und im Geburtshaus zu gebären, kam alles anders. Wir sind sogar extra aus Nicaragua (Heimat meines Mannes und Wahlheimat für mich) nach Deutschland gekommen, weil dort eine Kaiserschnittrate von 80% herrscht, was eine unglaubliche Zahl ist. Für uns beide stand  außer Frage, dass wir unser Kind so natürlich wie möglich bekommen wollten. Und trotzdem kam es am Ende zu einem Kaiserschnitt. Doch es war für mich eine friedliche Geburt.