Geburtsort:

Klinik

Triggerwarnung: Plazentaablösung

Geburtsbericht, 9.7.2020, E.

Wenn alles anders kommt und es erstaunlicherweise trotzdem ok ist

Liebe alle,

nach einigem Hin- und Herüberlegen möchte ich nun doch mit euch meine Geburtserfahrungen teilen. Da wirklich alles komplett anders lief als erhofft, wollte ich eigentlich zunächst nichts in diese Runde schreiben. Aber da ich trotz Interventionen und ein paar leichten Komplikationen die Geburt in keinster Weise als traumatisch erlebt, sondern mich absolut sicher und beschützt gefühlt habe, dachte ich, diese Erfahrung könnte vielleicht ein bisschen Mut machen, falls eine von euch Angst davor hat, dass eben alles anders laufen könnte als erwünscht…

Und das war so: Am 8.7., eine Woche vor ET, bemerkte ich vormittags eine ganz leichte Schmierblutung und ein Gefühl, als würde in meiner Gebärmutter etwas arbeiten. Ich dachte, der Schleimpfropf könnte sich vielleicht lösen und war ganz gespannt. ich war außerdem innerlich plötzlich sehr ruhig und fühlte mich müde. Ich sagte meinem Mann Bescheid, der aufgrund von Corona im homeoffice arbeitete, und blieb den Tag über einfach im Bett, schlief, hörte Hypnosen, entspannte mich, schaute einen Film und entschloss mich, am Spätnachmittag, als das Gefühl in meiner Gebärmutter stärker wurde, im Krankenhaus anzurufen. Sie sagten, ich sollte sicherheitshalber vorbeikommen, um zu prüfen, ob die Fruchtblase geöffnet sei und um ein CTG zu schreiben. Ich hoffte auf einen Fehlalarm. Dennoch die Kliniktasche direkt mit ins Auto gepackt und mit meinem Partner um 19.30 Uhr ab zur Klinik. Er durfte wegen Corona leider nicht mit hineinkommen und wartete im Auto. Ich wurde von einer sehr netten, herzlichen Hebamme empfangen und gleich untersucht. Das CTG zeigte erste Wellen an, die ich aber nicht als schmerzhaft empfand. Der Muttermund war noch so gut wie geschlossen. Aber tatsächlich war meine Fruchtblase an einer Stelle geöffnet, was bedeutete, dass ich direkt in der Klinik bleiben sollte. Mein Mann musste leider wieder nach Hause fahren. Er durfte erst später dazukommen, wenn es für mich in den Kreißsaal ginge. Das war natürlich sehr traurig für uns und ich fühlte mich zunächst ziemlich alleine und verunsichert. Doch die Betreuung durch die durchweg tollen Hebammen vor Ort gab mir schnell das Gefühl, nicht alleine zu sein, sondern in Sicherheit. Ich bekam ein Zimmer zugewiesen, in dem ich mich zunächst einrichtete und gegen 22.00 Uhr einen kompletten Blasensprung im Bett hatte – alles plötzlich nass, total verrückt! Aber kein bisschen schmerzhaft. Zeit für Hypnose hatte ich bis dahin noch gar nicht gehabt, was ich aber nicht schlimm fand. Ich war viel zu aufgeregt und wollte einfach, dass es möglichst schnell vorangeht und dass etwas passiert und ich in den Kreißsaal durfte. So kam es, dass ein erneutes CTG geschrieben wurde, der Muttermund getastet (2cm) und die Wellen stärker wurden. Da ich nicht in Hypnose war, erlebte ich die Wellen tatsächlich auch als schmerzhaft, konnte sie aber zunächst noch ganz gut veratmen. Ich stellte mir vor, was in meinem Körper gerade passiert und das gab mir Kraft und Mut. Als die Wellen schließlich noch stärker wurden und mir die Hypnose nicht gelang, trat mein Plan B in Kraft: Schmerzmittel zulassen, Interventionen ebenfalls, mich vertrauensvoll in die Hände der Hebammen und Ärzte begeben. Ich bekam zunächst ein Zäpfchen, das allerdings nichts bewirkte, was mich frustrierte. Allerdings freute es mich zu hören, dass mein Muttermund plötzlich schon 4cm weit geöffnet war. Ab in den Kreißsaal (ca. 1.30 Uhr)! Die Wellen waren mittlerweile so stark, dass ich direkt eine PDA bekam, die sofort (!) wirkte. Mein Partner durfte nun auch endlich kommen und nun war alles gut für mich. Ich fühlte mich super betreut und versorgt, mein Partner war an meiner Seite und unser Baby war auf dem Weg! Dank PDA entspannte ich mich total und auch der Wehentropf, um die Wellen parallel etwas anzukurbeln, störte mich nicht. Ich machte mir keine Sorgen, wir unterhielten uns, ich döste, snackte ein paar Nüsse und im Morgengrauen schritt die Geburt mit schnellen Schritten weiter voran. Die Herztöne unseres Babys wurden plötzlich bei jeder Wehe bedenklich langsam und ich vertraute auf die Ideen der Hebamme, was verschiedene Haltungen und Positionen anging, um unser Baby bestmöglich zu unterstützen. Die besser werdenden Herztöne sprachen für sich. Die Wellen wurden stärker, die PDA ließ nach und wurde noch einmal nachdosiert. Doch nur so weit, dass ich die Wellen noch kommen und gehen spüren konnte – denn ich sollte und wollte in der Austreibungsphase ein Gefühl für das Pressen haben. Mein Muttermund war mit einem Mal, schätzungsweise gegen 8 Uhr, fast komplett geöffnet und dann ging alles sehr schnell: Es trat eine Blutung auf, die sich die Hebammen nicht erklären konnten und die Herztöne des Babys wurden wieder schlechter – es bekam wohl die letzte Drehung durchs Becken nicht alleine hin. Eine Ärztin und ein Oberarzt gesellten sich zu uns und informierten mich, dass es jetzt schnell voran gehen müsse. Sie baten mich um meine Zustimmung für den Einsatz einer Saugglocke sowie für den Kristeller Handgriff. Ich willigte ein, denn aus Kristins Podcast und dem Onlinekurs wusste ich recht genau, was das bedeutete und hatte überhaupt keine Angst. Zumal ich komplett auf die Expertise des Teams vertraute, das mir sehr einfühlsam erklärte, was sie vorhatten. Ich konnte mich total entspannen. Kurze Zeit später durfte ich pressen und nach 3 Wellen, um 9.30 Uhr, war unsere Tochter geboren und lag auf meinem Bauch. Die Nabelschnur wurde direkt von meinem Mann durchtrennt und die Plazenta kam ebenfalls direkt hinterher, zusammen mit einer Menge Blut. Die Ärzte und Hebammen untersuchten sofort Nabelschnur, Plazenta und Gebärmutter, um den Blutverlust zu verstehen. Fazit war: Die Plazenta hatte sich anscheinend verfrüht teilweise gelöst und ich hatte 2 Scheidenrisse, die genäht wurden. Dank PDA habe ich gar nichts davon gespürt. Übrigens: Mein Damm ist komplett heile geblieben. Ich war die ganze Zeit abgelenkt von dem kleinen Wesen auf meinem Bauch und ließ das Geburtsteam einfach gewähren. Ich vertraute darauf, dass alles gut gehen würde, bekam noch einige Medikamente für den Kreislauf und die Rückbildung der Gebärmutter und ehrlich gesagt, war mir auch alles ziemlich egal. Ich fühlte mich einfach sicher, war froh, dass unsere Kleine nun bei uns war und bin mit einem wirklich sehr guten Gefühl aus der Geburt herausgegangen.

Ich habe allerdings tatsächlich ein paar kleinere Gedächtnislücken und werde nun den Geburtsverlaufsbericht anfordern. Denn ich möchte noch einmal alles rekonstruieren und nachvollziehen können. Im Endeffekt muss ich sagen: Es kam wirklich so gut wie ALLES anders als erhofft, aber es war für mich erstaunlicherweise vollkommen ok! Ich bin froh, mich so gut vorbereitet und so viel über die Vorgänge im Körper gelernt zu haben. Ohne dieses Wissen wäre ich sicherlich viel ängstlicher und unsicherer gewesen. Mein Fazit: Auch wenn es anders kommt, heißt es nicht, dass es schlimm wird. Sondern erstmal einfach nur anders. Und dann kommt es drauf an, was man draus macht.

Ich wünsche euch allen positive Geburtserfahrungen – wie auch immer eure Geburten verlaufen mögen – und hoffe, dieser Bericht verunsichert niemanden, sondern macht etwas Mut. Alles Liebe in die Runde!