Erfahrungsbericht
von A.
Ich hatte den Podcast von Kristin bereits ein gutes Jahr vor meiner ersten Schwangerschaft entdeckt, viele Folgen gehört, war total begeistert und überzeugt von der Methode, da er mir allein schon bei meinen schmerzhaften Periodenkrämpfen half, und buchte den Kurs bereits in der SSW 8+.
Entsprechend früh fing ich mit dem Üben der Hypnosen an. Musste zu Beginn allerdings sehr ernüchtert feststellen, dass ich aus irgendeinem Grund gar nicht gut entspannen konnte und nicht gut in die Hypnose fand. Ich hatte bereits Vorerfahrung mit geführten Meditationen, am liebsten eine ruhige Männerstimme und auf Englisch. Hier konnte ich mich problemlos wie in eine andere Welt "wegbeamen".
Die weibliche Stimme und das mir zu Beginn teilweise recht schnell vorkommende Sprechtempo irritierten mich. Dennoch versuchte ich regelmäßig, mindestens abends im Bett vor oder zum Einschlafen eine Hypnose zu hören. Und mit der Zeit und fortschreitenden Schwangerschaft wurde es tatsächlich immer leichter und leichter, in die Hypnose zu finden.
Entbindungszeitraum war im Hochsommer, wir hatten 36 Grad im Schatten. Es fühlte sich alles noch ruhig an - viel Fruchtwasser, das Baby hatte Platz, keine Anzeichen für einen baldigen Beginn. Ich spürte lediglich eine deutlichere Müdigkeit.
Zusätzlich zu den Hypnosen, die ich versuchte, mindestens einmal am Tag zu üben, versuchte ich ab SSW 37+5 zusätzlich alles, was ich wusste, was den Geburtsbeginn fördern könnte. Hier half mir ganz besonders Kristins Podcast Folge dazu. Ingwer, Zimt, lange Spaziergänge, Himbeerblättertee, Einläufe, Epino, Hypnose zur Förderung des Geburtsbeginns...
In SSW 38+2 legte ich mich um 23:10 Uhr schlafen. Um 23:48 bekam ich Harndrang, auf der Toilette kam aber nichts. Beim Aufstehen von der Toilette lief es mir plötzlich warm die Beine runter. Im Sitzen wieder nichts, beim Aufstehen erneut. Ich erinnerte mich an eine Podcast Folge, in der erwähnt wurde, dass Fruchtwasser bewegungs- und lageabhängig abgehen kann… Fruchtwasser?!
Ich rief meinem bereits einschlafenden Mann zu, ob er mir bitte die Teststreifen für Fruchtwasser bringen könne, die unsere Hebamme uns gegeben hatte. Ich hörte es im Schlafzimmer rumpeln und musste bei der Vorstellung, wie mein sonst eher gemütlicher Mann gerade aus dem Bett gesprungen sein muss, schmunzeln.
Der Teststreifen zeigte ein komisches dunkelblau. Grün für Urin und rot für Vaginalsekret konnte ich aber definitiv ausschließen. Also Fruchtwasser. Egal ob Wehen oder nicht, jetzt handelt es sich nur noch um Stunden, bis wir unser Baby im Arm halten. Krass. Es wurde konkret.
Mein Mann las laut aus dem Anleitungszettel der Teststreifen vor: Jetzt am Wichtigsten: Schlafen!! Also gut. Wir packten fertig, ich duschte (wer weiß, wann ich wieder dazu käme), machte noch einen kurzen Einlauf, um den Wehenbeginn zu fördern (und nebenbei Stuhlgang unter Geburt zu vermeiden - eine für mich schwere Vorstellung), und lag dann gegen 1 Uhr im Bett. Mit Kopfhörern und der Hypnose zur Förderung des Geburtsbeginns auf den Ohren schlief ich ein.
Die erste Welle kam gegen 2 Uhr. Ein Gefühl wie bei der Periode. Gegen 02:30 Uhr wurde ich plötzlich extrem hungrig. Vollkommen ungewohnt zu dieser Uhrzeit. Ich vertraute auf meinen Instinkt und machte mir ein Müsli. Danach versuchte ich, wieder einzuschlafen. Die Wellen kamen häufiger. Ich trackte sie nicht, sondern legte den vollen Fokus auf Entspannung, Schlaf, lange Einatmung während der Wellen.
Mein Mann wachte gegen 7 Uhr auf. Als er bemerkte, dass ich bereits mit Kopfhörern in Hypnose versunken war, legte er seine Hand auf meinen Bauch und trackte die Zeitabstände der Kontraktionen. Sie lagen bei etwa 5-Minuten. Die Berührung bzw. den leichten Druck durch seine Hand empfand ich bald als unangenehm. Mein Mann trackte ab dann die Wehen über meine Atmung im Hintergrund, während ich völlig zeitlos mich lediglich auf Entspannung und Atmung konzentrierte.
Um 7:54 gab mein Mann unserer Hebamme ein erstes Update. Dann packte er im Hintergrund schon mal alles zusammen. Um 8:28 schrieb er der Hebamme, dass die Abstände nun bei 3 Minuten sind. Ich bekam von all dem nichts mit. Zeitgleich hatte ich das Gefühl, dass ich wieder auf die Toilette musste. Ich wartete eine Welle ab und stand dann langsam auf.
Gerade auf der Toilette angekommen, kam die nächste Welle. Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt keinerlei Zeitgefühl, aber in dem Moment wurde mir bewusst, dass ich gerade zwei Wellen im Abstand von "aus dem Bett aufstehen und bis zur Toilette schlurfen" hatte. Das war doch schon knapp. Noch auf der Toilette sitzend bekam ich plötzlich starken Schüttelfrost. Meine Zähne klapperten unkontrolliert aufeinander, ich zitterte am ganzen Körper. Zudem hatte ich nach wie vor das Gefühl, auf die Toilette zu müssen, aber es kam nichts.
Ich bat meinen Mann, mir eine Wärmflasche zu machen. Ich merkte, dass die Wellen nun so schnell hintereinander kamen, dass ich kaum noch ohne Welle vom Bad zurück ins Bett kommen würde. Als mein Mann die Wärmflasche brachte, sagte ich ihm, dass ich das Gefühl habe, dass die Wellen recht schnell aufeinander folgen. Er antwortete, dass der Abstand bei 3 min liegt, alles bereit steht und wir jetzt los ins Geburtshaus fahren.
Während er das Auto vor die Haustüre fuhr, zog ich mir schnell ein Sommerkleid über und dicke Wollsocken an, Kopfhörer blieben durchgehend auf den Ohren. Mein Mann holte mich ab und mit ein paar Wellen-veratmen-Pausen führte er mich zum Auto. Ich bin kurzsichtig, hatte aber bewusst meine Brille nicht angezogen. Das half mir sehr, mich nicht mit Umgebungsdingen abzulenken und ganz nach innen zu konzentrieren. Die Sitzposition im Auto war unangenehm, aber die Fahrt dauerte nicht lange.
Die Terrassentüre des Geburtszimmers stand offen, sodass wir dort direkt hinein gehen konnten. Ich wusste kurz nicht, wohin mit mir. Die Hebamme fragte mich, wo ich bisher gewesen sei. Im Bett. Sie überprüfte kurz die Herztöne, dann legte ich mich seitlich hin, wie zu Hause. Nach einer Weile sagte mir mein Mann, dass die Wanne bereit sei, falls ich mich danach fühle. Gerne.
Beim Aufstehen wurde mir etwas schwindelig, daher empfahl die Hebamme zunächst eine andere Position außerhalb der Wanne. Sie schlug Vierfüßler am Boden mit Oberkörper auf das Bett gestützt vor. Die Position fühlte sich nicht angenehm an. Aber Abwechslung sei auch durchaus mal gut, hieß es im Geburtsvorbereitungskurs, und so blieb ich da erst mal. Wenig später bekam ich wieder Harndrang. Mein Mann begleitete mich zum Bad.
Auf Toilette kam weiterhin nichts. Aber das Sitzen dort mit den Händen auf dem Toilettensitz abgestützt war angenehm. Mein Blick fiel auf die Geburtswanne und zog mich fast schon magisch an. Ich kletterte hinein. Das Wasser tat gut, wenngleich es eine Spur zu warm war und ich keine wirklich angenehme Position fand. Es fühlte sich an wie zuvor vor dem Bett kniend, jetzt nur zusätzlich ohne richtigen Halt. Egal, nicht zu viel nachdenken. Atmen. Entspannen. Wenige Minuten, nachdem ich in die Wanne stieg, kam plötzlich starker Pressdrang.
Ich sagte gerade noch in die Richtung, in der ich meinen Mann vermutete, dass ich pressen müsse, dann schoss es auch schon wie eine Druckwelle durch meinen Körper. Kurz danach die Zweite. Die Hebamme sagte mir kurz, dass wenn ich pressen müsse, sie das Wasser kälter machen muss. Zwischen ein paar Presswellen tastete ich kurz nach dem Muttermund. Ich fühlte einen runden, harten Kopf, etwa einen halben Finger weit oben. Meine Hebamme fragte, was ich getastet habe. Ich sagte: das Köpfchen und Haare. Sie fragte, wie weit.
Nach der nächsten Welle tastete ich nochmal und sagte, jetzt etwa ein bis zwei Zentimeter bis zum Kopf. Ich bot ihr an, auch zu tasten. Sie sagte, das müsse nicht sein, nur wenn ich wolle. Und ich müsse mich dafür anders positionieren, sonst komme sie nicht ran. Bevor ich das kognitiv auf die Reihe bekam zu verarbeiten, kam die nächste Presswelle. Zusätzlich ein massives Dehnungsgefühl. Ich dachte, das Köpfchen müsse jetzt draußen sein, so fühlte es sich für mich an.
Meine Hebamme sagte, sie müsse nun nicht mehr tasten und ich solle nochmal selbst tasten. Sie sehe schon die Haare. Der Kopf wäre aber noch nicht draußen. Wie, noch nicht?! Wieder eine Presswelle, wieder ein starkes Dehnungsgefühl, kurz danach ein Brennen rund um die Vulva und ich hatte das Gefühl, dass etwas gerissen sein muss. Der Kopf und ein Arm sind nun da, sagte die Hebamme. Der Kleine bewegte sich wie ein Fisch halb im Wasser, halb in mir. Ein ganz komisches Gefühl.
Meine Hebamme erklärte, dass sie ihn gerne ‚entwickeln’ wolle, weil er schon Wasser schlucke und sich viel bewege. Das Wort "entwickeln" verwirrte mich, ich fühlte mich verletzt und wund und wollte keine weitere Irritation, konnte nicht weiter darüber nachdenken und konnte nur sagen: „Nein, nein, nichts anfassen!“ Dann müsse ich nun aber einmal kräftig drücken, sagte sie. Das tat ich und da kam er ganz raus. Insgesamt waren 1 h 15 min im Geburtshaus vergangen, bis er geboren war.
Sie legte ihn mir in ein Handtuch gewickelt in die Arme. Ich war glücklich. Und überfordert. Ich kniete in der Badewanne. Das Wasser war fast ganz abgelassen und die angenehme wässrige Wärme an den Beinen wurde abgelöst durch luftige Kälte. Im Vulvabereich brannte es, die noch nicht durchtrennte Nabelschnur hing unten raus und jede Bewegung am Kind fühlte ich im Bereich der Wundzone, es fühlte sich so seltsam an. Und dann lag da dieser kleine blau-violette Zwerg in meinem Arm, auf den ich mich so gefreut hatte und dem ich eigentlich meine volle Aufmerksamkeit schenken wollte.
Meine Hebamme holte mich aus meinem Gedankenchaos ab, sagte mir mit etwas Nachdruck, dass ich mal mit ihm reden solle, weil die Herztöne leicht runtergingen und er sich kaum bewege. Ich bemühte mich, schnell irgendetwas vernünftiges zu formulieren. Die Herztöne stabilisierten sich und er gab einen kurzen Laut von sich. Gottseidank. Ich beschloss, die Hypnose inkl. Noise-cancelling Kopfhörer aufzubehalten. Die Geräuschdämpfung tat gut und Kristins Stimme half, mich wieder zu fokussieren.
Mein Mann nahm mir unseren Sohn ab und die Hebammen halfen mir aus der Wanne. Wir gingen ins Geburtszimmer und legten uns ins Bett und bekamen erstmal Zeit alleine als Familie, ankommen, realisieren, durchatmen. Nun konnten auch die Kopfhörer weg. Nach einiger Zeit tastete ich gemeinsam mit meiner Hebamme, ob die Nabelschnur schon auspulsiert war. Ein leichter Puls war noch da. Wir warteten, bis er ganz weg war, dann schnitt mein Mann die Nabelschnur durch. Erster Stillversuch, sehr holprig.
Dann machte die Hebamme gemeinsam mit meinem Mann die U1 Untersuchung. Nach einer halben Stunde war die Plazenta noch immer nicht geboren. Meine Hebamme zog sanft an der Nabelschnur, was ich aber als sehr unangenehm empfand. Sie gab mir die Schnur in die Hand, leitete mich an, tief einzuatmen, zu pressen und zart zu ziehen. Da kam sie endlich heraus, ein Gefühl wie ein glitschiger Fisch. Erleichterung. Alles geschafft. Oder? Die zweite Hebamme untersuchte mich. Meine Harnblase war prallvoll und riesengroß. Kein Wunder, ich hatte seit Stunden kein Wasser mehr gelassen.
Sie ging mit mir zur Toilette, aber es wollte einfach nichts kommen. Die Blase war wohl so überdehnt, dass sie sich nicht mehr zusammenziehen konnte. Wir entschieden, einen Einmalkatheter zu legen, ließen über 1l ab, und noch einen guten Rest drin, damit die Blase nicht kollabierte. Dafür war lediglich ein kleiner Teil der kleinen Labie gerissen und ein kleines Stück in die Vagina raufziehend. Die Hebammen nähten es. Geschafft. Kurze Zeit später traten wir den Heimweg an, in ein neues Leben als Familie zu Dritt.

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