Geburtstermin berechnen (ET Rechner): Geburtszeitraum statt Stichtag
Herzlichen Glückwunsch zu deiner Schwangerschaft!
Wenn du neugierig bist, wann es soweit ist, kannst du hier deinen errechneten Termin (ET) ausgehend von dem letzten Tag deiner Regel oder (falls bekannt) dem genauen Zeugungstag schnell und einfach bestimmen. Das ermittelte Datum, auch „Stichtag“ genannt, ist ein notwendiger Anhaltspunkt für Ärzte, Hebammen und Behörden - aber er ist nicht in Stein gemeißelt!
Die moderne Geburtshilfe, wie sie von Experten wie Prof. Dr. Sven Hildebrandt vertreten wird, geht eher von einem Geburtszeitraum aus.
Dein Guide zum ET & Geburtstermin
)
Die Naegele-Regel: Die wissenschaftliche Formel hinter der Berechnung
Um den Termin zu ermitteln, nutzen Hebammen, Ärztinnen und Ärzte ein sogenanntes "Gravidarium" (Schwangerschaftskalender) oder die "Naegele-Regel", eine einfache Rechnung, die du auch ohne Taschenrechner leicht nachvollziehen kannst. In der Standardform sieht die Gleichung wie folgt aus:
ET = Erster Tag der letzten Regelblutung + 7 Tage - 3 Monat + 1 Jahr
Ein anschauliches Beispiel:
Erster Tag der letzten Periode: 12.10.2025
Plus 7 Tage: 19.10.2025
Minus 3 Monate (+ 1 Jahr): 19.07.2026
Bei einer längeren Zyklusdauer zählt man die Abweichung in Tagen zu 28 einfach dazu, bei einer kürzeren zieht man diese ab: Erster Tag der letzten Regelblutung + 7 Tage − 3 Monate + 1 Jahr +/- Abweichung in Tagen zu 28.
Wie genau ist der errechnete Termin? Warum nur 4% der Babys am Termin kommen
Es ist wichtig zu verstehen: Der errechnete Geburtstermin (ET) ist kein festgeschriebener Tag, an dem dein Kind „pünktlich“ zu erscheinen hat. Rein wissenschaftlich betrachtet ist dieser Tag (40+0 SSW) lediglich der sogenannte Medianwert. Das bedeutet: Am Mittag dieses Tages ist die Wahrscheinlichkeit, dass dein Kind bereits geboren ist, exakt genauso groß wie die Wahrscheinlichkeit, dass es noch in deinem Bauch schlummert. Tatsächlich werden am ET selbst nur etwa 4 % der Kinder geboren – er ist lediglich der statistische Höhepunkt einer natürlichen Verteilung.
Die Gaußsche Glockenkurve der Geburt
Die Natur folgt keinem Terminkalender, sondern einer biologischen Gesetzmäßigkeit, der Gaußschen Normalverteilung. Du kannst dir das wie einen Apfelbaum vorstellen: Wir wissen, dass im Juli noch fast alle Äpfel am Baum hängen und im Oktober fast alle am Boden liegen - aber wann genau der einzelne Apfel fällt, bleibt sein Geheimnis.
Für deine Planung bedeutet das:
Der wahrscheinliche Zeitraum: Die meisten Kinder (ca. 90 %) ziehen eine „Nummer“ für einen Zeitraum zwischen 38+0 und 42+0 Schwangerschaftswochen.
Kein „Übertragen“ ab Tag 1: Der Begriff „Übertragen“ wird oft falsch verwendet. Medizinisch gesehen beginnt eine echte Übertragung erst ab der vollendeten 42. Woche.
Individuelle Reife: Jedes Kind hat seinen eigenen Moment, in dem es bereit ist und den hormonellen „Startknopf“ für die Geburt drückt.
Geburtszeitraum statt Geburtstermin
Das Konzept des Geburtstermins steht auch von Expertenseite in der Kritik. Der Gynäkologe und Experte Prof. Dr. Sven Hildebrandt betont in meinem Podcast, wie destruktiv Formulierungen wie „du bist schon fünf Tage drüber“ sein können. Sie erzeugen unnötigen Stress und Erwartungsdruck, der den sensiblen hormonellen Prozess der Geburtsauslösung eher stören kann.
Sieh dir hier das ganze Interview an, oder lies es bequem nach im Transkript.
)
Interview mit Experte Prof. Dr. Sven Hildebrandt
Besonderheiten: ET berechnen bei künstlicher Befruchtung (IVF/ICSI) und Mehrlingen
Wurde dein Baby durch eine künstliche Befruchtung (wie IVF oder ICSI) gezeugt, ist der Weg zur Berechnung deines Termins ein anderer - und oft sogar präziser. Da bei diesen Verfahren der exakte Zeitpunkt der Befruchtung bzw. der Entnahme bekannt ist, stützen wir uns nicht auf den oft vagen ersten Tag der letzten Periode, sondern auf den tatsächlichen Empfängniszeitpunkt.
Hierbei nutzen wir die sogenannte Konzeptionsmethode. Da die Befruchtung im biologischen Zeitplan etwa zwei Wochen nach der theoretischen Periode liegt, wird die Formel entsprechend angepasst:
Ein Beispiel:
Konzeptionstermin (Punktion/Befruchtung): 20.05.2025
Minus 7 Tage: 13.05.2025
Minus 3 Monate (+ 1 Jahr): 13.02.2026
Die Formel lautet hier:
Konzeptionstermin - 7 Tage - 3 Monate + 1 Jahr.
Mutterschutz, Ämter und Planung: Warum der Geburtstermin so wichtig ist
Den ET zu kennen, ist nicht nur für deine Vorfreude wichtig, sondern auch für viele praktische Erledigungen. Er ist die Basis für die gesetzlichen Fristen des Mutterschutzes, der in Deutschland in der Regel sechs Wochen vor dem Termin beginnt.
Auch Krankenkassen, Arbeitgeber und Ämter benötigen dieses Datum für die Berechnung von Elterngeld und Mutterschaftsleistungen. Zudem hilft dir der Termin bei der rechtzeitigen Suche nach einer Hebamme und der Anmeldung in deiner Wunschklinik oder deinem Geburtshaus, damit du am Ende der Schwangerschaft alles entspannt geregelt hast.
Deine Schwangerschaftswochen (SSW) im Blick: Meilensteine bis zur Geburt
Mit der Berechnung des Termins erfährst du gleichzeitig, in welcher Schwangerschaftswoche (SSW) du dich gerade befindest. Das ist deshalb so spannend, weil jede Phase der Entwicklung ihre ganz eigenen Meilensteine hat.
Von den ersten Ultraschalluntersuchungen, bei denen du das Herzchen schlagen siehst, bis hin zu wichtigen Terminen wie dem empfohlenen Zahnarztbesuch in der Frühschwangerschaft oder der Geburtsplanung im letzten Trimester: Die Kenntnis deiner aktuellen Woche hilft dir, keine Vorsorgeuntersuchung zu verpassen und die Entwicklung deines Kindes bewusst mitzuerleben.
Was passiert, wenn das Baby auf sich warten lässt? ("Übertragung")
Wenn der errechnete Termin verstreicht und dein Baby noch keine Anstalten macht, auszuziehen, ist das erst einmal kein Grund zur Sorge. In dieser Phase der „Übertragung“ wirst du engmaschiger von deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme betreut – meist alle zwei Tage. Dabei wird kontrolliert, ob die Plazenta dein Kind noch optimal versorgt. Solange es euch beiden gut geht, warten die Fachkräfte gerne auf den natürlichen Geburtsbeginn. Erst wenn es medizinisch notwendig wird, bespricht man mit dir die Möglichkeiten einer sanften Einleitung.
FAQ Geburtstermin und ET
Wichtig: Diese Informationen dienen der Orientierung und ersetzen keine medizinische oder hebammenkundliche Beratung!
- Kann ich den Zeugungstermin auch rückwärts berechnen?
- Warum korrigiert die Frauenärztin den Termin manchmal?
- Was beeinflusst die Dauer der Schwangerschaft?
)
Beitrag von Kristin Graf
Kristin Graf ist eine der führenden Expertinnen für mentale Geburtsvorbereitung im deutschsprachigen Raum. Mit ihrer Methode "Die Friedliche" Geburt konnte sie seit 2016 bereits über 44000 werdende Mütter begleiten. Ihre Expertise in der Hypnotherapie gibt sie seit 2018 als Gastdozentin an renommierte Einrichtungen weiter, darunter die Charité Berlin und Kliniken bundesweit. Ihre fundierte Ausbildung (Hypnotherapeutin seit 2019, Weiterbildung 2024 bei PD Dr. Barbara Schmidt) ergänzt sie durch ihre Tätigkeit als Traumatherapeutin.
Mehr Informationen rund um Schwangerschaft und Geburt
Geburts-AnzeichenWoran erkenne ich, dass die Geburt beginnt? Alles zu den wichtigsten Anzeichen für den Geburtsbeginn.
Exklusiv-Interview über Ernährung vor der Geburt mit dem Experten Prof. Dr. Frank Louwen
HypnobirthingWas ist Hypnobirthing? Alle Informationen zum Trendbegriff und zu geeigneten Alternativen

)