Erfahrungsbericht
von Anja S.

Liebe Kristin, liebes Team,

Etwa eine Woche nach der Geburt meines zweiten Kindes blicke ich auf meine erneute Erfahrung mit der „friedlichen Geburt“ zurück. Bereits bei der Geburt meiner ersten Tochter vor drei Jahren hatte ich mich mit deiner Methode vorbereitet und eine sehr entspannte, positive Geburt erlebt. Damals ging es mir während der gesamten Schwangerschaft körperlich und mental ausgezeichnet, sodass ich mit viel Vertrauen und einem starken Körpergefühl in die Geburt gehen konnte.

Meine zweite Schwangerschaft verlief jedoch völlig anders. Von Anfang an ging es mir körperlich sehr schlecht, ich war zeitweise sogar bettlägerig und hatte zusätzlich mit starken mentalen Belastungen und Schlafstörungen zu kämpfen. Ich fühlte mich erschöpft, ausgelaugt und begann zu zweifeln, ob ich überhaupt die Kraft für eine natürliche, physiologische Geburt möglichst ohne Interventionen würde aufbringen können. Trotzdem habe ich mich, anders als bei der ersten Geburt, entschieden, mich im hebammengeführten Kreißsaal für die Geburt anzumelden. Ich habe mich erneut intensiv mit den Hypnosen der „friedlichen Geburt“ vorbereitet – sowohl zur emotionalen Stabilisierung im Alltag als auch gezielt zur Geburtsvorbereitung.

Die Geburt begann ruhig, die ersten Wellen missdeutete ich sogar als Übungs-/Senkwehen und ging während der Latenzphase noch entspannt mit meinem Mann bei schönem Wetter Mittagessen, zur Post, zur Eisdiele und erledigte auch noch einiges zu Hause, bevor mir klar wurde, dass es wohl doch „echte“ Wellen sein mussten und die aktive Phase der Eröffnungsphase sich abzeichnete.

Dann verbrachte ich noch einen Großteil der Eröffnungsphase entspannt zu Hause. Ich habe gebadet, mich zwischendurch hingelegt und die Hypnosen gehört, wodurch ich die Wellen gut verarbeiten konnte.

Erst als die Wellen in einem Abstand von etwa fünf bis sieben Minuten kamen, bin ich nachts gemeinsam mit meinem Mann in den hebammengeleiteten Kreißsaal der Uniklinik Düsseldorf gefahren. Dort wurde zwischen 1:30 und 2:00 zunächst ein CTG geschrieben und im Anschluss auf meinen Wunsch hin vaginal getastet. Der Muttermund war zu diesem Zeitpunkt etwa fünf Zentimeter geöffnet. Ich stellte mich darauf ein, dass es noch einige Zeit dauern würde, da die Wellen weiterhin gut auszuhalten waren und ja noch 5 Zentimeter fehlten.

Etwa 1h später entschied ich mich, die Gebärwanne nutzen zu wollen.

Als diese fertig für mich vorbereitet war, kam es jedoch ganz plötzlich zu einem Wendepunkt. Während ich eigentlich noch dachte, die Geburt würde sich hinziehen, setzte unerwartet ein sehr intensiver körperlicher Reflex ein – wie mir im Nachhinein erklärt wurde, war das der sogenannte Fetal Ejection Reflex. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich eine enorme Kraft, die ich nicht mehr aktiv steuern konnte. Es fühlte sich an wie eine plötzliche, überwältigende Welle, die meinen Körper vollständig übernahm.

Ich schaffte es gerade noch rechtzeitig vom WC zum Bett und ging in den Vierfüßlerstand. Weniger als zehn Minuten später, um 3:54 Uhr, und nach nur wenigen Wellen war meine zweite Tochter geboren. Die so liebevoll vorbereitete Wanne blieb also völlig unerwartet unberührt.

Die Geburt war in mehrfacher Hinsicht besonders: Meine Tochter kam mit intakter Fruchtblase („Glückshäubchen“) zur Welt. Ich konnte miterleben, wie die Fruchtblase geöffnet wurde, und sie direkt selbst in Empfang nehmen. Unmittelbar danach begann das Bonding auf meiner Brust. Dieses Erlebnis war für mich eine unglaubliche, fast überwältigende Naturerfahrung und ganz anders als bei meiner ersten Geburt (die ich aber auch schon beeindruckend fand).

Besonders beeindruckt hat mich im Rückblick, dass mein Körper trotz meines schlechten körperlichen und mentalen Zustands während der Schwangerschaft zu einer so kraftvollen und selbstbestimmten Geburt fähig war. Die Hypnosen haben mir dabei geholfen, Vertrauen zu behalten und mich sicher zu fühlen. Aus Gesprächen mit Hebammen habe ich erfahren, dass dieser Reflex ausschließlich bei ungestörten, physiologischen Geburten und nur äußerst selten auftritt, obwohl er evolutionsbiologisch betrachtet eigentlich einmal die Norm war.

Insgesamt blicke ich nun auf zwei sehr unterschiedliche Schwangerschaften, aber zwei durchweg positive Geburtserfahrungen zurück. Für mich hat sich der Weg von großer Angst vor der ersten Geburt hin zu Vertrauen in meinen Körper und in den natürlichen Geburtsprozess deutlich gezeigt. Für mich steht fest, dass mir „die friedliche Geburt“ und die erste positive Geburtserfahrung ermöglicht haben, auch die zweite Geburt trotz aller Widrigkeiten zuvor so positiv zu erleben und bin unendlich dankbar für diese Erfahrungen.

Sollten noch Fragen offen geblieben sein, berichte ich gerne auch mehr Details. Ich bin wie gesagt persönlich davon überzeugt, dass die „friedliche Geburt“ einen ganz wesentlichen Anteil daran hatte, dass ich trotz dieser zwei so unterschiedlichen Ausgangssituationen beide Geburten als so positiv und selbstbestimmt erleben durfte. Dafür bin ich von Herzen dankbar und möchte Kristin für ihre Arbeit ausdrücklich danken.

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Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
Hebamme
Nina