Erfahrungsbericht
von Ann-Kathrin W.
Die Geburt meines Sohnes J. ist auch ein Jahr später noch schwer für mich, in Worte zu fassen. Es gibt einen grandiosen ersten Teil und einen Teil, der mich trotz aller Vorbereitung überrumpelt hat, es gibt einige Lehren und trotzdem unter'm Strich bin ich mehr als dankbar, eine natürliche Geburt ohne größere Komplikationen erlebt haben zu dürfen.
Bevor ich die Geburt beschreibe, möchte ich noch erwähnen, dass J.'s Geburt nicht meine erste Geburt ist, sondern ich schon meinen ersten Sohn still im 7. Monat in einer "schönen" Geburt zur Welt gebracht habe. Das erklärt in meinen Augen einen großen Teil des in meiner Erinnerung nicht ganz so schönen zweiten Teils der Geburt. Aber nun soll es um Baby J. Geburt gehen!
J.'s ET war der 12.07., ich habe eine sehr unkomplizierte schöne Schwangerschaft gehabt und hatte bis einen Tag vor ET keine Wehen, weshalb ich dachte, dass es sicherlich später wird. Aufgrund unserer Vorgeschichte, wurde mir vom Krankenhaus empfohlen, spätestens am ET einzuleiten. Diese Entscheidung behielt ich mir aber bis zum Schluss offen und Baby J. hat mir die Entscheidung tatsächlich dann auch abgenommen!
Am 11.07. wachte ich morgens um 4 Uhr auf und konnte lange nicht zurück in den Schlaf finden, ich hatte keine Wellen im klassischen Sinne, aber war sehr unruhig, sodass ich meinem Mann, bevor er sich auf den Weg zur Arbeit machte, sagte, er solle heute sein Handy genau im Auge behalten.
Tagsüber hatte ich einen schönen Tag, ging viel spazieren und freute mich über die Bewegungen meines Sohnes im Bauch, ich hatte keinerlei weitere Anzeichen, dass die Geburt bald losgehen sollte. Gegen Abend spürte ich die ersten Wellen. Noch gar nicht so, dass ich sie so genau zuordnen konnte, obwohl ich ja sogar schon mal Wehen gehabt hatte, sondern eher immer als kurzer Moment, wo mein Sohn und Bauch irgendwie meine Aufmerksamkeit wollten. Es fühlte sich eher so an, als würde J. im Bauch sich nochmal quer legen wollen, oder so.
Wir dachten uns auch erstmal nichts dabei, sondern setzten uns in Ruhe aufs Sofa. Während wir entspannt einen Film guckten, merkte ich dieses Gefühl immer wieder, ich konzentrierte mich also immer mehr auf mich und mein Baby, lief in der Wohnung ein bisschen auf und ab und fühlte mich total gut.
Da ich immer noch nicht das Gefühl hatte, dass es jetzt dringend ist, machten wir uns irgendwann Bett fertig und legten uns auch hin. Wir unterhielten uns noch ein bisschen und machten uns nochmal bewusst, dass das einer der letzten Abende zu zweit sein würde.
Gegen 23 Uhr wurde mir klar, dass ich nicht würde schlafen können, ich war zu aufgeregt und konnte nicht genau zuordnen, ob es jetzt irgendwann doch richtig losgehen würde. Die Wehen hielten an, aber weiterhin so, dass ich super damit umgehen konnte. Wir entschieden uns irgendwann, ganz entspannt Richtung Krankenhaus zu fahren und dort nachzuschauen, was los war.
Wir packten total entspannt unsere Sachen ins Auto, falls wir da blieben, mein Mann baute auch sogar noch den Kindersitz ein, es war eine ganz schön warme Juli Nacht. Kurz vor 12 Uhr musste ich das erste Mal bei einer Wehe so richtig veratmen - ich konzentrierte mich auf mich und versuchte, alles Gelernte anzuwenden. Für mich funktionierte die beigebrachte Atmung tatsächlich nicht soooo gut, sondern ich wechselte irgendwann eher zu einer Art Yoga Atmung, was aber super half.
Dann sind wir zum Krankenhaus gefahren und mussten vom Auto ein gutes Stück noch laufen. Diesen kleinen Spaziergang habe ich wunderschön in Erinnerung. Die Wehen waren regelmäßig, ich trackte aber nichts, ich genoss die Luft, die Bewegung, meinen Mann an meiner Seite und die Bewegungen meines Kindes in meinem Bauch.
Um 00:02 Uhr am errechneten ET klingelten wir beim Kreißsaal. Es wurde ein CTG gemacht und nach dem Muttermund geschaut, der tatsächlich schon 4 cm geöffnet war. Mir ging es super, die Wellen waren super auszuhalten, ich hatte die Hypnosen die ganze Zeit im Kopf und war auch mehr oder weniger in Trance, aber hatte noch mehr das Bedürfnis, mich mit meinem Mann auszutauschen als mich mit den Kopfhörern ganz abzuschotten.
Die Kreißsäle waren alle belegt, sodass wir erstmal auf die normale Station kamen, wo mein Mann leider nicht mit ins Zimmer konnte. Wir liefen dann lieber ein bisschen langsam durchs Krankenhaus und machten es uns in einer dunklen Ecke so gemütlich, wie es ging. Hier steckte ich mir meine Kopfhörer ein und begann mit den Hypnosen. Die Wehen kamen regelmäßig, fühlten sich aber höchstens unangenehm an, eigentlich fand ich es sogar irgendwie schön.
Irgendwann wollte ich mich doch kurz aufs Zimmer legen, habe ich dann auch gemacht und musste kurze Zeit später auf Toilette, wo ich eine Blutung bemerkte. Wir gingen rüber in den Kreißsaal und die Hebamme stellte fest, dass das der Schleimpfropf war. Der Muttermund hatte sich weiter geöffnet und war auf irgendwie 6-7cm, so ganz genau weiß ich das gar nicht mehr. Wir richteten uns im Kreißsaal ein bzw. bat ich meinen Mann, mir meine Decke und mein Trinken aus dem Auto zu holen, alles andere war irgendwie nebensächlich.
Ich hatte weiterhin die Kopfhörer drinnen und nahm sie lediglich manchmal zwischen den Wehen raus, so hatte ich ein besseres Gefühl, weil ich mit meinem Mann weiter im Austausch sein wollte.
Kurz vor 06:00 Uhr morgens war der Muttermund bei 9 cm und ein Hebammenwechsel stand an. Mit der neuen Hebamme merkte ich, dass ich verkopfter wurde, ich kam nicht mehr so gut ins Fühlen und in die Hypnosen und mein Muttermund ging sogar ein kleines bisschen wieder zu.
Rückblickend ist das der Punkt, wo ich einfach sehr nervös wurde, ich hatte Angst, dass meinem Kind was passiert (völlig unbegründet) und wurde ungeduldig und fand es schade, dass der Kleine nicht mit der Hebamme davor gekommen war, weil ich mich bei ihr so wohlgefühlt hatte.
Zwischen 9 und 10 Uhr durfte ich schließlich anfangen, zu pressen. Ich merkte hier allerdings, dass ich mehr auf das Außen hörte als in mich hinein zu fühlen. Hier muss ich sagen, dass viele Themen aus der erlebten stillen Geburt hochkamen. Mein erster Sohn war natürlich sehr viel kleiner und der war gefühlt mit 1-2 Presswehen draußen, jetzt bei J. war ich schockiert und ängstlich, weil es länger dauerte.
Ich stellte mich hin und wechselte zwischen am Tuch festhalten und Gebärhocker, meine Presswehen waren recht kurz und ich versuchte diese so doll wie möglich auszunutzen. Außerdem bekam ich mit, dass die Hebamme noch einen zweiten Kreißsaal betreuen musste, wo auch gerade eine Frau in der Pressphase war - das stresste mich nochmal. Das waren die Faktoren, die dann dazu führten, dass ich nicht mehr mit dem Gefühl presste, sondern einfach mein Kind im Arm halten wollte.
Die Hypnose für die Endphase gab mir dabei trotzdem total viel Kraft, ich spürte die Kraft, die ich in mir hatte, dieses Rohe, Gewaltige, das alle Mütter verbindet (btw. wir sind einfach krass!). Ich konnte den Kopf meines Sohnes erspüren und mein Mann hielt mich von hinten im Arm, dann war er plötzlich da und wurde mir direkt in den Arm gelegt.
Noch heute kommen mir die Tränen, wenn ich an diesen Moment denke - mein wunderschöner, atmender, perfekter Sohn endlich gesund bei uns. Wir legten uns zusammen auf die Liege und hatten erstmal Zeit für uns, das war so schön. Dann wurde ich untersucht (was ich als schmerzhaft empfand) und es wurde ein nicht ganz leichter Dammriss festgestellt.
Ich war so schmerzempfindlich an diesem Punkt, dass die Ärztin das Nähen unter Vollnarkose vorschlug, damit war ich sehr einverstanden. Mein Sohn blieb Haut an Haut bei meinem Mann. Danach hatten wir viel Zeit für Haut an Haut. Mein Baby J. wollte direkt stillen, und das lief alles ohne Probleme. Und abgesehen davon, dass ich mir zu dem Zeitpunkt Sorgen machte, wie alles verheilen würde, ging es uns super - das erste Mal als Familie.
Alles in allem muss ich sagen, dass die Geburt sehr schön war. Ohne die friedliche Geburt hätte ich vermutlich noch viel weniger bei mir und im Gefühl bleiben können und so haben mir die Hypnosen während der ganzen Geburt sehr geholfen.
Inzwischen habe ich mir auch "vergeben" dafür, dass ich im letzten Teil nicht zurück zur Hypnose gefunden habe und sage mir immer wieder, dass Baby J. an keinem Punkt in Gefahr war und, dass mit meiner Vorgeschichte ein bisschen Angst auf jeden Fall okay ist. Rückblickend muss ich sagen, dass eine Beleghebamme und 1:1 Betreuung die Geburt vermutlich noch um einiges hätte besser machen können - aber ansonsten freue ich mich, dieses wahnsinnige, alles auf den Kopf stellende, krasseste Erlebnis erleben durfte.

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