Erfahrungsbericht
von Anna

Beide meiner Kinder habe ich mit der Friedlichen Geburt zur Welt gebracht. Was das für mich bedeutet hat, lässt sich schwer in wenigen Sätzen zusammenfassen. Aber vielleicht am besten so: Es hat alles verändert. Diese zwei Geburtsberichte sind mein Versuch, das festzuhalten.

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Die Geburt meiner Tochter

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Die Schwangerschaft

Meine erste Schwangerschaft verlief eigentlich sehr unkompliziert. Ich hatte kaum Beschwerden, fühlte mich gut – und war dankbar dafür. Im dritten Monat sind mein Mann und ich umgezogen. Kisten schleppen, Kartons tragen, der ganze Stress eines Umzugs.

Im Nachhinein war das wohl etwas zu viel, denn kurz darauf setzte eine leichte Blutung ein, die einige Tage anhielt. Ich blieb trotzdem relativ ruhig. Nach ärztlicher Abklärung stellte sich heraus, dass keine Komplikationen vorlagen. Der Körper hatte sich gemeldet, und dann ging es weiter.

Eine Sache hat uns damals aber wirklich aufgewühlt. Beim ersten vorgeschriebenen Ultraschall – wir waren noch im ersten Trimester – meinte meine damalige Frauenärztin, sie sehe eine verdickte Nackenfalte. Das könne auf eine Trisomie hindeuten, sagte sie, und überwies uns zur Pränataldiagnostik. Wir hatten eigentlich nicht geplant, solche Untersuchungen zu machen. Aber nachdem sie uns darauf hingewiesen hatte, wollten wir Gewissheit.

Bis zum Termin vergingen ungefähr zwei Wochen. Zwei Wochen, in denen wir uns natürlich Gedanken gemacht haben. Und doch – und das ist etwas, das ich bis heute nicht ganz erklären kann – hatte ich innerlich immer das Gefühl, dass mit ihr alles in Ordnung war. Dass sie gesund war. Die Pränataldiagnostik hat das dann bestätigt.

Was die Angst vor der Geburt angeht: Die war am Anfang definitiv da. Ich erinnere mich noch gut an ein Telefonat mit einer Freundin, die schon Mutter war. Sie fragte mich direkt, ob ich Angst vor der Geburt hatte – und erzählte mir, dass sie vor ihrer Geburt ein Buch über HypnoBirthing gelesen hatte, das ihr alle Angst genommen hätte. Ich fing an, zu recherchieren. Und stieß so auf die Friedliche Geburt.

Ich hörte eine Weile den Podcast, dann entschied ich mich für den Kurs. Und ich habe es nie bereut. Im Gegenteil – es war wahrscheinlich die beste Entscheidung meines Lebens. Je mehr ich übte, desto mehr veränderte sich etwas in mir. Die Angst wich. Nicht auf einmal, nicht dramatisch – aber sie machte Platz. Für Vorfreude. Für eine echte Neugier auf dieses Abenteuer, das vor mir lag.

Beim letzten Frauenarzttermin vor der Geburt meinte meine Ärztin, das Baby sei wohl sehr schwer – der Ultraschall zeigte rund 3,7 Kilo. Früher hätte mich das vielleicht beunruhigt. Zu diesem Zeitpunkt? Nicht wirklich.

Es gab nur einen Abend, kurz vor der Geburt, an dem mich alles nochmal kurz eingeholt hat. Ich stand im Bad und dachte plötzlich: oh Gott. Jetzt ist es bald so weit. Wie wird das werden? Hoffentlich wird das gut. Aber es war nur ein kurzer Moment. Ich konnte mich zurückholen. Und die Vorfreude kehrte zurück.

Als die Wellen dann wirklich begannen, war ich bereit. Neugierig. Fast ein bisschen aufgeregt. So fing es an.

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Der errechnete Termin war der 5. Januar. Unsere Hebamme meinte, es werde stürmisch werden – und bei Sturm platzen oft Fruchtblasen. Mein Mann hoffte auf den 6. Januar, weil Feiertag. Am 7. war Vollmond, und alle hatten ihre Theorien.

Am Ende kam sie am 8. Januar – einem ganz normalen Sonntag. Das ganze Wochenende hatten wir einfach zu Hause verbracht. Und an diesem Morgen war irgendwie etwas anders. Ich hätte es nicht benennen können – aber irgendetwas in mir wusste es schon.

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Die ersten Wellen Gegen Mittag spürte ich ein erstes, regelmäßiges Ziehen. Noch nicht stark, aber beständig. Und weißt du, was mein Mann in diesem Moment entschieden hat zu tun? Die Feuermelder aufhängen, die seit Monaten unbenutzt in der Ecke lagen. Also stand ich – mit Wellen, die ich noch gar nicht als solche erkannt hatte – auf einer Staffelei und hielt den Staubsauger, während er in die Decke bohrte. Das Leben.

Danach war ich erschöpft und legte mich hin. Und erst in der Stille wurde mir klar: Das ist es. Die Geburt hatte begonnen.

Um 15 Uhr wollte ich unbedingt noch duschen. Ich stand unter dem Wasser und hielt immer wieder inne, atmete durch die Wellen – ließ sie kommen und wieder gehen. Danach legte ich mich auf die Couch, ins warme Licht des Christbaums, und machte die Hypnose der Friedlichen Geburt an. Die Wellen wurden regelmäßiger, alle zwei bis drei Minuten.

Gegen 18 Uhr bemerkte ich eine relativ starke Blutung – und war mir damit klar: Jetzt bleiben wir nicht mehr zu Hause. Mein Mann rief im Krankenhaus an. Die sagten: kommt.

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Im Krankenhaus

An der Anmeldung nahm die Dame noch in aller Ruhe meine Daten auf. Ich war schon mitten in der Geburt – aber Dank der Hypnose war ich tatsächlich entspannt genug, um das einfach mitzumachen. Im Kreißsaal wurde als erstes ein CTG geschrieben. Dafür musste ich mich auf den Rücken legen – das war unangenehm, aber noch aushaltbar.

Dann kam die Hebamme und untersuchte den Muttermund: bereits 4 cm geöffnet. Diese Information nahm ich auf und war wirklich erfreut. Mein Körper hatte längst angefangen, ohne dass ich es richtig mitbekommen hatte.

Dann kam der Schichtwechsel – und die neue Hebamme war mir leider weniger sympathisch. Ich wurde noch in ein anderes Zimmer zum Ultraschall geschickt, was ich ehrlich gesagt als unnötig empfand. Eine junge Assistenzärztin machte die Untersuchung, war selbst etwas verwirrt, weil sie die angekündigten 3,7 Kilo nicht messen konnte – das Baby war offensichtlich kleiner. Ich sagte ihr, das glaube ich auch, und das sei überhaupt kein Problem. Ich konnte auch dabei ruhig bleiben.

Zurück im Kreißsaal veratmete ich die Wellen – teils im Stehen, teils über das Bett gebeugt. Ich fragte die Hebamme, ob ich eine Entspannungswanne haben könnte. Sie bejahte es, ließ die Wanne einlaufen – sagte aber, vorher müsse noch mal ein CTG geschrieben werden und ich müsse mich wieder auf das Bett legen. Auch das war mir sehr unangenehm.

Das waren die Momente, in denen die Wellen wirklich schwieriger wurden – weil ich mich nicht so positionieren konnte, wie ich wollte. Gleichzeitig war es trotzdem erträglich, Dank der Hypnose. Ich konnte darin bleiben. Und die Hebamme war so sehr mit anderen Geburten beschäftigt, dass ich ohnehin eine Weile in Ruhe gelassen wurde.

Als sie schließlich zurückkam, um den Muttermund zu untersuchen – und nebenbei erwähnte, die Wanne wäre jetzt eingelassen – stellte sie fest: vollständig geöffnet. Keine Wanne mehr. Ich hatte es fast geahnt. Also Gymnastikball. Ich war voll darüber gebeugt, in der Hypnose, Welle für Welle.

Und dann, als die Presswehen einsetzten und die Austrittsphase begann, sagte die Hebamme, ich müsse zurück aufs Bett, damit während des Austritts ein CTG geschrieben werden könnte. Ich sagte: Ich gehe nicht vom Ball weg. Ich lege mich nicht mehr auf den Rücken. Und da hatte mein Mann die rettende Idee: Ich bin mitsamt dem Gymnastiball aufs Bett gewandert – kniend, mit dem Ball vor mir.

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Sie kommt Welle für Welle. Atem für Atem. Mein Mann hielt mich bei jeder Welle vorne, weil ich sonst immer nach hinten gerutscht wäre. Wir waren wirklich ein Team. Und dann – um 21:28 Uhr – kam sie zur Welt. Und noch während der Rest ihres kleinen Körpers in mir war, schrie sie. Laut und klar. Die Hebamme war sichtlich überrascht, das sei äußerst ungewöhnlich, sagte sie. Für mich war es das erste Wunder.

Mit der nächsten Welle war sie vollständig da. Die Hebamme legte sie unter mich aufs Bett. Ich drehte mich. Und sah sie. Ich kann dir nicht wirklich beschreiben, was in diesem Moment passiert ist. Mein Mann und die Hebamme halfen mir, mich hinzulegen – und dann lag sie auf meiner Brust. Ich habe sie einfach angeschaut. Dieses kleine Wesen, das so dringend schreien wollte, dass es nicht mal gewartet hat, bis es ganz auf der Welt war.

3.260 g. 53 cm. Und schon von Anfang an mit einer ziemlich klaren Meinung.

Was ich nach dieser Geburt gespürt habe, hat mich selbst überrascht. Es war Stolz. Ein Stolz, den ich so noch nie gefühlt hatte – auf mich, auf meinen Körper, auf das, was wir beide gerade geleistet hatten.

Ich erinnere mich, wie ich mich kurz darauf im Spiegel anschaute. Mit diesem Körper, der nun ein anderer war als vorher. Und ich dachte nur: Ich bin so stolz auf dich. Auf alles, was du gerade erreicht hast. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich wirklich komplett im Reinen mit mir war. Dass ich meinen Körper nicht bewertet, nicht verglichen, nicht kritisiert habe – sondern ihn einfach nur bewundert habe.

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Das schreibe ich der Friedlichen Geburt zu. Nicht nur, dass die Geburt gut verlaufen ist. Sondern dass sie zu einem bestärkenden Erlebnis werden konnte – zu einem, das mein Verhältnis zu mir selbst verändert hat.

Die Geburt meines Sohnes

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Die Schwangerschaft

Die zweite Schwangerschaft verlief gefühlt so viel schneller als die erste. Ich hatte eine kleine Tochter zu Hause, arbeitete bis zum Mutterschutz – und der Alltag ließ kaum Zeit, die Schwangerschaft überhaupt richtig wahrzunehmen. Es verging wie im Flug.

Ich hatte mir vorgenommen, die Kurseinheiten der Friedlichen Geburt noch einmal durchzugehen. Und ich habe es auch gemacht – einen großen Teil davon. Nicht alle, aber vieles.

Und ab etwa Woche 20 versuchte ich, regelmäßig die Übungshypnosen zu machen. Ehrlich gesagt fand ich dafür meistens nur abends, kurz vor dem Einschlafen, die Zeit – und bin bei den Hypnosen auch meistens eingeschlafen. Nur vereinzelt gelang mir das tagsüber zu üben. Bei weitem nicht so konsequent wie bei der ersten Schwangerschaft.

Kurz hatte ich die Sorge, ob die Hypnose während der Geburt dadurch weniger wirksam sein würde. Ob ich gut hineinkommen würde. Aber ich hatte letztlich großes Vertrauen, dass es trotzdem klappen würde. Und dieses Vertrauen hat sich bestätigt.

Die Schwangerschaft selbst verlief noch problemloser als die erste – keine Blutungen, Werte immer gut, keine Auffälligkeiten. Was mich allerdings amüsiert hat: Von Anfang an hieß es, mein Sohn würde sehr groß werden.

Bei einem frühen Termin erwähnte eine Ärztin sogar, man müsse vielleicht über eine Einleitung nachdenken. Ich hörte das, dachte kurz nach – und ließ es innerlich einfach los. Es war schlicht zu früh für so ein Gespräch, und ein großes Baby allein war für mich kein Grund zur Sorge.

Beim letzten Ultraschall vor der Geburt wurde das Thema dann gar nicht mehr aufgegriffen. Die Ärztin schätzte das Gewicht auf 3.360 Gramm. Und – kleiner Spoiler – das war ganz genau sein Geburtsgewicht. Genau 100 Gramm mehr als seine Schwester.

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Die Geburt

Es war 3 Uhr nachts. Ich lag bei meiner Tochter im Bett – sie ist drei – und irgendwann waren wir beide einfach wach. Ich weiß nicht mehr, wer zuerst. Aber in dieser stillen Dunkelheit spürte ich die ersten Wellen. Und ich dachte: heute. Heute wird er geboren.

Was ich dabei nicht vergessen darf: Mein Mann hatte in dieser Woche zwei Stunden entfernt für die Arbeit übernachtet und hätte eigentlich noch einen Tag länger bleiben sollen. Einen Tag zuvor hatte meine Frauenärztin gesagt, es könne jederzeit losgehen. Er hatte gefragt, ob er früher heimkommen soll.

Und ich – ganz ehrlich – hatte gesagt: noch nicht, mein Gefühl sagt mir, es ist noch nicht soweit. Und ich glaube das auch wirklich. Ich glaube, wenn er nicht in dieser Nacht zu Hause gewesen wäre, wäre die Geburt auch nicht losgegangen. Genau in der Nacht nach seiner Rückkehr hat sie begonnen. Der Körper weiß wohl, wann er sicher ist.

Und so lagen meine Tochter und ich zusammen im Dunkeln, beide wach, und ich konnte ihr noch einmal erzählen, was jetzt passieren würde. Dass ihr Bruder heute geboren wird. Dass die Oma kommen und auf sie aufpassen würde. Dass alles gut wird. Wir hatten schon oft über das Baby gesprochen – aber das hier war anders. Das war das echte Gespräch, kurz bevor es losging.

Ich habe sie noch einmal ganz fest gedrückt. Dann habe ich die Geburtshypnose angemacht – dieselbe, mit der sie auch schon zur Welt gekommen war. Und das Lustigste: Wir lagen schon fast eine Stunde wach, sie wollte einfach nicht schlafen. Fünf Minuten nach dem Start der Hypnose war sie eingeschlafen. Einfach so. Und ich lag wach, in den Wellen, in der Hypnose – und es war eine der schönsten Stunden dieser ganzen Geburt.

So blieb ich bis gegen 6 Uhr. Dann wollte ich rüber zu meinem Mann ins Schlafzimmer, um ihm zu sagen, dass er heute nicht mehr arbeiten würde. Als ich mich leise aus dem Bett schlich, wachte meine Tochter auf und sagte halb im Schlaf, ich solle bleiben. Also legte ich mich nochmal zu ihr. Wartete. Bis er schließlich selbst zu uns kam – und ich ihm sagen konnte: heute ist es soweit.

Ich schrieb meiner Mutter eine SMS: nach dem Aufstehen bitte zu uns kommen. Dann duschte ich noch – das wollte ich unbedingt, diesen einen letzten ruhigen Moment für mich. Unten richteten mein Mann und meine Tochter das Frühstück her.

Als meine Mutter ankam, frühstückten wir alle zusammen. Die Wellen kamen schon alle fünf Minuten. Ich saß halb in der Hypnose am Tisch, irgendwie dabei und irgendwie schon ganz woanders. Ich ging nach oben ins Bett. Mein Mann kam zu mir, wir kuschelten noch miteinander, ich bin sogar nochmal kurz eingeschlafen. Es war ein ruhiger, schöner Vormittag.

Gleichzeitig bemerkte ich, dass die Wellen sich verlangsamt hatten, und das hat mich etwas irritiert. Meine Mutter und meine Tochter waren noch unten bei uns, nicht wie eigentlich geplant bei meinen Eltern. Und irgendwie ist ein Teil von mir bei ihnen geblieben – anstatt ganz hier oben zu sein. Der Körper öffnet sich leichter, wenn der Kopf wirklich loslassen darf.

Als die beiden dann weg waren, dauerte es ungefähr eine Stunde – dann sagte ich meinem Mann, wir sollten ins Krankenhaus fahren. Ob es wirklich schon Zeit war, wusste ich ehrlich gesagt nicht genau. Aber irgendwas sagte: jetzt.

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Die Fahrt und die Ankunft

Die Autofahrt war herausfordernd. Die Wellen waren stark, die Position im Sitz ungünstig, und ich schaffte es nicht, dauerhaft in der Hypnose zu bleiben. Aber wie sich kurz darauf zeigte, hatte mein Körper in dieser Zeit mehr getan, als ich ahnte.

Im Krankenhaus stellte sich heraus, dass ich geblutet hatte – ein Zeichen, dass sich der Muttermund in dieser Zeit nochmal deutlich geöffnet hatte. Die Fahrt hatte also ihren Sinn gehabt. Im Untersuchungszimmer wurde das CTG angelegt – und fast sofort spürte ich diesen tiefen, unverkennbaren Druck nach unten. Ich dachte: der Muttermund wird vollständig offen sein.

Es dauerte dann noch eine gute halbe Stunde, bis die Hebamme mich untersuchte. Und als sie es bestätigte, wollte sie es selbst kaum glauben und untersuchte nochmal nach. Vollständig geöffnet. Ich fragte, ob es einen Kreißsaal mit Gebärwanne gäbe – das wollte ich diesmal unbedingt ausprobieren. Sie bejahte es, die Wanne wäre frei.

Bevor ich hinein konnte, musste noch ein Zugang gelegt werden – was sich als knifflig erwies, weil meine Venen schon in der Schwangerschaft schwierig zu treffen gewesen waren. Die Hebamme schaffte es nicht, eine Ärztin musste nachhelfen. Nicht angenehm, gerade mitten in den einsetzenden Presswehen. Aber auch das habe ich mit der Hypnose gut gemeistert.

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Die Wanne

Dann war ich drin – und ich war ehrlich überrascht, dass es wirklich noch geklappt hatte. Bei der ersten Geburt hatte ich kurz vor knapp die Wanne nicht mehr nutzen können. Jetzt war ich drin.

Zuerst lehnte ich mich vornüber über ein schwimmendes Kissen, ließ die Wellen durch mich hindurchfließen. Dann legte ich mich auf den Rücken, hielt mich an zwei Griffen fest und stemmte bei jeder Welle die Füße gegen die Wannenwand. Das half mir am meisten – diese Gegenkraft, dieser Halt.

Die Wellen wurden intensiver. Ich schwitzte stark in der warmen Wanne. Es war keine Frage von Schmerz – aber von einer existenziellen Anstrengung. Ich war präsent, ich war in der Situation, ich konnte damit umgehen. Aber es forderte mich wirklich. Dann fragte mich die Hebamme, ob sie die Fruchtblase öffnen sollte. Sie saß schon sehr tief im Geburtskanal, war leicht angerissen.

Ohne Eingriff: wahrscheinlich noch eine Stunde.

Mit Eingriff: das Baby käme sofort. Keine Vor- oder Nachteile für mich oder das Baby, sagte sie.

Ich fragte kurz nach, dachte kurz – und entschied mich dafür. Es war so warm. So anstrengend. Noch eine Stunde – nein. Diese Entscheidung habe ich im Nachhinein noch das ein oder andere Mal hinterfragt. Aber ich habe meinen Frieden damit gemacht.

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Er kommt

Eine Welle nach dem Öffnen der Fruchtblase – und das Köpfchen war da. Ich fragte, ob ich es berühren dürfte. Die Hebamme führte meinen Finger hin. Und da war er. Mein Sohn. Ich konnte ihn fühlen, noch bevor ich ihn sehen konnte. Ich war überwältigt – und ein kleines bisschen überfordert davon, wie schnell es auf einmal ging.

In diesem Moment merkte ich, dass mein Headset keine Batterie mehr hatte. Die Hypnose für die Austrittsphase war einfach ausgegangen, mitten im Geschehen. Aber weißt du was? Es war nicht nötig. Ich war da. Die Hebamme war da. Die junge Ärztin war da. Und mein Körper wusste, was er zu tun hatte. Mit der nächsten Welle trat das Köpfchen hervor – und blieb im Scheideneingang stehen.

Auch in der Wellenpause zog es sich nicht zurück, sondern dehnte den Bereich ganz langsam. Die Hebamme sagte, das sei gut so – das Köpfchen bereite die letzten Zentimeter noch vor. Dann kam die nächste Welle. Die Hebamme rief noch stopp, stopp, stopp – aber es war nicht mehr aufzuhalten. Köpfchen und Körper kamen in einem.

Ich sah, wie er ins Wasser glitt. Dieses Bild. Die Hebamme fischte ihn heraus, die Ärztin nahm ihn entgegen – und legte ihn sofort auf meine Brust. Das Einzige, was ich sagen konnte, war: oh Gott. Oh Gott. Oh Gott. Wie schön, dass er da ist.

Er hatte noch Käseschmiere in der Nase, die Ärztin machte sie frei – und dann schrie er. Kurz, klar, laut. Und danach lag er einfach still auf meiner Brust. So friedlich. Als wäre er schon immer da gewesen. Beide, Hebamme und Ärztin, sagten, er hätte eine super Farbe – auch wenn er uns selbst etwas bläulich erschien.

Und die Hebamme erzählte mir noch, dass seine Herztöne den ganzen Weg durch den Geburtskanal perfekt gewesen waren. Das hat mich so gefreut. Dieses Bild – er auf meiner Brust, in diesem ersten Moment – hat sich bei mir eingeprägt. Genauso wie das Bild meiner Tochter, als ich sie zum ersten Mal unter mir sah. Diese zwei Bilder werde ich hoffentlich für immer haben.

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Zwei Geburten. Zwei Kinder. Und jedes Mal diese Erkenntnis: Wenn du weißt, was in dir steckt – wenn du vorbereitet bist und deinem Körper vertrauen kannst – dann ist Geburt nicht etwas, das dir passiert. Dann gestaltest du sie mit.

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Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
Hebamme
Nina