Erfahrungsbericht
von Anna
Liebe Kristin,
die friedliche Geburt hat mir so sehr geholfen, ich danke dir von Herzen!
"Für meine erste Geburt hatte ich mich für die Klinik entschieden. Ich fühlte mich sicher, gut vorbereitet. Ich hatte bereits deine Podcasts gehört und auch mit meinem Partner den Verlauf und meine Wünsche besprochen.
Was damals kam, war eine typische Interventionskaskade: starke Schmerzen bei der Ankunft im KH, Pflicht-CTG schreiben, bevor ich in den Kreißsaal aufgenommen wurde, Schmerzmittel, diverse Untersuchungen, Katheter, aufgrund des schnell voranschreitenden Geburtsverlaufs gab man mir noch einen Wehenhemmer. Im Anschluss kamen die Wehen nicht mehr in Schwung und es wurde mit vielen Gaben Oxytocin nachgeholfen. Weder mir noch meinem Partner war das in dem Moment bewusst. Dann Pudendusblock, Saugglocke und Geburt in der Rückenlage. Für die Plazenta-Geburt wurde ebenfalls nochmal (ungefragt) Oxytocin gegeben.
Kurz nach der Geburt fühlte sich für mich alles ok an, doch je mehr Zeit verging, desto mehr wurde mir klar, was mir alles widerfahren war. Ich hatte sehr zu kämpfen und auch Schwierigkeiten mit der Bindung zu meiner Tochter.
Mit der zweiten Schwangerschaft wusste ich, dass ich anders gebären möchte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass meine Erfahrung eine "normale physische Geburt" ist, auch wenn man diese Geschichten von fast allen Frauen hört.
Mangels Alternativen (nur eine Klinik in unserer 200k-Einwohnerstadt, kein Geburtshaus, keine Doula oder Hebamme, die mich ins Krankenhaus begleiten kann) entschied ich mich für eine Hausgeburt, obwohl dies eigentlich nie mein Plan war.
Schon allein die Vorsorgen durch die Hausgeburtshebammen waren ein riesiger Unterschied. Ich lernte alle vorab persönlich kennen, endlich berührte auch mal jemand meinen Bauch und fühlte nach dem Baby.
Ich kaufte deinen Kurs und übte regelmäßig die Hypnosen. Meine größte Angst war tatsächlich, dass ich wie beim letzten Mal die Schmerzen nicht aushalte und die Hausgeburt gleich zu Beginn abbrechen muss, um Schmerzmittel in der Klinik zu erhalten.
Wie beim ersten Kind war ich mittlerweile beim ET+9 angekommen, aber viel entspannter.
Am Tag der Geburt spürte ich morgens ein leichtes Ziehen auf dem Weg zum Frauenarzt. Im CTG waren noch keine Wehen zu sehen.
Beim Mittagessen kamen die Wehen dann alle 7 Minuten. Es fühlte sich alles aushaltbar an.
Ich beschloss, mich hinzulegen und auszuruhen und begann die Geburtshypnose zu hören. Mein Freund brachte die große Tochter noch zu Freunden. Ich habe meine große Tochter plötzlich schmerzlich vermisst und musste sehr viel weinen. Es war der Abschied von unserer gewohnten Beziehung.
Nachmittags kamen die Wehen regelmäßiger, aber ich war noch so entspannt. Hin und wieder kam eine kraftvollere Wehe, aber mein Körper sagte mir, wie ich mich bewegen sollte und ich konnte mich in meiner gewohnten Umgebung mit geschlossenen Augen bewegen, aufstehen, knien, liegen. Ich schrieb 16 Uhr meinem Freund, er müsse sich nicht beeilen. Ich hatte auch nicht das Bedürfnis, der Hebamme Bescheid zu geben.
Gegen 17:30 wurden die Wehen stärker, ich ging regelmäßig ins Bad auf die Toilette, weil ich unbedingt einen Katheter vermeiden wollte. Gegen 18:15 im Bad wurden die Wehen plötzlich sehr stark. Ich stand an der Waschmaschine - für mich die beste Position - und musste plötzlich mittönen. Zwischen den Wehen war alles friedlich. Ich rief meinem Freund zu, er solle der Hebamme Bescheid geben. Er bekam die Situation gar nicht richtig mit, weil ich bis dahin so entspannt war. Er dachte, es dauert noch ewig.
Er begann dann mit den Vorbereitungen, die wir besprochen hatten (Pool aufbauen usw).
Ich stand weiter an der Waschmaschine und musste bereits kräftig mitschieben. 18:40 kam endlich die Hebamme (für mich eine Ewigkeit) und sagte sofort zu meinem Freund, dass das Baby gleich kommt. Den Pool würden wir nicht mehr brauchen, er solle viele Handtücher bringen.
Sie wollte noch die Herztöne hören, aber ich fühlte mit meiner Hand schon das Köpfchen. Um 18:47 wurde mein Sohn im Badezimmer geboren.
Gemeinsam gingen wir mit ihm an der Nabelschnur in das Wohnzimmer. 2 weitere Rufbereitschaftshebammen kamen noch kurz hintereinander an, sie hatten sich bereitgehalten, wohl weil sie schon geahnt hatten, dass es ziemlich schnell gehen würde.
Die Plazenta ließ sich Zeit und kam fast eine Stunde später. Diese Nachwehen fühlten sich deutlich schmerzhafter an, weil ich nicht mehr in Hypnose war.
Anschließend duschten mich die Hebammen gemeinsam ab und versorgten mich.
Ich fühlte mich wie eine Königin und war so stolz. Die Geburt war bei weitem nicht so schmerzhaft, wie mit Schmerzmittel im Krankenhaus. Pool, Tens Gerät usw. habe ich alles nicht mehr benötigt, es hätte mich aus meinem Flow gebracht. Das Wochenbett war dieses Mal viel entspannter und mein Körper hat sich viel schneller erholt.
Diese Geburt hat so viel geheilt und mich so stark gemacht. Das würde ich jeder Frau wünschen!
Und gleichzeitig macht es mich fassungslos, was Frauen in den Kliniken in dieser vulnerablen Situation ausgesetzt werden. Die Stimmen sind viel zu leise, die sich für die Geburtshilfe einsetzen und ich wünsche mir von allen Frauen, dass sie für eine selbstbestimmte Geburt und gute Begleitumstände kämpfen. In der der Situation der Geburt ist es zu spät! Auch wenn es sie vielleicht nicht mehr persönlich betrifft, betrifft es jede noch kommende Gebärende und vielleicht auch die eigenen Töchter. Geburt muss man nicht "über sich ergehen lassen". Man kann sie aktiv mit gestalten."
Danke für deine Arbeit, ich empfehle es jeder Frau.
Liebe Grüße, Anna

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