Erfahrungsbericht
von Annika

Am 1. November habe ich mein erstes Kind zu Hause auf die Welt gebracht. Voller Dankbarkeit und Stolz kann ich sagen: Es war eine traumhafte Geburt, an die ich mich immer wieder gerne zurückerinnere. Von Beginn der Schwangerschaft an war mir klar, dass ich mein Kind zu Hause zur Welt bringen möchte.

Ich habe Geburt schon immer als etwas Natürliches gesehen und hatte großes Vertrauen in meinen Körper. Nichtsdestotrotz gab es auch immer wieder Momente der Angst. Da ich wusste, dass es sehr wichtig ist, trotz Schmerzen im Vertrauen zu bleiben und nicht in Panik zu geraten, habe ich mich für den Kurs entschieden.

Der ET war am 07.11., ich hatte aber im Gespür, dass es früher losgehen würde. Mein Wunsch war es, seinen Geburtstag am Feiertag feiern zu können. So habe ich oft mit meinem Baby gesprochen und ihm gesagt, dass ich bereit bin, ihn zu empfangen und die Schwangerschaft loszulassen – denn das fiel mir nicht leicht.

Am 31.10. haben sich meine zwei Katzen vermehrt an meinen Babybauch gelegt. Ich habe es sehr genossen und hatte das Gefühl, sie wollten, dass ich mich ausruhe – und das tat ich auch. Trotzdem war ich nervös, weil ich aus irgendeinem Grund wusste: Es geht bald los.

Am Nachmittag begannen die Wehen. Ich habe sie nicht getrackt, aber sie kamen regelmäßig, etwa alle acht Minuten. In der Abenddämmerung ging ich noch spazieren und wusste: Der nächste Spaziergang wird mit meinem Baby sein. Als mein Mann von der Arbeit kam, habe ich versucht, den Alltag noch so gut es geht weiterzuführen – kochen, Haushalt – ich wollte alles fertig haben.

Am Abend kam unsere Hausgeburtshebamme vorbei. Sie war überrascht und meinte, der Kopf sei schon so tief, das müsse doch ein enormer Druck für mich sein. Das empfand ich jedoch nicht so. Ich bat meinen Mann, sich hinzulegen und sein Handy auf laut zu stellen, damit ich ihn anrufen kann, wenn etwas ist.

Ich legte mich aufs Sofa, die Wellen wurden immer stärker. Ich hatte die Intuition, die Geburtshypnose anzumachen, in der Hoffnung, etwas zu schlafen, da mir das beim Üben öfter passiert war. Ich bin nicht eingeschlafen – stattdessen fiel ich in einen Trancezustand. Ich vergaß jegliches Gefühl von Zeit und Raum.

Irgendwann hatte ich dann doch den Impuls, meinen Mann zu bitten, die Hebamme anzurufen. Als sie ankam und mich nach einiger Zeit untersuchte, meinte sie nur: Der Muttermund ist schon bei etwa 8–9 cm. Ich war komplett fassungslos – damit hatte ich nie gerechnet.

Als die Presswehen begannen, ging ich in den Pool. Es gab einen kurzen Moment, in dem ich die Trance verlor und Angst in mir aufkam, da ich die Schmerzen nun deutlich stärker spürte. Ich bin eigentlich eine ruhige Person, doch in der Austrittsphase wurde ich laut.

Nach nur 30 Minuten intensiver Presswehen kam mein Sohn im Wasser zur Welt. Ich durfte ihn selbst in Empfang nehmen und auf meine Brust legen – genau so hatte ich es mir gewünscht. Mein Kind hatte bei der Geburt seine Hand neben dem Kopf, dadurch hatte ich stärkere Geburtsverletzungen. Ich muss aber sagen: Die Hormone haben alles geregelt, und das Nähen habe ich kaum gespürt.

Anfangs war ich enttäuscht von mir, dass ich am Ende doch lauter wurde und die Schmerzen präsenter waren. Im Wochenbett konnte ich das aufarbeiten – die Geburt war genauso, wie sie war, wunderschön.

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Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
Hebamme
Nina