Erfahrungsbericht
von Carolin O.
Triggerwarnung: Hoher Blasensprung, Einleitung, Sturzgeburt
Nachdem ich 2023 meine erste Tochter schmerzarm und selbstbestimmt zur Welt bringen durfte, war für mich schnell klar: das wollte ich noch einmal erleben! Trotzdem begleiteten mich die gesamte zweite Schwangerschaft auch Zweifel, die wahrscheinlich viele kennen, die zum zweiten Mal Mama werden.
Wie würde meine „Große“ damit klar kommen, dass Mama weniger Zeit hat? Wie würden die Gefühle sich verändern? Was bedeutet das, zwei Kinder und ihre unterschiedlichen Bedürfnisse zu managen? Wird die Liebe wachsen?
Ich hatte mich für die erste Geburt schon mit Kristins Kurs vorbereitet und freute mich extrem auf die Hypnosen! Aber seltsamerweise fand ich nicht wirklich rein! Der sichere Ort schien durch meine große Tochter irgendwie „besetzt“. Ich fand selten Zeit für die Hypnosen und auch irgendwie keine Ruhe! Als ich die Atemübungen machte, merkte ich aber schnell, dass ich nichts verlernt hatte und das montivierte mich! Wenn mein Körper nichts verlernt hat, dann vielleicht mein Geist auch nicht!
Meine erste Geburt war schön, schnell und erstaunlich friedlich. Wir hatten uns damals für die Klinik entschieden und waren sehr zufrieden. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass ich noch etwas optimieren konnte und wir entschieden uns dieses Mal, ins Geburtshaus zu gehen! Die Vorsorge war sehr schön und ich freute mich so sehr auf diesen besonderen Ort und „meine“ Hebamme!
Naja… was soll ich sagen… es kam alles anders als gedacht! 5 Tage vor ET wachte ich morgens in einer Pfütze auf und dachte direkt: das war die Fruchtblase! Ich informierte meine Hebamme und meine Mutter, die unsere große Tochter nehmen sollte! Ich war mir sicher: Heute wird meine Tochter geboren!
Ich duschte noch mal und legte mich dann nochmal ins Bett… Ich wollte mich bewusst entspannen und mich vorbereiten. Aber die Wellen kamen nicht… gegen Nachmittag wurde ich dann doch nervös. Ich wusste, dass ich nur 24 Stunden Zeit hatte, wenn ich ins Geburtshaus wollte.
Am Abend trafen wir uns nochmal zum CTG im Geburtshaus: dem Baby ging’s gut… aber mir nicht. Weiterhin keine Wellen. Ich schaute traurig auf die Kerzen und fühlte plötzlich eine Gewissheit: das war das letzte Mal, dass ich schwanger hier bin. Die Nacht war emotional herausfordernd. Ich wachte immer wieder auf, suchte in mir nach Wellen und hörte meine Hypnosen. Aber nichts passierte…
Am Morgen war es dann klar: kein Geburtshaus für uns!! Ich war schrecklich enttäuscht… nach einem kurzen Break down fuhren wir in die Klinik, die wir uns als Plan B ausgesucht hatten. Dort angekommen, wurde direkt ein CTG geschrieben und ich untersucht. Muttermund nur bei 1cm, keine Wellen, alles ruhig.
Im Ultraschall machte das Baby einen guten Eindruck, Fruchtwasser gab es noch genug. Man riet mir zur Einleitung und ich war ehrlich gesagt froh, etwas tun zu können, damit es endlich los ging. 2 Tage Medikamente, unzählige CTGs und eine emotionale Achterbahnfahrt folgten.
Es war mental echt herausfordernd und trotzdem konnte ich bei mir bleiben. Immer wieder schaffte ich es, mich aufzubauen, die Situation anzunehmen, mich dem Weg hinzugeben. Das ist definitiv eine Fähigkeit, die ich der mentalen Vorbereitung verdanke. Trotzdem wurde ich immer ungeduldiger.
2 Tage vor ET hatte eine der Hebammen die Idee, die vermutete Vorblase manuell zu eröffnen. Das war ein super Einfall! Gegen 19:00 wurde das also durchgeführt und sofort spürte ich eine Veränderung. Die Wellen kamen und blieben und ich war mir sicher: jetzt gehts endlich los!
Ich ging nochmal auf mein Zimmer, aber um 20:30 waren dann wirklich Wellen da, die ich nicht alleine bewältigen wollte. Ich ging zurück in den Kreißsaal. Wieder half mir die Atemtechnik sehr! Ich war auch erst bei 3 cm. Alles noch sehr gut auszuhalten. Ich sollte in einem Vorzimmer warten… Mein Mann kam dazu und wir waren noch ein bisschen allein.
Gegen 21 Uhr änderte sich die Qualität der Wellen aber plötzlich. Die Hebamme untersuche auf meinen Wunsch nochmal und ich war bei 5cm. Mir wurde nochmal Blut abgenommen (das machten wir alle 8h, da ich mich gegen eine Antibiose entschieden hatte) und ich sollte mich nochmal aufs Kreißbett legen, damit ein CTG geschrieben werden konnte. Als ich auf der Seite lag, kamen aber nochmal 3 Wellen, die sehr intensiv waren! Das kannte ich von meiner ersten Geburt so nicht!!!!
Ich war kurz überfordert, die Hebamme zog mir schnell die Hose aus und 3 Wellen später war meine Tochter geboren. Das ging schnell! Insgesamt waren wir nur ca. 30 Minuten im Kreißsaal, ich hatte keine Verletzungen und war einfach nur überrascht.
Es war also sehr anders als meine erste Geburt! Definitiv nicht schmerzlos, schnell und mental herausfordernd. Aber ich würde trotzdem sagen, dass es schön war! Kraftvoll, selbstbestimmt und vor allem positiv, trotz so vielen Stolpersteinen. Ich habe auch während der Geburt keine Hypnose gehört und konnte auch nicht so wirklich in meinen „Tunnel“ gehen… dafür ging es einfach zu schnell.
Aber die mentale Vorbereitung hat mir definitiv dabei geholfen, bei mir zu bleiben und die Geburt bzw. den Weg dahin so anzunehmen, wie er war. Es geht nicht darum, schmerzfreie Traumgeburten zu erleben, sondern dem Körper zu vertrauen und mit zu gehen. Jede Geburt ist anders und genau diese Unplanbarkeit ist oft die größte Herausforderung.
Dank der friedlichen Geburt konnte ich 2 wunderschöne Geburten erleben und spüren, wie wichtig mentale Vorbereitung ist! Danke!

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