Erfahrungsbericht
von Desiree
Liebe Kristin, liebes Team der Friedlichen Geburt und liebe Community, heute möchte ich euch gerne von meiner Geburtserfahrung berichten. Zunächst jedoch eine Triggerwarnung, denn in meinem Bericht wird es um die stille Geburt unseres Sohnes gehen.
Am Sonntag, dem 12.07.2026 wachte ich früh auf und normalerweise war mein Baby in den letzten Wochen immer bereits wach gewesen und sagte mir mit ein paar Tritten guten Morgen. Doch an diesem Tag nicht. Ich hatte ein komisches Gefühl. Als mein Partner sich Mittag um 12 Uhr auf den Weg zur Arbeit machte, weinte ich das erste Mal, weil ich es komisch fand und mir Sorgen machte. Doch für unser Baby war es nicht untypisch. Es kam an 2-3 Tagen, in der Woche vor, dass er sich erst Abend bemerkbar machte. Außerdem war ich in der 33. Woche. Überall steht, dass in dem Zeitraum die Babys ruhiger werden, da sie nicht mehr so viel Platz haben. Manchmal haben sie einen Wachstumsschub und sind deswegen viel am Schlafen.
Worte, mit denen ich mich versuchte zu beruhigen. Doch auch am Abend hatte ich ihn noch nicht gespürt, weswegen ich mit meiner Schwester ins Krankenhaus fuhr. Ich hatte mich in der Notaufnahme angemeldet und rief meinen Partner an, dass wir nun im Krankenhaus sind. Er hatte Feierabend und machte sich auf den Weg zu uns. Wir liefen auf die Station, wo uns die Hebammen in Empfang nahmen.
Ich wurde in ein Zimmer gebracht und sie holten ein CTG. Bei dem Versuch, die Herztöne zu finden, scheiterten zwei Hebammen. Sie versuchten, mich zu beruhigen, dass das nichts heißen muss, brachten mich in den Untersuchungsraum und informierten den diensthabenden Arzt. Dieser machte sofort einen Ultraschall und konnte nur noch feststellen, was ich bereits den ganzen Tag schon im Gefühl hatte. Das Herz unseres wunderbaren Jungen hatte aufgehört zu schlagen. Kurz darauf betrat auch mein Partner den Untersuchungsraum.
Wir einigten uns darauf, dass wir noch am selben Abend nachhause wollten. Wir wollten es den beiden Geschwistern selbst sagen und brauchten diese Nacht für uns. An diesem Tag bzw. Abend hatte ich viele Wellen und ich dachte, dass mein Körper vielleicht bereits erkannt hatte, was ich nicht wahrhaben wollte.
Am nächsten Morgen (13.07.2026) waren die Wellen weg. Wir brachten unsere Kinder zu meiner Schwester und fuhren zurück ins Krankenhaus, um die Geburt einzuleiten. Angekommen sind wir gegen halb 12. Dann erwartete uns eine ganze Menge Papierkram und Aufklärungsbögen.
Um 16 Uhr bekam ich die erste Tablette Cytotec. Diese sollte ich nun im 4 Stunden Rhythmus einnehmen. Es folgten Blutdruck Überprüfungen und es begann eine lange Wartezeit. Die ersten Wellen setzen ca. eine Stunde nach der ersten Tabletteneinnahme ein. Sanft und unregelmäßig.
Ca. 2 Stunden später gingen wir in den Krankenhauspark, wo meine Schwester erneut mit den Kindern lang kam. Der Große stellte viele Fragen, die wir ihm alle beantworteten und wir sprachen darüber, wie es weiter geht, wenn das Baby auf der Welt ist. Ob sie ins Krankenhaus kommen wollen, sich verabschieden. An diesem Abend veränderte sich nicht viel.
Ich bekam alle 4 Stunden eine Einleitungstablette und wir warteten. In der Nacht setzten wir den Rhythmus fort, damit sich die Geburt nicht ins unendlich lange zieht.
Am Dienstag (14.12.2026) hatte ich früh bereits mehr Wellen. Sie steigerten sich. Kamen in kürzeren Abständen. Die vaginale Untersuchung zeigte das sie auch Muttermundwirksam waren. Sie überlegten, nun einen Ballonkatheter zu legen, doch da ich die Wellen in recht kurzen Abständen hatte und meist 2 direkt hintereinander, wurde sich dagegen entschieden. Gegen halb 12 schlug die Hebamme vor, die Fruchtblase zu öffnen. Das war auch bei beiden Geschwistern das, was die Geburt richtig in Gang brachte. Für jede Entscheidung bekamen wir viel Zeit, um uns zu entscheiden und es wurde jedes Mal betont, das es ganz allein unsere Entscheidung ist, wie was gemacht wird.
Gegen 12 Uhr stimmten wir dem Öffnen der Fruchtblase zu. Ich haderte sehr mit mir, da ich glaube wusste, wenn das geschieht, ist die Geburt nicht mehr aufzuhalten und damit stünde uns das unausweichliche bevor. Von da an wechselten wir auch in den Kreißsaal. Auch hier hatten wir die Wahl. Es gab ein Zimmer, extra für stille Geburten. Um den Kreißsaal, für eventuelle weitere Geburten, nicht negativ zu belasten. Doch wir entschieden uns dennoch für einen normalen Kreißsaal. Wir empfanden ihn als angenehmer, wärmer eingerichtet und wollten unseren Sohn dennoch so normal wie möglich auf die Welt bringen.
Das Eröffnen der Fruchtblase hatte genau den Effekt, den wir vermutet hatten. Die Intensität der Wellen nahm zu. Aber ich nahm jede Welle wie sie kam. Veratmete sie, wie ich es in Kristins Kurs gelernt hatte und versuchte, einen durchbluteten, sich öffnenden Muttermund zu visualisieren. Im Hintergrund hatte mein Mann Musik von Enya laufen. Die Hebamme hatte über einen Diffuser Ingwer- Zitronen Duft (in Absprache) angemacht und es war eine ruhige Atmosphäre. Mein Partner massierte mir in jeder Welle, den unteren Rücken. Er spürte intuitiv, wann die Welle kam und ging. Wir verstanden uns ohne Worte.
Gegen 17 Uhr merkte ich einen Umschwung. Während der Welle kam ich in ein Zweifeln. Typische Gedanken wie, „ich schaffe das nicht, wenn es noch länger dauert“. Sofort dachte ich an etliche Geburtsberichte aus Kristins Podcast und dachte, das ist bestimmt die Übergangsphase. Das muss die Hebamme auch gedacht haben und fragte, ob sie mich vaginal Untersuchen solle. Als ich hörte, 4-5 cm kam ich ins Straucheln. Ich dachte, dann kann es nicht die Übergangsphase sein, wie soll ich das noch stundenlang aushalten, mit dem Wissen, das ich mit keinem gesunden Kind im Arm belohnt werde. Daraufhin fragte ich, ob ich in die Badewanne könne. Etwas, was ich mich die ganze Zeit nicht getraut hatte zu fragen, warum weiß ich nicht. Irgendwie dachte ich, dass das nicht ginge bei einer stillen Geburt. Doch die Hebamme ging sofort und machte in einem separaten Bad, eine Entspannungsbadewanne fertig. In der Wanne fand ich etwas zurück zu mir. Und dort nickte ich dann auch in jeder Wellenpause ein.
ch glaube, mein Körper sammelte Kraft, denn nur eine halbe Stunde später kam ich aus der Badewanne wieder raus, weil ich merkte, dass es jetzt nicht mehr lange dauert. Mein Partner und die Hebamme halfen mir beim Abtrocken und wir gingen zurück in unser Kreißsaalzimmer. Ich legte mich aufs Bett und die Hebamme sagte mir, dass ich, wenn ich es für richtig halte, pressen kann. Ich sollte alles so machen, wie es sich für mich richtig anfühlte. Es setzte eine kleine Wellenpause ein. Und irgendwann merkte ich den Pressdrang. Ich glaube bei der 3. richtigen Presswelle, spürte ich, wie sich das Köpfchen durch den Geburtskanal bewegte. In der 4. Presswelle kam langsam das Köpfchen, was mit der 5. Presswelle vollständig da war. Mit der 6. Presswelle kam sein Körper auf die Welt.
Um 17:59 Uhr war unser Sohn geboren. Floki. Ein nordischer Name, der für Abenteurer/ Wanderer steht. Ich wollte ihn direkt auf meine Brust gelegt bekommen. Er war wunderschön, groß und gar nicht dünn. Ich hatte erwartet, dass man ihm ansieht, dass er erst 33 Wochen alt war. Aber er sah aus wie ein schlafendes Baby. 45cm groß, 1990 gr. Schwer und einen Kopfumfang von 31cm. Nachdem die Plazenta geboren war und wir etwas Zeit mit ihm hatten, wurde er gewogen, gemessen, Finger- und Fußabdrücke gemacht und wir schnitten etwas von seinen Haaren als Andenken ab. Danach machte ich ihn etwas sauber und zog ihn an.
Wir informierten meine Schwester, die uns die Kinder lang brachte. Sie hielten ihren Bruder ihm Arm, kuschelten und küssten ihn und sogen jede einzelne Sekunde mit ihm auf. Sowohl meine große Schwester mit Kindern und Mann als auch meine kleine Schwester, meine Mama und die Schwester meines Partners kamen am Abend ins Krankenhaus, um unseren Sohn kennenzulernen und gleichermaßen zu verabschieden. Dafür bin ich meinen Partner sehr dankbar, dass er das angestoßen hat, denn das hat Floki, für alle die im Krankenhaus waren, real gemacht. Es hatte etwas Heilsames, das er von so vielen Menschen, so viel Liebe auf seine Reise mitbekommen hat.
Wir sind den Hebammen, die uns während unserer stillen Geburt begleitet haben, unendlich dankbar. Denn trotz der Umstände kann ich sagen, dass es unsere schönste, friedlichste und selbstbestimmteste Geburt war, die wir bis jetzt hatten.
Und ich bin mir sicher, dass diese Geburt, aufgrund dessen wie sie war, ganz viel Heilung mit sich bringt. Denn wir können positiv auf sie zurückblicken und es ist schön, dass wir dadurch nicht nur in Trauer an unseren Sohn zurückdenken, sondern auch positives und schönes mit ihm verbinden können.
Ich werde zukünftig über die Plattform: kids.go ein Tagebuch eröffnen. Da werde ich noch einmal detailreich über die Schwangerschaft mit F., die stille Geburt und die Zeit danach schreiben. Ebenso wird es um unsere weitere Kinderwunschreise und eine eventuelle Folgeschwangerschaft mit allen dazugehörigen Gefühlen gehen. Ich habe gemerkt, dass das Reden und Schreiben, über das was uns passiert ist, mir unfassbar doll hilft, unseren Verlust zu verarbeiten.
In den ersten Tagen habe ich sämtliche Foren über Berichte von anderen durchgelesen und festgestellt, dass es leider nicht viele davon gibt. Ich hoffe, so auf andere zu treffen, mit denen man sich austauschen kann, um seine Gefühle und Gedanken zu teilen und um zukünftige Ängste in einer Folgeschwangerschaft besser händeln zu können.
Ich möchte mich vor allem bei Kristin bedanken, die diesen wunderbaren Kurs ins Leben gerufen hat. Ohne diesen hätte ich unsere stille Geburt gewiss nicht so gemeistert. Danke für dein umfangreiches Wissen, deine entspannte Art, deine beruhigende Stimme und dein offenes Ohr.
In Gedenken an unseren Sohn Floki. Nie an unserer Hand aber immer in unseren Herzen. Ein kleiner Abenteurer auf großer Wanderschaft.

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