Erfahrungsbericht
von Elena

GEBURTSBERICHT E. A. K., 2. SEPTEMBER 2024

Nach der schwierigen natürlichen Geburt meiner Tochter M. (4J), hatte ich vor der Geburt meines 2. Kindes große Angst. M. war ein Sternengucker, nach 52 Stunden Wehen zuhause sind wir ins Spital gegangen, wo mir ungefragt 2 Dammschnitte gemacht wurden. Die Wunde hat sich im Wochenbett entzündet und das Heilen ging sehr langsam.

Gegen die Angst, die ich durch meine Erfahrung der ersten Geburt entwickelt habe, wollte ich während meiner 2. Schwangerschaft unbedingt etwas unternehmen. Ich wollte mich auf keinen Fall ohnmächtig fühlen, oder von der Angst treiben lassen. Auf Empfehlung meiner Hebamme, habe ich mich auf die 2. Geburt mit der «friedlichen Geburt» vorbereitet. Durch «die friedliche Geburt» habe ich mich wieder selbstermächtigt und bin aus der Angst ins Vertrauen gekommen. Ich bin sehr froh, diesen Wandel geschafft und tatsächlich eine friedliche Geburt erlebt zu haben. Ich bin für die Begleitung von Kristin und ihrem Team unendlich dankbar.

Ich erwache um 2 Uhr und es zieht im Bauch. «Ach so, vielleicht geht es jetzt los» denke ich. Ich bin leicht aufgeregt, bin auch nicht sicher, ob es einfach Übungswehen sind. Deshalb mahne ich mich zur Geduld und schlafe nochmals 1 Stunde. Die Wehen kommen nach 2 Stunden doch schon all 5 Minuten, ich wecke R. (mein Ehemann), der die Hebamme anruft.

In der Zwischenzeit lege ich mich zurück ins Bett und schlafe weiter.

5 Uhr: Ich stehe auf, als ich H.s (Hebamme) Stimme höre und sehe, dass sie angekommen ist. R. hat den ganzen Wohnraum eingerichtet, wie wir es im Voraus besprochen haben.

Nachdem mich H. untersucht hat, sehne ich mich nach Geborgenheit und schummrigem Licht und ziehe mich schon bald wieder in unser Schlafzimmer zurück. Da höre ich die Hypnose zur Eröffnungsphase und döse weiter.

Ich fühle mich gut. Ich bin voller Vorfreude und guter Gefühle. Die Wellen kommen und gehen, sie fühlen sich gut an, weder schmerzhaft noch anstrengend.

Sie kommen aber nicht mehr so regelmäßig und schon frage ich mich, ob wir alles zu früh in Bewegung gesetzt haben und ob die Geburt überhaupt schon heute startet.

Unsere Tochter M. wollte wegen der Geburt nicht in den Kindergarten und das Grossmami ist mit ihr.

Um 11 Uhr entscheiden wir uns, einen kleinen Spaziergang zu machen: wenn die Wehen wieder stärker kommen, dann geht die Geburt los, sonst würde unsere Hebamme wieder nach Hause gehen. Ich gehe mit R. und H. los. Die Sonne scheint, es ist wohlig warm und wir gehen durch den Wald hinter dem Schulhaus. Die Stimmung ist wunderbar; unbeschwert, ruhig und entspannt. Die Wellen kommen wieder regelmäßiger und wir kehren nach 30 Minuten wieder zurück.

Ich ziehe mich nach dem Spaziergang wieder zurück ins Schlafzimmer und höre wieder meine Hypnose. Zwischendurch kommt R. zu mir. Er legt sich zu mir und «Löffelt» mich. Das ist wunderbar, da er meinem Rücken eine Stärkung und Wärme schenkt. Es ist einfach nur wunderschön, ihn bei mir zu spüren.

Als am Nachmittag die Wellen stärker werden, halte ich den Schmerz immer weniger gut aus. Als mich H. fragt, ob ich in den Geburts-Pool will, weiß ich nicht mehr, was ich brauche und was mir gut tun könnte. Ich gehe also, um zu spüren, ob mir Wasser gut tut, Mal in die Badewanne. Dort werden die Wellen stärker und der Schmerz ist enorm. Ich habe jedoch nicht genügend Platz und fühle mich eingeengt, da ich die Beine nicht positionieren kann, wie ich es mir wünsche. Somit ist es klar, ich will in den Pool.

Aber nicht dort, wo wir ihn vorbereitet haben, unerwarteter Weise sagt mir mein Gefühl, er muss noch einen Stock hoch in ein anderes Zimmer. In einer Hauruck Aktion transportieren alle zusammen den Pool die Treppe hoch ins Kleiderzimmer. R. installiert die Musikbox und zündet Kerzen an. M. hilft, den Pool mit dem Schlauch zu füllen. Der Raum ist sehr schön, die Stimmung fühlt sich gut an, das Kerzenlicht warm. Das Becken füllt das ganze Zimmer aus.

Ich steige ein und merke schon bald, dass durch das warme Wasser die Wehentätigkeit verstärkt wird. Wow, es ist richtig krass schmerzhaft. Ich muss mich voll auf die Geburt fokussieren und spüre, dass wenn M. dabei bleibt, ich mich dem Prozess nicht frei hingeben kann. Somit gehen M. und das Grossmami was anderes machen.

Die Schmerzen sind intensiv und überwältigend. Ich lege mich mit meinem Oberkörper auf den Rand der Wanne und gebe mich hin. Jede Welle erfasst mich so stark, dass ich kaum atmen kann und jeder rationale Gedanke weg ist.

Leider höre ich die Hypnose nicht wirklich, da sie zu leise ist. Ich schaffe es aber durch die Schmerzen nicht, dies an R. zu sagen. In einer Wellenpause gelingt es mir noch zu bemerken: «Falls dies schon Presswehen sind, ist das die falsche Hypnose» (es war noch die Hypnose zur Eröffnungsphase =).

H. kommt immer wieder die Herzfrequenz vom Baby mit dem Doppler abhören. Sie ist eine wichtige Präsenz, bewegt sich und hält sich in meinem Empfinden im Hintergrund. R. ist vor mir und flüstert mir ermutigende Worte ins Ohr. Ich verstehe nicht wirklich, was er sagt, die Worte gehen durch mich, aber es ist so wichtig, dass er hier ist und mir liebevoll Mut zuspricht. Während jeder Welle schreie ich. In jeder Pause gibt mir R. Wasser, öffnet die Fenster, um frische Luft reinzulassen. Sobald die Wellen wieder kommen, gebe ich R. ein Zeichen, er soll die Fenster schließen, da ich nicht will, dass die Nachbarn meine Schreie hören.

Irgendwann frage ich H. erschöpft: «Wie lange geht es noch?», sie antwortet mir «Jetzt muss das Baby nur noch durch den Beckenboden durch». Und mein Kopf ist blanko, ich weiss in diesem Moment weder was der Beckenboden ist, noch was dies bedeutet. Ich kann die Bedeutung ihrer Worte gar nicht verstehen, da meine Maus stillgelegt ist.

Zwischendurch, vom Schmerz überwältigt denke ich mir: «Das mache ich nie mehr, warum haben wir überhaupt entschieden, ein weiteres Kind zu zeugen? R., was hast du mit mir gemacht?» Und Gleichzeitig weiß ich genau, es gibt nichts anderes, als es durchzustehen. Dieses Kind muss aus mir kommen, ich kann mich nicht bewegen und nichts anders tun als mich hinzugeben und meinen Körper machen zu lassen.

Die Wellen gehen durch mich und plötzlich ist E.s Kopf bei mir in der Hand. Ich kann es gar nicht glauben und in der Pause vor der nächsten Presswehe flüstere ich die ganze Zeit in R.s Ohr «Ich habe seinen Kopf in der Hand» und mit der nächsten Wehe schlüpft er aus mir. Direkt in meine Arme wie ich es mir gewünscht habe. Ich drehe mich im Pool um, nehme behutsam das Kindlein in den Arm. Es wird in Tücher eingewickelt und darf bei mir auf der Brust liegen. Wir sind beide erschöpft, das Kleine ist vital und ruhig. Die Augen sind geschlossen.

Nach einigen Minuten werde ich gefragt, ob sie das Geschlecht schauen können. Ich antworte «Nein!» weil ich mir nicht vorstellen kann, das kleine Wesen von meiner Brust wegzugeben und ich einfach nur glücklich bin, dass es hier ist und in meinen Armen liegt. Es ist ein Bub.

E. A. K. kommt am 2. September 2024 um 18.23 Uhr auf die Welt. Wir bleiben in der Wanne, bis auch die Plazenta geboren ist. Als E. gemessen und gewogen wird, werde ich aus der Wanne geholfen und wir gehen als 4er Familie alle gemeinsam ins Bett.

Was für ein Wunder ist geschehen. Unser Sohn ist bei uns und ich bin neu verliebt.

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Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
Hebamme
Nina