Erfahrungsbericht
von F.
Geburtsbericht unseres Sohnes M. * 12.05.2025 (SSW: 38+2) – eine zweite friedliche Geburt
Diesmal hat es, verglichen mit unserem ersten Kind, ein klein wenig länger gedauert, bis ich schwanger wurde. Nach etwa 4 Monaten, einem kleinen Ministernchen direkt vor unserem Sohn und einer Verunsicherung durch die Frauenärztin (sie war erst in der 9./10. Woche sicher, dass alles unauffällig aussieht) konnten wir uns dann endlich auf unser zweites Kind freuen! Die Schwangerschaftsübelkeit hielt sich diesmal leider recht lang, ca. bis zur 18. Woche, und ich war insgesamt total platt.
Glücklicherweise bekam ich noch vor Weihnachten, etwa in der 16. SSW ein vollständiges Beschäftigungsverbot (ich arbeite in einer Klinik), wofür ich sehr dankbar war und bin. Nach der wunderbaren Geburt unserer Tochter E. vor 4,5 Jahren war diesmal sofort klar: Ich wünsche mir eine Hausgeburt! Mein Mann, der vor einigen Jahren sicher noch sehr skeptisch gewesen wäre, war auch gleich dabei – shoutout to J.!
Im Krankenhaus Neu Bethlehem (Göttingen) damals waren wir zwar insgesamt total happy gewesen – wir waren ja auch nur ca. 1h dort gewesen, bis unsere Tochter auf der Welt war. Gleichzeitig wollte ich so gern den Ortswechsel vermeiden, da dies damals die größte Herausforderung gewesen war. Und die Vorstellung, „gemütlich“ zuhause in meinem Flow zu gebären, war einfach sehr schön.
Und so gelangten wir (mit etwas Vitamin B – Hilfe von einer lieben Freundin) an unsere Hebamme C. Bei ihr machte ich dann auch die meisten Vorsorge-Untersuchungen, aus denen ich immer gestärkt und froh hinausging. Es war tatsächlich „so, wie alle sagen“: Die zweite Schwangerschaft lief eher nebenher und manchmal hatte ich ein schlechtes Gewissen, dass Kind Nr. 2 schon im Bauch so viel Trubel miterlebt (während es bei E. – auch durch die Pandemie – so ruhig und entspannt gewesen war).
Wenn da schon eine große Schwester ist, herrscht einfach ein anderer Lautstärkepegel… Und auch konnte ich nicht einfach die Hypnosen zu jeder Tageszeit machen, wann ich wollte, und sorgte mich ein wenig, ob ich genug übte. Es sollte sich zeigen, dass es auf jeden Fall genug war, v.a. da mein Körper das Gelernte aus der ersten Schwangerschaft ganz leicht abrufen konnte.
Da ich ziemlich sicher war, dass dies meine letzte Schwangerschaft sein würde, überkam mich diesmal der Wunsch, den Babybauch festzuhalten und wir gönnten uns in der 35. SSW ein schönes Babybauch-Shooting.
Wir machten auch noch einmal einen Pärchen-Geburtsvorbereitungs-Kurs im Geburtshaus, obwohl wir die Inhalte schon kannten und es sogar dieselbe Kursleiterin war wie damals. Es war einfach schön, einmal in der Woche Zeit und Raum als Paar nur mit diesem zweiten Kind zu haben. Zudem lernten wir hier auch ein Pärchen kennen (die sich zufällig auch mit der friedlichen Geburt vorbereiteten), mit dem wir nun befreundet sind, wofür ich total dankbar bin.
Den Online-Kurs von Kristin machte ich auch noch einmal komplett, da inzwischen einige Neuerungen dabei waren. Mit meinem Mann schaute ich die Partner-Videos und wir übten das Ankersetzen gegen Ende der Schwangerschaft ca. 1-2 Mal in der Woche. Die Hypnosen zur Geburtsvorbereitung, Vorbereitung auf eine Hausgeburt und das Selbsthypnose Training machte ich unregelmäßig und auf jeden Fall nicht täglich, aber vielleicht alle zwei bis drei Tage mal.
Am 09.05.25 (37 + 6) hatte ich nochmal einen Vorsorge-Termin bei meiner Frauenärztin, bei dem soweit alles fein aussah. Das Köpfchen war schon tief im Becken. Sie merkte aber an, dass die Fruchtwassermenge im unteren Normbereich sei und sie mich gerne in 10 Tagen nochmal wiedersehen wolle. Ich dachte mir insgeheim, dass es am besten einfach gar nicht soweit kommen sollte und das Baby einfach vorher kommen würde. Dass er sich dann aber so zügig auf den Weg macht, hätte ich auch nicht gedacht.
An diesem Wochenende übernachteten wir Samstag auf Sonntag (10./11.05.) bei meinen Eltern, die in derselben Stadt leben. Die 6km fuhren wir mit dem (E-)Rad. Es war wie ein Kurz-Urlaub. Das Wetter war herrlich sonnig und E. hüpfte im Bikini im Garten herum, während ich mich etwas ausruhen konnte. Tatsächlich spürte ich in dieser Nacht erste leichte Wellen, bei denen ich mir aber noch nicht allzu viel dachte. Man weiß ja nie, wie lange das „Einschwingen“ so dauert…
Am nächsten Tag kamen sie allerdings immer mal wieder, wenn auch in langen und unregelmäßigen Abständen. Wir fuhren gegen Mittag mit unseren Rädern zurück nach Hause und auf dem Weg hielten wir ein oder zweimal kurz an, damit ich eine Welle veratmen konnte. Das erinnerte mich dann doch stark an den Tag vor der Geburt unserer Tochter! Meine Eltern kamen mit dem Auto hinterher, denn mein Papa und mein Mann wollten bei uns zuhause noch eine letzte Sache von unserer „vorgeburtlichen to-do-Liste“ erledigen: im Arbeits-/Wickel-Zimmer Holzschiebetüren anbringen, um das danebenliegende „Kabuff“ zu verstecken.
Im Nachhinein ist das irgendwie wieder lustig, dass noch etwas erledigt werden musste und ich danach anscheinend bereit für die Geburt war. Außerdem war an dem Nachmittag noch eine Tanzaufführung bei uns nebenan im TanzZentrum, die ich mir mit meinen Eltern anschaute, während J. auf E. aufpasste. Da ich unter anderen Umständen selbst mitgetanzt hätte und dort viele liebe Menschen auf der Bühne standen, wollte ich das nicht verpassen.
Die Wellen waren inzwischen häufiger und intensiver (alle 20-30 Min.) und so sah ich mir das Stück mit einer Wärmflasche auf dem Bauch an und mit der Option, jederzeit hinauszugehen, falls ich mich danach fühlte. Ich musste auch daran denken, dass Kristin ja im Kurs erklärt, dass so etwas wie Kino oder Theater uns auch in eine Art Trance-Zustand versetzt.
Und am Ende passierte noch etwas „Schicksalhaftes“: Wir saßen auf reservierten Plätzen und als ich aufstand, zerriss das Papier-Schild mit der Aufschrift „reserviert“ so, dass ich einen Schnipsel mit dem Schriftzug „viert“ in der Hand hielt. Das brachte mich zum Grinsen. Wir würden bald zu viert sein!
An diesem Abend schlief ich zusammen mit unserer Tochter auf dem Sofa ein, während ich auf einem Ohr die Hypnose „Geburtsbeginn mental fördern“ hörte. Später schliefen wir alle im Familienbett, ich wechselte aber nachts wieder rüber ins Wohnzimmer, um in Ruhe die Geburtshypnose zu hören und mehr Platz für mich zu haben. Ich schlief immer wieder ein, ahnte aber, dass wir unser zweites Kind wahrscheinlich schon bald in den Armen halten würden.
Gegen 5:30 kam dann E. zu mir getapert und ich entschied mit meinem Mann, dass sie heute nicht zum Kindergarten müsste, sondern - wie geplant - Oma kommen würde, um hier bei uns zuhause für sie da zu sein, während Papa mit seiner Aufmerksamkeit mehr bei mir sein konnte. Inzwischen hoffte ich sehr, dass das Baby noch heute kommen würde, damit es nicht am selben Tag wie der Papa (13.05.) Geburtstag haben würde…
Die Zeit verschwamm und ich verbrachte den Tag irgendwie zwischen Sofa, Pezziball, Vierfüßler und Toilette. Stets mit der Geburtshypnose auf den Ohren. Wie bei der ersten Geburt half mir die Bauchatmung sehr durch die Wellen hindurch und ich fühlte mich wohl an meinem sicheren Ort. J. dachte auch immer wieder an die Anker, um mir die Entspannung zu erleichtern und hielt mir das wunderbare Duftöl unter die Nase oder strich mir über die Stirn, so wie wir es geübt hatten.
E. half auch mit, indem sie mir ab und zu etwas zu trinken brachte und die meiste Zeit mit Oma spielte. Sie freute sich riesig über die Geburtstüte, die ich für sie zusammengestellt hatte und in der einige besondere Spielsachen und ein neues Buch drin waren.
Am frühen Nachmittag wollte ich es mal mit unserer Badewanne probieren. Wir hatten uns nach einigem Hin und Her gegen einen Geburtspool entschieden, da wir einerseits unsicher bezüglich der Statik waren (Wohnung im 1. Stock eines sehr alten Hauses) und andererseits uns der Aufwand, also Aufbau zum richtigen Zeitpunkt, Wasser einlassen, Abbau, Entsorgung des Wassers, etc. doch recht groß erschien. Zumal ich ja bereits einmal wunderbar an Land geboren hatte.
Trotzdem freute ich mich darauf, das Baden einmal zu testen, denn das konnte ich bei der ersten Geburt in unserer alten Mini-Wohnung nicht. Ich empfand das warme Wasser als sehr angenehm und merkte gleichzeitig, dass es die Wellen intensivierte. Einmal kam E. herein und fragte: „Hä, Mama, wieso bist du in der Badewanne? Willst du dich entspannen?“ Das fand ich sehr niedlich und es brachte mich entgegen meiner Erwartung auch nicht aus meinem hypnotischen Zustand heraus. Ich konnte tatsächlich gut auf- und abtauchen.
Irgendwann wollte ich raus aus der Wanne und dann war mir bald danach, unsere Hebamme zu informieren. J. rief sie an und berichtete von ca. 5 - 7min Abständen zwischen den Wellen. C. kam dann so gegen 16 Uhr. Als sie da war, fühlte ich mich komischerweise plötzlich beobachtet, obwohl sie wirklich sehr zurückhaltend war. Einmal hörte sie mit dem Dopton die Herztöne des Babys. Ansonsten saß sie im Wohnzimmer in der Ecke auf einem Sessel.
Als ich einmal zur Toilette ging, nahm ich aus dem Augenwinkel wahr, dass sie die Beine hochgelegt und die Augen geschlossen hatte. Sie lauschte und erspürte wohl auf diese Weise, wie es mir ging und wo wir im Geburtsprozess standen. Leider schien es wirklich eine Art Vorführeffekt zu sein und die Wellen wurden etwas weniger, sodass C. mich fragte, ob es in Ordnung sei, wenn sie nochmal für ein Stündchen verschwinde. Wir könnten sie natürlich jederzeit zurückrufen, wenn wir sie brauchten. Ich war ganz dankbar für diese Idee und merkte auch, dass ich Hunger hatte.
C. ging und meine Tochter und ich nahmen gemeinsam ein kleines Abendessen zu uns (Maiskolben, grüne Oliven, Gurke – das werde ich nie vergessen). Da war es ca. 18 Uhr. Danach kamen die Wellen wieder sehr regelmäßig und in immer kürzeren Abständen. Ich konnte sie aber weiterhin gut nehmen. Inzwischen tönte ich auch. Ich bat J., die Hebamme wieder anzurufen (gegen 18:30).
Während sie sich auf den Weg machte, war es allmählich Schlafenszeit für E., die wirklich schon sehr müde war. Sie wollte allerdings nicht in ihrem Zimmer mit Papa einschlafen, sondern bei mir im Wohnzimmer bleiben. Und nach dem Motto „Go with the flow“ nahm ich auch das so hin. Ich war im Vierfüßler am Sofa abgestützt. Sie lag auf dem Sofa und ich kraulte sie mit einer Hand, während ich weiterhin Wellen veratmete und auf einem Kopfhörer die Hypnose hörte. Sie schlief wirklich zügig ein und der Papa trug sie rüber in ihr Bett. Das war so etwa kurz vor 19 Uhr.
Ziemlich direkt danach war C. wieder da. Und dann ging es plötzlich sehr schnell. Ich spürte starken Druck nach unten und den Drang, mitzuschieben. Ich riss mir noch schnell die Kleider vom Leib und auch die Kopfhörer wollte ich nun nicht mehr drin behalten. Nur die Socken habe ich lustigerweise vergessen. Die letzte Geburtsphase erlebte ich definitiv als die anstrengendste und einen Moment kamen tatsächlich auch Gedanken wie „Wie soll ich das nur schaffen?“ Gleichzeitig wusste ich tief innen, dass ich es natürlich schaffen würde und vertraute auf mich, auf alle Frauen dieser Welt, auf das Leben eben.
Diesmal spürte ich (im Gegensatz zur ersten Geburt) auch sehr deutlich den Kopf und wie er immer zwei Schritte vor und einen Schritt zurück ging. Das war gleichzeitig frustrierend und faszinierend. Um 19:16 (laut Geburtsbericht der Hebamme) spürte ich sehr deutlich, wie die Fruchtblase platzte und C. kommentierte, „reichlich klares Fruchtwasser“. Kurz danach war es schließlich geschafft und das Köpfchen war geboren.
Und siehe da: um 19:20 Uhr, genau in dem Moment, als die zweite Hebamme ins Wohnzimmer hereinkam, war unser Baby auf dem abgedeckten Wohnzimmer-Teppich gelandet, wo C. es auffing. Wow. Ich hatte es geschafft. Ich betrachtete unseren kleinen Jungen einen Moment, wie er unter mir lag und es ist einfach einer dieser unbeschreiblichen Momente, die im Nachhinein nur schwer zu fassen sind. Ich war so glücklich und erleichtert und stolz und erschöpft. Ich hatte das dringende Bedürfnis, mich auszuruhen und die Hebammen halfen mir, mich mit Baby erstmal aufs Sofa zu legen.
Dann verschwamm die Zeit und ich kann nicht genau sagen, nach wieviel Minuten C. mich fragte, ob ich nochmal Wellen für die Plazenta spüren würde. Im ersten Moment noch nicht. Wir versuchten einmal, den Kleinen an der Brust trinken zu lassen, doch er war noch nicht so weit und wir entschieden, ihm bzw. uns noch ein kleines Päuschen zu gönnen. C. tastete derweil, um zu spüren, ob sich die Plazenta schon gelöst hatte. Sie war sich sicher und dann fragte sie, ob ich mitschieben könnte, während sie sanften Zug auf die Nabelschnur geben würde.
Dafür ging ich nochmal in die Geburtsposition (abgestützter Vierfüßler, aber diesmal auf dem Sofa), da es aufrecht einfacher gehen würde. So kam die Plazenta auch nach zwei oder drei mal Schieben ganz gut herausgeflutscht (da war es tatsächlich schon 20:29 Uhr) und die beiden Hebammen begutachteten sie. Wir schafften es dann auch, das erste Mal zu stillen und ein vertrautes Gefühl in der Brust machte sich bemerkbar, als ich „Autsch“ sagte und mich darüber gleichzeitig freute, weil es mir zeigte, dass unser kleiner M. ordentlich Zug hatte.
Leider bemerkte ich dann am zögerlichen Blick von C., dass wohl etwas nicht ganz in Ordnung war. Sie fragte die zweite Hebamme, was sie bezüglich der Plazenta meinen würde und auch die wirkte unsicher. Ich schaute nun auch mal genauer. Es gab eine Stelle, die wie eine Delle aussah, aber nicht wirklich wie ein herausgerissenes Stück. Es wirkte eher deformiert, denn es gab keinen „ausgefransten“ Rand. Trotzdem fanden es beide Hebammen auf jeden Fall sonderbar und darum entschloss C., mit der Plazenta zum Neu Bethlehem zu fahren und dort um Rat zu fragen und sich dann bei uns zu melden. Ich stellte mich schon einmal darauf ein, womöglich doch noch das Haus verlassen zu müssen, auch wenn ich keine verstärkten Blutungen oder andere Anzeichen hatte.
Inzwischen war auch meine Mama gekommen, da sie um die Ecke arbeitete und gerade Feierabend hatte. Es war ohnehin der Plan gewesen, dass sie die andere Oma bei der Betreuung von E. unterstützen würde. Dann kam mein Papa auch noch mit einer Flasche alkoholfreien Sekt und – eigentlich – um meine Mama abzuholen. Gut, dass er das Auto dabei hatte…
Gegen 22:30 Uhr kam nämlich der Anruf von C., dass sie im Krankenhaus gern einen Ultraschall machen würden, um zu sehen, ob eine Ausschabung von Plazentaresten nötig wäre. Uff! Schade, aber okay, in diesem Moment konnte ich das total gut annehmen. Ich war noch im Rausch meiner Hausgeburt und hatte inzwischen auch noch etwas gegessen.
Gegen 23:00 Uhr wachte dann E. noch auf und taperte verschlafen ins Wohnzimmer. Der Papa nahm sie auf den Arm und als ich sagte, dass sie nun ihren kleinen Bruder kennenlernen könnte, strahlte sie einfach wortlos. Das war ein magischer Moment. Wir kuschelten kurz zu dritt auf dem Sofa, bevor wir E. mitteilten, dass Papa, Mama und M. leider nochmal zum Krankenhaus müssen, um zu checken, ob in Mamas Bauch alles okay ist.
Wenn ich so zurückdenke, war es so wunderschön, dass so kurz nach der Geburt meine halbe Familie direkt bei uns im Wohnzimmer versammelt war. Ich empfand das gar nicht als zu viel, sondern wäre so gerne in dieser gemütlichen Runde geblieben. Und besonders für unsere Tochter, für die das alles ohnehin schon aufregend genug war, tat es mir unendlich leid. E. schubste uns gegen 23:30 Uhr mit den beiden Omas tapfer aus der Wohnungstür, so wie wir es beim Abschied im Kindergarten auch immer machten.
Mein Papa fuhr uns drei zum Neu Bethlehem, wo wir kurz vorm Kreißsaal warten mussten. Dann nahm mich eine junge Stationsärztin mit zum Ultraschall. J. kam mit M. auf dem Arm auch mit und der Opa wartete, bis wir wissen würden, was Sache ist. Wir fanden uns lustigerweise in dem Zimmer wieder, in dem damals E. zur Welt gekommen war. Irgendwie war das total schön und so schloss sich gewissermaßen auch der Kreis.
Die Stationsärztin fand den Ultraschall zunächst unauffällig, schien aber nicht ganz sicher und holte die Oberärztin zu Rate, die dann im unteren Bereich der Gebärmutter etwas entdeckte und zur Nach-Curettage riet. Also besprachen wir als nächstes mit der sehr freundlichen Anästhesistin, welche Art der Betäubung ich wollte, womit ich zugegebenermaßen ziemlich überfordert war. Im ersten Moment dachte ich noch, dass ich nichts mitbekommen möchte und daher eine Vollnarkose gut wäre. Ich bin aber sehr froh, dass wir uns am Ende gemeinsam für eine Spinalanästhesie entschieden.
Eine liebe Hebamme half mir ins OP-Hemdchen und in die Thrombosestrümpfe und brachte mich dann recht bald in den OP. Seit meinem Armbruch mit 6 Jahren hatte ich keine Operation erlebt und war total aufgeregt und gleichzeitig fand ich es eine sehr interessante Erfahrung. Ich zitterte so stark wie noch nie in meinem Leben, als ich in die helle und fast schon heitere OP-Atmosphäre kam. Der Mann, der mir einen Zugang legte (ich glaube, er war der Anästhesie-Pfleger), war sehr lustig und brachte die ganze Zeit Sprüche, die mich tatsächlich aufheiterten. Ich saß nämlich gefühlt wie ein Häufchen Elend auf dem Gyn-Stuhl.
Die junge Stationsärztin vom Ultraschall hielt meine Hände, als mir die Nadel in den Rücken gepiekst wurde, sagte „Sie schaffen das!“ und sah mich so herzlich und ermutigend an, dass ich (voll im Rausch der Hormone?) überschwänglich antwortete: „Danke, es ist so gut, dass Sie bei mir sind!“ Darauf der Anästhesie-Pfleger in gespielter Empörung: „Und was ist mit mir?!“ Ich musste doch tatsächlich etwas grinsen.
Insgesamt war es wirklich fast schon eine bereichernde Erfahrung für mich, da alle so zugewandt waren und ich nun immerhin wusste, wie es ist, seine Beine nicht zu spüren… Die OP dauerte keine 20 Minuten und sie nähten mir, nachdem sie mich gefragt hatten, auch noch zwei kleine Geburtsverletzungen. Sie sagten auch, dass es sich gelohnt habe und sie einige Plazentareste entfernt hätten (Leider bin ich aus verschiedenen Gründen bis heute nicht ganz sicher, ob das wirklich so war, und es war und ist ein Prozess, zu akzeptieren, dass ich es letztlich nie erfahren werde, doch dieses Thema soll an anderer Stelle Raum bekommen).
Dann konnte ich auch schon wieder zu meinem Mann und unserem Sohn. Der Opa war inzwischen zurück zu uns nach Hause gefahren, da wir davon ausgingen, dass wir drei im Krankenhaus übernachten würden. Während wir darauf warteten, dass das Gefühl zurück in meine Beine kommt, erhielt J. Nachrichten von den Omas und dem Opa, dass E. leider noch nicht wieder eingeschlafen war und inzwischen sehr traurig und verzweifelt war.
Daraufhin führte J. ein kurzes Video-Telefonat mit ihr und wir beschlossen, dass er zu ihr nach Hause fahren würde und ich allein mit M. über Nacht im Krankenhaus bleiben würde. Da war es ca. 3:30 Uhr. Glücklicherweise bekamen wir zwei ein Zimmer für uns allein auf der Wochenstation und auch hier waren die Schwestern wieder sehr nett und halfen auch beim Stillen (das, wie schon bei unserer Tochter damals, auf der linken Seite etwas schwieriger ging), sodass ich mich gut aufgehoben fühlte.
Wir beide schliefen ca. 2 h und dann begann schon wieder der nächste Tag und damit auch der Geburtstag von Papa J. (was wahrscheinlich noch nie so sehr im Hintergrund stand, wie in diesem Jahr). Als alle abschließenden Untersuchungen gelaufen waren und alles gut aussah, holten uns Opa, Papa und die frisch gebackene Schwester gegen Mittag mit dem Auto ab. Und dann waren wir ENDLICH zu viert zuhause.
Ich habe es in wunderschöner Erinnerung, wie wir alle gemeinsam im großen Familienbett das erste (und vielleicht auch letzte? :D) Mal zusammen einen ausgedehnten Mittagsschlaf machten. Das war so erholsam und wie eine kleine und heilsame Entschädigung dafür, dass das Schicksal uns die erste gemeinsame Nacht als Familie zuhause nicht gegönnt hatte.
Als ich zwischen meinen beiden Kindern aufwachte, überkam mich ein sehr warmes und inniges Gefühl. Das ist meine Familie! Welch ein unfassbares Glück.
Ein weiteres Mal DANKE an Kristin und das gesamte Team der Friedlichen Geburt! Noch vor einigen Jahren hätte ich nicht gedacht, wie wundervoll, magisch und bestärkend das Gebären sein kann, geschweige denn, dass ich jemals ein Kind zuhause auf die Welt bringen würde. Diese zwei Geburtserfahrungen, die ich machen durfte, sind unfassbar wertvoll für mein Leben. Ein großer Dank gilt selbstverständlich auch meiner Hausgeburtshebamme, die mich so einfühlsam, voller Vertrauen, professionell und verantwortungsbewusst begleitet hat. Ich wünsche allen Mamas da draußen viel Selbstvertrauen, Liebe, Kraft und Mut!

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