Erfahrungsbericht
von G.

Ich habe mich schon vor meiner Schwangerschaft sehr lange mit den Themen rund um Schwangerschaft und Geburt beschäftigt und wusste auch schon Jahre vorher, dass ich mich mit der friedlichen Geburt auf meine Geburt vorbereiten möchte. Als ich dann schwanger und überglücklich war, habe ich nach wenigen Wochen den Kurs gebucht und mit dem Üben gestartet.

Ich hatte vorher keine Erfahrung mit Hypnosen und war begeistert, wie leicht das ging. Für mich hat alles viel Sinn ergeben und ich habe es geliebt, mich täglich durch die Hypnosen zu entspannen und mit meinem Baby zu verbinden.

Ich habe eine Hausgeburt geplant und hatte keinerlei Ängste oder Sorgen. Zu jedem Zeitpunkt war ich mir sicher, dass mein Baby und ich das gut hinbekommen werden. Dennoch hatte ich natürlich ein Hebammenteam dabei und die nächste Klinik ist nur 10 Minuten entfernt für den Fall der Fälle.

An meinem Geburtstag (SSW 38+1) wachte ich pünktlich um 0:00 auf, weil meine Fruchtblase geplatzt ist. Erst hielt ich es für Inkontinenz, aber die Flüssigkeit lief immer weiter an meinen Beinen herunter, war klar und roch ganz anders als Urin. Spätestens 15 Minuten später, als die Wehen einsetzten, war mir klar: die Geburt geht los!

Zu Beginn war ich gar nicht erfreut darüber, dass das Baby an meinem eigenen Geburtstag kommen wollte, aber dann habe ich den Gedanken beiseite geschoben und mich voll und ganz dem Prozess hingegeben. Ich habe es mir auf dem Sofa gemütlich gemacht, die Hypnose auf den Ohren, und Welle für Welle veratmet. Die kamen von Beginn an recht regelmäßig alle 5-6 Minuten und waren von der Intensität in etwa wie meine Periodenschmerzen, also aushaltbar.

Meinen Mann habe ich extra schlafen lassen. Erstens sollte er gut erholt sein, falls die Geburt sehr lange geht und zweitens wollte ich ganz für mich in Ruhe sein. Mein Mann war recht aufgeregt vor der Geburt und ich hatte Angst, dass er mich damit anstecken würde.

Gegen 3 Uhr wurden die Wellen stärker und häufiger. Ich machte einen Einlauf und ließ mir die Badewanne ein. Davon wurde mein Mann wach. Er war kurz etwas überrumpelt und musste erst einmal kurz verdauen, dass es jetzt losgeht. Aber dann war er voll und ganz bei der Sache, unterstütze mich in den Wellen durch Drücken auf das Kreuzbein und arbeitete die von mir geschriebene To-Do Liste ab.

Ich war mittlerweile in der Badewanne. Das warme Wasser tat gut, aber ich fühlte mich beengt und fand keine angenehme Position. In jeder Welle hatte ich das Bedürfnis, in den Vierfüßlerstand zu gehen, aber durch den harten Wannenboden taten mir bald die Knie weh. Mein Mann trackte die Abstände der Wellen. Es waren nur 2-3 Minuten, daher riefen wir unsere Hebamme an. Sie wollte sofort losfahren, hatte jedoch eine Stunde Anfahrtszeit.

Während sie unterwegs war, stieg ich aus der Wanne und bemerkte eine relativ starke Blutung. Wir riefen sie erneut an, um das abzuklären, aber sie war ganz entspannt und meinte, dass das wohl daran läge, dass der Muttermund sich so schnell öffnete. Das habe ich übrigens in jeder Welle visualisiert. Mein Mann war dabei, unten den Geburtspool vorzubereiten, aber irgendwann wurden die Wellen so schmerzhaft, dass ich ihn gebeten habe, das zu lassen und einfach bei mir zu sein und mich zu unterstützen.

Ab diesem Zeitpunkt habe ich es auch nicht mehr geschafft, im hypnotischen Zustand zu bleiben und mich zwischen den Wellen zu entspannen, weil sie so intensiv waren und ich dazwischen kaum noch eine Pause hatte. Ich war dann auch eher im Außen als im Inneren an meinem sicheren Ort und habe die Hypnose ausgeschaltet.

Dennoch war ich die ganze Zeit entspannt und habe mich der Geburt voll und ganz hingegeben. Ich habe die ganze Zeit die Atemtechnik angewandt und empfand sie als sehr angenehm und erleichternd.

Um 6 Uhr war die Hebamme zusammen mit einer Studentin da und untersuchte meinen Muttermund. Er war bereits 9 cm geöffnet. Direkt in der nächsten Welle hatte ich den Drang, mitzupressen und laut zu tönen. Ich kniete auf dem Badezimmerteppich. Ich wollte in den Pool wechseln, aber die Hebamme meinte, ich würde es kaum noch schaffen, nach unten zu gehen, weil die Wellen Schlag auf Schlag kamen. Sie empfahl mir, mich im Bett auf die Seite zu legen, da meine Knie so schmerzten.

Die Presswellen waren anstrengend und schmerzhaft. Mein Mann hockte neben meinem Kopf und jedes Mal schrie ich und drückte seine Hände. Das Baby arbeitete sich langsam vor, was aber gut war und mein Gewebe langsam dehnte.

Um 7:18 Uhr wurde unsere Tochter geboren. Ich nahm sie auf die Brust und war vollkommen überwältigt. Für mich ging alles so schnell, da die Wellen von Anfang an so schnell nacheinander kamen, dass ich das alles kaum realisieren konnte. Die zweite Hebamme traf ein. Da auch sie eine weite Anfahrt hatte, kam sie erst nachdem unsere Tochter geboren wurde an.

Mein Mann nahm unsere Tochter auf den Oberkörper, damit ich mich hinknien und die Plazenta rausschieben konnte. Ich bat nämlich darum, die Nabelschnur erst danach zu durchtrennen, was mein Mann dann übernahm. Er kuschelte mit ihr, während bei mir ein kleiner Labienriss genäht wurde. Davon spürte ich dank der Betäubung nichts.

Wir hatten als frischgebackene Familie Zeit, in unserem Bett zu kuscheln und anzukommen, während die Hebammen unten im Wohnzimmer alles dokumentiert haben. Dann wurde die U1 durchgeführt und sie sind gegen 11 Uhr gefahren.

In meinen Augen hatte ich eine Traumgeburt. Sie ging schnell, ohne langes Warten, ohne Ortswechsel, ohne Komplikationen und ohne Störfaktoren. Die Schmerzen waren stark, aber viel weniger, als ich es immer dachte. Ich glaube, dass die Friedliche Geburt stark dazu beigetragen hat, dass ich mich so sehr entspannen konnte und der Muttermund sich so schnell öffnen konnte.

Ich fand es schade, dass ich die Hypnose irgendwann als störend empfand und nicht weiter in dem Entspannungsmodus bleiben konnte. Vielleicht wären die Schmerzen dann noch weniger gewesen. Allerdings hatte ich auch so zu keinem Zeitpunkt das Bedürfnis nach Schmerzmitteln oder ähnlichem, so dass es insgesamt trotzdem gut war. Ich fand es so toll, eine Hausgeburt zu haben und auch mein Mann, der anfangs eher skeptisch war, war am Ende begeistert.

Meine Geburtstagsparty musste ich leider absagen, aber unsere vier Eltern, die unangekündigt kamen, um mir zu gratulieren, konnten wir direkt mit ihrem ersten Enkelkind überraschen, das war toll!

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Nora Imlau22.09.2019
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