Erfahrungsbericht
von H.
Geburt meines ersten Kindes u. Aufarbeitung:
Die Geburt von meinem ersten Kind im Dezember 2023 war für mich traumatisch: Nach einer Bilderbuchschwangerschaft wurde ich 10 Tage nach ET eingeleitet. Im Vorfeld hatte ich überhaupt keine spürbaren Kontraktionen, Übungswehen oder dergleichen. Es tat sich einfach gar nichts.
12 Stunden nach der Einleitung hatte ich im Krankenhaus einen Blasensprung, gefolgt von einem kaum erträglichen Wehensturm von 5 Stunden. Die zuständige Hebamme hat mir sehr eine PDA ans Herz gelegt und irgendwann habe ich aufgegeben und zugestimmt. Denn ich konnte mit den Schmerzen überhaupt nicht umgehen, habe mich verkrampft und wusste gar nicht, was ich machen sollte.
Nach Gabe eines Wehenhemmers konnte die PDA gelegt werden. Für mich waren die Wehen dann erträglich, aber ich kann nicht sagen, dass ich nach der PDA gar keine Schmerzen mehr gespürt habe. Nach weiteren Stunden öffnete sich der Muttermund bis 10 cm. Leider hatte ich dann plötzlich nur noch schwache und wenig Wehen. Das Kind konnte im Geburtskanal daher nicht nach unten rutschen und trotz Wehenmittel und Kristeller Handgriff bewegte sich mein Baby keinen Millimeter.
Nach ein paar weiteren Stunden des Wartens wurde zu einem Kaiserschnitt geraten. Für mich brach eine Welt zusammen, aber ich habe zugestimmt, da ich kaum eine andere Wahl hatte. Der Kaiserschnitt selbst konnte ganz entspannt und in Ruhe durchgeführt werden, dass es mir und dem Baby gut ging. Wir konnten sogar noch in Ruhe warten, bis der OP frei wurde.
Mein Wochenbett war eine Katastrophe und jetzt im Nachhinein bin ich mir sicher, dass ich knapp einer Depression entgangen bin. Das Stillen hat drei Monate lang nicht gut geklappt, ich habe alles versucht, mich trotzdem wie eine Versagerin gefühlt und war permanent gestresst. Ich wollte alles so natürlich wie möglich, aber nichts davon hat geklappt: Einleitung, Kaiserschnitt, Stillen. Ich habe ein ganzes Jahr gebraucht, bis ich wegen all dem nicht mehr weinen musste.
Nachdem mein Mann und ich uns für ein zweites Kind entschieden haben, habe ich oft im Internet nach Berichten gesucht von Frauen, denen es ähnlich wie mir gegangen ist. Somit wurde mir irgendwann auf Instagram „die friedliche Geburt“ vorgeschlagen. Und hier beginnt unsere Geschichte.
Mit deinem Podcast, insbesondere die Interviews mit Dr. Lütje, konnte ich meine erste Geburt endlich anhand von medizinischen Fakten verstehen und nach und nach akzeptieren. Vor meiner ersten Geburt habe ich mich sehr wenig mit dem Thema auseinandergesetzt und mir gedacht: So wie es kommt, so kommt es und im Krankenhaus werden sie mir eh sagen, was zu tun ist.
Jetzt im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich mich so wenig darauf vorbereitet habe. Ich bin mir sicher, ich hätte mit dieser herausfordernden Geburt besser umgehen können, wenn ich bereits deinen Kurs gemacht hätte.
Bei deinem Podcast fand ich die Geburtsberichte von anderen Frauen sehr interessant und sie haben mir Mut gemacht, um an eine natürliche Geburt nach Kaiserschnitt zu glauben. Zweite Schwangerschaft: Ich hatte eine relativ problemlose Schwangerschaft (mal abgesehen von den üblichen Wehwehchen) bis auf einen leichten Schwangerschaftsdiabetes, der im Zuge der regulären Vorsorgeuntersuchungen beim Gynäkologen diagnostiziert wurde.
Fortan musste ich mehrmals täglich meinen Blutzucker messen und meine Ernährung extrem umstellen. Insulin spritzen war zum Glück nicht erforderlich. Ich habe mich daher nahezu zucker- und weizenfrei ernährt - was ich 6-8 Wochen vor ET ohnehin machen wollte. Ich wollte in dieser Schwangerschaft die Louwen-Diät machen, was ich durch die Ernährungsumstellung wegen des Diabetes quasi schon abgedeckt hatte.
Diese Umstellung ist mir am Anfang sehr schwer gefallen und hat mich auch emotional etwas mitgenommen, aber mit der Zeit habe ich mich dran gewöhnt und sogar Gefallen daran gefunden. Schmerzfrei war die Geburt zwar trotzdem nicht, aber dafür relativ pünktlich: 30 Minuten nach ET. Die friedliche Geburt hat mich bereits ab ca. der 10 SSW begleitet. Ich habe den Kurs gemacht und fleißig die Hypnosen gehört – nicht täglich, aber regelmäßig. Ich habe mir auch eine Mappe angelegt und alles Wichtige notiert und mir einen richtigen Plan gemacht.
Aus den Geburtsberichten der anderen Frauen habe ich mir den ein oder anderen Satz notiert, wenn ich ihn „stark“ fand. Auch mein Mann hat auch ein paar mal bei der Hypnose Übung der Geburtssituation mitgemacht – was wirklich super war, denn während der Geburt wusste er genau, was zu tun ist. Er konnte die App bedienen, er hat mir ab und zu den Ankerduft hingehalten und war auch sonst eine große Stütze.
Mein 2. Kind lag die meiste Zeit in Beckenendlage, was in den letzten Wochen der Schwangerschaft langsam zu einem Problem und einem Magenlieger für mich wurde. Trotz indischer Brücke unterstützt mit Purzelbaumöl und Moxen bei der Hebamme wollte sich das Baby nicht drehen. Ich entschied mich daher, eine äußere Wendung durchführen zu lassen, was die Oberärztin des Klinikums beim Vorstellungstermin für die Geburt selbst vorgeschlagen hatte.
Von einer Geburt in Beckenendlage mit vorangegangenem Kaiserschnitt hat die Oberärztin und auch mein Gynäkologe deutlich abgeraten. Mein Kind lag zum Zeitpunkt der Wendung (37. SSW) noch relativ weit oben im Bauch, was für die Wendung sehr nützlich war. Ich muss zugeben, dass ich sehr nervös war und auch meine Bedenken hatte. Ich war zur Wendung insgesamt 6 Stunden im Krankenhaus, die meiste Zeit wurde CTG geschrieben zur Überwachung.
Schon vor der Wendung habe ich die ganze Zeit verschiedene Hypnosen gehört, das hat mich entspannt und mir gut getan. Während der Wendung habe ich die dazugehörige Hypnose gehört, doch ich kam nicht mal zum Runterzählen von 10 bis 1, denn die Wendung ging so schnell, hat keine 4 Minuten gedauert. Es war überhaupt nicht schmerzhaft und es wurde sehr viel Gel verwendet. Es war ein starkes Druckgefühl, aber ich war tatsächlich sehr entspannt und war überrascht, dass wir schon fertig waren. Es war deutlich spürbar, wie das Kindchen sich drehte.
Ich fragte dann auch: „Das wars schon?“ Und die Ärztin lachte und sagte: „Also ich weiß nicht, was Sie noch machen wollen, aber ich wäre hier fertig.“ Hier ist es mir noch wichtig, dazuzusagen, dass ich mir eine vaginale Geburt sehr gewünscht habe und mich daher für die äußere Wendung entschieden habe. Von da an machte ich täglich geburtsvorbereitende Gymnastik, damit sich das Becken öffnet und das Baby gut nach unten wandern kann. Außerdem habe ich fast täglich eine Dammmassage durchgeführt.
Ich muss zugeben, dass ich zu alldem oft keine Energie mehr hatte und ich mich abends oft dazu zwingen musste, nochmal auf die Gymnastikmatte zu gehen oder die Dammmassage zu machen, die ich nicht sonderlich angenehm empfand. Außerdem war ich bereits ab dem 5. Monat regelmäßig bei meiner Nachsorgehebamme zur Akupunktur.
Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass sich all meine Bemühungen und Vorbereitungen gelohnt haben. Mir wurde allerdings in den letzten Wochen der Schwangerschaft gesagt, dass mein Kind vermutlich sehr groß bzw. schwer sein könnte.
In SSW 38 wurde es auf 3.800 - 3.900 Gramm geschätzt. Die Ärzte meinten, je schwerer das Kind sei, umso unwahrscheinlicher ist eine natürliche Geburt. Vor allem weil ich bereits einen Kaiserschnitt hatte. Ich habe versucht, mich auch innerlich auf einen zweiten Kaiserschnitt vorzubereiten. Falls es dazukommen sollte, wollte ich nicht wieder zu sehr enttäuscht sein, sondern richtig gut damit umgehen können.
Und tatsächlich konnte ich mir - so nach und nach – auch einen zweiten Kaiserschnitt vorstellen. Es wäre nicht meine Traumgeburt, aber es wäre okay gewesen.
Geburt: ET war der 9.10.2025.
Zwei, drei Wochen vor ET hatte ich bereits täglich leichte Kontraktionen. Am 9.10. um 20:10 Uhr, ich lag mit meinem Mann auf der Couch, hatte ich plötzlich eine intensivere Welle. Danach kamen sofort im Abstand von 3-5 Minuten Wellen, die ich auch schon veratmen musste. Ich blieb noch entspannt, da ich mir dachte, dass es so schnell nun auch wieder nicht geht.
Nach 45 Minuten haben wir aber dann schon meine Mutter kontaktiert, um sie zu informieren, dass es heute evtl. soweit sein könnte und sie sich schonmal eine Tasche bereitstellen soll. Sie sollte bei uns übernachten und auf unser Kind (zu dem Zeitpunkt 22 Monate alt, das schon schlief) aufpassen.
Danach hab ich mich ins Bett gelegt und die Hypnosen angemacht, mein Mann hat in der Zwischenzeit den Rest fürs Krankenhaus zusammengepackt. In den Wochen vor der Geburt hatte ich schon alles vorbereitet: einen Koffer fürs Krankenhaus, eine extra Tasche für den Kreißsaal, eingefrorenes Kolostrum und auch die Klamotten waren vorbereitet. Meinem Mann hatte ich eine Liste von Dingen gegeben, die er zuletzt noch einpacken muss, z. B. Zahnbürste. Ich hatte daher eigentlich organisatorisch nicht viel zu tun.
Schnell wurden die Wellen intensiver und kamen in kürzeren Abständen, ca. alle 2-4 Minuten. Wir haben dann nochmal meine Mutter angerufen, die um 21.30 Uhr dann bei uns eintraf. Wir sind sofort nach ihrem Eintreffen ins Krankenhaus gefahren. Während der Autofahrt sind wir stehen geblieben, weil mein Mann einmal seine Jacke ausziehen wollte (er ist schon etwas ins Schwitzen gekommen). Das war für Entspannung nicht gerade förderlich, aber er war halt nervös.
Um ca. 22 Uhr waren wir im Krankenhaus. Vom Parkhaus bis in den Kreißsaal mussten wir oft stehen bleiben, die Wellen waren sehr intensiv und kamen schnell hintereinander. Dort angekommen, informierte ich die Hebamme, die sehr freundlich war, dass ich Entspannungsmusik hören möchte - wie ich es eben im Kurs gelernt habe. Sie fragte mich dann, ob das Hypnobirthing sei, was ich bejahte.
Ich sagte, es hieße „die friedliche Geburt“ und sie erzählte, dass sie das auch bei ihrer eigenen Geburt vor ein paar Jahren angewandt hatte. Ich war dann sehr erleichtert, dass die Methode angenommen wurde. Bei der Untersuchung wurde eine Muttermundöffnung von 2 cm festgestellt - da dachte ich „NUR?“ Ich hatte schon so extreme Wehen und hatte Angst, dass es nun noch ewig dauern würde, wie bei meinem 1. Kind.
Nach einem 30-Minütigen CTG sollten wir auf die Entbindungsstation, um einzuchecken und ich sollte mich heiß duschen, um etwas zu entspannen - was ich dann auch gemacht habe. Ich bekam noch ein Schmerzmittel in Form eines Zäpfchens und wir waren nur ca. 40 Minuten auf Station. In der Dusche waren die Wellen so extrem und schmerzhaft und kamen in sehr kurzen Abständen (ca. 30-60 Sekunden), dass ich mich entschied, um eine PDA zu bitten.
Grundsätzlich wäre ich an einer Wassergeburt interessiert gewesen, aber ich wusste, dass ich nicht beides haben kann. Somit entschied ich mich, Hilfe in Form der PDA anzunehmen - auch das habe ich im Kurs gelernt: dass es okay ist, es evtl. nicht alleine bzw. ohne Hilfsmittel zu schaffen. Ich hatte Angst, dass es mir wie bei der 1. Geburt geht und der Wehensturm ewig so weiter geht.
Im Kreißsaal zurück, untersuchte mich die Hebamme und meinte dann, der Muttermund sei 9 cm geöffnet, was auch die starken Wellen erklären würde. Eine PDA würde sich nun zeitlich wahrscheinlich nicht mehr ausgehen. Vor allem müssten sie mir zuerst einen Wehenhemmer geben, damit die PDA gelegt werden kann, was letztendlich weitere Interventionen nach sich ziehen würde (weniger Wehen, Wehentropf, ggf. Geburtsstillstand usw.)
Sie sagte, das Kind drückt schon so schön nach unten, liegt optimal und sie würde mir jetzt die Fruchtblase öffnen, um dem Kindchen den Weg nochmal etwas zu beschleunigen. So kam es, dass ich ohne PDA geboren habe. Ich bekam Lachgas, schloss die Augen und klammerte mich an die Lachgashalterung und meinen Mann. So lag ich noch ca. 45 Minuten in den Wehen, dann kamen schon die Presswehen.
Und nach nur 10 Minuten Presswehen wurde unser Baby um 00:30 Uhr zwar nicht schmerzfrei, aber völlig komplikationslos, ohne große Interventionen, gesund und schnell geboren. Ich durfte es sofort nehmen und war in diesem Moment einfach nur froh, dass es vorbei war und mich überkam ein großer Stolz, dass ich das geschafft hatte. Die Plazenta ließ nicht lange auf sich warten und kam relativ zügig hinterher. Mein Mann durfte die Nabelschnur durchtrennen und man zeigte uns die Plazenta anschließend.
Während ich mit unserem Baby kuscheln durfte, wurde ich genäht. Das empfand ich nochmal als sehr unangenehm. Ich hatte einen leichten Scheidenriss und einen Dammriss. Während all der Zeit hatte ich auf einem Ohr die friedliche Geburt. Ich hab mir aber immer wieder gedacht, dass ich nicht richtig in die Trance komme. Weil alles so schnell ging und auch ständig für mich etwas zu tun war: nochmal was Bequemes anziehen, meine Mutter anrufen, ins Auto steigen, ins Krankenhaus gehen und so weiter.
„Ich mach es jetzt, so gut es geht und mache einfach immer weiter. Das ist immer noch besser, als zu verkrampfen und zu verzweifeln.“ Irgendwie habe ich es dann doch geschafft, immer wieder an meinen inneren Ort zu gelangen. Deine Stimme auf dem Ohr und auch meine Mantra-Sätze haben mir durch jede Welle geholfen. Ich weiß noch, dass ich mich einmal hinreißen hab lassen, und mich auf den Schmerz konzentriert habe: dabei habe ich mich total verkrampft und gemerkt, wie viel intensiver bzw. schmerzhafter diese Welle war als die anderen.
Also gehe ich davon aus, dass ich es grundsätzlich schon richtig gemacht habe. Ich habe den Kontakt zu meinem Kind gehalten, innerlich mit ihm kommuniziert und ihm immer wieder gesagt: „Gleich hast du es geschafft“. Außerdem hat mir die spezielle Atmung tatsächlich sehr gut getan und ich war froh, dass ich das im Vorfeld oft geübt hatte. Während ich dann die letzte Stunde der Geburt im Kreißsaal war, hatte ich die Augen fast die ganze Zeit geschlossen und ich war irgendwie in einem Tunnel – vermutlich war ich in Trance.
Meine Mantrasätze waren „weit und weich“ und ich hab mir während der Eröffnungsphase immer den sich öffnenden Vorhang vorgestellt. Nach der Geburt hat die Hebamme zu mir gesagt, ich hätte es so gut gemacht, so gut veratmet und sie musste eigentlich nichts machen, außer mir zusehen und ab und zu ein wenig anleiten. Sie meinte, ich hätte schon gepresst, bevor sie was gesagt hätte. Ich habe es auch gefühlt, wann es soweit ist und habe mich einfach mitreißen lassen. Die Hebammenstudentin, die ebenfalls dabei war, hat sich bei mir bedankt dafür, dass sie bei so einer Bilderbuchgeburt dabei sein durfte.

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