Erfahrungsbericht
von H.

Liebe Kristin,

zunächst möchte ich dir von Herzen danken. Mit deiner Methode habe ich im November 2024 meine kleine Tochter in einer wundervollen und entspannten Hausgeburt zur Welt bringen dürfen. Eine Geburt, wie ich sie mir gewünscht habe, eine Erfahrung, die die traumatische Geburt meines Sohnes vor rund acht Jahren entschädigte. Aber beginnen wir ganz am Anfang.

Um von dem Erlebnis meiner zweiten Geburt zu berichten, möchte ich die weniger schöne Geburtserfahrung meiner ersten Geburt kurz anschneiden, um die Unterschiede im Bezug auf meine Vorbereitung und meine Einstellung zur Geburt im Grundsatz darzustellen.

Als mein Mann und ich uns dazu entschlossen, ein weiteres Kind zu bekommen, war unsere Freude groß, als ich mit unserer Tochter gleich schwanger wurde – fast auf den Tag genau 7 Jahre nach der Schwangerschaft mit unserem Sohn. Damals bereitete ich mich mit einem klassischen Geburtsvorbereitungskurs auf die Geburt vor, und erhielt allerhand Schauergeschichten aus dem Freundeskreis und Fernsehen, wie selbstverständlich schmerzhaft eine Geburt sein würde.

Da mir sehr an einer natürlichen und medikamentenfreien Geburt lag, schloss ich für mich die PDA und den Kaiserschnitt von vorne herein erstmal aus. Meine Schwangerschaft verlief problemlos und so verstrich der errechnete Termin Tag für Tag. Bereits kurz nach Erreichen des ETs empfahlen mir die Gynäkologen eine medikamentöse Geburtseinleitung.

Zehn Tage nach dem errechneten Termin gab ich den bis dato täglich wiederholten eindringlichen Empfehlungen einer Einleitung nach und wir fuhren ins Krankenhaus. Die CTGs und Ultraschallkontrollen waren durchweg unauffällig, meinem Baby ging es gut im Bauch. Ich wurde also medikamentös eingeleitet und lernte die Wehen als dauerhaft schmerzhafte Krämpfe kennen, welche jedoch kaum muttermundwirksam waren.

Nachdem mich die Wehenstürme über viele Stunden und durch die Nacht hin erschöpften, erhielt ich Schmerzmittel und letztendlich eine PDA, die zumindest dafür sorgte, dass ich etwas durchatmen und mein Muttermund sich öffnen konnte. Mein Sohn kam letztendlich mit der Unterstützung der Saugglocke, einem Dammschnitt und vielen Interventionen nach 36 Stunden zur Welt.

Ich verlor bei der Geburt sehr viel Blut, erlitt einige starke Geburtsverletzungen und habe mich noch Tage danach sehr erschöpft gefühlt. Das Gefühl, dass mein Sohn entbunden wurde und ich dem Ganzen, so empfand ich es, größtenteils ausgeliefert war, beschäftigte mich noch lange Zeit. Die Geburt war für mich sehr traumatisch, auch nicht zuletzt dadurch, dass meine Wünsche unter der Geburt nach Ruhe und Selbstbestimmung vom Klinikpersonal wenig Beachtung fanden. Ich wurde durchweg freundlich behandelt, jedoch wurde mir die Geburt, als sie nicht so zügig wie gewünscht voranschritt, aus der Hand genommen.

Als ich mit meiner Tochter schwanger wurde, war mir klar, dass ich die Geburt diesmal völlig anders erleben wollte und war mich sicher, dass eine Geburtsreise auch schön verlaufen konnte. Meine Freundin erzählte mir von der friedlichen Geburt und so begann ich damit, Kristins Methode kennenzulernen und hörte mir die Podcasts an. Ich bin ein eher rationaler Mensch und war zunächst skeptisch, ob ich mich auf eine mentale Vorbereitung in Gänze einlassen könne.

Durch die friedliche Geburt erhielt ich einen völlig neuen Blick darauf, wie sehr das Geburtserlebnis von mir selbst beeinflussbar sein konnte. Ich begann etwa in der 28. Schwangerschaftswoche mit den Hypnosen und genoss die Zeit, in der ich gedanklich nur bei mir und meinem Baby war.

Bereits zu Beginn der Schwangerschaft setzte ich mich mit dem passenden Geburtsort auseinander und schlug meinem Mann vor, unser zweites Kind in einem Geburtshaus zur Welt zu bringen. C. war davon jedoch überhaupt nicht begeistert, da er unsere erste Geburt durch meine Geburtsverletzungen und den Geburtsverlauf als sehr dramatisch empfunden hatte.

Dennoch beschäftigte ich mich weiter mit dem Gedanken der außerklinischen Geburt und begegnete durch Zufall in der Mitte der Schwangerschaft meiner Hebamme M. Und so planten wir unsere Geburt mit ihr bei uns zuhause. Mit der Zeit konnte ich auch meinen Mann davon überzeugen, denn er merkte, wie wichtig mir eine selbstbestimmte Geburt war.

Bei einer Vorsorgeuntersuchung bei meinem Gynäkologen fragte mich dieser, in welcher Klinik ich mich zur Geburt anmelden wollte. Als ich von meiner geplanten Hausgeburt erzählte, kritisierte mich dieser dafür heftig. Das Thema griff er bei jeder weiteren Vorsorgeuntersuchung immer wieder auf, trotz der Tatsache, dass meine Schwangerschaft absolut unauffällig verlief. So beschloss ich, die weiteren Vorsorgeuntersuchungen ausschließlich bei meiner Hebamme wahrzunehmen.

Auch bei meinem zweiten Baby verstrich der errechnete Termin und ich machte mir große Sorgen, dass ich nach Ablauf von 14 Tagen über dem ET keine Hausgeburt mit meiner Hebamme mehr durchführen konnte. Eine Einleitung kam für mich, solange es meinem Baby gut ging, unter keinen Umständen mehr in Frage. Ich bereitete mich neben den Hypnosen noch ab der 34. SSW mit der Louwen Ernährung vor und hoffte, diesmal einen ganz natürlichen Geburtsbeginn erleben zu dürfen.

Ab dem ET war ich regelmäßig bei meiner Hebamme zum CTG, hier konnte man bereits eine regelmäßige Wehentätigkeit aufzeichnen. Ich spürte, dass mein Körper sich langsam auf die Geburt einstellte und wir unterstützten das Ganze mit Akupunktur. Am Wochenende bauten wir dann den Geburtspool, den uns unsere Hebamme geliehen hatte, auf, unser großer Sohn half fleißig mit und konnte es kaum erwarten, seine Schwester endlich zuhause begrüßen zu können.

Auch wenn ich mir immer wieder in Erinnerung rief, dass der ET genau das war – ein errechneter Termin, ein Geburtszeitraum – so wurde ich vier Tage später immer ungeduldiger. Ich hörte die Podcastfolge von Kristin und Dr. Wolf Lütje zum Thema ET und entspannte mich. Mein Baby kam genau dann zur Welt, wenn es dafür bereit war.

In der Nacht des 7. Novembers war es dann soweit. Ich schlief bereits seit Wochen nachts wenig und auch die Nächte davor wurde ich immer wieder von wachsender Wehentätigkeit geweckt, die jedoch immer wieder abflaute. In dieser Nacht spürte ich dann jedoch, dass meine Tochter nun zur Welt kommen wollte.

Es war 1 Uhr in der Nacht, als ich begann, die ersten deutlichen Wellen zu begrüßen. Ab hier spreche ich bewusst von „Wellen“, da ich diese genau als solche empfand. Durch die medikamentöse Einleitung und dem Wechsel zwischen Wehenhemmern und Wehenmitteln meiner ersten Geburt, hatte ich keine Erfahrung, wie sich „echte“ Wehen anfühlten. Ich lag noch im Bett, steckte mir die Airpods in die Ohren und schaltete die Geburtshypnose ein.

Die Atemtechnik hatte ich während der Vorbereitung immer mal wieder kurz geübt, jedoch als anstrengend empfunden und nicht weiter vertieft. Diese fiel mir unter der Geburt jetzt jedoch viel leichter und so atmete ich in jeder Welle tief und lange in den Bauch ein, visualisierte innerlich eine sich öffnende Blume und stellte mir meinen sicheren Ort vor. So verbrachte ich die weiteren Stunden der Nacht, mein Mann schaute kurz nach mir und legte sich wieder schlafen, als ich ihm signalisierte, dass es noch dauerte, bis unsere Tochter zu Welt kam.

Zwischendurch schaute ich immer mal wieder nach der Dauer und den Abständen der Wellen, diese kamen überwiegend regelmäßig im Abstand zwischen 3 bis 5 Minuten und hielten etwa für eine Minute an. Gegen frühen Morgen wurde das Liegen für mich mit den stärker werdenden Wellen unangenehmer und ich ging in die Badewanne. Hier konnte ich mich gut entspannen, die Wellenpausen wurden jedoch wieder länger und daher beschloss ich, wieder an Land zu gehen und mir das Tens-Gerät anzulegen.

Die Wellen hatten deutlich an Fahrt aufgenommen und ich musste sie konzentriert veratmen. Mein Mann half mir, die Elektroden auf den Rücken zu kleben und ich schaltete das Tens-Gerät an. Die Hypnose hörte ich nicht durchgängig, ich war jedoch die meiste Zeit über in einer Art Trancezustand, oder zumindest in einer tiefen Ruhe und Verbundenheit mit mir und meinem Körper.

Die Wellen empfand ich, wie du es immer so schön beschreibst, Kristin, als starkes Körpergefühl, auf das ich mich konzentrierte. Ich merkte, dass wenn ich während einer Welle im „Außen“ war, mit dieser deutlich mehr zu tun hatte und so nutzte ich die Geburtshypnose, um wieder in meine innere Ruhe zu finden.

Gegen kurz nach 6 Uhr schrieb ich meiner Hebamme M. eine Nachricht, dass ich inzwischen seit einigen Stunden regelmäßige Wellen veratme und sie bat mich, ihr Bescheid zu geben, wenn ich sie bei mir haben möchte. Mein Sohn N. wurde wach und mein Mann C. kümmerte sich darum, ihn für die Schule fertig zu machen. Ich wechselte zwischen Küche, Wohnzimmer und Schlafzimmer immer mal wieder hin und her, blieb stehen, veratmete eine Welle, mal war sie intensiver, dann wieder weniger stark.

Zwischen den Wellen konnte ich gut entspannen, mich mit meiner Familie unterhalten, mich hinlegen und meinen Sohn zur Schule verabschieden. Da die Wellenpausen inzwischen immer wieder länger wurden, und teilweise über zehn Minuten andauerten, kamen mir kurz Zweifel, ob ich wirklich unter der Geburt war. Es war ein kühler, aber trockener Novembertag und ich hatte das Bedürfnis, die Wellen wieder etwas in Fahrt zu bringen und so gingen wir eine Runde mit unserer Hündin spazieren.

Wenn wieder eine Welle kam, lehnte ich mich an C., wir blieben kurz stehen, ich atmete der Welle entgegen und arbeitete mit ihr mit. Wieder zuhause angekommen, rief ich M. an und fragte sie, ob sie einmal vorbeikommen und nach den Herztönen vom Baby schauen könne. Wenig später kamen M. und Hebammenstudentin L. bei uns an und wir lauschten den entspannten Herztönen unserer Tochter.

Ich bat M., einmal nach dem Muttermund zu schauen, und sie sagte, ich sei bei etwa 6cm. M. sagte, ich solle mich melden, sobald ich sie bei mir haben möchte und so verabschiedete ich die beiden zunächst (unter dem verdutzen Blick der Hebammenstudentin L.) wieder. Ich wusste intuitiv, dass es noch einige Zeit dauern würde und war mit mir, meinem Baby und meinem ruhigen Zuhause völlig zufrieden.

Mein Mann war die ganze Zeit zuhause, ließ mir aber meine Ruhe, wenn ich sie brauchte. Ich genoss mein vertrautes Umfeld zuhause sehr, konnte mich zurückziehen, wenn mir danach war und mich im Haus bewegen, wie ich es mir wünschte. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Bedürfnis, mich an einen anderen Ort zu begeben und vertraute auf mein Gefühl und meinen Körper. Alles fühlte sich genau so an, wie es sein sollte.

Wenn eine Welle stärker und länger war, mich diese mehr beanspruchte, so machte mein Körper anschließend eine etwas längere Pause, in der ich mich erholen konnte. Mein Sohn, der inzwischen von der Schule zurück war, strich mir liebevoll über den Rücken, legte seinen Kopf auf meine Schulter und sagte nur: „Mama, das machst du ganz toll, ich hab dich so lieb.“

Wir hatten mit unserem Sohn während der Schwangerschaft bereits darüber gesprochen, ob er bei der Geburt seiner Schwester zuhause sein, oder die Zeit lieber bei den Großeltern oder Freunden verbringen möchte. N. wollte die Geburt miterleben und erzählt noch heute von seiner ganz entspannten Mama und der wundervollen Atmosphäre zuhause. Jeder Welle atmete ich entgegen und verstärkte dadurch den Druck nach unten – ganz anders als bei meiner ersten Geburt, bei der ich mich in jeder Wehe verkrampfte, entspannte ich mich ganz bewusst, vom Gesicht, über die Schultern und nutzte jede Welle und den Druck, um mich weiter zu öffnen.

Es war inzwischen Abend geworden, als mein Mann alles für die Poolbefüllung vorzubereiten begann. Ich schaltete die vielen LED-Kerzen und die Lichterkette am Pool ein. In der Küche hatte ich Snacks und Getränke hergerichtet, mein Sohn durfte sich, ganz pädagogisch wertvoll, in seinem Zimmer mit dem Tablet beschäftigen. Ich merkte, dass ich mich auch zwischen den Wellen nun nicht mehr viel unterhalten wollte.

Gegen 20 Uhr rief ich unsere Hebamme an und bat sie, nun zu uns zu kommen. Um 20:30 Uhr waren M. und Hebammenstudentin L. da und gemeinsam mit C. befüllten sie den Geburtspool. Die Atmosphäre mit den beiden und meinem Mann war einfach wundervoll; ruhig, entspannt und sehr wertschätzend. Sie gaben mir den Raum, den ich brauchte und ließen mich mit meinen Wellen arbeiten.

In den Wellenpausen scherzten wir wie immer ein wenig miteinander und ich genoss ihre Gegenwart. Im Kerzenschein stieg ich in den Pool, die Wellen kamen nun in immer kürzeren Abständen und ich wechselte vom Vierfüßler auf die Seite im Wasser. Der Druck wurde immer stärker und ich konzentrierte mich bewusst darauf, meinen Körper zu entspannen, dachte immer wieder an Kristins „loooslassen“.

Auf einem Ohr hörte ich immer mal wieder kurz die Geburtshypnose. Die Wellen wurden immer stärker und folgten in kurzen Abständen aufeinander, ich spürte deutlich, dass ich nun in der Übergangsphase war.

Es muss etwa 22:15 Uhr gewesen sein, M. und L. saßen neben mir am Pool. Ich schaute M. an und sagte: „Puh, so langsam habe ich nun auch keinen Bock mehr, das ist ganz schön anstrengend.“ Die Presswehen begannen und ich schob aktiv mit. Ich spürte, wie mein Baby mit jeder Welle weiter durchs Becken geschoben wurde, der Druck war nun am stärksten. L. gab mir ihre Hand und ich war dankbar, im Wasser dadurch etwas mehr Halt zu bekommen.

Ich tastete kurz und spürte den Kopf meiner Tochter im Geburtskanal. Mit der nächsten Welle platzte die Fruchtblase unter Wasser. Ich spürte die enorme Dehnung, achtete beim Mitschieben aber darauf, meinem Gewebe etwas Zeit zu geben, um sich anzupassen. Die Austrittsphase fühlte sich im Vergleich zur ersten Geburt ganz anders an. Ich hatte kein Gefühl des „innerlich zerrissen werdens“, sondern konnte bewusst in die Dehnung hineingehen und so kam das Köpfchen meiner Tochter zur Welt.

Die Welle hielt noch immer an und ich sagte zu M.: „Also ich bringe sie jetzt gleich ganz zur Welt, die Welle ist noch da.“ Das war der Moment, von dem mein Mann noch heute mit feuchten Augen und den Worten „und dann schwamm da ein Baby im Kerzenschein durch den Pool“ erzählt.

M. empfing unsere Tochter unter Wasser und hob sie auf meine Brust. Sie begrüßte uns mit ihrem ersten Atemzug und beschwerte sich kurz, bis wir warme Handtücher über sie legten. Um 22:25 Uhr schwamm die kleine L. in unserem Wohnzimmer in unsere Familie. Mein Mann weckte unseren Sohn, dem wir beim Schlafengehen versprochen hatten, dass er seine Schwester als erster begrüßen durfte.

N. streichelte seiner Schwester über den Kopf und auch unsere Hündin kam zum Pool und schaute nach dem neuen Familienmitglied. Zur gleichen Zeit kam auch die zweite (hier die dritte) Hebamme, sie hatte die Geburt knapp verpasst. Den Moment, als L. geboren wurde und die Minuten danach, hielt Hebammenstudentin L. auf Video und Fotos fest, worüber wir sehr dankbar sind. M. half mir mit dem Baby auf dem Arm aus dem Pool und wir kuschelten uns gemütlich aufs Sofa, wo ich sie das erste Mal zum Stillen anlegte.

Etwa 45 Minuten nach der Geburt kam auch die Plazenta. Nachdem die Nabelschnur auspulsiert war, nabelten wir L. ab, ich wurde mit Lebkuchen versorgt und meine liebevollen Hebammen führten die U1 durch. Anschließend ging ich duschen und wir kuschelten uns ins große Familienbett. Eine Geburt, die ich als so wundervoll, selbstbestimmt, heilsam und kraftvoll erleben durfte.

Dank der Vorbereitung mit der friedlichen Geburt, als auch der großartigen Unterstützung meiner beiden Hebammen, die mir zu jeder Zeit das Gefühl von Geborgenheit, Fachkompetenz und Verlässlichkeit vermittelten. Sie sahen mich, ließen mich und mein Baby unseren Geburtsweg selbst beschreiten und unterstützten, wenn ich darum bat.

Ich bin sehr dankbar für die Erfahrung, dass eine Geburt schön und nicht schmerzhaft sein muss, sondern etwas ganz besonderes sein kann.

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Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
Hebamme
Nina