Erfahrungsbericht
von Helena
Meine erste Geburt 2023 war das komplette Gegenteil von dieser Geburt. Sie begann mit einer Einleitung die mir aufgrund meiner Schwangerschaftsdiabetis empfohlen wurde. Über fünf Tage zog sich diese hinweg, ohne Erfolg. Als die Geburt schließlich doch in Gang kam, brachte mich ein etwa zweistündiger Wehensturm an das Ende meiner mentalen und körperlichen Kräfte.
Dazu muss man zusätzlich erwähnen, dass ich leider sehr vorgeprägt bin, was Komplikationen angeht. Meine Mama und meine Oma haben ihr erstes Kind kurz nach der Geburt verloren. Daraufhin gründete meine Mama das zur damaligen Zeit größte Internetforum, in dem sich Eltern austauschen konnten, die ihr Kind verloren haben, das Maximilian Projekt.
Ich lernte als Kind schnell, dass eine gesunde Geburt und die Zeit danach keine Selbstverständlichkeit waren. Ich war jedenfalls irgendwann völlig erschöpft und entschied mich auch aus Angst letztlich für einen Kaiserschnitt. Erst im Nachhinein wurde mir klar, dass vieles davon möglicherweise nicht hätte sein müssen und schon kurz nach der Bauchgeburt dachte ich mir: „Nein, das will ich nochmal anders machen“
In der folgenden Schwangerschaft begann ich, mich anders auf die Geburt vorzubereiten. Ich kannte den Podcast bereits, aber wollte dieses Mal unbedingt die Methode richtig lernen. Besonders wichtig war für mich die Vorstellung, dass Geburt nicht zwangsläufig etwas ist, das einem einfach passiert, sondern ein Prozess, den ich aktiv erleben und mitgestalten darf bzw. vielleicht sogar muss.
An einem Morgen Ende Juli wurden die ersten Wellen deutlicher. Ich zog mich immer wieder bewusst zurück in meine „Höhle“, mein kuschliges dunkles mit Kerzenschein beleuchtetes Schlafzimmer, und fand in meinen inneren sicheren Ort. Für mich war das ein kleines Wäldchen im Gebirge mit hohen Tannen, Vogelstimmen, einem Wasserfall und warmem Sonnenlicht.
Meinen Muttermund habe ich mir so vorgestellt: Blumen, die sich mit jeder Welle weiter entfalten, und Tannen, die sich öffnen, sodass immer mehr Licht hindurchscheinen kann.
Als wir schließlich in die Klinik fuhren, waren die Wellen bereits intensiver. Auch während der Autofahrt blieb ich mit geschlossenen Augen ganz bei mir. Im Krankenhaus wurde festgestellt, dass meine Fruchtblase bereits gerissen war. Wegen eines positiven Streptokokken-Abstrichs bekam ich Antibiotika.
Kurz darauf bekam ich hohes Fieber. Das verunsicherte mich sehr, weil der Verdacht auf eine aufsteigende Infektion bestand. Es wurde Blut abgenommen, und plötzlich stand wieder ein Kaiserschnitt im Raum. Für mich war das ein Schock. Ich habe mir doch so so sehr gewünscht, diesmal eine selbstbestimmte vaginale Geburt zu erleben. Ich bat um eine PDA und die Dokumente für den Kaiserschnitt. Ich wollte es einfach nur noch schnell hinter mich bringen…
Man wollte die Blutergebnisse abwarten und mit der Ärztin besprechen, die aber so lange im OP war, dass es plötzlich doch anders kam. Nach circa einer Stunde und keiner Spur der Ärztin wurden die Wellen plötzlich viel intensiver. Ich musste sie laut veratmen und begann, sie auch zu vertonen. Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich nicht, dass die Geburt schon weit fortgeschritten sein könnte. Ich war nach meinem Kaiserschnitt ja schließlich Erstgebärende und dachte, dass das alles noch ewig dauern würde.
Als die Fruchtblase dann nochmal richtig aufging, wurden die Wellen plötzlich sehr sehr stark und ich konnte für circa eine Stunde die Wellen kaum verarmen. Die ganze Zeit hatte ich die Hypnose auf den Ohren. Irgendwann flehte ich nach der PDA, da die Wellen zu diesem Zeitpunkt doch schmerzhaft waren, aber die Hebamme sagte mit einem kleinen Lächeln, dass sie glaubt, dass es bald richtig losgehen könnte. Ich glaubte ihr kein Wort!
Ich wurde in den Kreißsaal gefahren und merkte einen leichten Drang zu pressen. Ich rief meinem Mann nur zu: „Wechsle die Hypnose auf Austreibungsphase!!!“ Ich war komplett in meiner eigenen Welt. Der kalte, ungemütliche Kreißsaal um mich herum spielte kaum noch eine Rolle. In meiner Vorstellung wurde aus der leichten Brise in meinem Wäldchen ein kraftvoller Wind, der die Bäume weit auseinanderzog und das Licht hindurchließ.
Ich bin im Nachhinein so überrascht, wie gut ich die Methode anwenden konnte, ohne dass ich mich darauf fixierte, ja nicht aus der Konzentration zu fallen! Währenddessen hörte ich Kristins Stimme, die mich anfeuerte. Dieses Bild passte unglaublich gut zu dem, was in meinem Körper geschah. Es fühlte sich an wie eine mächtige, ursprüngliche Naturgewalt.
Kurz nach meiner Ankunft im Kreißsaal untersuchte mich die Hebamme. Sie sagte: „Muttermund ist vollständig eröffnet.“ Ich konnte es kaum glauben. Es ging so schnell und viel einfacher, als ich es mir jemals hätte vorstellen können. Ich konnte nur noch grinsen und freute mich!
Meine Hebamme leitete mich an, bzw. hat mein Mann mir ab und zu die Kopfhörer rausgenommen und mir gesagt, was ich tun soll. Ich probierte verschiedene Geburtspositionen aus und fand schließlich eine, in der ich mich sicher und kraftvoll fühlte. Nach wie vor, bis zum Schluss hatte ich die Kopfhörer drin. Meine ganze Kraft ging in meinen Bauch, und ich schob mit den Wellen.
„Vertönen“ war gar kein Ausdruck. Ich schrie die ganze Station zusammen, aber nicht vor Schmerzen, sondern eher von diesem unfassbar kraftvollen Gefühl und der Dehnung, die ich erlebte. Es war wirklich kein Schmerz im Sinne von, dass da jetzt was an meinem Körper kaputt ging oder so. Rückblickend hat dieser Teil der Geburt fast Spaß gemacht. Ich fühlte mich kraftvoll, präsent und vollkommen verbunden mit meinem Körper. Ich wusste ganz tief in mir: Ich kann das. Ich schaffe das gerade. Mein Körper bringt mein Kind gerade auf die Welt.
Dann kam der Kopf und mit der nächsten Welle wurde mein Baby geboren. Plötzlich war es da – klein, warm, glitschig und schreiend. Ich durfte es sofort zu mir nehmen, und wir hatten direkt Hautkontakt.
Noch nie in meinem Leben war ich so stolz auf mich. Diese Geburt war die intensivste körperliche Erfahrung meines Lebens. Sie hat etwas in mir geheilt, das seit meiner ersten Geburt verletzt gewesen war. Ich durfte erleben, wie stark, kraftvoll und kompetent mein Körper ist. Man musste es mir nur zeigen oder beibringen.
Ich bin zutiefst dankbar, dass ich diese Vorbereitung gemacht habe. Sie hat mir ermöglicht, die Geburt zu erleben, die ich und mein Kind gebraucht haben. Ich danke dir von Herzen für deine Arbeit, Kristin!

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