Erfahrungsbericht
von Janne

Geburt der kleinen A.

Ich möchte gerne die Geschichte der Geburt unserer Tochter A. mit euch teilen, die jetzt ein halbes Jahr zurückliegt. Wie jede Geburtsgeschichte beginnt sie schon lange vor ihrer Geburt und damit zusammen hängt auch die Geburt ihres drei Jahre älteren Bruders. Deshalb möchte ich auch kurz davon erzählen:

In meiner ersten Schwangerschaft bin ich noch nicht auf „die friedliche Geburt“ gestoßen. Wir haben uns auf die Geburt mit einem Geburtsvorbereitungskurs im Krankenhaus vorbereitet, der keine mentale Vorbereitung miteingeschlossen hat. Auf meine eigene Weise habe ich in der Schwangerschaft eine enge Verbindung zu meinem ersten Kind aufgebaut. Vor der Geburt hatte ich nie Angst, ich war eher neugierig und angenehm aufgeregt.

Mein Sohn kam als Bauchgeburt zur Welt, nachdem bei vollständig geöffnetem Muttermund sein Köpfchen über mehrere Stunden nicht tiefer gekommen war. Von diesem Weg wurde ich etwas überrascht und ich war vielleicht auch ein bisschen enttäuscht, dass mein Körper und mein Kind die Geburt doch nicht ganz allein und auf natürlichem Weg schafften.

Heute weiß ich (vor allem durch den Kurs und den Podcast), wie viele Faktoren diesen Geburtsverlauf beeinflusst haben könnten: Erschöpfung durch die lange Geburtsarbeit in großer Anspannung und wenig Entspannung, keine 1:1 Hebammenbegleitung (es waren viele Geburten gleichzeitig im Krankenhaus), die Umgebung, ...

Gleichzeitig war das wohl unser Weg und es war okay für mich. Ich war stolz, dass mein Sohn so viel einer „normalen“ Geburt mitbekommen hatte. Vor und während der OP hatte ich keine Angst, ich habe vertraut und war dann einfach nur froh und glücklich, dass er da war.

Das Einzige, worüber ich noch immer etwas traurig bin, ist, dass mein Sohn nicht direkt nach seiner Geburt auf meinen Bauch gelegt wurde, sondern nach einer kurzen Begrüßung erst in einem anderen Raum untersucht wurde und dann zu seinem Papa kam, bis ich fertig war.

Ich hätte gerne vorher gewusst, dass es sehr wohl möglich ist, direkt im OP-Raum zu bonden. Damit hatte ich mich vorher nicht auseinandergesetzt, wohl weil ich vor der Geburt keinen Plan B oder C für uns durchdacht hatte. Ich bin ein Mensch, der sehr in das Leben vertraut und darin, dass alles schon so richtig ist und kommt, wie es kommt. Mit dieser Einstellung habe ich auf die bevorstehende Geburt meines ersten Kindes geblickt und diese Einstellung ist auch geblieben.

Gleichzeitig habe ich durch die erste Geburt gelernt, dass das nicht heißt, alles einfach nur auf sich zukommen zu lassen. Ich bin sehr dankbar, in der Zwischenzeit durch Bekannte auf den Podcast und Kurs gestoßen zu sein.

Als ich wieder schwanger war, war für mich nach meiner bisherigen Erfahrung schnell klar, dass ich mich noch einmal anders vorbereiten und diesen Kurs machen wollte. Durch diesen ist mir erst richtig bewusst geworden, wie viel ich mit der entsprechenden Vorbereitung selbst beeinflussen kann. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, sich im Vorfeld Wissen anzueignen, sich mit möglichen Interventionen auseinanderzusetzen und sich zu überlegen, was ich in verschiedenen Fällen möchte.

Was mir auch sehr viel mitgegeben hat, waren die vielen Geburtsberichte aus dem Podcast. Zum einen habe ich durch die Berichte zu Bauchgeburten, denke ich, ein Stück weit noch meine erste Geburtserfahrung verarbeitet. Zum anderen bin ich noch offener gegenüber verschiedenen Geburtsverläufen und auch der Unterstützung von außen geworden.

Bei meiner ersten Geburt hätte mir nie vorstellen können, eine PDA zu nehmen, bei der Geburt meiner Tochter war dies aber genau das Richtige für uns - dazu gleich mehr.

In meiner zweiten Schwangerschaft und in der Vorbereitung auf die Geburt meiner Tochter war mein wichtigster Wunsch, sie direkt nach der Geburt bei mir zu haben, egal wie unser Geburtsweg letztendlich aussieht. Wir hatten uns für den hebammengeleiteten Kreißsaal eines Krankenhauses entschieden.

Dort ist es sogar üblich, einen sehr ausführlichen Vordruck mit „Wünschen für die Geburt“ auszufüllen, wo auch Wünsche bei einer ungeplanten Bauchgeburt abgefragt wurden (hier wurde direkt gesagt, dass es in den meisten Fällen möglich ist, direkt im OP zu bonden) und wir haben uns gut aufgehoben gefühlt.

Ungefähr Mitte der Schwangerschaft habe ich mit fast täglichen Hypnosen begonnen. Auch wenn es manchmal für mich schwierig war, mir im Alltag diese Zeit zu nehmen (auch weil ich oft noch so viele andere Dinge machen wollte), habe ich immer mehr gemerkt, wie gut mir diese Entspannungszeit mit meinem Baby tut und sie anderen Dingen vorgezogen.

In den letzten Schwangerschaftswochen waren für mich bei der Hypnose „Traumgeburt visualisieren“ immer zwei Dinge gleich: die Vorstellung einer vaginalen Geburt und die Vorstellung, mein Kind direkt nach der Geburt auf dem Bauch liegen zu haben. Den Rest des Geburtsweges konnte ich nicht so gut fassen. Witzig, denn genau diese beiden Dinge sind auch so eingetreten, während der Rest dann, wie es wahrscheinlich oft ist, ziemlich anders kam als gedacht.

Am Dienstagabend, auf dem Rückweg vom Schwangerschaftsyoga (meine Yogalehrerin hat mir später gesagt, dass ich an diesem Abend schon sehr nach Geburt aussah), merkte ich, dass ich krank wurde. Mir war kalt und in der Nacht bekam ich Schüttelfrost und Fieber. Ich entschied mich, am Morgen (vier Tage vor dem ET), begleitet von meiner Mama ins Krankenhaus zu fahren, um zu schauen, ob es unserer kleinen Tochter im Bauch gut geht.

Eine sehr nette Hebammenstudentin kümmerte sich um uns. Meine Kleine war etwas aufgeregt, mit einem etwas höheren Herzschlag als normal, ich hatte einen sehr niedrigen Blutdruck und es stellte sich heraus, dass ich eine Grippe hatte. Auch in der Schwangerschaft war ich mehrmals krank gewesen und ich wusste, dass mein Körper sich immer schnell erholte und ich meist nach ein bis zwei Tagen wieder fast fit war.

Auch wenn es mir körperlich wirklich nicht gut ging, war ich zuversichtlich, entspannt und im Vertrauen. Wir wurden umsorgt, ich bekam einen Lavendeltupfer, intravenöse Infusionen zur Fiebersenkung und Flüssigkeitszufuhr und später auch Wadenwickel. Mir wurde angeboten, über Nacht im Krankenhaus zu bleiben. Obwohl ich davon überzeugt war, dass meine Kleine noch warten würde, bis ich mich wieder erholt hätte, hatte ich ein gutes Gefühl dabei, dort zu übernachten.

Abends ca. ab 20 oder 21 Uhr spürte ich Wellen im Abstand von ein paar Minuten. Diese fühlten sich jedoch anders an, als ich es bisher und von der ersten Geburt kannte, eher unangenehm, da sie mit „normalen“ Bauchschmerzen einhergingen.

Die Hebamme, die ich bat, nach uns zu schauen, meinte dass das Köpfchen meiner Tochter noch sehr weit oben sei. Ich glaubte nicht, dass die Geburt losgehen würde und dachte, dass dies nur Senkwellen seien. Um etwas zur Ruhe und zu mir zu finden, hörte ich die Hypnose „Hingabe“ und die positiven Affirmationen.

Gegen halb zwei nachts ging dann die Fruchtblase auf. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich wirklich nicht davon ausgegangen, dass meine Tochter bereits kommen wollte. Auch wenn ich etwas überrascht war, konnte ich gut damit sein, dass ich die Geburt nun wohl nicht mit voller Kraft würde starten können, dass ich jetzt schon super erschöpft war. Mit anderen Worten: Ich konnte mich gut der Situation hingeben.

Ich sprach zu meinem Kind: „Okay A., dann möchtest du wohl doch schon jetzt kommen, dann machen wir das, dann schaffen wir das jetzt zusammen.“ Ich rief ihren Papa an, der kurz darauf zu uns in den Kreißsaal kam, und startete die Hypnose für die Geburt. Es fiel mir nicht so leicht, tief in die Hypnose zu finden, ich glaube, weil die Wellen zu dem Zeitpunkt schon in sehr kurzem Abstand kamen. Ich war deshalb während der Geburt etwas mehr im Außen, als ich mir das vorher immer vorgestellt hatte.

Außerdem war die tiefe Bauchatmung durch den Schnupfen verständlicherweise bei mir eher eine kürzere und nicht ganz so tiefe Bauchatmung. Dennoch hat mir beides sehr viel Sicherheit gegeben und ich hörte die Hypnose die ganze Zeit während der Eröffnungsphase. Mir war sofort, nachdem die Fruchtblase aufgegangen war, klar, dass ich noch mehr Kraft sammeln musste und so fragte ich direkt nach einer PDA.

Bei meiner ersten Geburt hätte ich mir, wie gesagt, nie vorstellen können, eine PDA zu bekommen und sogar selbst danach zu fragen. Dieses Mal hat sich das genau richtig angefühlt. Bis um ca. vier Uhr die PDA gelegt wurde, konnte ich gut mit den Wellen umgehen. Es war die ganze Zeit sehr ruhig bei uns im Kreißsaal und als die PDA zu wirken begann, konnte ich mich sehr gut ausruhen. Ich kuschelte mit meinem Mann, döste und schlief vielleicht sogar etwas. Das war genau die Kraft, die ich für die Austrittsphase brauchte.

Irgendwann am frühen Morgen kam die Hebamme und meinte, dass der Muttermund schon acht Zentimeter geöffnet sei und meine Tochter wohl als nächstes geboren werden würde. Ich war freudig überrascht, dass wir schon so weit waren, und das motivierte mich sehr. Langsam spürte ich die Wellen wieder mehr.

Ab ca. acht Uhr morgens blieben dann die Hebamme und die Hebammenstudentin, die ich vom vorherigen Tag schon kannte (was mir viel Sicherheit gegeben hat), dauerhaft bei uns im Raum. Der Muttermund war bis auf den Saum geöffnet. Ab dann hörte ich keine Hypnose mehr und konzentrierte mich auf das, was die beiden Hebammen mir sagten und auf meinen Körper.

Ich bin sehr dankbar für das wirklich liebe, positive und motivierende Hebammenteam, das uns bei der Geburt begleitet hat. Erst blieb ich in einer seitlich liegenden Position mit gestütztem Bein. Das Köpfchen meiner Tochter kam nur sehr langsam tiefer. Die Hebammen bestärkten mich, bei jeder Welle kräftig mitzuschieben und sie meldeten mir zurück, wenn es genauso richtig war und ich das beim nächsten Mal nochmal so machen sollte.

Ich kann mir vorstellen, dass das für andere Frauen und andere Geburtssituationen störend oder ablenkend sein kann. Doch für uns war das in dem Moment genau richtig so, denn durch die PDA und die Gesamtsituation brauchte ich etwas mehr Anleitung zum Mitschieben.

Die Wellen kamen in sehr kurzen Abständen und hielten jeweils relativ lange an. Es war, als würde mein Körper wirklich alles dafür geben, dass meine Tochter trotz meiner geschwächten körperlichen Verfassung auf natürlichem Weg zur Welt kommen sollte. Daran habe ich selbst tatsächlich keinen Moment gezweifelt.

Gleichzeitig merkte ich an den Reaktionen der Hebammen, dass es nur sehr langsam voran ging und meine Kraft wohl etwas nachließ. Sie nannten mir zwei Unterstützungsmöglichkeiten: eine Ärztin könnte während der Welle von außen mitschieben (Kristeller-Handgriff) und es könnte mit einer Saugglocke unterstützt werden. Für Letzteres sei das Köpfchen allerdings noch nicht tief genug im Becken. Beides fühlte sich für mich in dem Moment stimmig an.

Ich freute mich einfach, dass diese Geburt im Vergleich zur Geburt meines Sohnes an dieser Stelle „weiterging“, wenn auch langsam, und ich vertraute der Einschätzung des Geburtsteams. Ich stimmte der Anwendung des Kristeller-Handgriffes zu. Meine Hebamme sagte mir, dass ich weiterhin die Hauptarbeit machen würde und genauso wie bisher weitermachen sollte. Bei zwei oder drei Wellen schob die Ärztin mit. Das empfand ich tatsächlich als sehr unangenehm und es brachte auch keinen „Fortschritt“, deshalb hörten wir damit auf.

Stattdessen schlug die Hebamme einen Positionswechsel in die gestützte Hocke am Rand des Bettes vor (das Bett konnte entsprechend verändert werden). Ich spürte, wie ich in dieser Position nochmal wesentlich mehr Kraft aus mir herausholen konnte und es ging viel schneller voran. Es war super anstrengend und gleichzeitig war ich die ganze Zeit glücklich und zuversichtlich.

In den kurzen Wellenpausen setzte ich mich auf die Bettkante. Die Hebamme meinte, ich könne mich dann auch entspannt hinten anlehnen, aber ich war so konzentriert, dass ich das zunächst nicht tat. Als ich es dann doch in einer Welle ausprobierte und überrascht mitteilte, dass das ja angenehm sei, mussten wir alle etwas über meine späte Erkenntnis lachen.

Dann meinte die Hebamme, dass auch hier jetzt scheinbar die Kraft nachließe, das Köpfchen aber jetzt tief genug sei, um mit der Saugglocke zu unterstützen. Ich glaube noch ein Grund für den Vorschlag war, dass die Geburt auch für unsere Tochter sehr aufregend war. Die Hebamme erklärte, dass durch die Saugglocke das Köpfchen während der Welle gehalten und das Zurückrutschen verhindert werden könne.

Ich stimmte zu, den Weg auf diese Weise abzukürzen und fragte: „Ich mache wieder die Hauptarbeit?“ – „Du machst wieder die Hauptarbeit“, antwortete die Hebamme. Ich legte mich auf den Rücken. Mein Mann meinte im Nachhinein, in diesem Moment habe er schon die Haare unserer Tochter gesehen. Eine Ärztin kam mit der Saugglocke und nach ein paar Wellen wurde unsere Tochter am 15. Januar um 10:12 Uhr in einem Rutsch geboren. Ich war etwas überrascht, dass es dann auf einmal so schnell ging. Da war sie, unsere kleine A.

Ich legte sie direkt auf meinen Bauch. Ihr Papa und ich begrüßten sie und hatten beide Tränchen in den Augen. Nach einer Weile trank sie das erste Mal an meiner Brust. Es fühlte sich einfach nur schön an. Genau mit diesem Wort würde ich auch meine Wahrnehmung der ganzen Geburt beschreiben. Natürlich auch anstrengend und wahrscheinlich anders, als sich die meisten eine Traumgeburt vorstellen würden.

Doch für mich hat es sich so schön angefühlt, die ganze Zeit im Vertrauen zu sein, dass wir die Geburt gemeinsam und aus eigener Kraft schaffen würden. Und es hat sich schön angefühlt, so gut aufgehoben zu sein. Auch wenn wir Unterstützung brauchten – für die ich den Hebammen und Ärztinnen sehr dankbar bin – und es nicht wenige Interventionen gab, so haben wir es doch aus unserer Kraft heraus geschafft!

An dieses besondere und kraftvolle Gefühl erinnerte ich mich oft im Nachhinein. Ich rief es mir insbesondere in Erinnerung, als ich ein oder zwei Wochen später den Geburtsbericht aus dem Krankenhaus bekam, mit den ganzen Daten und Fachbegriffen, der sich von außen betrachtet nicht so schön liest: Vakuumextraktion, Dammriss, dadurch ein hoher Blutverlust, nach der Geburt über mehrere Stunden hinweg immer wieder stark abfallender Blutdruck,...

Mir wurden noch mehrere Zugänge gelegt und wir konnten erst sieben Stunden später, nach einer Bluttransfusion und als sich mein Kreislauf einigermaßen stabilisiert hatte, auf unser Zimmer. Das alles spielte für mich in dem Moment wirklich keine große Rolle. Ich wusste, ich werde von den Ärzt*innen, die um uns herumgewuselt sind, sehr gut versorgt. Wir waren die ganze Zeit entspannt und glücklich mit unserer kleinen Tochter.

Danke, liebe Kristin und liebes Team für eure wertvolle Arbeit! Ich hoffe, dass sie noch viele andere Frauen und Familien erreicht.

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