Erfahrungsbericht
von Joanna

Wunderschöne VBAC Hausgeburt

Mein erster Sohn kam 2019 auf die Welt. Ursprünglich hatten wir eine Geburt im Geburtshaus geplant, jedoch war die Eröffnungsphase insgesamt stark verlängert und ich zunehmend erschöpft, sodass meine Hebamme uns schließlich doch in die Klinik brachte, wo unser Sohn dann nach weiteren 32h (inkl. PDA) als eiliger Kaiserschnitt geholt werden musste bei drohender Asphyxie. Insgesamt keine traumatische Geburt (da alles immer gut mit mir besprochen wurde), aber eben auch nicht die Geburt, die ich mir für uns gewünscht hatte.

Die zweite Schwangerschaft hat dann etwas länger auf sich warten lassen, als es eigentlich geplant war, sodass ich um so glücklicher war, als es dann endlich geklappt hat. Auch dieses Mal wollten wir wieder ins Geburtshaus und waren total dankbar, dass wir dort noch einen der begehrten Plätze bekommen haben – sogar bei der gleichen Hebamme, die uns schon beim 1. Kind begleitet hat.

Auch wenn mir natürlich bewusst war, dass man nicht alles beeinflussen kann, habe ich mir doch für die Schwangerschaft vorgenommen, mich bestmöglich auf die Geburt vorzubereiten – körperlich UND mental. So habe ich viel Pränatal-Yoga und Schwangerschaftssport gemacht, hab mich im Alltag viel bewegt und ca. seit der 12 SSW auch angefangen mit dem Online-Kurs der Friedlichen Geburt.

Dazu habe ich viel Podcast gehört, mir positive Geburtsberichte angehört und ab der 32. SSW auch die Ernährung nach Louwen umgestellt. Die Hypnosen habe ich sehr genossen sowohl zur Entspannung als auch als Verbindung zu meiner Tochter.

Als zum Beispiel mein Baby in der 31. SSW noch in Beckenendlage lag und ich entsprechend etwas hibbelig war, da wir das Kind ja gern im Geburtshaus bekommen wollten, habe ich die Hypnose zur Beckenendlage gemacht und tatsächlich lag die Maus dann 3 Tage später beim letzten Ultraschalltermin richtig herum. Vermutlich einfach Zufall, aber schon irgendwie auch ein bisschen kurios.

Ungefähr einen Monat vor dem errechneten Termin wuchs in mir der Gedanke, das Kind doch nicht im Geburtshaus sondern zu Hause zu bekommen, da ich mich gedanklich total gestresst habe mit der Frage, wann der optimale Termin ist dort hinzufahren und auch wie wir dort hinfahren, da wir kein eigenes Auto haben und mir die Vorstellung unter Geburt ins Taxi zu steigen, irgendwie nicht ganz geheuer war.

Bei uns im Geburtshaus ist es glücklicherweise jederzeit möglich, von einer geplanten Geburtshausgeburt zur Hausgeburt zu wechseln (oder auch andersherum), wobei man hier allerdings noch 200 Euro zuzahlen muss, da das Geburtshaus selbst für eine Hausgeburt keinen Cent von der Krankenkasse bekommt. Total bescheuert.

Eine Woche vor dem ET hatte ich dann nochmal einen Kontrolltermin bei meiner Hebamme. Sie fragte mich noch, ob ich das Gefühl habe, dass das Kind bald kommt, aber ich meinte zu ihr, dass es diese Woche auf jeden Fall noch nicht kommt. Da sie wenige Tage nach meinem ET in den Urlaub fahren wollte, stellte sie mich beim Vorsorgetermin noch ihrer Kollegin vor, welche sie in ihrer Abwesenheit vertreten würde, falls das Baby nach dem ET käme. Die Kollegin war total nett und sympathisch, hatte aber sehr starkes Parfüm aufgetragen und sowohl ich als auch mein Mann sind sehr empfindlich, was Gerüche angehen, sodass ich mit einem etwas mulmigen Gefühl nach Hause gegangen bin.

Zu Hause habe ich meine Hebamme dann nochmal angeschrieben und ihr davon erzählt. Sie meinte, das sei kein Problem, damit offen umzugehen und so verblieben wir, dass ich das bei dem nächsten Vorsorgetermin kurz vor ET mit der Vertretung direkt besprechen würde.

Abends habe ich dann gemerkt, dass die Übungswellen etwas intensiver wurden, habe mir aber noch nichts dabei gedacht. Um 3 Uhr morgens begannen dann die Wellen, ca. alle 10 Minuten. Ich bin im Bett liegen geblieben und habe diese ruhig veratmet und mich weiter ausgeruht.

Um 6 Uhr morgens ist mein Mann dann aufgestanden, um anzufangen, zu arbeiten. Ich habe ihm gesagt, dass er den Rechner wieder runterfahren kann, da das Kind heute kommt. Wir haben dann zusammen unseren älteren Sohn zur Schule fertig gemacht und ich habe ihm gesagt, dass sein Schwesterchen heute kommt. Er war ganz aufgeregt. Mein Mann hat dann das Wohnzimmer noch schnell hergerichtet mit schönem Licht und aufgeräumt und dann unseren Sohn zur Schule gebracht.

Unsere Hebamme kam dann um 10:40 Uhr dazu. Die Wellen kamen da schon relativ regelmäßig, aber noch sehr gut machbar. Der Muttermund war um 11:40 Uhr erst bei 2cm (was ich mir aber nicht habe sagen lassen – was eine sehr gute Entscheidung war).

Um 12 Uhr sind die Wellen dann unter dem Wärmekissen schwächer und unregelmäßiger geworden, weshalb ich noch ein bisschen auf dem Sofa dösen konnte. Nachdem ich wieder aufgewacht bin, begann gegen 13:45 Uhr die Eröffnungsphase mit intensiveren, wieder regelmäßigen Wellen. Ich hatte die ganze Zeit die Hypnose für die Eröffnungsphase auf den Ohren und habe die Wellen z.B. im Stehen oder in der Hocke vor dem Sofa veratmet, viele zusammen mit meinem Mann.

Um 15:30 Uhr hat sich dann der Schleimpfropf gelöst. Kurze Zeit später hat unsere Hebamme meinem Mann ein Zeichen gegeben, die Malerfolie über dem Sofa auszubreiten und tatsächlich kam es dann um 16:21 Uhr zum spontanen Blasensprung. Danach habe ich schon deutlich den Drang zum Mitschieben verspürt und um 16:29 Uhr war der Muttermund dann schließlich ganz geöffnet.

17:15 Uhr: Beginn der aktiven Phase der Austrittsphase. Die zweite Hebamme kam mit dazu. Die letzte Phase war nochmal sehr intensiv, unter anderem, weil ich einen Krampf bekommen habe im Oberschenkel und das Baby etwas hinter der Symphyse hing und nicht so richtig ins Becken gerutscht ist, weshalb ich auch in der Wellenpause Schmerzen hatte hinter der Symphyse und in den Leisten. Unsere Hebamme hat mich geduldig immer wieder angeleitet, eine andere Position einzunehmen, sodass es Schritt für Schritt vorwärts ging.

Um 18:40 Uhr kam es dann zur berühmten „Übergangsphase“, in der ich nicht mehr konnte und wollte. Meine Hebamme machte mir Mut, dass sie zuversichtlich sei, dass das Kind hier geboren werden könne und fragte mich, was ich denke. Ich habe gesagt, dass ich es schaffen könne, wenn ich wüsste, dass das Kind in einer halben Stunde da sei.

Die 2. Hebamme sagte daraufhin „Okey, dann sagen wir jetzt, dass das Baby in einer halben Stunde da ist. “ Und tatsächlich wurde unsere Tochter 11 Minuten später in einer Welle geboren. Die Plazenta kam nur 9 Minuten später. Wir waren so überglücklich. Unser großer Sohn wurde 40 Minuten nach der Geburt von unseren Freunden zu uns nach Hause gebracht und durfte die Nabelschnur durchschneiden. Abschließend hat er sich noch ganz interessiert mit den Hebammen die Plazenta angeguckt.

Das Gefühl, dass wir uns alle 4 danach in unser Bett kuscheln konnten, war einfach unbeschreiblich. Und das Verrückteste war wirklich: Die Geburt war fast 1:1 so, wie ich sie in meiner Visualisierung der Traumgeburt vorgestellt habe (Beginn an einem Wochentag, nachts, Geburt tagsüber, während unser Sohn in der Schule ist und abends liegen wir alle zusammen in unserem Bett).

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Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
Hebamme
Nina