Erfahrungsbericht
von Josephine
Liebe Kristin,
ich möchte dir sehr für deine Arbeit danken und dir von der Geburt meiner Tochter berichten, die so ganz anders verlief als ich sie mir vorgestellt habe und trotzdem irgendwie schön war.
Mit der friedlichen Geburt habe ich um die 20. SSW begonnen. An 39+1 hatte ich morgens einen Kontrolltermin beim Frauenarzt. Dieser tastete nach dem Muttermund und stellte fest, dass er schon 1-2 cm geöffnet war. Das überraschte mich, denn bis auf ein paar leichte Senkwehen hatte ich noch nichts bemerkt.
Als ich vom Untersuchungsstuhl aufstand, bemerkte ich, dass Blut meine Beine hinunter floss. Man versicherte mir, dass das ganz normal sei, da der Bereich des Muttermunds aktuell so stark durchblutet wäre und es bei der Untersuchung zu kleinen Verletzungen kommen könne, die dann eben bluten. Ich zog mich also wieder an und machte mich auf den Weg zum Auto.
Plötzlich bemerkte ich, wie sich ein etwas größerer „Schwall“ in meine Hose ergoss. Wieso ich nicht direkt umgedreht und zurück zum Arzt gelaufen bin, kann ich rückblickend nicht mehr sagen. Stattdessen fuhr ich nach Hause und stellte dort fest, dass vermutlich der Schleimpfropf mit einer kleinen Menge Blut und Flüssigkeit abgegangen war. Es lief aber nichts mehr nach, deshalb ging ich nicht von einem Blasensprung aus.
Trotzdem rief ich vorsichtshalber meine Hebamme an, die mich bat, aufgrund der Blutung und dem Flüssigkeitsabgang zur Sicherheit in die Klinik zu fahren. Mein Mann war noch arbeiten, also fuhr meine Mama mich in das nur 5 Minuten entfernte Krankenhaus. Ich nahm nichts mit, weil ich damit rechnete, nach 2-3 Stunden wieder Zuhause zu sein.
Im Krankenhaus kam dann schnell die Ernüchterung: Erst hieß es, man wolle mich wegen der Blutung über Nacht da behalten, anschließend sollte ich plötzlich bis zum Geburtsbeginn bleiben weil meine Tochter so klein und leicht geschätzt wurde (das war schon die ganze Schwangerschaft über der Fall). Da musste ich erstmal eine Runde weinen, denn so hatte ich mir das überhaupt nicht vorgestellt. Ich wollte eine Eröffnungsphase Zuhause bei Kerzenlicht und nicht im Krankenhaus…
Inzwischen war auch mein Mann mit meinen Sachen eingetroffen und ich bezog mein Zimmer. Und wie ich da so angelehnt an das Kopfteil im Bett saß, merkte ich, wie erneut Flüssigkeit abging. Irritiert machten wir uns auf den Weg zum Kreißsaal und ich bat die Hebamme, zu testen, ob es sich dabei um Fruchtwasser handelte oder ob ich grade im Begriff war, die Kontrolle über meine Blase zu verlieren.
Sie bat mich, mich auf eine Liege zu legen und einmal zu „pressen“ - wieder ein Schwall. Sie lachte und erklärte mir, dass wir den Fruchtwassertest eigentlich nicht mehr bräuchten, sie sei sich ziemlich sicher dass ich einen Blasensprung hatte, vermutlich sogar schon am Vormittag.
Wahrscheinlich lag der Kopf meiner Tochter aber so tief im Becken, dass er die Fruchtblase „abgedichtet“ hatte und nur im Liegen, wenn sie etwas hoch rutschte, lief Fruchtwasser heraus. Sie sagte noch etwas wie „dann hoffen wir mal, dass sie bald Wehen bekommen, sonst müssen wir einleiten“. Da weinte ich zum zweiten Mal.
Es war inzwischen schon recht spät und mein Mann fuhr nach Hause um noch die eine oder andere Sachen zu erledigen und sich um unseren Hund zu kümmern. Endlich kam ich dazu, meine Kopfhörer aufzusetzen. Ich begann, die Meditation „Geburtsbeginn mental fördern“ zu hören. Gegen 21 Uhr traf ich mich mit meinem Mann vor dem Krankenhaus, er brachte unsere Hündin mit und wir gingen im an das Krankenhaus angrenzenden Park spazieren. Hier bemerkte ich zum ersten Mal einen leichten Druck nach unten, der in unregelmäßigen Abständen immer wieder kam. Als schmerzhaft empfand ich ihn jedoch nicht.
Gegen 22:30 sollte ich mich im Kreißsaal zum CTG melden, mein Mann fuhr noch einmal nach Hause um etwas zu schlafen. Das CTG zeichnete leichte, unregelmäßige Wellen auf, mein Muttermund war jedoch immernoch bei 1-2 cm. Ich versuchte mich etwas hinzulegen, weiterhin die Hypnose „Geburtsbeginn mental fördern“ auf den Ohren.
Nach einiger Zeit bemerkte ich, dass die Wellen stärker wurden und ich es nicht schaffte, darüber einzuschlafen. Die Hebamme hatte mir gesagt, ich solle mir etwas gegen die Schmerzen geben lassen wenn ich nicht schlafen könne, damit ich mir nicht „mit Muttermund unwirksamen Wehen die Nacht um die Ohren schlage“.
Ich wanderte also wieder rüber in den Kreißsaal, es wurde wieder ein CTG geschrieben und ich bekam ein Zäpfchen (vermutlich Buscopan?). Inzwischen war es etwa 0 Uhr. Zurück auf dem Zimmer empfand ich, trotz Zäpfchen, die Wellen im Liegen als zu unangenehm. Inzwischen hatte ich auf die Meditation für die Eröffnungsphase gewechselt und tigerte im Zimmer auf und ab. Die Wellen waren zwar unangenehm, aber noch gut auszuhalten und relativ unregelmäßig. Da mein Mann ja wieder nach Hause gefahren war, musste ich sie selber tracken.
Gegen 1:30 kamen die Wehen mal nach 3 Minuten, mal nach nur einer und waren mal etwa eine Minute lang, dann wieder nur 30 Sekunden. Ich war verwirrt und frustriert, denn im Vorfeld hatte man mir gesagt, die richtigen Eröffnungswehen wären total regelmäßig und ca 1 Minute lang.
Trotzdem klingelte ich nach einer Schwester und zeigte ihr meine getrackten Wehen, denn die Abstände kamen mir recht kurz vor. Sie schickte mich wieder in den Kreißsaal. Inzwischen waren die Wehen so stark, dass ich sie veratmen musste, aber nach wie vor gut auszuhalten. Ich versuchte mich an der Atmung die ich im Kurs gelernt hatte und kam damit gut zurecht. Die Hebamme schrieb wieder ein CTG, wir unterhielten uns ein bisschen in den Wehenpausen.
Obwohl ich die friedliche Geburt noch auf einem Ohr hörte, hatte ich nicht das Gefühl in Trance zu sein. Trotzdem fand ich bei jeder Wehe schnell in die benötigte Konzentration die ich zum Atmen brauchte, so wie ich es Zuhause häufig geübt hatte. Die Hebamme frage mich, ob eine PDA für mich in Frage käme. Ich erwiderte, dass das für mich definitiv eine Option sei, wenn die Schmerzen zu stark würden.
Im Anschluss an das CTG tastete sie nach dem Muttermund und sagte überrascht „ich glaube ne PDA machen wir nicht mehr, du bist schon bei 8 cm!“ ich schaute sie erstaunt an und fragte, ob sie mich veralberte. Als sie das lachend verneinte erwiderte ich bloß „dann ruf ich mal besser meinen Mann an“.
Das tat ich dann, anschließend lief ich wieder rüber auf Station um meine Kreißsaaltasche zu holen (warum auch immer, nichts davon hatte ich bisher gebraucht). Die Schwester streckte den Kopf aus dem Schwesternzimmer und fragte, wie weit der Muttermund denn sei. Als ich erwiderte, dass ich schon bei 8 cm war, sah sie mich entgeistert an und fragte „und da kannst du hier noch so rumlaufen?“
Konnte ich anscheinend. Wenn eine Wehe kam, blieb ich stehen um sie zu veratmen und setzte dann meinen Weg fort. Trotzdem bestand die Schwester nun darauf, mich zu begleiten.
Zurück im Kreißsaal schlug die Hebamme mir vor, mich unter die warme Dusche zu stellen. Das tat ich, ab da legte ich jedoch meine Kopfhörer weg. Ein paar Minuten genoss ich das warme Wasser, bemerkte dann aber wie die Wellen noch einmal deutlich an Fahrt aufnahmen und der Kopf Richtung Steißbein drückte.
Als ich aus der Dusche zurück in den Kreißsaal trat, übermannte mich bereits die erste Presswehe mit überraschender Heftigkeit. Es war, als würde mein Körper den Schmerz der mir während der Eröffnungsphase erspart geblieben war jetzt nachholen. Die Hebamme sagte, wenn ich einen Pressdrang spürte, solle ich ruhig mitschieben. Da bekam ich auf einmal Panik, denn mein Mann war ja noch nicht da.
Mich noch einmal in Trance zu begeben kam mir zu dem Zeitpunkt garnicht mehr in den Sinn. Ich begab mich zum Kreißbett und versuchte es zunächst im Vierfüßerstand, hatte aber das Gefühl so nicht genug Druck aufbauen zu können. Die Hebamme riet mir mit den Worten „Ich weiß es ist inzwischen verpönt, aber versuch es bitte einmal“, mich auf den Rücken zu legen. Das tat ich und endlich traf auch mein Mann ein. Die Wehen waren heftig, trotzdem fehlte mir irgendwie dieser „Pressdrang“ von dem ich vorher gehört hatte. Ich versuchte trotzdem, bei jeder Wehe (inzwischen konnte ich es nicht mehr als Welle bezeichnen, sorry :)) mit zu schieben.
Irgendwann hörte ich über das CTG, wie die Herztöne meiner Tochter langsamer wurden. Im Nachhinein und auch jetzt wo ich es aufschreibe, treibt mir der Gedanke die Tränen in die Augen. Die Hebamme sagte: „Jetzt wird’s ihr zu eng, ich würde gerne einen Schnitt machen und der Doktor drückt von oben mit.“ Mir war alles recht, sie sollten mein Kind einfach schnell holen.
In der nächsten Wehe machte die Hebamme einen Dammschnitt und der Arzt begann, mit dem Unterarm von oben mit zu schieben. Beides empfand ich nicht als schmerzhafter als die Wehe, deshalb bemerkte ich es kaum.
Es brauchte noch zwei weitere Wehen und meine Tochter wurde um 03:28 Uhr in einem Rutsch geboren und mir auf die Brust gelegt. Sie weinte nicht sofort, sondern sah mich mit großen Augen erschrocken an, so als sei sie selbst überrascht von ihrer doch sehr zügigen Geburt.
Nach dem ersten Schreck tat sie dann allerdings lautstark kund, was sie von dieser hellen und kalten Welt hielt, in die wir sie da geholt hatten. Ich war einfach nur erleichtert, dass es vorbei war und sie gesund und munter auf meiner Brust lag. Wir durften zunächst eine ganze Weile kuscheln, dann fragte die Hebamme, ob sie schon mal die U1 machen könne, während der Arzt den Dammschnitt nähte.
Nachdem all das dann erledigt war, wechselten wir in unser Familienzimmer auf der Wochenbettstation. Im Nachhinein würde ich sagen, dass die Geburt bis auf die letzte Phase wirklich sehr schön war. Ich bin zwar etwas traurig, dass mein Mann quasi gar nicht dabei war, andererseits bin ich aber auch irgendwie stolz, dass meine Tochter und ich das komplett alleine geschafft haben.
Die Austreibungsphase ist sicherlich nicht optimal gelaufen und ich hatte und habe noch ziemlich daran zu knabbern. Im Nachhinein wünschte ich mir, ich wäre die ganze Zeit mehr in Trance geblieben. Für die nächste Geburt würde ich mich definitiv wieder mit der friedlichen Geburt vorbereiten, denn ich glaube ohne die Vorbereitung und die Atmung wäre der erste Teil bei weitem nicht so entspannt gewesen.

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