Erfahrungsbericht
von Josi G.

Positive Saugglockengeburt

Liebe Kristin, liebes Team der friedlichen Geburt,

ich bin euch von Herzen dankbar für den Kurs, den ihr auf die Beine gestellt habt und mit uns teilt! Ich habe es geliebt, mir während meiner Schwangerschaft positive Geburtsberichte anzuhören und wollte meinen deswegen auch gern teilen.

Bei meiner ersten Schwangerschaft vor fünf Jahren habe ich mir einige Podcastfolgen von der friedlichen Geburt angehört, mich aber nur mit einem „normalen“ Geburtsvorbereitungskurs vorbereitet.

Meine Geburt startete völlig unerwartet bei 37+0 mit einem Blasensprung und einige Zeit später Einleitung. Ich habe mich schnell von den Wehen überrumpelt und hilflos gefühlt, konnte mich an nichts aus dem Geburtsvorbereitungskurs erinnern und war ausgeliefert. Dabei war ich letzendlich nur bei einer Muttermundsöffnung von 3cm als das CTG Alarm Schlug (was vorher schon nicht ideal gewesen war) und meine Tochter per Kaiserschnitt zur Welt kam.

Eine zu kurze Nabelschnur, die zusätzlich um ihren Hals geschlungen war, hatten eine natürliche Geburt unmöglich gemacht. Ich schwor mir, sollte ich jemals nochmal schwanger werden, würde ich mir den Kurs der friedlichen Geburt gönnen!

Und so kaufte ich mir den Kurs schon relativ zügig in meiner zweiten Schwangerschaft, stürzte mich voller Vorfreude in die Theorie und freute mich auf die ersten Hypnosen. Ich machte die Hypnosen oft abends oder auch mal nachts, wenn ich länger wach war oder am Morgen, wenn ich vor unserer Tochter aufwachte. Ich freute mich jedes Mal auf meinen sicheren Ort in den Bergen Patagoniens und bereitete mich einfach streberhaft auf die Geburt vor - ich hörte Podcasts und machte Meditationen, ernährte mich nach Louwen und hielt mich fit.

Bei der Hebamme, die während der ersten Geburt während des Kaiserschnittes neben mir saß, war ich zum Geburtstvorbereitungskurs und zur Anmeldung im Geburtskrankenhaus und sie wusste, was ich mir für die Geburt wünschte und dass ich mich mit der friedlichen Geburt vorbereitete.

Im Gegensatz zum letzten Mal fühlte ich mich dieses Mal bereit - ich hatte mich mit einer Meditation von meiner Schwangerschaft verabschiedet, hatte die Hypnose zum Geburtstbeginn mental fördern ein paar Mal gemacht und konnte beobachten, wie mein Körper sich langsam vorbereitete.

An einem Freitagabend (zwei Tage nach ET) spürte ich erste Wellen und war froh, als ich nach der Einschlafbegleitung meiner Tochter dann aufstehen konnte und nicht mehr liegen musste. Ich ging duschen und sagte meiner Schwester Bescheid, die vorbeikam um für unsere Tochter da zu sein.

Eigentlich wollte ich noch die Briefe meiner Freunde lesen, die sie mir während meines Blessingway geschrieben hatten, aber wollte dann nur noch meine Hypnose auf die Ohren und meine Ruhe haben. Alles war entspannt. Gegen Mitternacht entschieden wir, uns zur Klinik zu fahren, hauptsächlich aber, weil ich wollte, dass auch meine Schwester sich einfach hinlegen konnte und meine Tochter nicht nochmal wach wird. Die Wellen waren noch sehr entspannt.

Wir waren in 15 Minuten im Krankenhaus, in dem meine vertraute Hebamme ihren letzten Nachtdienst vor ihrem Urlaub hatte! Auch mit ihr unterhielt ich mich noch tiefenentspannt und hatte schon Angst, wir wären viel zu früh im Krankenhaus. Wir waren in dieser Nacht die einzigen im Kreißsaal und sobald wir im Aufnahmezimmer waren und ich am CTG, hatte ich wieder meine Hypnose auf den Ohren und verarbeitete meine Wellen im Stehen - die dann tatsächlich direkt schon im Abstand von 1-2 Minuten kamen.

Ich durfte ohne Muttermundsuntersuchung (den Stand ließ ich mir eh nicht sagen) in die Gebärwanne und wellte dort weiter - es war einfach schön! Ich fühlte mich so wohl, die tiefe Bauchatmung tat mir so gut!

Irgendwann wurde ich untersucht und sollte aus der Wanne kommen für einen Positionswechsel, weil das Köpfchen schon sehr nach unten drückte, der Muttermund aber wohl noch nicht sehr weich war, was die Wellen schon sehr intensiv werden ließ. Ich arbeitete also im Hirtenstand und mit meiner Meditation weiter, Geburtskamm in der Hand, meinen Partner an der Seite.

Als ich ins Liegen auf die Seite wechseln sollte, fragte ich nach Lachgas, da Wellen im Liegen für mich am unangenehmsten sind. Ich war in meinem Tunnel und vergaß Raum und Zeit.

Irgendwann merkte ich, wie die Wellen sich veränderten, es fühlte sich viel kraftvoller, viel intensiver und gleichzeitig so gut und richtig an, weil ich merkte, wie es in meinem Körper arbeitete und ich dachte mir: „Ja! Ich kann das auf jeden Fall schaffen!“

Auch die Hebamme kam rein mit den Worten: „Oh, das hört sich aber direkt anders an!“ Ich tönte auf einmal viel lauter. Unsere Hebamme verabschiedete sich früh um sechs bei meinem Partner mit den Worten: „Gleich habt ihr es geschafft!“

Aus dem Geburtsbericht weiß ich, dass ich halb sieben bei 10cm Muttermundsöffnung war. Unsere neue Hebamme fragte, ob ich nochmal in die Wanne wolle - ja! Und als sie voll war, meinte sie zu mir: „Wenn dein Baby in der Wanne kommen soll, dann musst du JETZT in die Wanne“ und ich wusste - gleich ist es so weit.

Und so arbeitete ich in der Wanne weiter, es war jetzt so intensiv, so kraftvoll, ich hielt jetzt die Hand meines Partners, statt des Kammes und tönte laut. Ich fühlte mich nicht so hilflos, so ausgeliefert wie beim ersten Mal, eher voller Staunen, welche Kraft mein Körper aufbringt. Aber es passierte nicht mit mir, sondern ich war Teil davon. Es war schmerzhaft, aber nicht so, dass ich davon weg wollte. Ich konnte damit arbeiten. Und immer, wenn eine Welle vorbei war, dachte ich mir: „Wow. Und ich habe es wieder geschafft!“

Leider wurden die Abstände der Wellen in der Wanne größer und das Baby rutschte nicht wie gewünscht ins Becken. Ich hörte mehrmals: „Gleich ist euer Baby da!“, aber sie kam einfach nicht. Inzwischen war ich ziemlich geschafft und fragte dann nach einer PDA - dafür war es zu spät, wurde mir gesagt. Und immer wieder sagte mir die Hebamme, wie erstaunt sie sei, WIE viel Kraft ich eigentlich noch in mir hatte.

Ich musste wieder aus der Wanne raus, vertönte weiter, bekam einen Wehentropf, um die Geburt voranzubringen und letztendlich wurde entschieden, sie mit einer Saugglocke zu holen. Sie hatte schon Mekonium ins Fruchtwasser abgesetzt und auch das CTG war nicht mehr so einwandfrei wie bisher. Mein Partner vergewisserte sich, dass das für mich okay war (ich wusste dank eures Podcasts GENAU, was passiert) und dann ging es auch schnell.

Es war schmerzhaft, es war intensiv und mit zwei Wellen, in denen ihr mit der Saugglocke geholfen wurde, war sie da und lag auf mir. Ich habe den Dammschnitt vorher nicht gespürt und habe auch die Saugglocke nicht mal ansatzweise als gewaltvoll oder schlimm empfunden. Sie hat mir einfach geholfen, meine Tochter nach drei Stunden Austreibungsphase gesund zu mir zu bringen. Ihr Apgar Score war direkt perfekt und wir durften ewig lange zusammen nackt im Kreißsaal liegen und ankommen. Es war so heilsam.

Die Geburt war rückblickend das intensivste, kraftvollste, animalischste, herausfordernste und gleichzeitig wunderschönste, was ich je gemacht habe. Es war schmerzhaft, aber der Schmerz war nicht überwältigend. Ich habe zwischendurch gesagt, dass ich nicht mehr kann, aber mein Körper hat mir mit jeder Welle gezeigt, dass er eben doch noch kann. Ich hatte zu keiner Sekunde Angst oder hab mich hilflos gefühlt.

Zu spüren, dass ich aus meiner Kraft heraus mein Kind zur Welt bringen kann, ist das beste Gefühl und ich würde es sofort wieder machen. Und das habe ich dem Kurs zu verdanken, da bin ich mir sicher. Ich habe nicht die ganze Zeit die Hypnose gehört, aber ich bin mir sicher, dass mir die mentale Vorbereitung vorher, während der Geburt und auch hinterher so sehr geholfen hat.

Ich bin mir sehr sicher, dass wir nicht noch ein drittes Kind bekommen werden und tatsächlich bin ich traurig, dass ich nicht nochmal das Gefühl der Geburt erleben kann. Und gleichzeitig so so dankbar, dass ich diese unglaublich positive Geburtserfahrung machen durfte. Danke, von Herzen.

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Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
Hebamme
Nina