Erfahrungsbericht
von Julia
Meine wunderschöne, bestärkende und superschnelle erste Geburt folgte auf eine schwierige Schwangerschaft, in der ich immer wieder mit depressiven Episoden (bedingt durch die Hormonumstellung und Eisenmangel) zu kämpfen hatte. Die Friedliche Geburt hat mir in den herausfordernden Phasen sehr geholfen, mich immer wieder mit meinem Kind zu verbinden, und mir in dieser Zeit viel Kraft gegeben.
Die Geburt begann ganz überraschend um 18:25 Uhr mit einem filmreifen Blasensprung – mitten an einem Restauranttisch in einer fremden Stadt, in SSW 37+2. Bis zu diesem Moment hatte ich keinerlei Anzeichen einer bevorstehenden Geburt bemerkt. Mein Mann und ich hatten eigentlich geplant, das Wochenende in einem Spa zu verbringen – zwei Stunden von unserer Heimatstadt Zürich entfernt.
Direkt nach dem Blasensprung spürte ich die erste Welle und musste sofort auf die Toilette, da sich mein Körper entleeren wollte. Mein Mann ließ das Essen einpacken, wir gingen schnell zurück ins Hotel, checkten aus und machten uns auf den Weg zum Bahnhof.
Als wir um 18:50 Uhr in den Zug stiegen, kamen die Wellen bereits alle fünf Minuten. Ich musste immer wieder stehen bleiben, um sie zu veratmen. Ab diesem Moment hatte ich die Friedliche Geburt auf den Ohren und fühlte mich ganz sicher – in der winzigen Zugtoilette, in die ich mich zurückgezogen hatte. Obwohl ich mich übergeben musste und Durchfall hatte, ging es mir gut.
Nach etwa einer halben Stunde kamen die Wellen in immer kürzeren Abständen von 2–3 Minuten, mit kaum noch Pausen dazwischen. Mein Mann rief im Geburtshaus an, um mitzuteilen, dass die Geburt begonnen hatte und wir dachten, direkt dorthin zu fahren. Die Hebamme meinte zunächst, es sei noch zu früh – doch als sie mich am Telefon hörte, stimmte sie schließlich zu, dass wir direkt vom Zug ins Geburtshaus kommen sollten.
Als wir um 19:50 Uhr den Zug verließen, waren die Wellen schon so stark, dass ich sie laut vertönen musste. Der ganze Bahnhof hörte mich, aber da ich einen dicken Wintermantel trug, war niemandem klar, dass ich gerade ein Kind gebäre. Wir fragten ein paar Sicherheitsbeamte, ob sie uns ein Taxi rufen könnten – sie sagten jedoch, sie dürften nur einen Krankenwagen rufen.
Da wir zu dem Zeitpunkt noch relativ entspannt waren und dachten, wir schaffen es mit dem Taxi zum Geburtshaus, organisierten wir selbst eines. Der Fahrer wollte uns zunächst nicht mitnehmen – aus Sorge um seine Polster – aber mein Mann konnte ihn schließlich überzeugen.
Bis zu diesem Punkt hatte ich keinerlei negative Gedanken, obwohl die Wellen schon sehr intensiv waren, wir ständig unterwegs waren und viel organisieren mussten. Kristins Stimme und die beruhigende Musik auf meinen Ohren halfen mir, ruhig zu bleiben, und ich hielt die Augen, wann immer möglich, geschlossen.
Dann begann eine etwas stressigere Phase: Der Taxifahrer sagte, wir stünden im Stau. In diesem Moment kam ich schlagartig aus meiner Trance heraus und verlangte sofort einen Krankenwagen. Ich wollte nicht länger im Taxi bleiben, da der Fahrer extrem angespannt und unangenehm war. Mein Mann musste ihn ständig beruhigen, anstatt sich um mich kümmern zu können. Der Fahrer fuhr in eine Seitenstraße, lud unsere Sachen aus, und mein Mann rief den Notfalldienst.
Der Fahrer war überzeugt, das Kind komme gleich hier zur Welt, und fing an, meine Kleidung aus der Tasche zu ziehen und auf den vom Regen nassen Gehweg zu legen um mir ein "Bett" zu machen. Obwohl es nett gemeint war, hat es mich sehr geärgert – ich habe ihn mit etwas schärferen Worten weggeschickt. Es folgten 2–3 Wellen, in denen ich mich nicht mehr sicher fühlte. Es kam mir ewig vor, bis der Krankenwagen endlich eintraf, und wir standen allein im Regen und in der Kälte.
Als die Sanitäter:innen eintrafen, sagte ich, dass ich ins Krankenhaus möchte – nicht ins Geburtshaus. Ich konnte mir nicht vorstellen, noch ewig so weiter zu gebären. Ich hatte nicht realisiert, dass ich bereits in der Übergangsphase war – immerhin waren seit der ersten Welle erst 1,5 Stunden vergangen.
Obwohl die Sanitäterin meinte, sie denke, das Kind komme sehr bald, konnte sie mich nicht umstimmen. Ich war überzeugt, Schmerzmittel zu brauchen, falls es noch lange dauern sollte. Sie prüfte dann kurz, ob der Kopf bereits zu sehen war – als das nicht der Fall war, fuhren wir los. Ich fand sehr schnell zurück in die Trance und fühlte mich von da an wieder sicher und gut aufgehoben.
Im Krankenhaus angekommen, bat ich sofort um eine Geburtswanne – und erhielt sie innerhalb von zehn Minuten. Ich war fasziniert, wie schnell sie gefüllt war. Das warme Wasser tat mir extrem gut, und die letzten Wellen im Wasser fühlten sich wunderbar an.
Um 21:15 Uhr kam unser Sohn zur Welt. Leider konnte ich die Plazenta 1,5 Stunden lang nicht gebären. Ich versuchte es noch mit der Hypnose zur Plazentalösung – der Kommentar der Hebammen dazu war: "Was es heute nicht alles gibt." :) Aber weder die Hypnose noch Stillen, Bonding oder Akupunktur halfen, und so wurde ich noch im Kreißsaal operiert.
Weder ich noch mein Partner hatten Angst – wir blieben beide ruhig und entspannt. Unser Sohn war die ganze Zeit über bei meinem Mann auf der Brust, und als ich nach zwei Stunden aufwachte, kam er wieder zu mir – und blieb dann 24 Stunden nackt auf meiner Brust liegen.
Ich habe mich extrem schnell von der Geburt erholt, obwohl ich angeblich 1,8 Liter Blut verloren hatte. Ich bin mir sicher, dass die Friedliche Geburt einen großen Anteil daran hatte, dass wir das Geburtserlebnis – trotz aller unerwarteten Wendungen – als durchwegs positiv und unglaublich bestärkend empfunden haben.

)
)
)