Erfahrungsbericht
von Julia
Mein Geburtsbericht
Um von meiner Geburt erzählen zu können, muss ich eigentlich schon weit vorher ansetzen. In dem Moment, wo ich schwanger wurde, war eine riesige Freude da, aber gleichzeitig auch eine große Angst, mich mit dem medizinischen System auseinandersetzen zu müssen.
Und das hat folgenden Hintergrund: als ich zehn Jahre alt war, wurde ich mit dem Non-Hodge Lymphom diagnostiziert, was einen riesengroßen Schock für mich und meine Familie darstellte. Ich wurde operiert und bekam Chemotherapie und verbrachte die meiste Zeit im Krankenhaus.
Viele Erinnerungen an die Zeit sind tatsächlich neutral oder positiv, aber es gab auch einige Momente, die sehr schwierig, sehr herausfordernd für mich waren. Dazu zählten insbesondere Rückenmark- und Lumbalpunktionen, die gemacht wurden, um festzustellen, dass sich keine neuen Krebszellen gebildet hatten. Nach etwa einem Jahr on und off Krankenhausaufenthalt sah alles gut aus, und mein Leben konnte fast wie gewohnt weitergehen.
Nun zurück zu meiner Schwangerschaft. Anfangs wurde ich noch in Deutschland von meinem Frauenarzt betreut. Im dritten Schwangerschaftsmonat sind mein Mann und ich nach Kanada ausgewandert und haben dort eine Hebammenpraxis gefunden. Der Vorteil in Kanada ist, dass Hebammen einen sowohl bei einer Geburt im Krankenhaus sowie im Geburtshaus als auch zu Hause begleiten können.
Und doch, die Vorsorge mit Ultraschalluntersuchungen erinnerte mich wieder an meine Zeit als Kind im Krankenhaus und bei dem Gedanken, im Krankenhaus zu entbinden, hatte ich große Angst. Noch größere Angst machte mir der Gedanke an eine PDA, da ich die Punktion meiner Kindheit als sehr traumatisch erlebt habe. Ich wünschte mir eine interventionsfreie Hausgeburt und hatte große Schwierigkeiten, mich mit einem Plan B anzufreunden.
Im vierten Schwangerschaftsmonat erzählte mir eine Freundin von der friedlichen Geburt, und ich begann zuerst, den Podcast zu hören, der mir sehr gut gefiel. Je mehr ich über die Technik hörte, desto mehr konnte ich mir dies als einen Weg vorstellen, mit meinen negativen Gefühlen bezüglich Krankenhaus umzugehen.
Etwa einen Monat später buchte ich den Kurs und begann, täglich die Hypnose zu hören. Das riesige Angebot zu unterschiedlichen Themen war sehr hilfreich für mich. Ich lernte dadurch, dass es weniger darauf ankommt, an welchem äußeren Ort ich tatsächlich gebären werde, sondern wie gut mein innerer sicherer Ort aufgestellt ist. Es fiel mir leicht, in Hypnose zu gehen, und nach einigen Wochen hatte auch mein Partner Lust, die Hypnosen kennen zu lernen.
Von da an hatten wir jeden Tag unsere kleine Hypnose-Auszeit zusammen. Von meiner anfangs total ablehnenden Haltung medizinischem Personal gegenüber wuchs mehr und mehr Vertrauen zu meinen Hebammen. Ich traute mich, mir das zuständige Krankenhaus und dessen Geburtsstation anzugucken und führte ein Gespräch mit einer Anästhesistin über PDAs und meine Ängste.
Auch engagierte ich eine Doula, die mich bei der Geburt begleiten würde. Und endlich fühlte ich mich vorbereitet. Ich fühlte mich okay damit, welchen Weg meine Geburt auch einschlagen möge. Ich machte die Hypnose zur „Traumgeburt visualisieren“, und ich kann schon mal sagen, dass meine Geburt fast ganz genauso ablief.
Am Sonntagabend hatte ich die ersten leichten Wellen. Am nächsten Morgen waren sie wieder weg. Am Montagabend hatte ich die nächsten leichten Wellen, die auch in wiederkehrenden Abständen kamen. Ich versuchte, mich die Nacht über auszuruhen, aber ich war so aufgeregt, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Die halbe Nacht hörte ich die Hypnose zur Geburt.
Am Morgen empfahl meine Doula, ein Bad zu nehmen und mich, wenn möglich noch mal hinzulegen. Mein Mann begann, alles für die Hausgeburt fertig zu machen. Im Wasser wurden die Wellen weniger, und ich konnte noch etwas schlafen. Als ich aufwachte, waren die Wellen deutlich intensiver. Aber ich war in meiner Trance und konnte gut damit umgehen. Das tiefe Einatmen in den Bauch half mir sehr.
Dann ging ich ein zweites Mal in die Badewanne, und die Wellen wurden stärker und kamen sogar in kürzeren Abständen. Mein Mann beobachtete die Abstände der Wellen und gut eine Stunde verbrachte ich so im Wasser mit starken, aber gut auszuhaltenden Empfindungen. Dann riefen wir die Doula und die Hebamme an, die sich auf den Weg machten.
Als die Hebamme kam und mich sehr ruhig und nur leicht tönend in der Badewanne sah, sagte sie mir, dass sie vermutlich wieder wegfahren würde. Sie schaute, wie weit der Muttermund geöffnet war, und ich bat sie darum, es mir nicht zu sagen. Sie sagte mir nur, dass sie bleiben würde. Später erfuhr ich, dass ich zu dem Zeitpunkt schon bei 8 cm war.
Irgendwann wechselten wir vom Badezimmer ins Schlafzimmer und ich war im Vierfüßlerstand auf dem Bett mit sehr intensiven Empfindungen, lauten Tönen und begann, zu pressen. Kurz darauf platzte die Fruchtblase, und bald konnte ich schon das kleine Köpfchen spüren. Ich erlebte eine immense Dehnung, die ich schon als schmerzhaft beschreiben würde.
Aber ich wusste, dass mein Baby bald da ist. Ich fühlte das Köpfchen rauskommen, und mit der nächsten Welle kam auch der Körper. Mein Mann fing sie auf, und da war sie, unsere Tochter. Ihr ging es gut, ich legte sie an, und sie trank gleich. Wir hatten ein wunderschönes Ankommen zu dritt. Die Hebamme hatte recht wenig bei der Geburt zu tun, aber es fühlte sich so gut an, sie dabei zu haben. Ich bin so dankbar, dass ich diese Geburt erleben durfte.

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