Erfahrungsbericht
von L.

Liebe Kristin,

Mein Baby ist inzwischen schon ein halbes Jahr alt. An seinem "halben Geburtstag" musste ich ganz viel an die Geburt denken und habe mich daher entschieden, nun doch auch noch meinen Geburtsbericht dazulassen.

Vorne weg will ich direkt mal eine Lanze für Level 1 Kliniken brechen. Da mein Baby während der Vorsorge-Untersuchungen sehr sehr schmal geschätzt wurde, habe ich mich in einem Krankenhaus mit Kinderklinik einfach wohler gefühlt. Dort durfte ich mich aber für den Hebammengeleiteten Kreißsaal entscheiden. Ich habe also während der gesamten Geburt keine Ärztin oder Arzt gesehen und durfte ganz mein Ding machen!

Wir hatten am Abend vor dem ET noch einen Säuglingspflegekurs. Ich habe in der Woche vorher immer wieder innerlich meinem Baby gesagt, "den Kurs möchte ich gerne noch machen, danach darfst du gerne kommen". Der Kurs endete um 18 Uhr, zwischen 21 und 22 Uhr gingen dann tatsächlich die Wellen los. Das habe ich zuerst gar nicht verstanden und dachte, es handelt sich einfach um starke Übungswellen. Ich habe meinem Mann dann gesagt, dass er schon mal ins Bett gehen kann, dass ich so aber nicht schlafen kann. Ich wollte noch eine Hypnose machen und dann auch ins Bett gehen. Während der Hypnose merkte ich dann, dass die Wellen in einem Rhythmus kamen. Ich habe dann meinem Mann Bescheid gegeben, habe noch einmal geduscht und mir dann ein TENS-Gerät angelegt. Das hatte auch einen integrierten Wehentimer, was ich recht praktisch fand.

Im Vorgespräch wurde mir gesagt, dass wir kommen können, wenn die Wellen für eine Stunde ca. alle fünf Minuten kommen. Bei mir ging es jedoch zu Beginn sehr schnell. Kaum kamen ein paar Wellen nach je 5 min dauerte es nicht lange, da war der Abstand schon nur noch bei 3 und dann 2 Minuten. Also haben wir uns auf den Weg ins Krankenhaus gemacht, wo wir um ca. 02.00 Uhr ankamen.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Wellen noch kein bisschen schmerzhaft. Ich hatte Glück und im Krankenhaus war nichts los, sodass ich direkt in den Kreißsaal durfte. Da ich mir eine Wassergeburt gewünscht hatte, durfte ich direkt in den einzigen Saal mit Gebärwanne.

Die erste Untersuchung war dann etwas ernüchternd: der Muttermund war gerade mal bei 2 cm. Die Wellen haben wieder mehr Abstand gewonnen, aber wir durften trotzdem bleiben.

Dann habe ich einige Stunden damit verbracht, im Saal auf und ab zu gehen, deine Hypnose zu hören, das TENS-Gerät zu nutzen und bei Wellen immer in die Hocke zu gehen. Ich habe auch einen Igelball in meiner Handfläche gedrückt. Ich habe dann aber gemerkt, dass das mehr dazu führt, dass ich verkrampfe und habe ihn dann weggelegt.

Irgendwann überkam mich dann der Wunsch zu erbrechen und ich musste dankbar an deinen Rat denken, sich auch dem einfach hinzugeben, was sehr gut geklappt hat. Ich habe überhaupt nicht wahrgenommen, wie die Stunden vergehen, ich habe es lediglich daran gemerkt, dass die Hypnose immer wieder von vorne anfing. Irgendwann konnte ich dann weder das TENS-Gerät noch die Audioaufnahme ertragen und habe alles abgelegt.

Schließlich wurde ich nach dem Schichtwechsel der Hebammen ein zweites Mal untersucht, und damit kam die nächste Ernüchterung: der Muttermund war gerade einmal bei 3 cm. Das hat mich wirklich erschüttert und schlagartig wurden die Wellen auch schmerzhafter. Das war dann der erste Moment, an dem ich dachte "ich kann nicht mehr. Ich halte das nicht aus". Die Hebamme hat mich dann beraten bzgl. Medikation, ich habe dann aber sehr schnell gemerkt "nein, PDA, Lachgas oder Opiate möchte ich nicht, ich kann es doch aushalten und meinem Körper vertrauen, dass er das schon schafft". Schließlich habe ich ein Zäpfchen mit Buscopan und Paracetamol erhalten. Dadurch konnte ich weiter im Hebammengeleiteten Kreißsaal bleiben und zwischen den Wellen sogar ein bisschen im Bett liegend dösen.

Bei der nächsten Untersuchung war ich dann bereits bei 7 cm Öffnung. Schließlich habe ich es aber weder im Liegen noch in Bewegung ausgehalten. Ich habe mich dann auf einen Stillsessel gesetzt und dort noch einmal einige Stunden verbracht. Dabei habe ich mich sehr ruhig und fokussiert gefühlt. Immer wenn ich auf Toilette gegangen bin, habe ich gemerkt, dass die Wellen dort deutlich intensiver waren, ich glaube, weil ich dort aus dem Zustand der Hypnose geraten bin.

Irgendwann hatte ich dann leider anhaltende Schmerzen auch zwischen den Wellen. Dadurch kam dann erneut der Punkt, an dem ich dachte "ich kann das nicht mehr" und genau zeitgleich kam aber auch der Gedanke "wie aufregend. Ich glaube, das ist die berühmte Krise. Das heißt bestimmt, dass es bald soweit ist!" Also bin ich nochmal auf Toilette, wo dann auch prompt der Pressdrang einsetzte, welchem ich mich dann auch vollends hingegeben habe, was die Hebamme auch ohne weitere Untersuchung befürwortet hat.

Dann durfte ich mit einem leisen CTG ausgestattet in die Gebärwanne und das war wirklich der Gamechanger! Schlagartig hatte ich weniger Schmerzen während der Wellen und dazwischen gar keine. Außerdem hat die Wanne einfach dazu beigetragen, mich irgendwie nochmal mehr bei mir ankommen zu lassen. Ich weiß nicht, wie lange ich in der Wanne war. Aber ich habe die Zeit darin als sehr intensiv, aber auch unfassbar kräftigend und irgendwie "natürlich" erlebt. Ich wollte nicht angefasst werden und habe einfach mein Ding gemacht.

Recht bald ist die Fruchtblase geplatzt (ein irres Gefühl!). Irgendwann sagte die Hebamme mir, dass man langsam schauen müsste, da die Herztöne sich nicht mehr so gut anhören würden. Das hat mir aber gar keine Angst gemacht. Ganz selbstverständlich und ohne Aufforderung habe ich selbst getastet und gesagt, dass ich das Köpfchen im Geburtskanal ertasten kann. Die Hebamme war auch richtig toll, sie hat mir sofort vertraut und meinte dann: "dann ist alles in Ordnung, dann darf das so sein". Es hat dann noch ein paar Wellen gebraucht, bis dann das Köpfchen draußen war. Die Zeit bis zur nächsten Welle hat sich dann so surreal angefühlt: ich habe gespürt, wie sich das Köpfchen im Wasser hin und her bewegt und der Körper sich auch in meinem Geburtskanal regt. Das war total schön, aber auch super komisch.

Bei der nächsten Welle war mein Sohn dann da (um 16.14 Uhr), was ich selbst jedoch gar nicht begriffen hatte. Bis die Hebamme meinte "na los, hol ihn dir aus dem Wasser". Wenn ich dann an diesen Moment denke, wie er mir auf der Brust lag (die Hebamme hat noch die Nabelschnur entwirrt, die 2x um seinen Hals war, was jedoch gar nichts ausgemacht hat), kommen mir heute noch vor Rührung die Tränen. Es hat dann noch ziemlich lange gedauert, bis die Plazenta kam, wofür ich auch einiges machen musste (Brüste stimulieren, Pressen, Katheter etc.), was mir aber alles egal war, weil ich auf so einer riesigen Glückswelle gesurft bin! Entgegen der Befürchtung hat mein Sohn auch keine Betreuung in der Kinderklinik benötigt.

Bzgl. der Hypnose muss ich sagen, dass sich diese unter Geburt ganz anders angefühlt hat als erwartet. Ich bin eigentlich ein sehr visueller Typ und hatte bei allen Hypnosen vorher sehr klare Bilder vor meinem inneren Auge. Die haben mir während der Geburt komplett gefehlt. Zunächst dachte ich, ich habe es nicht in die Hypnose geschafft. Aber ich habe mich ruhig und selbstbewusst gefühlt, weswegen mir das nichts ausgemacht hat.

Dann kamen jedoch Momente (Toilettengänge oder die Aussage über den Muttermund), in denen alles so viel intensiver wurde. Also denke ich schon, dass ich in der Hypnose war, sie war nur anders als das, was ich kannte. Es war mehr ein Zustand, ein Gefühl ganz ohne Bilder, Düfte oder Geräusche. Bei einer nächsten Geburt höre ich auf jeden Fall auf deinen Tipp, mir die Öffnung des Muttermundes nicht mehr mitteilen zu lassen.

Was mir auf jeden Fall unfassbar geholfen hat, war das Konzept der Hingabe. Das habe ich wirklich von Anfang bis Ende spüren können und es hat mir so viel Kraft gegeben! Ich habe mir die Geburt im Vorhinein immer ganz leise vorgestellt... letztendlich habe ich aber gemerkt, dass mein Körper laut sein will und habe das einfach zugelassen. Es fing an mit einem leisen, sich steigernden Tönen, bis ich schließlich in der Wanne den gesamten Kreißsaal zusammengebrüllt habe. Jedoch nicht vor Schmerzen, es hat sich stattdessen angefühlt wie eine Art kraftgebender Urschrei, der einfach immer wieder rausmuss und den ich gar nicht unterdrücken konnte oder wollte. Wie eine Naturgewalt, von der ich mich gerne habe mitreißen lassen.

Auch habrn mir dein Kurs, dein Podcast und die vorbereitenden Hypnosen wahnsinnig geholfen, bei mir zu bleiben. Auch die Hebammen haben mir die Rückmeldung gegeben, dass ich ein ganz tolles Körpergefühl gehabt hätte und dass sie selten Geburten begleiten, bei denen sie selbst so wenig (nämlich eigentlich gar nicht) anleiten oder unterstützen. Tatsächlich wurden wir die meiste Zeit alleine gelassen (außer ich hatte eine Frage, dann war sofort jemand da). Als ich dann in der Wanne war, waren 2 Hebammen und eine Studentin dauerhaft dabei, haben jedoch nichts weiter gemacht, als neben mir zu sitzen und mir auf meinen Wunsch hin kalte Tücher in den Nacken zu legen. Und das war genau richtig so.

Mein Mann wird hier auch kaum erwähnt, einfach weil ich unter Geburt nichts von ihm wissen wollte... er durfte mir Wasser reichen, sonst wollte ich aber einfach meine Ruhe haben, was er zum Glück respektiert hat. Sobald unser Sohn dann da war, war ich auch schlagartig wieder mit meinem Mann in Verbindung.

Ich muss rückblickend wirklich sagen: was für eine tolle Geburt! Ja, es war anstrengend. Ja, es war schmerzhaft. Aber noch viel mehr als das war es irgendwie bestärkend und so... lebendig! Ich bin eigentlich eine sehr pragmatische, rationale Frau. Aber durch die Geburt fühle ich mich, als sei ich in eine Art "Mysterium" über das natürlichste und ursprünglichste der Welt eingeweiht worden und darf nun für immer ein Teil dessen sein. 

Ich bin so glücklich darüber, diese Erfahrung gemacht zu haben. Ich bin dir also sehr dankbar für diese wunderbare Vorbereitung, wodurch du zu großen Teilen dazu beigetragen hast, dass ich meine absolute Traumgeburt erleben durfte.

Danke!

L.

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