Erfahrungsbericht
von L.
Geburtsbericht einer schnellen, wunderschönen Geburt
Wobei… ob das jetzt besonders schnell, oder außergewöhnlich langsam war, kommt auf die Betrachtungsweise an. Aber mehr dazu später…
Zur friedlichen Geburt habe ich schon in meiner ersten Schwangerschaft gefunden. 2022 habe ich zunächst angefangen, Kristins Podcast zu hören und war sofort begeistert von der Idee, dass Geburten nicht per se so schrecklich sein müssen, wie Fernsehen und viele Berichte von Müttern einen Glauben lassen.
Also habe ich mir zunächst das zugehörige Buch gekauft. Bevor ich so viel Geld in einen Onlinekurs investieren würde, wollte ich mir zuerst sicher sein, dass genau dieser Kurs der richtige für mich ist. Nachdem das Buch mich nur noch begeisterter von der Methode gemacht hat, habe ich zunächst ab der 30. SSW den Schnupperzugang genutzt und nachdem ich schon nach drei Tagen alle dort verfügbaren Inhalte gesehen hatte, habe ich den ganzen Kurs gebucht.
Einen Geburtsbericht zu meiner ersten Geburt gibt es hier bereits, daher werde ich da nun nicht näher drauf eingehen. Sie war jedenfalls so schön, dass ich mich schon wenige Stunden nach der Geburt bereits gefreut habe, vermutlich irgendwann noch einmal eine friedliche Geburt erleben zu dürfen. In der zweiten Schwangerschaft habe ich nun etwas früher wieder mit dem Kurs begonnen.
Schon zu Anfang des zweiten Trimesters, als das Erbrechen nicht mehr all meine Energie gefordert hat, habe ich den Zugang wieder aktiviert. Durch das erneute Beschäftigungsverbot durch meinen Arbeitgeber und da unser Sohn J. zur Tagesmutter ging, hatte ich nun also viel Zeit, um mir die inzwischen teils neuen Kursinhalte anzuschauen. Es fühlte sich wunderbar an, durch die Hypnosen nun eine Verbindung zu meinem Baby aufbauen zu können, was mir die ersten 16 SSW sehr schwer gefallen war, weil es mir so schlecht ging.
Ich hörte zu Anfang viel die Bewegungshypnose, da ich sie aus der ersten Schwangerschaft besonders positiv in Erinnerung hatte und weil ich froh war, mich wieder mehr bewegen zu können, ohne dass die kleinste „Belastung“ meines Körpers zu Erbrechen führte. Im Laufe der Schwangerschaft hörte ich mich quer durch alle Hypnosen.
Obwohl ich von der ersten Schwangerschaft noch einen sicheren Ort gehabt hätte, habe ich auch die Hypnose noch ein paar mal gemacht und es hat sich diesmal ein anderer Ort entwickelt. Auch im Wasser, aber kleiner und Höhlenartiger. Das Aquasound-Becken in meiner Lieblings Saunalandschaft, mit Entspannungsmusik, die man hört, wenn man auf dem Rücken auf dem Wasser schwebt und die Ohren unter Wasser sind und einem LED-Sternenhimmel über mir. Ein geschützter Ort, an dem mir das Wasser, das ich mir zur Geburt wünschte, auch sicher war, falls keine Geburtswanne frei wäre.
Irgendwann ergab es sich durch viele Gespräche mit meinem Mann S. und meiner Familie, dass mein Mann dieses Mal bei unserem Sohn zu Hause bleiben würde und meine Schwester L. - und falls sie nicht könnte, meine Mutter - mich zur Geburt begleiten würde. So würden sich alle am wohlsten fühlen. Meine Mutter und L. begannen also, sich in die friedliche Geburt einzuarbeiten.
Gegen Ende der Schwangerschaft haben sowohl meine Mutter, als auch meine Schwester mit mir ein paar Mal die Ankersetzung und die Übung der Geburtssituation gemacht. Da es von Anfang an gut klappte und alle sich wohl fühlten, haben wir es nicht so oft gemacht, wie empfohlen, aber für uns war es genug.
Wir haben uns zwar ständig gesehen, aber meist war einfach die Zeit mit „dem Großen“, der in der Schwangerschaft ja ohnehin schon viel hatte zurückstecken müssen, wichtiger als nochmal zu üben. Ansonsten habe ich an den meisten Abenden, wenn ich mit meinem schlafenden Sohn im Bett lag, mit dem Kopfhörerstirnband, das ich mir extra besorgt hatte, verschiedene Hypnosen gehört. In der 33. SSW hieß es dann, dass der Gebärmutterhals schon sehr weich sei und sich ein leichter Trichter bildet.
Die nächsten Wochen sollte ich also etwas ruhiger angehen lassen. Ich hatte zwar keine merklichen Wellen, aber habe trotzdem die Hypnose „Vorzeitige Wellen“ regelmäßig gehört, um mit meinem Unbewussten meinen Körper zu unterstützen, den GBH nicht noch weicher zu machen, damit die kleine Bauchzwergin noch etwas Zeit in meinem Bauch verbringen durfte. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt schon sehr in der Vorfreude auf die Geburt war und es kaum erwarten konnte, unsere Tochter endlich in den Armen zu halten.
Ab der 37. SSW habe ich dann zu den gegenteiligen Hypnosen gewechselt. Nun hörte ich regelmäßig „Geburtsbeginn mental fördern“, „Abschied von der Schwangerschaft“ und „Wellenablauf üben“. Und dann ging es auch schon bald los, dass ich gelegentlich Wellen spürte. Schon etwa zwei Wochen bevor der schnelle Endspurt los ging, hatte ich gelegentlich Wellen.
Eine Woche vor der Geburt war ich wie immer Mittwochs bei meiner Gynäkologin und fragte nach einer Eipollösung. Auch wenn es noch eineinhalb Wochen vor ET war, war ich schon ganz schön ungeduldig und hatte das Gefühl, dass es jetzt gerne losgehen könnte. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass der Muttermund schon fingerdurchlässig war, aber noch etwas nach hinten gerichtet war (je geburtsreifer er ist, desto mehr richtet sich der GBH nach vorne aus) und die Gynäkologin daher nur so eben mit der Fingerkuppe an die Fruchtblase kam und so keine Eipollösung möglich war. Aber der Befund stimmte mich optimistisch, dass die kleine Maus M. nicht wie ihr großer Bruder J. eingeleitet werden müsste.
Am Nachmittag machten mein Mann S. und ich mit dem Großen eine kleine Fahrradtour. Dank E-Bike konnte ich auch bei Steigung und im Wald gut mithalten, ohne mich allzu sehr anstrengen zu müssen. Durch die Vibrationen im Becken auf dem unebenen Waldboden hatte ich gelegentlich Wellen, die aber so sanft waren, dass ich dabei weiterfahren konnte. Zu Hause angekommen, waren sie auch gleich wieder weg.
Am nächsten Abend hatte ich dann schon die Hoffnung, dass es jetzt so weit ist. Nachdem ich meinen Sohn ins Bett gebracht hatte, hatte ich für drei Stunden in zwar größeren, aber regelmäßigen Abständen Wellen. Ich hab die Hypnosen „Geburtsbeginn mental fördern“ und „Abschied von der Schwangerschaft“ gehört und abgewartet.
Gegen 23 Uhr hörten die Wellen aber wieder auf und ich hab geschlafen, in der Hoffnung, dass es bald weiter geht und ich dann etwas erholter bin. In den folgenden Tagen hatte ich immer wieder Wellen. Sonntag dann den ganzen Tag lang, aber jeweils nur etwa eine pro Stunde. Abends verschwanden auch die wieder, aber das passte gut, denn da fand mein Mother Blessing statt.
Mit ein paar engen Vertrauten haben wir uns miteinander und mit unseren weiblichen Vorfahren verbunden, haben Wünsche für die kleine Maus formuliert, eine Geburtskerze gestaltet und uns von der Schwangerschaft langsam verabschiedet. Am folgenden Dienstag kam meine Hebamme erneut zu Besuch und auf meinen Wunsch hat sie geschaut, ob eine Eipollösung nun möglich war.
Der Muttermund war zweifingerdurchlässig und sogar schon bis auf 4 bis 5 cm dehnbar. Die Eipollösung war also kein Problem. Anschließend hat sie noch eine wehenfördernde Bauch- und Rückenmassage gemacht, die sehr gut tat. Am nächsten Tag haben wir Mittags unser neues Auto abgeholt und ich konnte - wie ich gehofft hatte - noch bei der Einweisung dabei sein und am Nachmittag haben wir mit dem neuen Wagen einen Familienausflug an den Rhein gemacht und sind dort etwas spazieren gegangen.
Abends war der Plan - wie immer mittwochs - zum Yoga zu gehen. Ich hätte um 19.30 Uhr Yoga gehabt. War auch da, aber kurz nachdem unsere Unterhaltungs-Runde zu Beginn vorbei war und der eigentliche Kurs begonnen hätte, hat mein Mann angerufen, dass J. seit einer halben Stunde nach mir weint. Der hatte bestimmt wieder so eine Vorahnung. (Eine Woche vor meinem positiven Schwangerschaftstest saß er mit mir auf der Couch, packte meinen Bauch aus und sagte „Da ist ein Baby drin!“) Ich hab ihn dann nämlich zum Schlafen gebracht und danach ging’s los.
Um ca. 20.30 Uhr ging der Schleimpfropf ab. Ich hab mich auf die Couch begeben, nochmal Kolostrum gesammelt und bin dann auf den Pezziball gegangen, hab die Hüften kreisen lassen und mit dem Ut-Öl, das eine befreundete Gynäkologin mir ein paar Tage zuvor mitgebracht hatte, meinen Bauch massiert, wie am Tag zuvor meine Hebamme. Dabei hab ich eine uralte Folge von Traumschiff gesehen. Eine Serie, die ich als Kind / Jugendliche oft mit meiner Schwester L. und meiner Mutter abends auf der Couch geguckt hab und die mich in schöne Kindheitserinnerungen zurückversetzt hat.
Das war auch die geborgene Situation, die ich mir für die Hypnose „Anker selbst setzen“ ausgesucht hatte. (Bei Traumschiff auf der Couch liegend, den Kopf auf Mamas Schoß, während sie mir sanft den Kopf krault und immer wieder die Haare hinters Ohr streicht.) Und dann ging’s auch schon los. So lange ich massiert habe, hatte ich nun relativ regelmäßig Wellen. Da ich sie aber nicht getrackt habe, konnte ich nicht sicher sagen, in welchen Abständen sie kamen.
Auch wenn ich mal aufgestanden bin, um zum Beispiel was aus der Küche zu holen, hatte ich jedes Mal eine Welle. Ansonsten saß ich massierend oder Hüfte kreisend auf dem Pezziball und hab bei jeder Welle die Augen geschlossen, Kristins Atmung angewendet und mich ganz der Welle hingegeben.
Irgendwann hab ich angefangen, mich für die meisten Wellen im Vierfüßlerstand über den Pezziball zu „hängen“ und auch hier wieder die Hüfte zu kreisen. Die Bewegung im Becken hat die gesamte Geburt über immer gut getan. Vielleicht weil es unserer Tochter M. geholfen hat, sich aus der Sternenguckerlage, die die Hebamme tags zuvor noch festgestellt hatte, mit dem Gesicht in Richtung meines Steißes zu drehen.
Um ca. 21.30 Uhr hab ich dann angefangen, in der WhatsApp-Gruppe mit meiner Mutter und L., die auf der Kirmes im benachbarten Stadtteil waren, Wellen-Emojis nach jeder Welle zu schicken. Die beiden hatten sich mit mir mit der friedlichen Geburt vorbereitet, da mein Mann - Schulmediziner durch und durch - keinen Zugang zu der Methode gefunden hatte und bei der Geburt unseres Sohnes durch seine Kenntnis der Risiken, aber fehlende Erfahrung in dem Fachgebiet, sehr nervös gewesen war. Er wollte diesmal also bei unserem Sohn zu Hause bleiben, während meine Mutter oder meine Schwester mich in den Kreißsaal begleiten würden.
Die Wellen waren dann schon in 5-10 Minuten Abstand, mit jeweils einmal 15 und einmal 20 Minuten Abstand dazwischen, als ich mich mit meinem Mann kuschelnd auf die Couch gelegt hatte. Also bat ich die beiden gegen 22 Uhr, sich auf den Weg zu machen, weil ich gerne noch in die Wanne gehen wollte und dafür gerne die zwei da hätte.
Sie sind dann mit dem Bus zu meinen Eltern nach Hause gefahren, um Mamas Tasche zu holen. Von da ging es mit dem Auto weiter die Tasche meiner Schwester holen und dann zu uns. Kurz bevor sie um 22.45 Uhr dann bei uns waren, steigerte sich die Intensität der Wellen und ich hab beschlossen, dass wir doch sofort in den Kreißsaal fahren. Nochmal nach Hause fahren könnten wir ja immer noch, dachte ich mir.
Trotz gesteigerter Intensität war ich mir zu dem Zeitpunkt nämlich noch gar nicht sicher, ob die Wellen nicht doch nochmal wieder verschwinden, wie sie es in den zwei Wochen zuvor ja bereits mehrfach getan hatten. Mittlerweile waren die Abstände allerdings bei 4 Minuten. L. rief im Kreißsaal an und kündigte, wie im Vorgespräch zum Hebammenkreißsaal besprochen, den Wunsch einer Wassergeburt an.
Auf der Fahrt zum Kreißsaal hab ich dann zum ersten Mal die Hypnose auf dem Kopfhörerstirnband an gemacht. Vorher hab ich mich während der Wellen einfach selbst in Hypnose begeben, ohne die Audiohypnose und hab zwischen den Wellen Traumschiff geschaut. „Wenn man TV schaut ist man ja laut Kristin auch in einem hypnoseähnlichen Zustand“, war mein Gedanke. Zumal das Traumschiff ja auch eher „Wohlfühl-Fernsehen“ ist und es mich an die geborgene Situation aus meiner Kindheit erinnert hat.
Auf der Fahrt zum Krankenhaus bekam ich am Rande noch mit, wie meine Mutter meiner Schwester noch leise sagte, dass sie zu dem Zeitpunkt der Geburten nicht mehr so ruhig gewesen sei. Das bestärkte mich erneut, mit der Methode die richtige Herangehensweise an die Geburten gewählt zu haben.
Um 23.20 Uhr am Krankenhaus angekommen, hat L. meine Mutter und mich direkt vor der Tür rausgeschmissen. Bevor ich aussteigen konnte, hab ich eine Welle veratmet, in der ersten Etage (ich hab mich fürs Treppensteigen entschieden, weil ich zuvor den Eindruck hatte, dass die Bewegung die Wellen fördert) hab ich eine Welle veratmet und direkt am Empfang vom Kreißsaal in der zweiten Etage auch wieder. Also war ich bei Abständen von 1-2 Minuten.
Meine Schwester hat das Auto weg gebracht und ist dann in den Kreißsaal hinterher gekommen und hat Mama abgelöst, weil primär sie als Begleitung geplant war. Der Kreißsaal mit der Geburtswanne war noch nicht frei bzw. musste noch kurz aufbereitet werden, also sind wir noch in ein Wehenzimmer / Wartezimmer gegangen. Da hab ich mich wieder im Vierfüßlerstand über den Pezziball gehangen.
Im Treppenhaus hatte ich festgestellt, dass es total gut tut, wenn Mama mir während einer Welle den unteren Rücken massiert / streichelt. Das habe ich L. in knappen Worten mitgeteilt und von da an hat sie es immer, wenn ich „Rücken“ sagte oder sie von sich aus merkte, dass ich gerade eine Welle habe, gemacht. Nach drei bis vier Wellen konnten wir dann auch schon in den Wannen-Kreißsaal wechseln. Da hab ich mich dann erst im Vierfüßlerstand über einen Sessel und kurze Zeit später wieder über einen Pezziball gehangen, während wir darauf gewartet haben, dass die Wanne vollläuft und L. unsere Sachen ausgepackt hat, die wir für die Hynose, die Anker und zum Snacken brauchten.
Dann hab ich noch einen Zugang und für eine halbe Stunde kabellose CTG-Sonden bekommen und durfte ab in die Wanne. Das tat gut. Ich hatte mich im Voraus für den Hebammenkreißsaal entschieden. Das ist einfach das Konzept, dass man zwar im KH-Kreißsaal entbindet, sonst aber alles ist wie im Geburtshaus. CTG nur intermittierend, keine Ärzte bei der Geburt, eins-zu-eins Betreuung durch eine Hebamme.
Also kam um 0.50 Uhr das CTG wieder ab. Da ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr wie vorher ganz still während der Wellen war, sondern anfing, zu tönen, untersuchte die Hebamme mich mit meiner Zustimmung zum ersten Mal vaginal. Ich wollte eigentlich das Ergebnis nicht wissen, habe aber trotzdem mitbekommen, dass sie sagte, dass der Muttermund bei 6-7 cm Öffnung war.
Da ich aber ca. eine Woche zuvor noch einen Geburtsbericht im Podcast gehört hatte, bei dem das Kind 10 Minuten nach einer Muttermundsöffnung von 5 cm geboren war, war mir das Ergebnis auch völlig egal. Ich wusste, dass es keinen Rückschluss über die weitere Dauer der Geburt zulässt.
Die Wellen wurden nochmal intensiver. Und wieder hab ich mich die meiste Zeit im Vierfüßlerstand über den Wannenrand gehangen. Nur mal zwei / drei Wellen am Stück lag ich in Rückenlage in der Wanne, um mich etwas auszuruhen und die Beine mal zu strecken, hab dann aber festgestellt, dass ich mich im Vierfüßler wohler fühle.
Meine Schwester hat mir die Hände gehalten, meinen unteren Rücken massiert oder Anker gesetzt, wenn ich auf Toilette war, als der Zugang gelegt wurde oder wenn sonst irgendetwas mich aus Hypnose hätte bringen können. Sie hat mir Wasser gereicht, welches ich zwischen den Wellen angenommen habe. Wenn sie mir das Wasser unwissentlich während einer Welle angeboten hat, habe ich einfach eine Hand gehoben, um zu signalisieren, dass es grade nicht passt.
Zwischendurch hat sie mir motivierende Sätze ins Ohr geflüstert und geschaut, dass zwischen mir und dem Wannenrand ihre Hände, Arme oder ein Handtuch als Polster waren. Irgendwann ging eigentlich eine Welle in die andere über. Pausen von 30-60 Sekunden waren schon lang. Teils fing die nächste schon an, bevor die vorherige ganz abgeklungen war. Kristins Aussagen in der Hypnose haben mir super geholfen, nicht daran zu denken, wie lang diese Wellen ohne Pause wohl noch anhalten werden. Meine „Pausen“ waren die Momente, an denen ich registriert habe, dass der Zenit einer Welle überschritten war und der Druck nachlässt, bevor er schon wieder anstieg, ohne dass er ganz weg war.
Um 1.20 Uhr wurde das CTG wieder dran gemacht. Ich schätze, weil ich während der Wellen mittlerweile ziemlich laut getönt habe. Kurze Zeit später hab ich auch geäußert, dass ich die kleine Maus bei jeder Welle deutlich am Steißbein spüre. Noch etwas später - ich kann nicht einschätzen wie lang, vermutlich nur wenige Minuten - hab ich darum gebeten, dass der Muttermund nochmal getastet wird, weil ich das Gefühl hatte, entweder pressen oder dringend auf Klo zu müssen.
Er war ganz auf und ich durfte pressen. L. hat von der "Hypnose zur Eröffnungsphase" zur "Hypnose zur Austrittsphase" gewechselt. Nach den ersten paar Wellen hat die Hebamme aufgrund gewisser Verunreinigungen, die sie nicht alle mit dem Kescher einzufangen waren, das Wasser ablassen müssen. Vielleicht auch, weil es mittlerweile deutlich abgekühlt war. Für mich war das bei Außentemperaturen von immer noch 20 Grad um Mitternacht eher erfrischend, für ein Neugeborenes wäre es aber vermutlich ein schockierender Temperatursturz.
Als das Wasser abgelaufen und die Wanne einmal ausgespült war, wurde begonnen, neues Wasser einzulassen. Damit ich dennoch die erleichternde Wirkung des warmen Wassers habe, hat die Hebamme mir immer wieder warmes Wasser über den Rücken gegossen, während ich mich über dem Wannenrand hängend an Händen und Armen meiner Schwester festgehalten habe und versucht habe, M. mit jeder Welle rauszuatmen. Richtig pressen fiel mir mittlerweile relativ schwer, da ich schon Stunden überwiegend im Vierfüßlerstand verbracht hatte und meine Beine mittlerweile zittrig wurden.
Irgendwann hat die Hebamme vorgeschlagen, mich auf den Rücken zu drehen. Ich vermute, weil man mir angesehen hat, dass ich mich kaum noch auf den Knien halten konnte. Außerdem hing mittlerweile mein Rücken ziemlich durch und das verlängert wohl den Geburtskanal, so dass das Baby nicht gut durchrutschen kann. Passend dazu sagte Kristin in der Hypnose gerade, dass ich auf die Vorschläge der Hebamme hören soll.
In Rückenlage hat die Hebamme nochmal das Köpfchen gefühlt und verkündet, dass die Maus kurz vor dem Ausgang steht und ich vermutlich nur noch einmal pressen muss, dann ist sie da. Und so war es dann auch. Auf beiden Seiten neben meinem Kopf hab ich die Hände meiner Schwester genommen, mich daran festgehalten und nochmal mit aller Kraft gepresst.
Um 1.49 Uhr ist M. in einem Rutsch mit Köpfchen und Körper geboren. Da das Wasser nur eine Hand breit hoch war, musste es kurz vor der letzten Welle wieder abgelassen werden, da es sonst für M. hätte gefährlich werden können. Bei der Geburt löst der Kontakt der Haut mit der Luft einen Atemreflex aus und wenn das Wasser nicht hoch genug ist, kann der Reflex ausgelöst werden, aber das Gesicht in dem bisschen Wasser sein, dass in der Wanne ist und somit würde das Kind das Wasser aspirieren.
Wir hatten also eine Wannengeburt, aber keine Wassergeburt. Eine laut Hebamme eher ungewöhnliche Kombination. Ich wollte sie eigentlich selbst auf die Brust nehmen, aber ich kam in der Position nicht an sie dran und hab die Hebamme gebeten, sie mir die wenigen cm, die meine Arme zu kurz waren, entgegen zu heben . Die Hebamme hatte abgewartet, ob ich sie selbst nehme, weil das so in meinem Geburtsplan stand.
Sobald M. auf meiner Brust lag, war mir klar, dass sie viel leichter als ihr Bruder (der 3600 g bei seiner Geburt hatte) ist. Ich begrüßte sie mit den Worten „Schön, dass du da bist“ auf dieser Welt. Meine Schwester hat wunschgemäß diesen Moment auf Video festgehalten. Ich bin so dankbar, dass ich ihn mir später anschauen und auch mit meiner Tochter teilen kann! Dann hab ich nach Auspulsieren der Nabelschnur selbst die Nabelschnur durchgeschnitten und anschließend mit ihr noch in der Wanne gekuschelt, bis die Plazenta geboren war.
Wie im Vorgespräch besprochen, hab ich dann 3 iE Oxytocin i.v. bekommen, welche eine bessere Ablösung der Plazenta bewirken. Kurze Zeit später kam die Plazenta in einem Rutsch raus und danach ging M. zu L. auf den Arm und ich hab mich mit Hilfe der Hebammen abgeduscht. Alles in Allem war es eine wunderschöne Geburt! Die ineinander übergehenden Wellen waren wahnsinnig herausfordernd, aber durch die Hypnose konnte ich mich auf den Moment konzentrieren und auch nur ein paar Sekunden Pause zwischen den Wellen wertschätzen.
Nach dem Abduschen bin ich dann aufs Kreißbett umgezogen, hab M. wieder genommen und das Ergebnis meiner Untersuchung war, dass ich bis auf eine leichte Abschürfung vorne keinerlei Geburtsverletzungen hatte, also nicht genäht werden musste. Somit konnten wir in Ruhe bonden, das erste Mal zum Stillen anlegen und durften auch meinen Mann anrufen und ihm mitteilen, dass er ins KH kommen kann.
Meine Mutter war vom KH wieder zu uns nach Hause gefahren und würde beim großen Bruder bleiben, bis sie morgens nach dem Frühstück mit ihm ins KH kommen könnte. Als mein Mann dann da war, durften meine Schwester, er und ich bei der U1 dabei sein, die gleich im Kreißsaal stattgefunden hat. M. ist 49 cm klein, hat einen Kopfumfang von 34 cm, ist 2.780 g leicht und kerngesund.

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